Mentoring. Die Darstellung von Potenzial und Risiken der Methode anhand eines ausgewählten Beispiels


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,7

D. S. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mentoring
2.1 Eine Begriffs- und Bedeutungsklärung
2.2 Exkurs: Begriffsabgrenzung zu Coaching und Patenschaft

3. Vorstellung des Mentoring-Programms "Junge Vorbilder"

4. Die Wirksamkeit von Mentoring- Potenzial und Risiken mit Bezug auf das Beispiels "Junge Vorbilder"
4.1 Potenziale von Mentoring
4.2 Risiken von Mentoring

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff Mentoring ist heutzutage in einem besonderen Ausmaß in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens zu finden. Es lässt sich eine große Anzahl an Projekten und Program- men mit diesem Konzept, vor allem im Bereich der Personalentwicklung finden. In der deutschen Schullandschaft hingegen sind entwickelte Mentoringkonzepte im Vergleich zu anderen Ländern eher selten zu entdecken und zudem oft unerforscht (vgl. RAUFELDER/ ITTEL 2012, S.148). Dabei stellt die Methode Mentoring, eine in der Öffentlichkeit hoch ge- lobte und universell einsetzbare Fördermaßnahme dar (vgl. ZIEGLER/ STÖGER a 2012, S.129). Die Ausweitung der Medien, der Wandel von Erziehungskonzepten und Familienbildern, so- wie die steigende Individualisierung sind nur einige stetig wachsende Veränderungen von Lebensbereichen, die neue und andere Fördermaßnahmen verlangen. Seit den 90er Jahren lassen sich mehr Schülerhilfe-Projekte finden, innerhalb derer eine 1:1 Betreuung stattfindet, um schulischen Benachteiligungen mit der Mentoringmethode zu begegnen (vgl. ROHLFS 2012, S.184). Dabei ist das Ziel die Fähigkeit zu selbstorganisierten und spezifischen Lernen auszubilden. Allerdings gestaltet sich individualisiertes Lernen in der Schule aufgrund der verschiedenen Lebenssituationen der Kinder für eine Lehrkraft durchaus schwierig. Da in unserem Bildungswesen der Fokus oft nur auf die Förderung bestimmter Potenziale abzielt, findet eine Suche nach Alternativen statt, um eine angemessene Förderung unterschiedlicher Potenziale zu gewährleisten (vgl. AKPINAR/ DEGIRMENCI 2012, S.254). Mentoring scheint vieler Darstellungen nach eine erfolgreiche Option zu sein, in der individuelle Weiterentwick- lung und Selbstverwirklichung möglich sind. Doch wie wirkungsvoll sind die Formen von Mentoring wirklich? Oder besser gesagt: "Does mentoring matter?" (EBY/ ALLEN/ EVANS/ NG/ DUBOIS 2008).

In dieser Arbeit möchte ich mich dieser Frage widmen, in dem ich anhand des Beispiels "Jun- ge Vorbilder" Chancen und mögliche Risiken, die Mentoring birgt, darstelle. Für die Beant- wortung dieser Frage kläre ich dabei zu Beginn, welche Bedeutung überhaupt hinter dem Be- griff Mentoring steckt und inwiefern dieses Konzept zu anderen Methoden, wie dem Coa- ching, abzugrenzen ist.

2. Mentoring

2.1 Eine Begriffs- und Bedeutungsklärung

Nach historischer Überlieferung finden sich die Wurzeln des Begriffs "Mentoring" in der griechischen Sagenwelt von Homers Odyssee. Da es Odysseus nach Troja zieht und er deshalb seine Heimat verlassen muss, übergibt er seinen Sohn Telemachos in die Obhut seines Freundes Mentor. Mit Hilfe dieses Freundes wird Telemachos auf die Königsrolle vorbereitet und kann den Thron von Odysseus mit Erfolg verteidigen. Mentor ist dabei nicht nur ein Erzieher, sondern wird vor allem als Ratgeber, Beschützer und "väterlicher" Freund dargestellt (vgl. ZIEGLER 2009, GRAF/ EDELKRAUT 2017).

Die antike Mythologie stellt somit den Ursprung des von dem Freund Mentor abgeleiteten "Mentoring"-Begriffs dar. Innerhalb der nächsten Epochen taucht der Gedanke über eine per- sönliche hierarchische Beziehung zwischen einer unerfahrenen und erfahrenen Person, welche auf eine zielorientierte und individuelle Förderung ausgerichtet ist, immer wieder auf. So sind als berühmte Paare beispielsweise Platon und sein Mentor Sokrates oder Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart zu nennen. Das Motiv des Mentors lässt sich ebenso in Beispielen der Literatur- und Filmwelt finden, wie die Beziehung zwischen Old Shatterhand und Winnetou in Karl Mays Reiseerzählungen oder aktuell der Mentor Obi-Wan Kenobi und sein Schützling Anakin Skywalker in den Star Wars- Filmen. (vgl. ZIEGLER 2009, S.8f). Dem- entsprechend lässt sich festhalten, dass in der Geschichte eine Mentoringbeziehung als ein Prozess verstanden wurde, in dem ein junger Mensch "[...] auf der Suche nach seiner Identi- tät begleitet und in die Spielregeln der Gesellschaft eingeführt wird" (GRAF/ EDELKRAUT 2017, S. 4).

Heute gibt es eine Vielzahl an Definitionen des Begriffs, da sich im Laufe der Zeit neben dem 1:1- Mentoring eine Bandbreite an Formen etabliert haben. Es finden sich neben Teammentorings, innerhalb dessen mehrere Mentees von einem Mentor oder Mentorin1 unterstützt werden, auch Programme, bei denen ein Mentee durch ein paar Mentoren betreut wird (vgl. STÖGER/ ZIEGLER b 2012, S.132).

GRAF und EDELKRAUT (2017) unterscheiden sogar zwischen sieben Formen des Mentorings, von denen ich hier nur einige darstellen werde. Neben der schon beschriebenen klassischen Form, welche geprägt ist von der Erfahrung eines älteren Menschen und der Unerfahrenheit eines jüngeren, zählen sie das sogenannte Peer-Mentoring auf. Dieses findet unter Personen mit gleicher hierarchischer Stellung, wie beispielsweise Schüler und Schülerinnen oder Stu- denten und Studentinnen statt. Desweiteren existiert das Konzept "Reserve Mentoring" in speziellen Bereichen der technischen Entwicklung, in dem "umgekehrt" zwischen einem jün- geren Mentor und einem älteren Mentee, in der die ältere Person trotz hoher Lebenserfahrung von dem technischen Wissen der jüngeren profitiert, eine Beziehung besteht. Zudem stellen sie das informelle Mentoring vor. Bei dieser wahrscheinlich häufigsten Form sucht sich ein Mentee aus eigenen Antrieb seinen Mentor und gestaltet die Beziehung, ohne jegliches forma- les Programm selbst. Mit Hilfe der neuen Medien sind auch gemixte Formen zwischen klassi- schen Mentoring und dem virtuellen Austausch übers Internet möglich, die die Autoren unter dem Begriff "Blended Mentoring" schildern (vgl. GRAF/ EDELKRAUT 2017, S.18f).

Die Formulierung einer einheitlichen Begriffsdefinition stellt sich damit als eine durchaus schwierige Aufgabe dar. Und so scheint es in der heutigen Zeit problematisch zu sein, eine Form oder ein Programm als Mentoring genau zu identifizieren. ZIEGLER (2009) konzipierte deshalb eine im Folgenden angeführte idealtypische Begriffserklärung:

"Mentoring ist eine zeitlich relativ stabile dyadische Beziehung zwischen einem/einer erfahrenen MentorIn und seinem/r ihrem/r weniger erfahrenen Mentee. Sie ist durch gegenseitiges Vertrauen und Wohlwollen geprägt, ihr Ziel ist die Förderung des Lernens und der Entwicklung sowie das Vorankommen des/der Mentees" (ZIEGLER 2009, S.11).

Nach FAIX (2000) ist bei der Definition noch zu beachten, dass es sich dabei um freiwillige und vor allem persönliche Beziehungen handelt, deren thematischen bzw. inhaltlichen Schwerpunkt die beteiligten Personen selbst festlegen (vgl. FAIX 2000, S.43). Der Mentoring- Verlauf kann entweder durch ein gemeinsames Merkmal zwischen Mentee und Mentor, wie beispielsweise der selbe Migrationshintergrund, oder durch ein ungleiches Merkmal, wie die sich unterscheidenden sozialen Verhältnisse, geprägt sein. Dabei ist das Eingehen dieser Art von Beziehung von freiwilliger Natur. Jedoch entsteht dies nicht zufällig, da Mentoring heut- zutage oft innerhalb von Projekten organisiert wird (vgl. ROHFLS 2012, S.185).

Das Bereitstellen von unterstützenden Aktivitäten für den Mentee ist eine zentrale Aufgabe des Mentorings. Zum einen hat es die Funktion sowohl sachliche und professionelle Kompetenzen, wie zum anderen auch personale und soziale Qualifikationen zu entwickeln bzw. aufzubauen (vgl. TEML/ TEML 2011, S.27).

In den USA wurde das Prinzip des Mentoring in den 1970er Jahren zuerst unter dem Aspekt der karrierefördernden Funktion in der Personalentwicklung in Unternehmen wiederentdeckt. Daher wird die Forschung zu diesem Thema überwiegend im amerikanischen Raum geleistet. Im deutschsprachigen Raum wurde das Konzept erst wieder in den 1990 Jahren konkret auf- gegriffen. Neben dem wirtschaftlichen Bereich stößt man mittlerweile auch an Schulen und Universitäten auf Mentoringprojekte. Und so hat sich die Methode des Mentorings von einer isolierten Beziehung zwischen zwei Personen zu einem organisierten Programm verändert, indem ein Mentee beruflich, wie auch persönlich in seiner Entwicklung unterstützt wird (vgl. GRAF/ EDELKRAUT 2017, S.5).

2.2 Exkurs: Begriffsabgrenzung zu Coaching und Patenschaft

Wie im vorherigen Abschnitt zu erkennen ist, prägt das Förderkonzept Mentoring auch seine verschwimmenden Grenzen zu recht ähnlichen Methoden, wie etwa dem Coaching oder der Patenschaft. Zunächst lassen sich viele gemeinsame Schnittmengen zwischen diesen Formen der Unterstützung erkennen. Sowohl das Mentoring, als auch Coaching und Patenschaften bezeichnen Beratungsbeziehungen, deren Prinzipien Vertraulichkeit, Freiwilligkeit und Hilfe- zur-Selbsthilfe sind. Zudem stellen alle drei Begriffe zugleich auch eine Methode des Wis- senstransfers mit hohem Gestaltungsraum dar. Jedoch unterscheiden sie sich bei genaueren Untersuchungen in ihrer Zielsetzung, der Ausformung, sowie dem Rollenverständnis zwi- schen den beteiligten Personen (vgl. GRAF/ EDELKRAUT 2017, S.6- 11).

Der Begriff "Coaching" fand zuerst seine Bedeutung in der Wirtschaft bei der Beratung von Führungskräften und hat sich mit der Zeit auch in anderen Bereichen des Lebens einge- bürgert. So finden sich heute Gesundheits-, wie auch Lern- oder Life-Coaches, die nicht nur das äußere Verhalten, sondern auch innere Haltungen verbessern sollen (vgl. TEML/ TEML 2011, S.28). Bei dieser Art der individuellen Beratung wird jedoch im Gegensatz zum Mento- ring ein bestimmtes Problem bzw. Ziel im Voraus fokussiert und festgelegt. In einer Mento- ringbeziehung bilden sich hingegen die Ziele und Bedürfnisse erst mit der Zeit heraus. Des- weiteren handelt es sich beim Coaching um eine meist bezahlte, professionelle Dienstleistung, da dies mit einem ausgebildeten Coach durchgeführt wird (vgl. PFLAUM 2017, S.37f). Anders als beim Mentoring umgeht der Coach persönliche Kommentare und das Einbringen von selbst gemachten Erfahrungen. Allerdings lassen sich Merkmale des Coachings als Teile des Mentoring-Konzepts verstehen. So findet sich die Rolle des Coaches in HILB`s (1997) Schichtmodell der Lernunterstützung als Element eines Mentors (vgl. GRAF/ EDELTRAUT 2017, S.9f).

Abbildung 1 Schichten der Lernunterstützung (HILB 1997)

[...]


1 im Folgenden mit MentorIn abgekürzt

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Mentoring. Die Darstellung von Potenzial und Risiken der Methode anhand eines ausgewählten Beispiels
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V381136
ISBN (eBook)
9783668576582
ISBN (Buch)
9783668576599
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungswissenschaften, Mentoring, Peers
Arbeit zitieren
D. S. (Autor), 2017, Mentoring. Die Darstellung von Potenzial und Risiken der Methode anhand eines ausgewählten Beispiels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381136

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