Handys am Steuer sind heutzutage keine Seltenheit mehr – ob an der Ampel, im Stau oder wenn während der Fahrt schnell eine WhatsApp-Nachricht beantwortet wird. Eigentlich keine große Sache, oder? Falsch. Studien belegen, dass die Nutzung eines Smartphones während der Fahrt das Unfallrisiko um das Dreifache erhöht. Bei über 30% aller Unfälle spielt die Ablenkung des Fahrers eine Rolle – eine Ablenkung, die allzu oft von einem vermeintlich harmlosen Blick auf das Handy zurückzuführen ist. Doch wie kann man diesem Umstand entgegenwirken? Die Änderung der Gesetzeslage scheint wirkungslos, Aufklärung stößt auf taube Ohren.
In ihrem Buch „Wie kann die Benutzung von Smartphones am Steuer effektiv vermieden werden?“ beschreibt Natascha Koppermann neue Wege, die direkt beim menschlichen Verhalten ansetzen. Durch Experteninterviews und eine Analyse der aktuellen Lösungsversuche – gepaart mit spannenden Fakten – gibt sie einen ernüchternden Einblick in das Fahrverhalten der deutschen Autofahrer.
Aus dem Inhalt:
Verkehrspsychologie;
Verhaltensänderung;
Smartphone am Steuer;
Verkehrssicherheit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Problembeschreibung
1.2 Forschungsziele und Leitfragen
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Abgrenzung
2 Bestehende Interventionen zur Verhinderung der Smartphone-Nutzung am Steuer
2.1 Enforcement
2.1.1 Gesetzliche Regelung
2.1.2 Sanktionen
2.2 Polizeiliche Kontrollen
2.3 Education
2.4 Fahrausbildung
2.4.1 Verkehrserziehung an Schulen
2.4.2 Kampagnen
2.5 Encouragement / Economy
2.6 Engineering
3 Verhaltensänderung
3.1 Einflussfaktoren auf das Verhalten
3.1.1 Theorien der Verhaltenserklärung
3.1.2 Verhaltensänderung aufgrund der Theorie des geplanten Verhaltens
3.2 Wirkmechanismen bisheriger Maßnahmen
3.2.1 Enforcement: Verhaltensänderung durch Bestrafung
3.2.2 Education: Verhaltensänderung durch persuasive Kommunikation
3.3 Zusammenfassung
4 Methoden
4.1 Befragung
4.1.1 Population und Stichprobe
4.1.2 Konzeption
4.1.3 Auswertungsmethoden
4.2 Experteninterviews
5 Ergebnisse der empirischen Datenerhebung
5.1 Datenanalyse der Online-Befragung
5.1.1 Stichprobenverteilung
5.1.2 Tätigkeiten und Motive
5.1.3 Wirkung von Enforcement
5.1.4 Wirkung von Education
5.1.5 Einflussfaktoren auf das Verhalten – quantitative Analyse
5.1.6 Einflussfaktoren auf das Verhalten – qualitative Analyse
5.2 Zentrale Erkenntnisse aus den Experteninterviews
5.2.1 Sven Rademacher, DVR
5.2.2 Sabine Darjus, Fahrlehrerverband Hamburg e. V.
5.2.3 Dr. Katja Schleinitz, Uni Chemnitz
5.2.4 Zentrale Tendenzen der Experteninterviews
5.3 Interpretation
5.3.1 Zielgruppe
5.3.2 Motive und Tätigkeiten
5.3.3 Einflussfaktoren auf das Verhalten
5.3.4 Wirkung bisheriger Maßnahmen
6 Handlungsempfehlungen
6.1 Durchzuführende Maßnahmen
6.2 Stakeholder
6.3 Kraftfeldanalyse
6.4 Umsetzungsprozess
6.5 Zusammenfassung
7 Diskussion
7.1 Kritische Reflexion des Vorgehens
7.2 Güte der Befragung
7.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das hohe Unfallrisiko durch die Smartphone-Nutzung am Steuer und evaluiert Strategien zur nachhaltigen Verhaltensänderung bei Autofahrern. Das primäre Ziel besteht darin, auf Basis theoretischer Analysen und empirischer Datenerhebung konkrete Handlungsempfehlungen für die Verkehrssicherheit zu entwickeln, die über bloße Sanktionen hinausgehen.
- Analyse bestehender Interventionen (Enforcement, Education, Engineering)
- Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens zur Verhaltensbeeinflussung
- Empirische Online-Befragung zur Smartphone-Nutzung und Gefahrenwahrnehmung
- Experteninterviews mit Vertretern aus Politik, Fahrschulwesen und Forschung
- Entwicklung eines strategischen Veränderungsprozesses für nachhaltiges Fahrverhalten
Auszug aus dem Buch
1.1 Hintergrund und Problembeschreibung
Wer das Smartphone am Steuer nutzt, erhöht sein Unfallrisiko um mehr als das Dreifache. Fahrer, die das Smartphone nutzen, sind stärker beeinträchtigt als alkoholisierte Fahrer. Sie fahren schneller, übersehen mehr Warnhinweise und haben eine längere Reaktionszeit. Das Bedienen eines Telefons und das Schreiben von Nachrichten beim Fahren ist vergleichbar mit 1,0‰ Blutalkohol-gehalt. Dies ist unter anderem der Blickabwendung von der Straße geschuldet: Eine Sekunde Ablenkung durch das Smartphone bedeutet 14 Meter blinde Fahrt bei 50 km/h.
Dies sind starke Argumente, die die Gefahr durch Smartphones am Steuer belegen. Trotzdem nutzen laut Allianz-Studie 46% der Autofahrer in Deutschland das Smartphone während der Fahrt. Daraus resultiert, dass ca. 10 % aller Unfälle auf Ablenkungen beim Fahren zurückgehen, bei über 30 % ist die Ablenkung Mitursache. Diese Daten beruhen auf Selbstaussagen befragter Personen. Eine offizielle Erfassung dieser Unfallursache wird in Deutschland nicht vorgenommen. Es ist also mit einer Dunkelziffer zu rechnen. "Abgelenkte Autofahrer sind eines der großen Unfallrisiken im Straßenverkehr", kommentiert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in einem Interview.
Um eine Verhaltensänderung bei Autofahrern zu erwirken, ist die Nutzung von Mobiltelefonen seit 2001 als Ordnungswidrigkeit in der Straßenverkehrsordnung verankert. Zudem werden zahlreiche Kampagnen unterschiedlicher Reichweite zur Aufklärung von Autofahrern veröffentlicht. Trotzdem war in den letzten fünf Jahren keine signifikante Verhaltensänderung unter Autofahrern zu verzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung schildert das Problem der Smartphone-Nutzung am Steuer, definiert Forschungsziele und Leitfragen und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2 Bestehende Interventionen zur Verhinderung der Smartphone-Nutzung am Steuer: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende und in Entwicklung befindliche Maßnahmen, kategorisiert nach dem Modell der "vier E" (Enforcement, Education, Encouragement/Economy, Engineering).
3 Verhaltensänderung: Dieser Teil analysiert die psychologischen Wirkmechanismen hinter dem Fahrerverhalten, insbesondere auf Basis der Theorie des geplanten Verhaltens und der operanten Konditionierung.
4 Methoden: Es wird das Vorgehen der empirischen Datenerhebung beschrieben, welches eine Online-Befragung von 100 Probanden und Experteninterviews mit Vertretern aus relevanten Institutionen umfasst.
5 Ergebnisse der empirischen Datenerhebung: Dieses Kapitel präsentiert die Datenanalyse der Umfrage sowie die Erkenntnisse der Experteninterviews und interpretiert diese im Kontext der gewählten Theorien.
6 Handlungsempfehlungen: Hier werden konkrete Maßnahmen zur Verminderung der Smartphone-Nutzung am Steuer abgeleitet und ein struktureller Veränderungsprozess nach Kotter skizziert.
7 Diskussion: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion des Vorgehens, der Güte der Befragung sowie einem Fazit über die Wirksamkeit der untersuchten Interventionen ab.
Schlüsselwörter
Smartphone am Steuer, Ablenkung, Verkehrssicherheit, Verhaltensänderung, Theorie des geplanten Verhaltens, Prävention, Verkehrskontrollen, Fahrausbildung, Enforcement, Education, empirische Analyse, Experteninterviews, Kraftfeldanalyse, Unfallrisiko, Fahrerverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der riskanten Nutzung von Smartphones durch Autofahrer in Deutschland und sucht nach effektiven Wegen, dieses Verhalten durch gezielte Interventionen und Verhaltensänderungsprozesse zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Kernbereiche sind die Analyse bisheriger regulatorischer Maßnahmen (Enforcement), Aufklärungsbemühungen (Education) sowie die psychologische Untersuchung der Einflussfaktoren auf das Fahrerverhalten gemäß der Theorie des geplanten Verhaltens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, auf Basis einer empirischen Analyse von Nutzerverhalten und Expertenmeinungen fundierte Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Vermeidung von Smartphone-Nutzung während der Autofahrt zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung ist zweigeteilt: Zum einen wurde eine quantitative Online-Befragung von 100 Autofahrern durchgeführt, zum anderen fanden teilstrukturierte Experteninterviews mit Vertretern aus der Verkehrssicherheit und Psychologie statt.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse existierender Maßnahmen, die empirische Datenerhebung mittels Befragung und Interviews sowie die Ausarbeitung konkreter, stakeholderspezifischer Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Verkehrssicherheit, Smartphone-Ablenkung, psychologische Verhaltensdeterminanten, Evaluation von Interventionen und den Veränderungsprozess nach Kotter beschreiben.
Warum ist die wahrgenommene Verhaltenskontrolle das größte Problem?
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Autofahrer glauben, das Smartphone-Risiko durch "Multitasking" oder situative Vorsicht (z.B. Nutzung im Stau) selbst im Griff zu haben, was zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung führt.
Warum zeigen aktuelle Kampagnen laut den befragten Experten wenig Wirkung?
Die Experten kritisieren, dass die Zielgruppen sich von den Kampagnen oft nicht persönlich angesprochen fühlen und die Gefahr nicht "am eigenen Leib" erfahren, was eine nachhaltige Einstellungsänderung verhindert.
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- Natascha Koppermann (Author), 2018, Gefahr durch Smartphones am Steuer. Wie kann die Nutzung effektiv vermieden werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381026