Diese Arbeit ist eine Betrachtung zur Molyneux-Frage anhand einiger Argumente zu G. W. Leibniz. Ich werde in diesem Essay über einen Versuchsaufbau sprechen, welchen ich das 'Molyneux-Problem optimaler Bedingungen' nennen möchte. In dieser Ausführung des Problems sollen die Bedingungen für die ehemals blinde, dann erstmals sehende Person so günstig wie möglich gestaltet werden, ohne von der Kernidee William Molyneuxs abzuweichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie G.W. Leibniz dem Molyneux-Problem begegnet
3. Eine Entgegnung zu Leibniz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das klassische Molyneux-Problem, welches die Frage aufwirft, ob ein von Geburt an blinder Mensch nach einer Heilung in der Lage wäre, allein durch den neu gewonnenen Sehsinn zwischen geometrischen Körpern wie einem Würfel und einer Kugel zu unterscheiden. Dabei setzt sich der Verfasser kritisch mit der erkenntnistheoretischen Position von Gottfried Wilhelm Leibniz auseinander, der diese Frage bejaht, und argumentiert stattdessen, dass eine solche visuelle Zuordnung ohne vorangegangene Verknüpfung der Sinneseindrücke mit abstrakten Begriffen unmöglich ist.
- Analyse der erkenntnistheoretischen Grundlagen des Molyneux-Problems.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Position von G.W. Leibniz.
- Konzeption des "Molyneux-Problems optimaler Bedingungen" zur methodischen Eingrenzung.
- Untersuchung der Verbindung zwischen Sinneserfahrung, abstrakten Begriffen und visueller Wahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
3. Eine Entgegnung zu Leibniz
Im Gegensatz zu Leibniz denke ich, dass es der Molyneux-Person selbst unter optimalen Bedingungen nicht möglich sein kann den Würfel von der Kugel allein visuell zu unterscheiden.
Ich kann Leibniz‘ Behauptung, es sei möglich von der Erfahrung eines vollständig neuen (noch erfahrungslosen) Sinnes auf den abstrakten Begriff geometrischer Konzepte zu schließen, nicht zustimmen.
Es scheint, dass die Blinde Person die abstrakten geometrischen Begriffe unserer Mathematik nur mittels Tastsinn und in Verbindung mit einer weiteren Komponente lernen kann.
Das möchte ich im Folgenden etwas genauer erläutern.
Stellen wir uns einmal den Lernprozess einer von Geburt an blinden Person bezüglich ihrer abstrakten geometrischen Begriffe mittels Tastsinn vor.
Zunächst einmal wird die blinde Person in den ersten Jahren ihres Lebens einige tausend verschiedene Objekte unterschiedlicher Formen ertasten und vermutlich relativ früh auch in ein (eigenes) System abstrakter geometrischer Begriffe ordnen. Diese Begriffe würden den selben Gesetzmäßigkeiten folgen, wie die abstrakten geometrischen Begriffe der uns bekannten Mathematik und wären auch in diese übertragbar. Jedoch wüsste die blinde Person nicht, würde man es ihr nicht sagen, dass die Tastempfindung, die sie z.B. zum Körper ‚Kugel‘ besitzt, das repräsentiert, was wir in unserem System abstrakter geometrischer Begriffe als Rundheit bzw. Einförmigkeit bezeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Molyneux-Problem ein, definiert den Versuchsaufbau und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der visuellen Unterscheidungsfähigkeit nach einer Blindheit.
2. Wie G.W. Leibniz dem Molyneux-Problem begegnet: Der Autor erläutert Leibniz' positive Antwort auf die Molyneux-Frage, die auf der Annahme basiert, dass der Mensch über angeborene abstrakte geometrische Ideen verfügt, die durch Sinneserfahrung lediglich bewusst werden.
3. Eine Entgegnung zu Leibniz: Hier widerspricht der Autor der Auffassung von Leibniz und argumentiert, dass eine visuelle Unterscheidung ohne die notwendige Verknüpfung von neuen Sinneseindrücken mit bereits gelernten tastbasierten Konzepten nicht möglich ist.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Leibniz das Verhältnis zwischen abstrakter Begriffsbildung und praktischer, bildhafter sinnlicher Wahrnehmung verkennt, weshalb die Molyneux-Person die gestellte Aufgabe nicht lösen kann.
Schlüsselwörter
Molyneux-Problem, Erkenntnistheorie, G.W. Leibniz, visuelle Wahrnehmung, Tastsinn, geometrische Begriffe, Sinneserfahrung, abstrakte Ideen, Wahrnehmungstheorie, blind geboren, Geometrie, Bewusstsein, empirische Wahrnehmung, Philosophie der Frühen Neuzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem erkenntnistheoretischen Molyneux-Problem, das die Frage aufwirft, ob ein ehemals Blinder allein durch das Sehen zwischen geometrischen Körpern unterscheiden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Verbindung zwischen verschiedenen Sinnen, die Entstehung abstrakter geometrischer Begriffe und die Rolle der Erfahrung für die visuelle Objekterkennung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Vernunft allein ausreicht, um visuelle Reize ohne vorherige Erfahrung in abstrakte Kategorien einzuordnen, wie es Leibniz postuliert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt die philosophische Argumentation, die durch ein selbst konzipiertes Gedankenspiel ("Molyneux-Problem optimaler Bedingungen") methodisch strukturiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird die Position von G.W. Leibniz detailliert analysiert und anschließend durch eine eigene Argumentation des Autors entkräftet, die auf dem Fehlen einer Verknüpfung zwischen Seh- und Tastsinn basiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Molyneux-Problem, Erkenntnistheorie, Sinneserfahrung, abstrakte Begriffe und Wahrnehmungstheorie charakterisieren.
Warum hält der Autor Leibniz' Argumentation für fehlerhaft?
Der Autor argumentiert, dass Leibniz das Verhältnis von abstrakten Begriffen zur sinnlichen Wahrnehmung verzerrt, da Begriffe ohne die spezifische Anbindung an die jeweilige Sinneserfahrung praktisch nicht auf neue Eindrücke anwendbar sind.
Welches Gedankenexperiment führt der Autor ein, um seine Position zu verdeutlichen?
Der Autor führt das Gedankenspiel eines "fünften Sinnes" ein, um zu illustrieren, dass wir einen völlig neuen Sinneseindruck ohne Rückgriff auf bereits bekannte Sinne nicht interpretieren oder auf abstrakte Konzepte beziehen könnten.
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- Julius Sieboldt (Author), 2017, Eine Betrachtung zum Molyneux-Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380946