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Die Ästhetik der Vernunft im (Anti-) Bildungsroman. Eine Analyse der Romane "Der Gehülfe" von Robert Walser und "Der Trafikant "von Robert Seethaler im Vergleich

Título: Die Ästhetik der Vernunft im (Anti-) Bildungsroman. Eine Analyse der Romane "Der Gehülfe" von Robert Walser und "Der Trafikant "von Robert Seethaler im Vergleich

Tesis de Máster , 2017 , 59 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Jonathan Hirtz (Autor)

Filología alemana - Historia de la literatura, Épocas
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Resumen Extracto de texto Detalles

Zwischen dem Erscheinen der beiden Romane „Der Gehülfe“ von Robert Walser, erschienen 1908, und „Der Trafikant“ von Robert Seethaler, erschienen 2012, liegen etwa 100 Jahre Zeitgeschichte. In diesem Zeitraum hat sich die Beziehung zwischen Vernunft und Gesellschaft – durch gesellschaftliche Veränderungen im Allgemeinen und das dritte Reich im Besonderen – deutlich verändert.

Neben sprachlichen Besonderheiten und Besonderheiten der Beziehung zwischen Fiktion, historischer Realität und biographischer Realität, soll in dieser Arbeit vor diesem Hintergrund vor allem die Bedeutung und Darstellung der Vernunft in den beiden Romanen vergleichend untersucht werden. Hierbei gilt es zu untersuchen, ob die Helden in den beiden Romanen es verstehen, um mit dem angeführten Zitat von Sloterdijk zu sprechen, zu denken.

Dem Verfasser drang sich, angeregt durch die zeitliche Nähe seiner Lektüre der untersuchten Romane, der Verdacht auf, dass sie sowohl inhaltlich, als auch in der Erfüllung bestimmter Gattungsmerkmale Parallelen aufzuweisen scheinen. Die Unklarheiten, die bezüglich der Gattungseinordnung Walsers Roman in der Forschungsliteratur vorliegen, bestätigten zunächst den Eindruck, dass er sich den Schemen bestehenden Gattungen entzieht. Der Erkenntnisgewinn, der eine Einordnung der beiden Romane mit sich bringt, könne möglicherweise, so die Überlegung des Verfassers, Gemeinsamkeiten aufdecken und Klarheit über die bislang weniger diskutierte Gattung Antibildungsroman und ihr Verhältnis zu den Romanen schaffen. Nicht nur die beide Romantitel verbindende Bezeichnung einer Berufstätigkeit, sondern vielmehr der Modus des Denkens der beiden Protagonisten verdichtete diesen Verdacht und führte zu der entschlossenen Entscheidung des Verfasser, diesem Phänomen auf die Spur zu gehen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen

2.1 Bildungsroman

2.2 Antibildungsroman

2.3 (auto)biographisches Schreiben

2.4 Vernunft

3 Isolierte Darstellung der Romane

3.1 Der Gehülfe

3.1.1 Die Vernunft im Roman

3.1.2 sprachliche Vorführung des Protagonisten

3.2 Der Trafikant

3.2.1 Die Vernunft im Roman

3.2.2 sprachliche Vorführung des Protagonisten

5 Das Verhältnis der Romane

5.1 Das Gattungsverhältnis

5.2 Das Verhältnis der Vernunft, Selbst- und Fremdliebe

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht vergleichend die Darstellung und Bedeutung der Vernunft in Robert Walsers Der Gehülfe (1908) und Robert Seethalers Der Trafikant (2012). Ziel ist es, unter Einbeziehung philosophischer und literaturwissenschaftlicher Konzepte zu analysieren, inwiefern beide Romane Merkmale des Antibildungsromans aufweisen und wie die Protagonisten in einer entfremdeten Gesellschaft ihre Autonomie behaupten.

  • Vergleichende Analyse der Vernunftdarstellung in Literatur und Philosophie.
  • Untersuchung der Gattungsmerkmale des Antibildungsromans.
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Fiktion, historischer Realität und Autofiktion.
  • Betrachtung von Erzählverfahren und sprachlichen Besonderheiten der Protagonisten.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Die Vernunft im Roman

Josephs Unterwürfigkeit erinnert an eine Macht, die nach Foucault im Christentum verwurzelt ist. Der bibelkundige Walser erschafft mit Joseph eine Figur, welche die Machttechniken der christlichen Institution aufgreift:

Das Christentum ist die einzige Religion, die sich als Kirche organisiert hat. Und als Kirche vertritt es eine Theorie, wonach manche Menschen aufgrund einer religiösen Qualität die Fähigkeit besitzen, anderen zu dienen, und zwar nicht als Fürsten, Richter, Propheten, Wahrsager, Wohltäter oder Erzieher, sondern als Hirten.

Diese auf das „Seelenheil ausgerichtet[e]“ Pastoralmacht hat sich nach Foucault um das 18. Jahrhundert säkularisiert; in der Figur des Joseph scheint diese Machttechnik verinnerlicht und eng mit seiner Tätigkeit als Gehülfe verbunden zu sein, wobei Herr Tobler gewissermaßen seinen Hirten darstellt. Er fühlt sich mehrfach bewogen, in seinem Innersten nach einer Schwäche zu suchen und fürchtet, diese Wahrheit würde durchschaut, wie in folgendem Bewusstseinsbericht:

Sie spritzen mit Vorliebe den Garten, nicht wahr? Schämen sie sich! Und haben sie auch schon nur ein einziges Mal an den patentierten Krankenstuhl gedacht? Nicht? Gott im Himmel, ein solcher Angestellter. Sie verdienen, vom ,Leben vernachlässigt‘ zu werden.

Josephs Versuch, selbstkritisch zur Vernunft zu kommen, lässt bereits erahnen, in welch deutlicher Form sein Wesen von der ihn umgebenden Gesellschaft abweicht. Die Differenz zwischen Identität und gesellschaftlicher Umgebung stellt Joseph wiederholt vor Herausforderungen: „,Welch ein junger, glücklich aussehender Mensch, dieser Herr Arzt‘, dachte Joseph, indem er sich bemühte, so klug und knifflig wie möglich zu spielen“. Der Hinweis „spielen“ weist darauf hin, dass Joseph abseits seines Wesens handelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das Erkenntnisinteresse und die Fragestellung zur Darstellung der Vernunft im Vergleich der beiden Romane.

2 Definitionen: Herleitung und Abgrenzung zentraler Begriffe wie Bildungsroman, Antibildungsroman, autobiographisches Schreiben und Vernunft.

3 Isolierte Darstellung der Romane: Einzeldarstellung von Walsers Der Gehülfe und Seethalers Der Trafikant hinsichtlich Plot, Vernunftkonzept und Erzählweise.

5 Das Verhältnis der Romane: Untersuchung der intertextuellen Bezüge, des Gattungsverhältnisses sowie der Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Vernunft und Liebe.

6 Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse und Resümee über die Einordnung der Romane als Antibildungsromane.

Schlüsselwörter

Vernunft, Antibildungsroman, Robert Walser, Robert Seethaler, Der Gehülfe, Der Trafikant, Autofiktion, Foucault, Kant, Psychoanalyse, Selbstbestimmung, Erzähltechnik, Subjektivität, Entfremdung, Moral.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert vergleichend die Darstellung von Vernunft in Robert Walsers Der Gehülfe und Robert Seethalers Der Trafikant vor dem Hintergrund gattungstheoretischer und philosophischer Diskussionen.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Einordnung als Antibildungsroman, das Verhältnis von Fiktion und Realität (Autofiktion) sowie die Reflexion menschlicher Vernunftbedingungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Vernunft und Selbstbehauptung der Protagonisten in einer als entfremdet wahrgenommenen Umwelt aufzuzeigen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse, ergänzt durch philosophische Rückbezüge (u.a. Kant, Foucault, Freud) zur Definition von Vernunft und Subjektivität.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die isolierte Analyse beider Romane und einen darauffolgenden intertextuellen Vergleich, der Symbole, Motive und das Gattungsverhältnis beleuchtet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Antibildungsroman, Vernunft, Autonomie, Entfremdung, Autofiktion und die Analyse der Erzählstruktur.

Warum wird der Begriff "Antibildungsroman" zur Analyse herangezogen?

Da sich die Protagonisten den traditionellen Mustern der gesellschaftlichen Reifung entziehen und mit ihrem Scheitern oder ihrer Flucht die gesellschaftliche Ordnung reflektieren.

Welche Rolle spielen Sigmund Freud und die Psychoanalyse in der Arbeit?

Freud fungiert sowohl als Romanfigur (in Der Trafikant) als auch als theoretischer Referenzpunkt, um das Verhältnis von Traum, Unbewusstem und moralischem Triebverzicht zu analysieren.

Wie unterscheidet sich die sprachliche Gestaltung in beiden Romanen?

Walser nutzt eine experimentelle, teils "wieselnde" Sprache, die als Mittel der Reflexion dient, während Seethalers Sprache stärker an den erzählten Plot gebunden ist, aber ebenfalls die Distanz des Helden zur Umwelt unterstreicht.

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Detalles

Título
Die Ästhetik der Vernunft im (Anti-) Bildungsroman. Eine Analyse der Romane "Der Gehülfe" von Robert Walser und "Der Trafikant "von Robert Seethaler im Vergleich
Universidad
TU Dortmund  (Germanistik)
Calificación
1,7
Autor
Jonathan Hirtz (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
59
No. de catálogo
V381039
ISBN (Ebook)
9783668621602
ISBN (Libro)
9783668621619
Idioma
Alemán
Etiqueta
Der Trafikant Robert Walser Robert Seethaler Der Gehülfe Bildungsroman Antibildungsroman Vernunft Ästhetik Freud Wittgenstein Nietzsche Sprache Literatur
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Jonathan Hirtz (Autor), 2017, Die Ästhetik der Vernunft im (Anti-) Bildungsroman. Eine Analyse der Romane "Der Gehülfe" von Robert Walser und "Der Trafikant "von Robert Seethaler im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381039
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