Die Umsätze im deutschen Online-Handel sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und das Wachstum soll auch in Zukunft noch weiter anhalten, da angenommen wird, dass immer mehr Verbraucher die Möglichkeit nutzen, im Internet einzukaufen. Im Jahr 2015 hat sich diese Prognose jedoch nicht bewahrheitet, denn mit zwei Prozent Umsatzsteigerung liegt das Wachstum deutlich unter dem der Vorjahre. Die Studie „Erfolgsfaktor Payment“ macht sensibel für mögliche Hintergründe. Hier wurde festgestellt, dass knapp 80% der Kunden den Kauf abbrechen, wenn nur Vorkasse und Nachnahme als Zahlungsmethode angeboten wird. Es kann also angenommen werden, dass durch eine größere Auswahl von Zahlungsmethoden die Kaufabbrecher-Quote sinkt und damit der Umsatz steigt.
Zur Zahlungsabwicklung im E-Commerce stehen viele vom stationären Handel bekannte Zahlungsverfahren zur Verfügung und in den vergangenen Jahren haben sich weitere Verfahren, speziell für das Internet, etabliert. Allein in Deutschland haben Anbieter und Käufer bereits über 40 verschiedene Zahlungsverfahren zur Verfügung, die alle ihre individuellen Vor- und Nachteile haben. Ziel muss es sein, ein Gleichgewicht der jeweiligen Zahlungspräferenzen zu finden, um den Kunden den Kauf möglichst einfach zu machen und Wachstum zu produzieren. Beim Trend „Kauf auf Pump“ mischen nun vermehrt die Online-Händler mit. Doch ist dies die Chance auf eine langjährige vertrauensvolle Kundenbindung?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Anforderungen aus Händler- und Kundensicht
2.1 Einführung und Vergleich
2.2 Interessenskonflikte bei Zahlungsmethoden
3 Zahlungsmethoden im Internet
3.1 Überblick des Angebotes und der Nutzung
3.2 Klassische Zahlungsverfahren im Internet
3.3 Ausgewählte innovative Zahlungsverfahren im Internet
3.4 Finanzierung
3.4.1 Ratenkredit
3.4.2 Ratenkauf
3.4.3 0%-Finanzierung
4 Analyse der 10 größten Online-Shops
4.1 Übersicht der Zahlungsmethoden
4.2 Umfrage: Zahlungsmethoden und Ratenzahlung im Internet
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strategische Relevanz verschiedener Zahlungsmethoden im deutschen Online-Handel. Ziel ist es, die Interessenkonflikte zwischen Händler- und Kundensicht zu analysieren und zu bewerten, wie sich die Auswahl der Zahlungsverfahren auf die Kaufabbruchquoten und die Kundenbindung auswirkt.
- Anforderungen an Zahlungssysteme aus Sicht von Kunden und Händlern
- Entwicklung und Wandel der angebotenen Zahlungsmethoden seit dem Jahr 2000
- Analyse der Bezahlstrukturen bei den zehn größten Online-Shops
- Akzeptanz und Nutzung von Finanzierungsmodellen (Ratenkauf/Ratenkredit)
- Risikobewertung moderner Bezahlverfahren
Auszug aus dem Buch
2.2 Interessenskonflikte bei Zahlungsmethoden
Nach Heng (2006) entstehen Interessenskonflikte hauptsächlich im Zusammenhang mit den Bezahlmethoden. Die Kunden möchten erst die Ware und dann zahlen, der Händler erst das Geld, um anschließend die Ware zu versenden. Mit der Anforderung des Kunden, die Zahlung leicht zu widerrufen, kommen Rückbuchungen auf den Händler zu, die generell mit zusätzlichen Gebühren verbunden sind. Folglich stellt die Rückbuchungsquote einen wesentlichen Faktor für den Erfolg des Unternehmens dar. Die monetären Größen wie Transaktions- bzw. Einrichtungskosten als auch nicht monetäre Größen wie schneller Zahlungseingang und Integrierungsaufwand in bestehende Shopsysteme, fallen laut van Baal u.a. (2006) in den Aspekt der niedrigen Gesamtkosten. Aus Händlersicht ist also die Zahlungssicherheit bzw. die Umsatzsicherung die wichtigste Eigenschaft von E-Payment-Systemen. Die Konsumenten sehen dies auch so, nur gegensätzlich – „keine der beiden Seiten riskiert es gern, dass der Leistungsaustausch einseitig bleibt und dass entweder die Ware oder die Bezahlung nicht ankommt“.
Nach Henkel (2001) ist bei Kunden, neben allgemeinen Sicherheitsanforderungen, der Wunsch nach einer einfachen Handhabung des Systems stark ausgeprägt. Darunter fällt der fixe Einstiegsaufwand, Eingabe der persönlichen Daten, Kontrolle von PINs/Passwörtern/Emails und ggf. die Anschaffung von spezieller Hard- oder Software. Rodenkirchen & Krüger (2011) nennen außerdem die Seriosität und Rückerstattungsmöglichkeiten (s. Abbildung 1).
Ebenso ist die Verbreitung des Verfahrens auf Seiten der Händler von Relevanz, so lohnt sich die Einführung eines neuen Zahlungsverfahrens auf der Website nur, wenn jetzt oder in absehbarer Zeit entsprechend viele Kunden dieses Verfahren kennen und nutzen wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Online-Handelswachstums und die Bedeutung der Zahlungssysteme als Erfolgsfaktor zur Senkung von Kaufabbruchquoten ein.
2 Anforderungen aus Händler- und Kundensicht: Das Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen Kriterien wie Sicherheit, Handhabung und Kosten, die Käufer und Verkäufer an ein E-Payment-System stellen.
3 Zahlungsmethoden im Internet: Es wird ein Überblick über gängige Zahlungsverfahren, Finanzierungsmöglichkeiten und deren historische Entwicklung gegeben.
4 Analyse der 10 größten Online-Shops: Hier wird der Ist-Zustand bei den zehn größten deutschen E-Commerce-Akteuren sowie das Ergebnis einer Nutzerumfrage zur Ratenzahlung untersucht.
5 Fazit und Ausblick: Das Kapitel resümiert, dass eine gezielte Auswahl beliebter Zahlungsverfahren für den langfristigen Markterfolg entscheidend ist, wobei Finanzierungsoptionen sowohl Potenziale als auch Risiken bergen.
Schlüsselwörter
E-Commerce, Online-Handel, Zahlungsmethoden, E-Payment, Kaufabbruch, Ratenzahlung, Finanzierung, Zahlungssicherheit, Kundenbindung, Konversionsrate, Online-Shops, Konsumentenverhalten, Zahlungsabwicklung, Transaktionskosten, SEPA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche Rolle verschiedene Zahlungsmethoden im strategischen Management von Online-Shops spielen und wie diese die Kaufentscheidung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Anforderungen an Zahlungssysteme, die Entwicklung innovativer Zahlungsverfahren sowie die Bewertung von Finanzierungsmodellen wie Ratenkauf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen den Sicherheitsbedürfnissen der Händler und den Kundenwünschen nach einfacher Zahlungsabwicklung zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche, einer eigenen Analyse der Zahlungsmethoden der zehn größten Online-Shops sowie einer Online-Umfrage unter 64 Teilnehmern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Anforderungen aus Händler- und Kundensicht erörtert, gängige Zahlungsmethoden vorgestellt und empirische Daten aus dem Shop-Vergleich sowie der Nutzerumfrage ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind E-Commerce, Zahlungsmethoden, E-Payment, Kaufabbruch, Ratenzahlung und Zahlungssicherheit.
Warum spielt die Sicherheit bei der Wahl der Zahlungsmethode eine so wichtige Rolle?
Sicherheit wird sowohl von Kunden als auch von Händlern als „KO-Kriterium“ für den Online-Handel angesehen, da mangelndes Vertrauen bei fehlendem persönlichen Kontakt direkt zu Kaufabbrüchen führt.
Welche Erkenntnisse liefert die Untersuchung über Ratenzahlungen im Internet?
Die Untersuchung zeigt, dass Ratenzahlungen bei den Top-Shops zwar zunehmen, die Teilnehmer der Umfrage diesem Modell jedoch eher skeptisch gegenüberstehen und es teilweise mit Überschuldung assoziieren.
Welchen Einfluss haben Drittanbieter auf die Zahlungsabwicklung?
Drittanbieter minimieren für den Online-Händler das Ausfallrisiko und vereinfachen die Abwicklung, was zu einer Zunahme risikoreicherer Zahlungsarten wie dem Rechnungskauf führt.
Ist es für jeden Shop notwendig, alle Zahlungsmethoden anzubieten?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es nicht zwingend notwendig ist, jedes mögliche Zahlungsmittel anzubieten; entscheidend ist jedoch die Präsenz der sicherheitsrelevantesten und beliebtesten Verfahren.
- Citar trabajo
- Michele Siekmann (Autor), 2016, Zahlungsverfahren im E-Commerce. Ein Überblick über Anforderungen, Angebot und Nutzung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381104