Wie muss sich das System Schule in Deutschland ändern, damit Inklusion möglich wird?


Hausarbeit, 2017

21 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Begriffe
2.1. Bildung- Gerechtigkeit und Benachteiligung
2.2. Heterogenität
2.3. Integration und Inklusion

3. Geschichtlicher Rückblick: Integration und Inklusion vor und nach der Salamanca Erklärung und UN-BRK.

4. Das System Schule weiterentwickeln
4.1. Index für Inklusion
4.2. Weiterentwicklung der Schülerrolle
4.3. Weiterentwicklung der Lehrerrolle

5. Inklusive Schulentwicklung am Beispiel des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Pulheim

6. Fazit

1. Einleitung

Auf der Internetseite des Hessischen Kultusministeriums findet man aktuell die Kampagne „Hessen lebt Respekt.“[1] Respekt zu leben und damit einen respektvollen Umgang auch mit Andersartigkeit zu führen sollte schon in der Schule frühzeitig beginnen.

Das Schulsystem und auch die Bildung in Deutschland müssen sich ständig weiterentwickeln, um das gewährleisten zu können, was das Zitat zeigt. In Deutschland haben wir ein mehrgliedriges Schulsystem. Neben den Regelschulen, den Gymnasien und Haupt- und Realschulen gibt es die Förderschulen, die sich um die Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf kümmern. Damit aber alle Schüler das gleiche Recht auf Bildung haben, sodass sie ihre Fähigkeiten und ihr Potential ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend in allen Bereichen bestmöglich einsetzten können, darf keine zwei- Klassen Gesellschaft durch die Trennung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und die Regelschulkinder an verschiedenen Schulen stattfinden. An diesem Punkt setzt die Inklusion an, welche auch Kinder mit Lernschwächen oder jeglicher Art von Behinderung an Regelschulen inkludieren möchte.

Wie die Inklusion an deutschen Schulen möglich ist und wird, ist eine aktuelle Diskussion und beschäftigt das deutsche Bildungssystem. Alle Kinder und Jugendlichen sollen respektiert und chancengleich behandelt werden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit dem Thema: „Wie muss sich das System Schule in Deutschland ändern, damit Inklusion möglich wird?“

Dazu werden zunächst wichtige Grundlagen und die nötigen Termini erläutert.

Diese Termini sind die Bildung und die damit verbundene Bildungsgerechtigkeit und Benachteiligung. Es wird zudem ein Blick auf die Begriffe Heterogenität und Integration geworfen, da diese auf die Begriffsdefinition der Inklusion vorbereiten, sich mit dieser aber nicht komplett decken.

Anschließend wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Inklusion und dem heutigen Stand gegeben, um in einem nächsten Schritt mögliche Weiterentwicklungen der Schulen zu diskutieren. Dabei wird vor allem die UN-BRK und die Salamanca Erklärung beleuchtet, da diese herausragende Punkte in der Geschichte der Inklusion sind.

Im letzten Kapitel soll betrachtet werden, wie sich das System Schule weiterentwickeln muss, damit Inklusion möglich wird und welche Veränderungen Schüler und auch Lehrer durchlaufen müssen. Anhand eines konkreten Beispiels, wie Inklusion an einer deutschen Schule gelebt wird, werden mögliche Methoden und Vorgehensweisen aufgezeigt.

Abschließend wird ein Fazit gezogen und ein kurzer Ausblick gegeben.

2. Grundlegende Begriffe

Um sich dem Thema Inklusion und der damit verbundenen Chancengleichheit im Bildungssystem Deutschland für alle Kinder zu nähern, ist es wichtig zunächst grundlegende Begriffe zu klären. Dazu zählen die Begriffe Bildung und die damit verbundene Bildungsgerechtigkeit, die Heterogenität sowie die Integration und die Inklusion.

2.1. Bildung- Gerechtigkeit und Benachteiligung

Bildung ist ein sehr weitreichender Begriff und es ist unmöglich ihn konsensfähig innerhalb einer fachwissenschaftlichen Diskussion zu definieren.[2] Bildung thematisiert das Verhältnis von der Welt und den Menschen. Dabei muss sie ein Bewusstsein für die Probleme der Welt bilden. Bildung zielt dabei auf das Ausbilden einer handlungsfähigen und selbstsicheren Persönlichkeit, die ihr bereits vorhandenes Wissen mit neuem verknüpfen kann und Handlungszusammenhänge erkennen kann.[3]

Laut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN von 1948, hat jeder Mensch das Recht auf Bildung.[4]

Bildung ist ein Prozess, der mit der Geburt beginnt und ein ganzes Leben andauert. Sie ist auf die Erziehung angewiesen, denn diese vermittelt den Kindern eine gewisse Orientierung innerhalb ihrer Kultur. Bei der Bildung setzt man sich mit seiner Umwelt auseinander. Dies macht jedes Kind auf seine eigene Art und Weise. Bildung umfasst daher den aktiven Erwerb von Wissen und die Fähigkeit auch bereits vorhandenes Wissen mit dem neu erlangten Wissen zu verknüpfen. Dazu zählt auch, dieses Wissen in neuen Situationen wieder anwenden zu können. Die Bildung erfasst soziale Kompetenzen, die ein Mensch in seinem Leben erlangt, wie das Bewusstsein von bestimmten gesellschaftlichen Werten, Selbstbewusstsein und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitmenschen.[5] Hartmut von Hentig definiert den Begriff Bildung daher als „Geistige Verarbeitung der Erfahrung.“[6]

Bildung kann damit sowohl in der Schule, als auch im alltäglichen Leben stattfinden und betrifft alle Lebensbereiche.

Die Ausführungen zeigen, dass Bildung immer eine Entwicklung für das Individuum darstellt und es ihm ermöglicht, sich in der Gesellschaft zu orientieren. Diese Konzepte stehen für die allgemeine Bildungstheorie. Kommt allerdings etwas Besonderes hinzu, wie zum Beispiel eine andere kognitive oder körperliche Begebenheit, wird das Risiko der Exklusion in der Gesellschaft größer.[7]

Gleiche Bildungschancen für alle sind aber nötig, um integriert zu werden. Nur durch Bildungsabschlüsse ist es meist möglich gewisse Positionen in der Gesellschaft einzunehmen. Doch in der Gegenwart zeigt sich, dass die Bildungsgerechtigkeit immer mehr vernachlässigt wird. In den Schulen werden die Schüler nach individuellen Leistungen selektiert. Dabei werden zum Beispiel herkunftsspezifische Unterschiede oder Benachteiligungen bezüglich der Sprache oder einer Behinderung nicht beachtet.[8] Um eine Bildungsgerechtigkeit zu erlangen, müsste jeder Schüler so unterstützt werden, dass er aufgrund dieser Benachteiligungen aber nicht schlechter da steht, als andere Schüler: „Bildungsgerechtigkeit müsste sich mit individualisierten Förderprogrammen auseinandersetzen, die es schaffen, alle Kinder und Jugendlichen so zu unterstützen und zu begleiten, dass niemand dabei auf der Strecke bleibt.“[9]

2.2. Heterogenität

Bei der Erlangung von Bildung spielt die Heterogenität eine große Rolle, da in Schulen in heterogenen Klassen gelernt wird. Der Begriff Heterogenität kommt aus dem Griechischen „heterogenis“ und bedeutet verschiedenartig. Bezogen auf den schulischen Kontext, meint die Heterogenität die Verschiedenheit und Unterschiede der Schüler. Diese Unterschiede sind zum Beispiel das Alter, das Geschlecht, die Interessen, die Herkunft oder auch die Leistungsfähigkeit.[10] Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft deutet mit dem Slogan „Alle sind verschieden - Alle sind Gleich“ aber auch darauf hin, dass sich die Schüler zwar durch einige Merkmale unterscheiden, sie aber dennoch alle einen gleichen Anspruch auf die optimale Förderung und Entwicklung haben.[11]

Laut Karl Dieter Schuck muss daher im Unterricht eine „innere Differenzierung“ als Voraussetzung für ein gemeinsames Lernen in einer heterogenen Gruppe stattfinden.[12] Diese innere Differenzierung steht der „äußeren Differenzierung“, welche den organisatorischen Rahmen darstellt, gegenüber. Das deutsche Schulsystem zeigt, dass es sehr früh selektiert und eher auf homogene Schülergruppen eingestellt ist.[13] Die Heterogenität ist aber immer präsenter und Leitgedanke der Inklusion. Ein professioneller Umgang mit der Heterogenität der Schüler hat die „allergrößte Bedeutung für den schulischen Erfolg der […] Schüler, für die Berufszufriedenheit der Lehrkräfte, aber auch für die Qualität und Chancengleichheit des Schulsystems insgesamt.“[14]

2.3. Integration und Inklusion

Die Betrachtungen der Heterogenität leiten über zur Inklusion. Es gibt zwar unzählige Definitionen von Inklusion, aber in jeder taucht die Heterogenität der Schulklassen auf, die das Zentrum bildet. Es wird dabei darauf bestanden, dass Inklusion nicht nur Schüler mit Behinderung betrifft, sondern eine Behinderung nur ein Aspekt der Heterogenität neben den geschlechtlichen, kulturellen oder sozialen Aspekten ist.[15] Da die Inklusion oft mit der Integration synonym verwendet wird, sie sich aber dennoch unterscheiden, sollen diese beiden Begriffe zunächst voneinander abgegrenzt werden, damit keine Verwirrungen entstehen.[16] In der neueren Literatur wird zunehmend der Begriff Inklusion verwendet, der Unterschied zur Integration aber nicht immer transparent gemacht.[17]

Integration

Der Begriff Integration kommt aus dem Lateinischen „ Integratio“ und bedeutet die „Wiederherstellung eines Ganzen.“[18] Der Begriff wird auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen, wie der Ökonomie benutzt, aber für die Erziehungswissenschaft ist der soziologische Zugang zur Integration entscheidend.[19] Dabei wird sich mit der Frage beschäftigt, wie eine Einheit aus einer Vielzahl von Personen entstehen kann und wie der innere Zusammenhalt einer Gesellschaft organisiert wird. Es findet somit ein Eingliedern statt und es wird zuvor getrenntes zusammengeführt. Dadurch entsteht eine Gemeinschaft, die aber nebeneinander existiert. Integration bezieht sich damit auch auf Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch jeglichen anderen Dingen, die zu einer Heterogenität führen und deren Teilhabe an der Gesellschaft.[20]

Georg Feusner fasst die Integration als einen Prozess zusammen, in dem „[…] alle Kinder und Schüler in Kooperation miteinander auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau […] an und mit einem ‚gemeinsamen Gegenstand‘ spielen, lernen und arbeiten.“[21] Es steht damit bei dieser Definition das kooperative Lernen im Vordergrund und die Schüler sollen hauptsächlich voneinander lernen. Integration setzt allerdings die Separation voraus, denn sie möchte vorher getrenntes wieder zusammenführen. Damit bildet sie auch den Gegensatz zur Inklusion, denn diese verzichtet von Anfang an auf jegliche Formen der Separation.[22]

Diese Tatsache bildet nicht nur den Gegensatz zur Inklusion, sondern zeigt gleichzeitig auch die Grenzen der Integration auf, denn wenn von einem separierenden Bildungssystem ausgegangen wird, zeigt dies, dass versucht wird, Kinder und Jugendliche mit Behinderung soweit zu fördern, dass sie in das allgemeine Bildungssystem passen. Dieses verändert sich allerdings nicht wesentlich. Daher kann das Konzept der Integration auch nur Kinder aufnehmen, wo absehbar ist, dass diese die Ziele dieses allgemeinen Bildungssystems, wie die vorgegebenen Bildungsabschlüsse überhaupt noch erreichen können.[23]

Inklusion

Die Inklusion bedeutet Einschließen, sodass alle gemeinsam existieren. Dabei passt sich die Struktur des Schulsystems den individuellen Bedürfnissen eines einzelnen Schülers an. Damit zielt die Inklusion auf eine „umfassende gesellschaftliche Teilhabe in möglichst weitgehender Selbstbestimmung.“[24] Dabei ist es Ziel, die Grenze zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aufzuheben. Der Begriff der Inklusion ist damit umfassender als der der Integration. Die Inklusion ist

„ein gesellschaftlicher Anspruch, der besagt, dass die Gesellschaft ihrerseits Leistungen erbringen muss, die geeignet sind, Diskriminierungen von Menschen jeglicher Art und auf allen Ebenen abzubauen, um eine möglichst chancengerechte Entwicklung aller Menschen zu ermöglichen.“[25]

Es wird eine „Theorie der Vielfalt“ angestrebt, welche die „Zwei-Gruppen-Theorie“[26] ablösen soll. Es soll nicht mehr nur von den zwei Gruppen behindert und nicht-behindert gesprochen werden, sondern jeder Schüler soll mit seinen Besonderheiten und individuellen Fähigkeiten berücksichtigt und unterstützt werden.

Der Begriff „inclusion“ in Bildungskontekten kam das erste Mal in den 1980er Jahren in Nordamerika auf und beschrieb das uneingeschränkt Miteinander von Schülern mit und ohne „special educational needs“ und wies damit auf eine Veränderung schulischer Strukturen hin.[27] Es sollte nicht nur eine Unterstützung der Schüler mit „special educational needs“ stattfinden, sondern sich das Schulsystem den neuen Anforderungen anpassen. Für die weltweite Verbreitung sorgte vor allem die Salamanca Erklärung der UNESCO-Konferenz 1994, sodass ab 2000 auch in Deutschland von Inklusion gesprochen wurde.[28]

Das Konzept der Inklusion wird unterschiedlich aufgefasst. Es gibt Vertreter, die zwar die Inklusion an sich befürworten, allerdings auch Einzelunterricht neben der Regelklasse als sinnvoll erachten, wenn Kinder sehr schwere Verhaltensauffälligkeiten vorweisen. Theunissen bezeichnet dies als „resource room with special education teacher.“[29] Auf der anderen Seite gibt es das Inclusive Schools Movement, welches eine totale Inklusion verfolgt. Dabei sollen alle Schüler mit jeglicher Art von Behinderung oder Förderbedarf in den Regelschulen beschult werden. Es sollen bestimmte Unterstützungslehrer, Vetrauenspersonen, ein genereller Zwei-Pädagogen-Unterricht und Formen kooperativen Lernens dabei helfen. Es wird von außerschulischer Hilfe neben dem regulären Unterricht abgesehen, denn eine sonderpädagogische Zuwendung außerhalb des regulären Unterrichts, würde wieder eine Separierung bedeuten. Vielmehr soll die ganze Klasse von der extra Zuwendung profitieren und alle gemeinsam und voneinander lernen, sodass nicht speziell ersichtlich wird, für wen genau die Hilfe vorgesehen ist.[30]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unterschied Inklusion und Integration.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Inklusive_P%C3%A4dagogik

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Inklusion einen Schritt weiter geht als die Integration, denn sie fordert nicht nur ein Eingliedern, sondern ein Einschließen und eine Veränderung des Schulsystems, sodass eine chancengleiche Bildung für alle Schüler möglich wird.

3. Geschichtlicher Rückblick: Integration und Inklusion vor und nach der Salamanca Erklärung und UN-BRK

In diesem Kapitel soll der Weg dargestellt werden, der begangen wurde, um Menschen mit Behinderungen und sonstigen Einschränkungen ein chancengleiches Leben zu ermöglichen.

1975 legte die Vereinten Nationen durch die „ Declaration on the Rights of Disabled Persons“ den Grundstein für das später folgende inklusive Denken. Diese Erklärung forderte erstmals die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein und erkennt deren Bedürfnisse an.[31] 1989 hielten die Vereinten Nationen The Convention on the Rights of the Child ab und legten damit fest, dass jedem Kind ein Zugang zur Integartion gesichert werden muss, wenn die Ressourcen und die Umsetzung angemessen sind. Die folgenden UN Standard Rules von 1993 fordern dann ein soziales System und inklusive Bildung. Bei diesen Konventionen wurden zwar Überlegungen der Chancengleichheit und zu dem gleichen Bildungszugang angestellt, jedoch fehlen größtenteils Überlegungen zur Umsetzung.[32]

Ein neuer und entscheidender Abschnitt bezüglich der Inklusion im deutschen Schulsystem beginnt mit der Unterzeichnung der Salamanca-Erklärung von 1994, in welcher sich 92 Nationen und 25 internationale Organisationen darüber einig sind, dass jedem Kind der Zugang zu einer Regelschule ermöglicht werden muss und jedes Kind die bestmögliche Bildung erhalten muss.[33] Die Salamanca- Erklärung beschreibt in den 75 Paragraphen die inklusive Schule und die betroffenen Kinder. Sie ist das erste Dokument, was auch Anregungen zur Umsetzung gibt.

Erst die UN-Behindertenrechtskonvention, abgekürzt UN-BRK ist die erste verbindliche Erklärung, die sich den Rechten von Menschen mit Behinderung widmet. Die Konvention wurde am 13.12.2006 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und trat am 03.05.2008 in Kraft.[34] Sie reagiert damit auf die weltweite Benachteiligung im gesellschaftlichen Leben, die Menschen mit Behinderungen trifft. Deshalb ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft ein Grundsatz der Konvention und wird insbesondere bei der Bildung zunehmend konkretisiert.[35] Die UN-BRK versteht die Behinderung als ein Phänomen, was durch die Gesellschaft mit versursacht wurde. Daher müssen die daraus resultierenden Benachteiligungen beseitigt werden.[36] Dies soll in allen Lebensbereichen geschehen, diese Arbeit beschränkt sich aber auf die Inklusion in der Bildung. Mit Artikel 24 der UN-BRK wird allen Menschen mit Behinderung das gleiche Recht auf Bildung eingeräumt. Es dürfen keine Diskriminierungen aufgrund der Behinderung stattfinden. Zudem verlangt die UN-BRK die Schaffung eines inklusiven Schulsystems.[37]

Auf der Grundlage der Zielsetzungen der UN-BRK, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat, rückt die inklusive Schulentwicklung in den Mittelpunkt.

Die inklusive Schulentwicklung zielt vor allem auf die gesamte Institution Schule.[38] Sie zielt darauf „eine Schule für alle“ zu gestalten und schließt dabei jede einzelne Schule, die Struktur und den Unterricht mit ein. Dabei stellt sie die Frage, wie eine Schule beschaffen sein muss, dass dort alle Kinder lernen können. Die Frage der Teilhabe wird damit am System festgemacht und nicht an den einzelnen Schülern.[39] Wie der historische Rückblick zeigt, hat die Inklusionsdebatte ihren Ursprung bereits in den 1970er Jahren, allerdings wurden diese inklusiven Grundgedanken erst etwa zwanzig Jahre später in normative Entscheidungen umgesetzt.[40] Die inklusive Schule zielt damit auf die Gleichberechtigung und gleiche Teilhabe aller Kinder an der Schule und dem Unterricht. Dabei ist vor allem wichtig, dass alle den gleichen Zugang zur Bildung ermöglicht bekommen, denn Bildung hängt meist von den Zugängen ab.[41] Durch die UN-BRK muss die Schule „sowohl die inklusions-Agenda einlösen als auch der Standardisierungs-Agenda folgen.“[42] Wie ausländische Staaten, wie zum Beispiel die USA, zeigen, bedeutet die Einführung von gewissen Standards nicht immer eine Unvereinbarkeit mit inklusiven Prozessen. Jedoch setzt Deutschland weiterhin auf Sonderschulen, die Kinder mit Behinderungen aufnehmen. Seit der UN-BRK ist der Inklusionsanteil zwar on 18,4 auf 25,0 Prozent gestiegen, allerdings bleibt der Anteil an Kindern, die in Sonderschulen unterrichtet werden fast konstant. Der Inklusionsanteil ist ebenso relativ unverändert geblieben. In den Grundschulen liegt dieser bei 39,2 Prozent und in den weiterführenden Schulen bei 21,9 Prozent.[43] Blickt man zudem auf die einzelnen Bundesländer, wird deutlich, dass sich die Inklusion in unterschiedlichem Tempo ereignet. Der Zugang zu inklusiver Bildung ist in allen Ländern, außer in Hamburg, nur möglich, wenn die nötigen Ressourcen und organisatorischen Notwendigkeiten an der jeweiligen Regelschule vorhanden sind.[44]

Spitzenreiter sind Schleswig Holstein und Bremen mit über 50 Prozent. Hessen liegt jedoch eher im hinteren Feld mit nur 17,3 Prozent Inklusions- Anteil.[45] Deutschland ist momentan noch neben Belgien in Europa das Schlusslicht in Sachen Inklusion. In vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel Italien, ist die inklusive Bildung bereits umgesetzt.

[...]


[1] Bußer 2017, 1.

[2] Vgl. Sauter 2016, 170.

[3] Vgl. ebd., 171.

[4] Vgl. UN 1948, Art. 26.

[5] Vgl. Sauter 2016, 171.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Sauter 2016, 171.

[8] Vgl. Freytag 2013, 1.

[9] Ebd., 1.

[10] Vgl. Netzwerk Heterogenität 2017, 1.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Schuck 2011, 9.

[13] Vgl. Schuck 2011, 103f.

[14] Netzwerk Heterogenität 2017, 1.

[15] Vgl. Biewer 2009, 126.

[16] Vgl. Theunissen 2009, 220.

[17] Vgl. Reich 2012, 39.

[18] Heimlich 2016, 118.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. ebd., 118-119.

[21] Feusner 1995, 173f.

[22] Vgl. Heimlich 2016, 118.

[23] Vgl. ebd., 121.

[24] Heimlich 2012, 13.

[25] Reich 2012, 39.

[26] Schmidt/ Dworschak 2011, 271.

[27] Vgl. Biewer/Schütz 2016, 123.

[28] Vgl. ebd., 124.

[29] Theunissen 2009, 220.

[30] Vgl. ebd.

[31] Vgl Peters 2009, 120.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. Biewer 2009, 128.

[34] Vgl. Hess-Klein 2016, 602.

[35] Vgl. ebd., 601.

[36] Vgl. UN-BRK 2006, Artikel 4.

[37] Vgl. UN-BRK 2006, Artikel 24 Abs.1 und Artikel 2, Absatz 2.

[38] Vgl. Hansen 2016, 194.

[39] Vgl. ebd., 195.

[40] Vgl. ebd., 194.

[41] Vgl. ebd., 194.

[42] Hansen 2016, 195.

[43] Vgl. Klemm 2013, 5.

[44] Vgl. ebd.

[45] Vgl. Hansen 2016, 195.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Wie muss sich das System Schule in Deutschland ändern, damit Inklusion möglich wird?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,8
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V381142
ISBN (eBook)
9783668579651
ISBN (Buch)
9783668579668
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
system, schule, deutschland, inklusion
Arbeit zitieren
Johanna Lauer (Autor), 2017, Wie muss sich das System Schule in Deutschland ändern, damit Inklusion möglich wird?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381142

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