Max Webers Bürokratiekonzept. Das Verhältnis zu Staat und Politik


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Max Webers Herrschaftsformen
1.1 Die traditionale Herrschaft
1.2 Die charismatische Herrschaft
1.3 Die legale Herrschaft

2. Das Bürokratiekonzept als Teil der legalen Herrschaft
2.1 Vorteile des Bürokratiekonzeptes
2.2 Nachteile des Bürokratiekonzeptes

3. Das Bürokratiekonzept in seinem Verhältnis zur Politik

4. Das Bürokratiekonzept in seinem Verhältnis zum Staat

5. Fazit

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis

1. Max Webers Herrschaftsformen

In den Jahren 1921 und 1922 postum erschienenen Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ analysiert Max Weber unter anderem die Zusammenhänge zwischen Macht, Herrschaft und deren Bedeutung für die Legitimation eines Herrschaftsverhältnisses respektive eines Staates. Es gibt laut Weber unterschiedlichste Motive und Anreize, sich einer bestimmten Herrschaftsart zu beugen - daraus resultieren unterschiedliche Herrschaftstypen.

Vorab sollten zunächst die Begriffe Herrschaft und Macht geklärt werden.

„Herrschaft soll (…) die Chance heißen, für spezifische (oder: für alle) Befehle bei einer angebbaren Gruppe von Menschen Gehorsam zu finden. Nicht also jede Art von Chance, Macht und Einfluß auf andere Menschen auszuüben. Herrschaft in diesem Sinn kann im Einzelfall auf den verschiedensten Motiven der Fügsamkeit (…) beruhen. Ein bestimmtes Minimum an Gehorchenwollen (…) gehört zu jedem echten Herrschaftsverhältnis.“1

Macht definiert Weber wie folgt: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“2

Eine Herrschaft setzt also eine Gehorsamsbereitschaft, ein Gehorchen-wollen voraus, welches im Gegensatz dazu bei „Macht“ nicht unbedingt vorhanden sein muss. Die Grundlage für Macht ist laut dem Soziologen vielfältig - genau wie die Art ihrer Wirkung. Weber bezeichnet den Machtbegriff deshalb als „soziologisch amorph“.

Damit ein stabiler Zustand der Herrschaftsbeziehung erreicht werden kann, genügen Gewohnheit oder gemeinsame Interessenslagen nicht. Oftmals kommen affektuelle oder wertrationale Motive hinzu. Auch ist ein Stab beziehungsweise Verwaltungsstab unabdingbar, welcher zum Beispiel Anordnungen des Herrschenden ausführt. Das wichtigste ist jedoch der Legitimitätsglaube3. Jede Herrschaft versucht, den Glauben an die Legitimität in den Beherrschten anzuregen. Laut Weber ist jeder Typus und jede Wirkung, also auch jede Legitimität der Herrschaft anders. „Die unterschiedlichen Arten der Legitimität bedingen außerdem die Art des Gehorchens, die Art des Verwaltungsstabes, den Charakter der Herrschaftsausübung und die Wirkung der Herrschaft.“4 Deshalb unterscheidet er, im Folgenden genauer erläutert, drei reine Typen legitimer Herrschaft.

1.1 Die traditionale Herrschaft

Die traditionale Herrschaft ist nach Max Weber charakterisiert, „wenn ihre Legitimität sich stützt und geglaubt wird auf Grund der Heiligkeit altüberkommender (…) Ordnungen und Herrengewalten.“5 Der Herrscher ist kraft traditioneller Regeln auserkoren und herrscht aufgrund der „durch Tradition ihm zugewiesene[r] Eigenwürde.“6 Der traditionelle Herrscher ist der persönliche Herr seiner Mitglieder beziehungsweise Untertanen und die Beziehung zwischen Herrscher und Beherrschten baut auf persönliche Dienertreue. Der Verwaltungsstab ist immer ein Pietätsverband, welcher aus Herr und Diener besteht.

Die Befehle des traditionellen Herrschers werden von dessen Untertanen nicht befolgt, weil diese schriftlich festgehalten sind, sondern sie gehorchen der „durch die Tradition zur Würde des Herrschers berufenen Person.“7 Sie gehorchen aus Loyalität oder auch Abhängigkeit gegenüber ihrem Herrn. Wie oben genannt, ist das wichtigste Ziel eines jeden Herrschers, eine stabile Beziehung durch den Legitimitätsglauben zu erreichen. Bei der traditionalen Herrschaft sind die Befehle auf zwei Art und Weisen legitim - einerseits kraft der Tradition, welche den Befehl inhaltlich festlegt und andererseits kraft der Willkür, welche der Tradition einen ausdrücklichen „Spielraum“ gibt. Es ist für den Herrn also unmöglich, neue Regeln zu schaffen, jedoch hat er jeden Freiraum und jede Freiheit innerhalb der Traditionen, um zu handeln.

1.2 Die charismatische Herrschaft

Die charismatische Herrschaft beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnung.“8 Unter Charisma ist eine als „außeralltäglich geltende Qualität einer Persönlichkeit“ zu verstehen, „um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen, nicht jedem anderen zugänglichen Kräften oder Eigenschaften oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als „ F ü hrer “ gewertet wird.“9 Die Anhänger des Führers werden durch den alleinigen Willen des Herrschers bestimmt, es existieren keine Gesetze, Satzungen oder Behörden. Auch das Recht wird durch den charismatischen Herrscher bestimmt und die Anhänger sind seiner Willkür unterworfen. Der Herrschaftsverband ist regulär eine Gemeinde ohne Beamtentum und basiert vielmehr auf Berufung nach Eingebung des Führers.

Damit die charismatische Autorität langfristig besteht, muss der Führer ständig um die Anerkennung der Beherrschten „kämpfen“. Dieser stellt so klar, dass er die charismatische Gabe besitzt, welche sich auf Wunder, Vertrauen oder Hingabe an die Heiligkeit gründet. Der Charisma Träger ist permanent von der Beliebtheit und Anerkennung der Anhänger abhängig, da es bei dieser Herrschaftsform keine Herrschaftsaneignung aufgrund von Besitztümern gibt. Im typischen Fall aber wirbt der Führer nicht um Zustimmung, sondern überzeugt seine Gefährten von der aus dem gesellschaftlichen, historischen oder religiösen Notstand heraus entstandenen Unbedingtheit seiner Person. Die Anerkennung der charismatischen Autorität wird nicht als Folge der Legitimität, sondern als Legitimitätsgrund betrachtet. Die Anhänger unterwerfen sich dem Herrscher, um dem Notstand zu entkommen und tun dies meist aus Begeisterung, weil sich jener dem gesellschaftlichen Ausnahmezustand stellt.10 Die charismatische Herrschaft ist, im Gegensatz zu den anderen Herrschaftsformen, wirtschaftsfremd, da alltägliches Wirtschaften dem außeralltäglichen Charakter widerspricht.

1.3 Die legale Herrschaft

Die legale Herrschaft ist für Max Weber der Idealtypus einer modernen und rationalen Herrschaft. Der rationale Charakter ihrer Legitimität beruht „auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen und des Anweisungrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen.“11 Die Legitimität wird durch das Bestehen einer Rechtsordnung begründet und jedes Handeln muss nach dieser Satzung /Gesetz ausgeführt werden. Verbandsmitglieder und auch Herrschende sind diesem Recht unterworfen und nicht etwa einer Person im Sinne des Vorgesetzten.

Der Soziologe weist darauf hin, dass die legale Herrschaft auf der Geltung einer Reihe von zusammenhängenden Vorstellungen beruht:

- Die Vorstellung, dass jedes Recht innerhalb der legalen Herrschaft auch boykottiert werden kann.
- Die Vorstellung, dass jedes Recht viele verschiedene Regeln darstellt, die sich nach allgemeinen Prinzipien umsetzen lassen, welche wiederum durch die Verbandsordnung anerkannt werden.
- Die Vorstellung, dass auch der legale Herrscher als „Vorgesetzter“ den Regeln unterworfen ist.
- Die Vorstellung, dass der „Gehorchende“ (zum Beispiel in der Rolle als Staatsbürger, Kirchenmitglied) nur dem Recht unterworfen ist und deshalb
- der formalen und unpersönlichen Ordnung gehorcht und nicht dem Herrscher als Person.12

Bei dieser Herrschaftsform existieren viele Gesetze und Regeln und die Anhänger beteiligen sich aktiv an der Herrschaft in Form eines Verbandsmitgliedes in einer Behörde. Deshalb thematisiert Max Weber das Problem der Organisation in der legalen Herrschaft, welches ich in nachfolgenden Punkten erläutern werde.

2. Das Bürokratiekonzept als Teil der legalen Herrschaft

Der Verwaltungstypus in der legalen Herrschaft ist laut Weber ein „kontinuierlicher, regelgebundener Betrieb von Amtsgeschäften innerhalb einer Kompetenz, welche bedeutet: a) einen kraft Leistungsverteilung sachlich abgegrenzten Bereich von Leistungspflichten, - b) mit Zuordnung der etwa dafür erforderlichen Befehlsgewalten und c) mit fester Abgrenzung der eventuell zulässigen Zwangsmittel und der Voraussetzungen ihrer Anwendung.“13

[...]


1 Weber, Max (1980): „Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie“, 5.rev. Aufl., Tübingen: Mohr (Paul Siebeck), S. 28

2 ebd.

3 Wirtschaftslexikon (o.N.) (2015): Def: Der Glaube der Beherrschten an die Rechtmäßigkeit der Herrschaft (…) http://www.wirtschaftslexikon.co/d/legitimitaetsglaube/legitimitaetsglaube.htm (21.03.17)

4 Pietsch, Carsten (1999): „Macht und Herrschaft“, Referat im Rahmen des Seminars: Einführung in die Soziologie, Oldenburg, S. 7

5 Weber, Max (1980): „Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie“, 5.rev. Aufl., Tübingen: Mohr (Paul Siebeck), S. 130

6 vgl. Fitzi, Gregor (2004): „Max Webers politisches Denken“, Konstanz, S. 142

7 vgl. Fitzi, Gregor (2004): „Max Webers politisches Denken“, Konstanz, S. 143

8 Wehler, Hans-Ulrich: „Das analytische Potential des Charisma-Konzepts: Hitlers charismatische Herrschaft“. In: Anter, Andreas/ Breuer, Stefan (Hrsg.), 2007: „Max Webers Staatssoziologie“, Baden-Baden, S. 175-185

9 Weber, Max (1980): „Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie“, 5.rev. Aufl., Tübingen: Mohr (Paul Siebeck), S. 140

10 vgl. Fitzi, Gregor (2004): „Max Webers politisches Denken“, Konstanz, S. 156ff

11 Weber, Max (1980): „Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie“, 5.rev. Aufl., Tübingen: Mohr (Paul Siebeck), S. 124

12 vgl. Fitzi, Gregor (2004): „Max Webers politisches Denken“, Konstanz, S. 136f

13 Weber, Max (1980): „Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 5.rev. Aufl., Tübingen: Mohr (Paul Siebeck), S. 125

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Max Webers Bürokratiekonzept. Das Verhältnis zu Staat und Politik
Hochschule
Technische Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V381110
ISBN (eBook)
9783668575929
ISBN (Buch)
9783668575936
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Weber, Bürokratiekonzept, Verhältnis Staat, Verhältnis Politik
Arbeit zitieren
Bachelor of Education Laetitia Wittmann (Autor), 2017, Max Webers Bürokratiekonzept. Das Verhältnis zu Staat und Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381110

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