Die Ölkatastrophe "Deepwater Horizon" aus wirtschaftsethischer Sicht


Hausarbeit, 2017
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geschehnisse auf der Deepwater Horizon

3 Ethische Imperative

4 Anwendungen der Ethiken
4.1 BP
4.2 Transocean

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Moralische Grundprinzipien dienen als Leitlinien in einer Welt, die viele Perspektiven beinhaltet und sowohl Chancen als auch Gefahren bietet. Verstößt man gegen seine eigenen Prinzipien, leidet nicht nur das eigene Empfinden darunter – auch andere können die Kosten unserer falschen Entscheidungen tragen.

Die Weltwirtschaft wächst, selbst mittelständische Unternehmen agieren heute teilweise auf internationaler Ebene. Die Frage lautet nur, zu welchem Preis sich das Wirtschaftswachstum verwirklichen lässt. Wenn man keinerlei Rücksicht auf die anderen Menschen um sich herum nimmt, kann man dann überhaupt noch von einer Gemeinschaft sprechen? Sollte das Glück jedes Einzelnen oder das der Gemeinschaft im Vordergrund stehen? Oder liegt das Glück der Gemeinschaft darin, dass jeder Einzelne von uns sein persönliches Glück verfolgt?

Insbesondere durch die globale Vernetzung entscheidungstragender Akteure ist es von zentraler Bedeutung, dass jeder Einzelne sich über die Konsequenzen seiner Handlungen im Klaren ist und eine persönliche moralische Grenze für sich festlegt.

Zur Veranschaulichung einiger ethischer Imperative wurde die Katastrophe der Ölplattform Deepwater Horizon aus dem Jahr 2010 gewählt. Es war ein Zusammenspiel aus technischen Mängeln und menschlichen Fehlentscheidungen, welches zu der bisher größten Ölkatastrophe im Golf von Mexico führte und sowohl die Umwelt, als auch die Menschen nachhaltig beeinflusste. Dabei sollen die ethischen Gesichtspunkte aus den Perspektiven von unterschiedlichen Akteuren betrachtet werden: dem Vorstandschef sowie BP selber und dem Chef-Elektriker Mike Williams als Vertreter von Transocean sowie der Firma selber.

Im Fazit wird anschließend kurz auf das moralische Verhalten von Konsumenten eingegangen.

2 Die Geschehnisse auf der Deepwater Horizon

Die 560 Mio. Dollar teure Ölplattform „Deepwater Horizon“, welche dem amerikanisch-schweizerischem Unternehmen Transocean gehörte, wurde im Auftrag des Leasingteilnehmers British Petroleum (BP) im Golf von Mexico eingesetzt, um Ölbohrungen durchzuführen.[1] Die Arbeiten lagen bereits weit hinter dem Zeitplan und mit jedem weiteren Tag – sogar mit jeder weiteren Stunde – verlor BP viel Geld.

BP hatte stets versucht, sich als umweltfreundliche Firma zu präsentieren. Da das Unternehmen in den Jahrzehnten zuvor immer wieder kurz vor dem Bankrott stand, wurde neben der Freisetzung vieler Mitarbeiter ab einem gewissen Zeitpunkt mehr und mehr eine strikte Strategie der Kostenreduzierung vorangetrieben, die sich in diesem Fall leider auf die Sicherheit auf der Ölplattform ausgewirkt hat.[2] Wenngleich BP großen Wert auf die Senkung der Personenschadensraten legte, kann davon jedoch nicht auf eine anhaltend hohe Prozesssicherheit geschlossen werden, da das Unternehmen die Instandhaltungs- und Sicherheitsmaßnahmen zurückfuhr und dadurch gleich zwei Unglücke innerhalb von 12 Monaten zu verantworten hatte.[3]

Dass Die Ölplattform in der ganzen Zeit zwischen dem 20.04.2010 und der Sicherheitsprüfung im September 2009 nicht einmal außer Betrieb war, zeigte sich auch in der langen Liste von Wartungsproblemen: Es wurden 390 Schäden gefunden, die einer sofortigen Reparatur bedurften; die Behebung aller Fehler hatte mehr als 3.500 Arbeitsstunden erfordert.[4] Die Schäden an der Ölplattform waren derart groß, dass man sie eigentlich mit sofortiger Wirkung aus dem Betrieb hätte nehmen müssen. Chef-Elektroniker Mike Williams erläuterte, dass die Crew aufgrund der vielen defekten Technik erfinderische sein musste, um die Arbeit auf der Ölplattform aufrecht zu erhalten.[5] Das Alarmsystem, welches durch das hohe Gasniveau eigentlich hatte ausgelöst werden sollen und damit jegliche Aktivitäten, die Funken erzeugen können, verboten hätte, wurde fahrlässiger Weise deaktiviert, um die Besatzung der Bohrinsel durch mögliche Fehlalarme in der Nacht nicht zu wecken.[6] Die Katastrophe nahm seinen Lauf. Es gab mehrere Explosionen, während die Mitarbeiter auf der brennenden Bohrinsel ausharren mussten, bis sie Hilfe erreichte. Die Bohrinsel brannte 36 Stunden und es mussten sogar Fachkräfte aus Holland und dem weit entfernten Houston gerufen werden, um das Feuer in Schach zu halten, bevor die Insel am 22. April schlussendlich ins Meer stürzte und versank.[7] Von den 126 Arbeitern starben elf Personen, 17 wurden bei der Katastrophe verletzt; zudem war die Rauchwolke über 30 Meilen weit zu sehen und als das Bohrloch am 15. Juli schließlich verschlossen werden konnte, waren bereits 205,8 Mio. Gallonen Öl in den Golf von Mexico ausgetreten.[8]

Der Ermittlungsausschuss stellte fest, dass fünf Fehlentscheidungen, welche aus alleinigen Kosten- bzw. Zeitgründen getroffen wurden, zu der Katstrophe führten:

- die Verwendung einer einfachen statt einer doppelwandigen Verkleidung des Bohrlochs
- die Verwendung von nur sechs statt 21 Zentrierhülsen für die Zementierung
- der Zementschichttest durch externe Angestellte (welche bereits vor Ort waren) wurde abgesagt
- der Bohrschlamm wurde vor der Zementierung nicht einmal komplett zirkuliert
- die Befestigung am Bohrloch wurde nicht ausreichend gesichert[9]

Es gab internen Mailverkehr zwischen den Mitarbeitern, in welchem über den Einsatz von nur sechs Zentrierhülsen diskutiert und Sorge angesichts des schlechten Sicherheitszustandes der Plattform geäußert wurde.[10] BP war mit 65 Prozent an dem Projekt beteiligt und verfügte über die operative Entscheidungsbefugnis, doch die Mitarbeiter, welche zum Großteil für die Firma Transocean arbeiteten und die Mehrheit der Arbeiten durchführten, hatten eine enorme Befugnis über betriebliche und Instandhaltungsentscheidungen.[11] Mehrere Entscheidungsträger waren nur für weniger Monate oder sogar nur Tage in ihrer derzeitigen Position.[12]

BP verpflichtete sich, jede Person zu entschädigen, die durch die Ölkatastrophe Schaden genommen hatte. In Einvernehmen mit der Regierung wurde am 16.06.2010 der Treuhandfond „Gulf Coast Claims Facility“ (GCCF) geöffnet, welcher auf 20 Mrd. Dollar angesetzt war und durch den nach mehr als 500.000 Forderungen über 3,6 Mrd. Dollar an 170.000 Menschen und Unternehmen gezahlt wurde.[13] Es wurde zudem ein eigenes Schadensersatzprogramm („Deepwater Horizon Economic and Property Damages Settlement“) eingerichtet, für welches das Gericht noch bis zum 8.06.2015 Anträge akzeptierte.[14] Die Wiederherstellungsaktionen laufen derzeit; laut dem Wiederherstellungsplan wird BP insgesamt 8,8 Mrd. Dollar an die unterschiedlichen Golfstaaten zahlen, um die Verletzung der natürlichen Ressourcen wieder zu kompensieren.[15]

Williams kritisierte später, dass die Journalisten einzig über die ökologischen Folgen der Katastrophe und nicht über die elf Toten berichteten, weswegen er beschloss, seine Sichtweise durch den Film „Deepwater Horizon“ aus dem Jahr 2016 nach außen zu tragen.[16]

Nach der Katastrophe beteuert der BP-Vorstandsvorsitzende die Unschuld seiner Firma. Dennoch möchte und wird sich BP laut seiner Aussage um die Opfer der Ölkatastrophe kümmern. Er übernahm das Krisenmanagement für diese Katastrophe. Allerdings wurden einige Aussagen seinerseits hart kritisiert. So äußerte er mehrfach, dass die Folgen nicht so gravierend seien. Haywards berühmtester Satz: "I'd like my life back", wurde besonders stark kritisiert.[17] Mitte Juni 2010 fuhr er zum Segeln, was wiederum ein negatives Licht auf ihn warf. Schließlich wurde er im Juni 2010 von Robert Dudley (BP-Manager) als Krisenmanager abgelöst.[18] Im Oktober trat er schließlich vollkommen als Vorstandsvorsitzender von BP zurück.[19]

Über 320 Meilen Küste wurden verschmutzt, zudem war die Ölkatastrophe für das Dahinscheiden unzähliger Vögel, Fische und Reptilien verantwortlich und fand während der Brutzeit für Pelikane, Garnelen und Alligatoren statt, wodurch ganze Generationen dieser Arten verloren sein könnten.[20] BP bot den Fischern Entschädigungszahlungen an; mit dem Unterzeichnen des Vertrages verlor dieser dann jedoch das Recht darauf, den Konzern zu verklagen.[21] Zudem versuchte BP, eine Vielzahl von Forschern und Wissenschaftlern entlang der Golfküste unter Vertrag zu nehmen. Offiziell wollte das Unternehmen sie zur Untersuchung des Unglückes und der Umweltfolgen anwerben, das eigentliche Ziel war jedoch reiner Selbstschutz. Durch eine Verschwiegenheitsvereinbarung verpflichteten sich die Wissenschaftler dazu, mindestens drei Jahre lang keinerlei Informationen und Daten, die sie über die Katastrophe gesammelt haben, zu verbreiten, zu veröffentlichen oder sogar darüber zu sprechen.[22]

Das Unternehmen Halliburton Energy Services Inc. gab zudem zu, nach der Katstrophe Beweise für die getroffenen Fehlentscheidungen vernichtet zu haben, bekannte sich jedoch im Anschluss daran schuldig.[23]

3 Ethische Imperative

Tugendethik

Unter der Tugendethik von Aristoteles wird der Ausgleich zwischen dem Mangel und dem Übermaß verschiedener Tugenden verstanden. Zu diesen gehören bspw. Hochsinn, gesunder Ehrgeiz, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und einige mehr. Letztere wird besonders betont und meint die Gerechtigkeit des Allgemeinen oder des Gesetzes. Hierfür wird Klugheit vorausgesetzt. Das übergeordnete Ziel dieser Ethik ist Glückseligkeit. Ein Augenmerk erfolgt hier auf die Zufriedenheit, jedoch ohne sich zu bereichern.[24]

Gesinnungsethik

Der Grundgedanke der Gesinnungsethik entsprang Immanuel Kant. Er fundierte moralisches Handeln weder theologisch noch dogmatisch. Kant war, anders als Aristoteles, der Meinung Glückseligkeit sei nicht objektiv. So sei die Entscheidung des Handelns aufgrund der Gesinnung und nicht von Triebhaftigkeit bedingt. Auf den Folgen der Handlungen wird hier kein Augenmerk gelegt, sondern auf die Intention.[25] Kant erklärte: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“[26] Die Maxime wird als Regel verstanden, welche die Individuen selbst kreieren. Innerhalb einer Gesellschaft würden sich somit alle identisch und tugendhaft verhalten. Der Handelnde wäre diesen Umständen ebenfalls ausgesetzt, was zum Nachdenken seines eigenen Tuns anregen sollte. Kant stellt unter anderem eine Publizitätsregel auf, welche von unmoralischem Verhalten spricht, sollten andere durch das Verschweigen von Informationen unverhältnismäßig in ihren Rechten eingeschränkt werden. Ein fiktives Beispiel für derartig unmoralisches Handeln wäre das Verschweigen von Vertragsinhalten einer Garantieverlängerung, um diese besser verkaufen zu können.[27] Da Menschen jedoch unterschiedliche Ansichten vertreten, kann sich daraus ein hohes Spannungsfeld ergeben.[28]

Zukunftsverantwortungsethik

Hans Jonas meinte, es bedarf einer Ethik, die der Zeit und dem Fortschritt der Technik wie auch der damit einhergehenden Änderung der Form des menschlichen Handelns angepasst sei und an die westliche Industriewelt gerichtet ist. Die bisherigen Ethiken werden den veränderten Umständen nicht gerecht werden. Somit schaffte er eine Fernethik und appellierte für nachhaltiges Denken und Tun. Laut Joans soll nicht mehr die Gesinnung und das Gewissen im Vordergrund stehen, sondern das Augenmerk auf die Folgen des Handels gelegt werden. Diese entscheiden über das Tun. Das Gewissen soll hier miteinbezogen werden, tritt aber nach der Berücksichtigung der Folgen an hinterer Stelle. Somit sollen die Handlungen der Menschen mit dem ewigen Leben für Mensch und Natur vereinbar sein. Im Zusammenhang damit erklärt man die Heuristik der Furcht, die er ebenfalls anspricht. Somit soll den Menschen bewusst sein, was zu schützen ist, da die Folgen abgewogen werden und Furcht vor diesen entsteht. Es wird hier nicht nur an einzelne Personen appelliert oder an die zwischenmenschlichen Beziehungen gedacht, es geht hier mehr um ein Kollektiv.[29] Jonas sagt: „Der Mensch ist das einzige uns bekannte Wesen, das Verantwortung haben kann. In dem er sie haben kann, hat er sie.“[30] Beispielsweise wird ein Durchbruch in der Forschung zunächst als positiv betrachtet, aber welche Folgen haben diese Forschungen in Bezug auf Mensch und Natur? Sind diese negativ oder gar nicht abschätzbar, wird das als unmoralisches Handeln gewertet.

Diskursethik

Die Diskursethik ist keine Bereichsethik, sondern eine Prinzipienethik und erhebt damit den Anspruch einer allgemeinen Ethik.[31] Bei der Ethik von Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel gibt es Widersprüche zu den bisherigen Ethiken. In der Vertragsethik oder dem Utilitarismus wird aus dem Istzustand ein Sollzustand abgeleitet.[32] Nach David Hume wird daraus der sogenannte naturalistische Fehlschluss bekannt und somit in den Ethiken Beachtung annehmen. Als Ziel dieser Ethik wird die Beseitigung sozial bedingter Ungleichheiten verstanden. Die Transzendentalpragmatik, nennt Apel die Richtung seiner Philosophie, welche die Fragestellung nach den „Bedingungen der Möglichkeit für etwas“[33] beinhaltet.[34] Parallelen zu Kants Ethik gibt es in der Allgemeingültigkeit des Moralprinzips. Diese wird hier nicht vom Einzelnen aufgrund seiner Maxime bestimmt, sondern von allen Beteiligten gemeinsam innerhalb eines Diskurses. Hierfür sind folgende Voraussetzungen erforderlich. Zum einen sind alle Beteiligten gleichgestellte Gesprächspartner. Es müssen Argumente hervorgebracht werden, welche Sinn ergeben. Das Ziel eines Diskurses soll immer eine übereinstimmende Auffassung sein. Die Aufrichtigkeit der Diskussionspartner ist ebenso von Bedeutung. Jene, die zweifeln, bleiben Diskussionspartner durch Anbringen eines Zweifels.[35] Apel hat zudem den Geltungsanspruch, dass es nicht nur allgemein gültig sei, sondern notwendig. Weiterhin werden lt. Apel zwei Voraussetzungen getroffen. Zum einen eine reale und eine ideale Kommunikationsgesellschaft. Erstere schreibt den Mitgliedszustand aufgrund eines eigenen Sozialisationsprozesses vor. Die Ideale Kommunikationsgesellschaft erklärt, dass die Mitglieder von Grund auf im Stande wären, die Wahrheit zu erblicken und den Sinn der Argumente angemessen zu verstehen.[36]

Jürgen Habermas systematisierte innerhalb der Diskursethik dabei Argumentationsregeln, welche sich in drei Gruppen einteilen lassen.

„(1.1) Kein Sprecher darf sich widersprechen.

(1.2) Jeder Sprecher, der ein Prädikat F auf einen Gegenstand a anwendet, muss bereit sein, F auf jeden anderen Gegenstand, der a in allen relevanten Hinsichten gleicht, anzuwenden.

(1.3) Verschiedene Sprecher dürfen den gleichen Ausdruck nicht mit verschiedenen Bedeutungen benutzen.“[37]

„(2.1) Jeder Sprecher darf nur das behaupten, was er selbst glaubt.

(2.2) Wer eine Aussage oder Norm, die nicht Gegenstand der Diskussion ist, angreift, muss hierfür einen Grund angeben.“[38]

„(3.1) Jedes sprach- und handlungsfähige Subjekt darf an Diskursen teilnehmen.

(3.2) a. Jeder darf jede Behauptung problematisieren.

b. Jeder darf jede Behauptung in den Diskurs einführen.

c. Jeder darf seine Einstellungen, Bedürfnisse und Wünsche äußern.

(3.3) Kein Sprecher darf durch innerhalb oder außerhalb des Diskurses herrschenden Zwang daran gehindert werden, seine in (3.1) und (3.2) festgelegten Rechte wahrzunehmen.“[39]

Nicht in allem, ohne darauf weiter einzugehen, waren sich die oft genannten Verfechter der Diskursethik einig.[40] So sollen im Folgenden nur die hier angebrachten Kritikpunkte auf moralisches oder unmoralisches Handeln schließen lassen.

Utilitaristische Ethik

Das Wort utilis kommt aus dem Lateinischen und bedeutet nützlich. Diese Ethik wird daher auch Nützlichkeitsethik genannt. Die aus den damaligen unfairen Zuständen zwischen den Regierenden und dem Volke entstandene Utilitaristische Ethik ersetzt mit der erwartenden Konsequenz Kants Würde des Einzelnen.[41] Die deontologischen Theorien wissen um die Bedeutung der Mitmenschen, benachteiligen jedoch das Hervorrufen positiver Resultate bzw. Folgen. Beim Egoismus erfolgt es genau anders herum. Die Nützlichkeitsethik soll hier die Vorzüge vereinen und die Nachteile beider umgehen.[42] In dieser teleologischen Ethik werden zwar nicht alle Kennzeichen dieses Ansatzes erfüllt, jedoch ist es einer der ersten Ethiken welche Tiere als Wesen auch berücksichtigt.[43] Für die Nützlichkeitsethik muss die Voraussetzung gegeben sein, dass man positive und negative Folgen messbar machen kann, um diese gegenüberzustellen. Das Ergebnis daraus soll das Maximum des Gratifikationswertes aller Handlungsbetroffenen sein.[44] Drei Verfechter dieser Ethik sind Jeremias Bentham, John Stuart Mills und Adam Smith.

Bentham fand seinen Einstieg in zwei menschlichen Grundkonstanten. Zum einen das Trachten nach Lust und der Entziehung von Schmerz/Leid. Der Mensch sehnt sich nach dem, was ihm Vergnügen bereitet. Daraus schlussfolgert Bentham, dass es der Grundgedanke menschlichen Handelns ist, das Optimum des Glücks mit der höchsten Zahl des Nutzens zu erlangen.[45] Hierfür gibt es vier Grundprinzipien. Dazu gehört das Konsequenzprinzip, welches die Beurteilung der Moral durch die Folgen innehat. Das Utilitätsprinzip, welches moralisches Verhalten über die positiveren Folgen eines Handelns über denen einer Alternative stellt. Der Hedonismus, als drittes aufgeführtes Prinzip, beschreibt die positive Auswirkung auf das menschliche Leben, wenn der Wille gedeckt ist. Und schlussendlich das Allgemeinheitsprinzip. Dieses spricht für eine auf die Gemeinschaft ausgerichtete Ethik und gegen eine Individualethik.[46] Das Anwenden dieser Ethik erfolgt nach Bentham auf Grundlage von sieben Kriterien und zwar: „Intensität, Dauer, Gewissheit, Nähe, Folgenträchtigkeit, Reinheit und Wirkungsradius.“[47] Bentham skizziert den Quantitativen Hedonismus, welcher die Quantität des Glücks über die Qualität dessen stellt.[48]

Einen Qualitativen Ansatz des Utiltarismus beschreibt J. S. Mills. Er findet die Qualität des Glückes und des Nutzens ebenso bedeutsam. Die geistige oder die intellektuelle Befriedung wird über die der körperlichen gestellt. Das wird auch als quantitativer Hedonismus bezeichnet.[49] Mills schreibt: „Von zwei Freuden ist diejenige wünschenswerter, die von allen oder nahezu allen, die beide erfahren haben […] entschieden bevorzugt wird“.[50] Demnach sind die Handlungen unmoralisch, welche nicht zum maximalen intellektuellem Glück der Gemeinschaft führen.

Der zuletzt genannte Verfechter, Adam Smith, wird als Grenzgänger der Ethik bezeichnet. Smith beschreibt den Hauptgedanken dieser Ethik mit Sympathie. Die Sympathie wird hier als Fertigkeit der Menschen verstanden, sich in Handlungen anderer hineinversetzen zu können, autonom von deren Absichten. Der Mensch richtet sich somit nach Sympathie.[51] Gemäß dessen ist etwas, in das man sich nicht hineinversetzen kann bzw. etwas, was nicht nachvollziehbar ist, unmoralisch. Smith hatte ein wohlwollendes und ein reales Bild des Menschen. Damit hat er Th. Hobbes widersprochen. Die Sympathie wird ebenfalls als Triebfeder der Allgemeinheit und der menschlichen Arbeit gesehen.[52]

Gerechtigkeitsethik

Nach einem für Rawls einflussreichen Besuch in Hiroshima, nicht lange nach dem Abwurf der Atombombe, stärkte dies seinen Entschluss, philosophisch der Frage der Gerechtigkeit nachzugehen. In seinem Hauptwerk „die Theorie der Gerechtigkeit“ von 1971, welche als Gegenentwurf des Utilitarismus oder als Grundlage der politischen Philosophie galt, beschäftigte er sich daher mit der Gerechtigkeit.[53] In eben diesem Werk kommt er zu dem Schluss, dass die klassischen Vertragsethiken und andere Individualethiken zur Problemlösung nicht mehr in der Lage seien, da die Gerechtigkeit in den zuvor genannten Theorien nur als kollektives Glück gelte und den einzelnen Menschen dabei vernachlässige.[54] Die Grundsätze bzw. Prinzipien dieser Ethik können nur in einer gerechten Ausgangslage geschaffen werden. Rawls beschreibt den Urzustand als solch eine Lage und definiert diesen mit dem „Schleier des Nichtwissens“. Dieser wird charakterisiert durch Unwissenheit über den sozialen Standpunkt, die Klasse oder den Status. Aus diesem Punkt heraus würde jeder sich die schlechteste Situation vorstellen können und sich diese am bekömmlichsten machen.[55]

Im Mittelpunkt der Ethik von Rawls stehen zwei Grundsätze der Gerechtigkeit. Mit dem ersten Grundprinzip distanziert er sich von der Nutzenethik, räumt damit nicht zu verletzende Menschenrechte ein und beschreibt das Freiheitsprinzip folgendermaßen:[56]

„Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, das für alle möglich ist.“[57]

Da eine andauernde Gleichverteilung aber den Fortschritt ausbremsen würde, galt es Ungleichheiten zuzulassen. Hierfür hat Rawls die Lösung in seinem zweiten Grundsatz, dem Unterschiedsprinzip, gefunden. Dieser wird zweigeteilt.[58] Zum einem wird der Grundsatz der Verteilung sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheiten wie folgt zugelassen: „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind erlaubt, sofern sie den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen.“[59]

Die zweite Unterteilung des Prinzips wird auch Chancengleichheitsprinzip genannt und bezieht sich auf Ämter und Positionen im wirtschaftlichen Bereich.[60]

„Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen folgendermaßen beschaffen sein: Sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offen stehe.“[61]

Rawls legte ebenso fest, dass das zuerst zitierte Freiheitsprinzip übergeordnet sei, ohne Ausnahmen galt und dieser Grundsatz erfüllt sein muss, bevor die nächsten zum Ansatz kommen.[62]

Vertragstheorie

Zwei Begründer der Vertragstheorie sind Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau.

Hobbes galt als wesentlicher Begründer der Vertragstheorie und wurde stark durch die kampfbereite und revolutionäre Zeit Englands beeinflusst bzw. geprägt. Weiterhin war er begeistert von den Naturwissenschaften, den damit verbundenen Erklärungen zur Weltentstehung und dem daraus resultierenden Fernbleiben der theologischen Welterklärung. Hobbes machte ein Gedankenspiel, indem er die Menschen in den Urzustand versetzt und kommt zu dem Entschluss, aufgrund seines egoistischen Menschenbildes, dass dieses „im Krieg aller gegen aller“ enden würde. Somit ließe es sich auf längere Sicht vorteilhafter Leben, indem sich die Gesellschaft untereinander vertraglich auf etwaige Rechten und Pflichten einige. Die Moral entsteht hier nicht durch die Kunde über gut oder schlecht, sondern durch die Übereinkunft miteinander.[63]

[...]


[1] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 1

[2] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 3 ff.

[3] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 5

[4] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 8

[5] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 8

[6] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 1

[7] Vgl. Johannes Schmitt-Tegge, Internetrecherche vom 8.06.2017

[8] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 2

[9] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 21

[10] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 12 ff.

[11] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 7 f.

[12] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 9

[13] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 18

[14] Vgl. Deepwater Horizon Economic Settlement, Internetrecherche vom 10.06.2017

[15] Vgl. Office of Response and Restauration, Internetrecherche vom 10.06.2017

[16] Vgl. ZEIT ONLINE GmbH, Internetrecherche vom 3.05.2017

[17] Vgl. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/tony-hayward-der-falsche-ton/1892094.html

[18] Vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tony-hayward-bp-chef-muss-oelpest-krisenmanagement-abgeben-a-701617.html

[19] Vgl. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Hayward-tritt-zurueck-article1141206.html

[20] Vgl. Ingersoll, C./Locke, R. M./Reavis, C., S. 17

[21] Vgl. Gray, S., Internetrecherche vom 17.06.2017

[22] Vgl. CBS Interactive Inc., Internetrecherche vom 15.06.2017

[23] Vgl. The United States Department of Justice, Internetrecherche vom 15.06.2017

[24] Vgl. Westphal S. 148 ff.

[25] Vgl. Westphal S. 164, ähnlich Düwel S. 128 – 129, ähnlich Conrad S. 22 - 25

[26] Conrad S. 25

[27] Vgl. Conrad S. 22-25, ähnlich Düwel S. 128 – 129, ähnlich Westphal S. 164

[28] Vgl. Dietzfelbinger S. 56

[29] Vgl. Frey S. 162 – 167, ähnlich Westphal S. 166 – 170, ähnlich Conrad S. 56

[30] Westphal S. 168, Primärquellen sh. darin

[31] Vgl. Düwel S. 140

[32] Vgl. Holzmann S. 60

[33] Reese S. 4

[34] Vgl. Reese S. 49 - 50

[35] Vgl. Westphal S. 171 f.

[36] Vgl. Reese S. 59

[37] Habermas, J. (1999), S. 97

[38] Habermas, J. (1999), S. 98

[39] Habermas, J. (1999), S. 99

[40] Vgl. Reese S. 81 ff.

[41] Vgl. Holzmann s. 48 ff.

[42] Vgl. Frankena S. 35, ähnlich Düwel S. 122

[43] Vgl. Ludger S. 195 ff.

[44] Vgl. Frankena S. 35, ähnlich Westphal S. 175

[45] Vgl. Dietzfelbinger S. 33

[46] Vgl. Holzmann S. 48 47, ähnlich Düwel S. 95, ähnlich Westphal S. 175

[47] Frankena S. 35

[48] Vgl. Dietzfelbinger S. 33, ähnlich Westphal S. 177, ähnlich Frey S. 117

[49] Vgl. Frey S. 117, ähnlich Westphal S. 177, ähnlich Dietzfelbinger S. 33

[50] Frey S: 118, Primärquellen sh. darin

[51] Vgl. Dietzfelbinger S. 32

[52] Vgl. Lüthy S. 84, ähnlich Westphal S. 179

[53] Vgl. Lüthy S. 53, ähnlich Frey S. 228, ähnlich Düwel S. 179, ähnlich Westphal S. 180

[54] Vgl. Düwel S. 179, ähnlich Frey S. 230, ähnlich Holzmann S .58

[55] Vgl. Holzmann S. 58, ähnlich Westphal S. 182, ähnlich Frey S. 228

[56] Vgl. Westphal S. 183, ähnlich Düwel S. 179

[57] Frey S. 230, Primärquellen sh. darin

[58] Vgl. Lüthy S. 59

[59] Frey, S. 231, Primärquellen sh. darin

[60] Vgl. Lüthy S. 60, ähnlich Frey S. 228

[61] Lüthy S. 60

[62] Vgl. Westphal S. 183, ähnlich Frey S. 231, ähnlich Lüthy S. 60

[63] Vgl. Holzmann S. 54 ff., ähnlich Frey S. 190 ff. Düwel S. 169 - 170

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Ölkatastrophe "Deepwater Horizon" aus wirtschaftsethischer Sicht
Hochschule
Hochschule Wismar  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,7
Autoren
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V380962
ISBN (eBook)
9783668575110
ISBN (Buch)
9783668575127
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Wirtschaftsethik, Wirtschaft, Ölkatastrophe, Ethische Imperative, Deepwater Horizon
Arbeit zitieren
Annabell Domke (Autor)Anne-Kathrin Zuther (Autor), 2017, Die Ölkatastrophe "Deepwater Horizon" aus wirtschaftsethischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380962

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