Diese Arbeit soll folgende Forschungsfrage beantworten: Wie sieht der aktuelle Forschungsstand zur Anwendung der Theorie der sozialen Klasse nach Pierre Bourdieu auf den Bereich Sport aus? Damit soll festgestellt werden, wie sich die unterschiedliche Verteilung des ökonomischen und kulturellen Kapitals, sowie der Sporthabitus auf die Sportpartizipation auswirken.
Durch die Literaturrecherche soll ein Überblick über den Ist-Stand der Forschung abgebildet werden, ob und in welcher Weise sich soziale Klassen nach Bourdieu auf das Sportverhalten auswirken. Damit soll mehr Klarheit über soziodynamische Phänomene geschaffen werden, wie soziale Ungleichheiten hinsichtlich Sportpartizipation entstehen und sich ausdrücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bourdieus Theorie der Sozialen Klassen
2.1. Kapital
2.1.1. Ökonomisches Kapital
2.1.2. Kulturelles Kapital
2.1.3. Soziales Kapital
2.1.4. Symbolisches Kapital
2.2. Felder
2.3. Habitus und Einverleibung
2.4. Lebensstil und Geschmack
2.5. Der soziale Raum
2.5.1. Kapitalvolumen
2.5.2. Kapitalstruktur
2.5.3. Verlagerungen im sozialen Raum
2.5.4. Distinktiver Raum der Lebensstile
2.6. Sport und soziale Klassen nach Bourdieu
3. Vorgehensweise / Methodik
3.1. Beschreibung der Methode Literaturrecherche
3.2. Literaturrecherche zur Aktualität von Bourdieus Klassentheorie im Feld Sport
4. Ergebnisse
4.1. Qualitative Studien
4.1.1. Stuij (2015): Habitus and social class: a case study on socialisation into sports and exercise
4.1.2. Pot, Verbeek, van der Zwan & van Hilvoorde (2016): Socialisation into organised sports of young adolescents with a lower socio-economic status
4.1.3. Wheeler (2011): The significance of family culture for sports participation
4.1.4. Falcous & McLeod (2012): Anyone for Tennis? Sport, Class and Status in New Zealand
4.1.5. Swanson (2009): Complicating the "Soccer Mom:" The Cultural Politics of Forming Class-Based Identity, Distinction, and Necessity
4.1.6. Kingsley & Spencer-Cavaliere (2015): The Exclusionary Practices of Youth Sport
4.1.7. Lenartowicz (2016): Family leisure consumption and youth sport socialization in post-communist Poland: A perspective based on Bourdieu’s class theory
4.2. Quantitative Studien
4.2.1. Vandermeerschen, Vos & Scheerder (2016): Towards level playing fields? A time trend analysis of young people’s participation in club-organised sports
4.2.2. Jakobsson, Lundvall, Redelius & Engström (2012): Almost all start but who continue? A longitudinal study of youth participation in Swedish club sports
4.2.3. Engström (2008): Who is physically active? Cultural capital and sports participation from adolescence to middle age—a 38-year follow-up study
5. Diskussion
5.1. Sporthabitus und Familie
5.2. Familiennetzwerk als Soziales Kapital
5.3. Ökonomisches, kulturelles und sportliches Kapital
5.4. Einflussfaktor Altersverlauf
5.5. Einflussfaktor Schule
5.6. Disktinktion durch den Sportverein
6. Conclusio
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den aktuellen Forschungsstand zur Anwendung der Theorie der sozialen Klassen nach Pierre Bourdieu auf den Bereich Sport, um zu ergründen, wie die Verteilung von Kapital (ökonomisch/kulturell) und der Sporthabitus die Sportpartizipation beeinflussen.
- Analyse der Sozialtheorie von Pierre Bourdieu im Kontext des Sports.
- Erforschung von Barrieren und Einflussfaktoren auf die Sportpartizipation in verschiedenen sozialen Schichten.
- Untersuchung der Bedeutung des familiären Hintergrunds und des sozialen Kapitals für die Entwicklung eines Sporthabitus.
- Synthese qualitativer und quantitativer Studien zum Verständnis soziokultureller Mechanismen im Feld Sport.
Auszug aus dem Buch
2.3. Habitus und Einverleibung
Der Habitus beschreibt „die Haltung des Individuums in der sozialen Welt, seine Dispositionen, seine Gewohnheiten, seine Lebensweise, seine Einstellungen und seine Wertvorstellungen“ (Fuchs-Heinritz & König, 2005, S. 113). Dadurch nehmen Menschen an der sozialen Praxis teil und bringen diese hervor. Dies geschieht nach Bourdieu weder aus innerer Freiheit wie beim Existenzialismus, nicht durch Kalkulation wie beim rational-choice-Ansatz, noch durch Befolgung von Regeln und Normen wie beim Strukturalismus, sondern durch „präformierte Denk- und Handlungsdispositionen“ als „vergesellschaftetes Individuum“ (ebd., S. 114).
Im Habitus agieren die verinnerlichten gesellschaftlichen Strukturen durch den Menschen selbst. Der persönliche Habitus ist somit ein Klassen-Habitus, da er durch eine bestimmte soziale Lage im gesellschaftlichen Gefüge geprägt ist und somit Ausdruck und Ergebnis von objektiven Chancenstrukturen (vgl. Krais, 1989, S. 51).
Der Habitus ist das „inkorporierte Kapital“, das zu dem „objektivierten“ Kapital, welches die sozialen Merkmale innerhalb eines Feldes darstellt, hinzukommt (Bourdieu, 2008, S. 195). Er ist sozusagen im Körper eingeschrieben und um die starke Verankerung im Körper zu betonen verwendet Bourdieu den Begriff „Einverleibung“ (Fuchs-Heinritz & König, 2005, S. 134) anstatt von Sozialisation zu sprechen. Der Habitus erleichtert rasches und situatives Agieren und Reagieren in der Praxis und kann durch sein Prinzip der „geregelte[n] Improvisation“ (Bohn & Hahn, 2000, S. 258) auch innovative und schöpferische Lösungen hervorbringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sozialer Barrieren im Sport ein und stellt die Forschungsfrage zur Relevanz von Bourdieus Theorie für die Sportpartizipation.
2. Bourdieus Theorie der Sozialen Klassen: Das Kapitel erläutert die zentralen Konstrukte wie Kapitalformen, Felder und den Habitus als Basis für das Verständnis sozialer Ungleichheit im Sport.
3. Vorgehensweise / Methodik: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess der systematischen Literaturrecherche sowie die Kriterien zur Auswahl der relevanten Studien für den Literaturüberblick.
4. Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der analysierten qualitativen und quantitativen Studien strukturiert und vergleichend dargestellt.
5. Diskussion: Dieser Abschnitt verknüpft die empirischen Befunde mit der Theorie und beleuchtet Einflussfaktoren wie Familie, Schule, Alter und den Sportverein als Distinktionsmittel.
6. Conclusio: Die Conclusio fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Relevanz von Bourdieus Sozialtheorie für die Erklärung von Ungleichheiten im Sport.
7. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Soziale Klasse, Pierre Bourdieu, Sport, Sporthabitus, Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Soziales Kapital, Sportpartizipation, Distinktion, Lebensstil, Habitus, Sozialisation, Feld, Sportverein, Bildungskapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Sozialtheorie von Pierre Bourdieu genutzt werden kann, um soziale Unterschiede bei der Sportausübung und -partizipation zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Konzepte von Kapital (ökonomisch, kulturell, sozial), der Habitus, soziale Distinktion durch Sport und die Rolle der Familie bei der Sportsozialisation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zur Anwendung von Bourdieus Theorie auf den Sport aufzuarbeiten und festzustellen, wie Kapitalverteilung und Sporthabitus die Teilhabe an Sportangeboten beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche (Literature Review) durchgeführt, um wissenschaftliche Fachartikel zu identifizieren, kritisch zu analysieren und zu synthetisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil präsentiert eine Zusammenfassung und Diskussion zahlreicher qualitativer und quantitativer Studien, die verschiedene Aspekte des Sportverhaltens in unterschiedlichen sozialen Klassen beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sporthabitus, Kapitalformen, Soziale Klasse, Distinktion und Sportpartizipation.
Inwiefern beeinflusst der Familienhintergrund die sportliche Entwicklung?
Die Studien zeigen, dass Eltern durch bewusste oder unbewusste Förderung, familiäre Tradition und die Bereitstellung von Ressourcen maßgeblich den Sporthabitus und damit die sportlichen Wege ihrer Kinder prägen.
Warum fühlen sich manche Jugendliche im Vereinssport ausgeschlossen?
Oft mangelt es an dem spezifischen kulturellen Kapital (z.B. frühes Erlernen technischer Skills, Etikette), das in bestimmten Vereinen als Habitus vorausgesetzt wird, was zu einem Gefühl des Nichtdazugehörens führt.
Spielt der sozioökonomische Status eine entscheidende Rolle?
Ja, er ist zentral für die Möglichkeiten zur Sportausübung, wobei jedoch in manchen Ländern oder Systemen, wie in Polen oder Schweden, die Mittelschicht-Struktur die Effekte abschwächen kann.
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- Birgit Langer (Author), 2017, Soziale Klasse und Sport. Ein Literaturüberblick zur Aktualität von Bourdieus Sozialtheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381052