Ist die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes ein Thema für die Grundschule?


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Dreifaltigkeit Gottes und die personale Liebe im trinitarischen Modell von Hans Urs von Balthasar

3. Dreifaltigkeit als Thema in der Grundschule

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

ÄDarum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“1

Die Taufanweisung aus dem Matthäusevangelium verbindet die Aufnahme in die Gemeinschaft Jesu mit dem Bekenntnis zur Dreifaltigkeit Gottes. Der Glaube an den dreieinigen Gott zeichnet das Christentum aus. Auch die Gebete und Gottesdienste beginnen mit dem Kreuzzeichen: ÄIm Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Walter Kaspar bezeichnet das Bekenntnis zum dreieinigen Gott als ÄFundament des christlichen Glaubens“2, denn es ist in allen christlichen Belangen von zentraler Bedeutung.

Wir glauben an den einen Gott in drei Personen. Deshalb muss untersucht werden, ob die Dreifaltigkeit Gottes als zentrales Glaubensmerkmal unseres Glaubens schon in der Grundschule behandelt werden kann.

Für viele Menschen ist die göttliche Trinitätslehre auf den ersten Blick ein unlogisches und widersprüchliches Konzept, das eher lebensfern zu sein scheint, sodass in der Grundschulpädagogik eine besondere Herangehensweise notwendig ist. Wir Christen glauben an einen Gott, doch wie lässt es sich dann erklären, dass die Dreifaltigkeit Gottes einen zentralen Stellenwert hat? Wie können wir überzeugend einen dreieinigen Gott verkünden und zudem zeigen, dass unser Glaube ein monotheistischer Glaube ist? Ist Gott der eine, der sich in drei Personen entfaltet? Oder ist er drei, die erst später zu einem Gott werden?

Diese Fragen sind selbst für gläubige Christen oft nicht sofort zu beantworten. Noch schwieriger ist es im Religionsunterricht in den Schulen. Kann man überhaupt schon Kindern im Grundschulalter zeigen, welche Bedeutung der Glaube an den dreieinigen Gott für ihr Leben hat? Wie kann man die Relevanz der Trinitätslehre für Kinder versteh- und erkennbar machen?

Diesen Fragen sollen untersucht werden, um feststellen zu können, ob die zentrale Lehre der Dreifaltigkeit Gottes schon in der Grundschule besprochen werden kann und für die Kinder begreifbar ist.

Dazu wird zunächst ein Überblick über die Dreifaltigkeit Gottes mit Aspekten der Theologie von Hans Urs von Balthasar gegeben und die Grundsätze der Bibel und der Konzilien zur Trinitätslehre kurz dargestellt. Dann wird der Rahmenplan für die Grundschulen in Hessen betrachtet, um aufzuzeigen, wie das Thema in der Grundschule behandelt werden kann. Abschließend wird ein Fazit gezogen und die Frage beantwortet, ob die Trinitätslehre bereits ein Thema für den Unterricht in der Grundschule ist.

2. Die Dreifaltigkeit Gottes und die personale Liebe im trinitarischen Modell von Hans Urs von Balthasar

Das christliche Bild von Gott hat sich durch unterschiedliche Erfahrungen und den Dialog darüber in einem Prozess über die Jahre hinweg entwickelt. Am Anfang sprach man Äüber den einen Gott ( De Deo uno)“3 und erst später über den ÄDreifaltigen Gott (De Deo trino).“4 Es wurde demnach zunächst ein allgemeines Gefühl für Gott und die Transzendenz entwickelt und erst später durch Erfahrungen des Jesus von Nazareth, der im Heiligen Geist Gottes wirkt, der Beziehungscharakter Gottes erfasst. Die daraus resultierenden Formulierungen auf den Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) halten die wichtigsten Punkte der Dreifaltigkeitslehre fest. Das Konzil von Nizäa legt fest, dass Gottes Wort in Jesus Christus Mensch geworden ist. Auf dem Konzil in Konstantinopel wurde anschließend die Beziehung zum Heiligen Geist festgelegt. Dieser kommt vom Vater und wird als göttlicher Geist mit dem Vater und dem Sohn angebetet.5 Die Konzilien stellen somit dar, was wir heute als Glaubensbekenntnis aussprechen.6

Durch diese Neuerungen der Dreifaltigkeitslehre, wird Gott als ein Beziehungswesen aufgefasst und kommuniziert mit den Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus, der heilend durch den Heiligen Geist Gottes wirkt.7 Diese Lehre ist aber nicht durch menschliche Vorstellungen entstanden, sondern ist durch die Selbstoffenbarung Gottes begründet. Er geht als Schöpfer eine Beziehung zu der Welt und den Geschöpfen ein, die auf dieser Welt leben und erfüllt sie mit seiner endlosen Liebe und Güte. Die gegenseitige Beziehung ist nicht wegzudenken. ÄEs muss also die Liebe (amor) sich zum anderen hinwenden, um selbstlose, eigentliche Liebe (caritas) zu sein.“8

Auch Hans Urs von Balthasar, der die Theologie im 20. Jahrhundert maßgeblich mitprägte, befasste sich mit dem Glauben an den Dreifaltigen Gott. Der phänomenologische und personale Ansatz von Balthasars beschäftigt sich mit dem Mysterium des sich offenbarenden Gottes.9

Für ihn ist die Selbstmitteilung des göttlichen Logos der Höhepunkt der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen.10 Der Abstieg des trinitarischen Gottes, der Liebe zum Menschen, ist der Ausgangspunkt der Trinitätstheologie von Balthasars.11

Gott hat seinen Sohn gesandt, damit er Bruder der Geringsten werden konnte und enthüllt damit, dass er als Allmacht die Liebe ist und umgekehrt als Liebe die Allmacht ist und dies in sich selbst, im ÄMysterium seiner Dreieinigkeit.“12 Nur die Dreieinigkeit kann diese Beziehungen Gottes in sich selbst, das auf der einen Seite Bei-Gott-Sein und die Gottverlassenheit auf der anderen Seite, erklären.13 Der dreieinige Gott erweist sich im Kreuzestod Jesu Christi, als der, welcher schon immer ewige Liebe darstellt.14 Der Tod, aus Liebe übernommen, kann so zu einem Ausdruck der Liebe werden.15

Um an dieser Liebe Gottes teilhaben zu können, muss der Mensch nach von Balthasar gehorsam sein. Gehorsam meint in diesem Zusammenhang die Bereitschaft die Liebe Gottes anzunehmen. Liebe findet nur ihren Platz, wenn sich ihr „ein Raum der offenen Erwartung darbietet.“16

ÄDer trinitarisch-personale Prozeß ist die Liebe. Und dies weder als ein Abstractum noch als ein Kollektiv, sondern als ein umfaßlich-Personales: der einzige Gott (Vater) schenkt mir(uns) seinen einzigen Sohn, um mich (uns) mit seinem Heiligen Liebesgeist innerlich zu erfüllen.“17

Das trinitarische Modell von Balthasars, der die personale Liebe als Ausgangspunkt nimmt, kann den Schülern in der Grundschule sehr anschaulich näher gebracht werden.

3. Dreifaltigkeit als Thema in der Grundschule

Der Religionsunterricht in der Grundschule soll in die Wirklichkeit des Glaubens einführen.18 Zu dieser Wirklichkeit des Glaubens zählt auch die Dreifaltigkeit Gottes, die einen zentralen Stellenwert im christlichen Glauben hat. Die Schüler sollen nach dem Rahmenplan für Katholische Religion nach vier Grundschuljahren wissen, dass Äder eine Gott uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist begegnet.“19

Das die Trinität ein Fundament des christlichen Glaubens ist, zeigte schon der Katechismus in den Schulen. Früher wurden daher diesbezüglich Katechismussätze in den Schulen vermittelt: ÄDer Vater ist Gott, der Sohn ist Gott und der Heilige Geist ist Gott- und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott in drei Personen.“20 Dieser und andere Lehrsätze des früheren Katechismus sind jedoch für die Schüler zu abstrakt und gerade in der Grundschule nicht angemessen. Ihren komplexen Inhalt können die Schüler durch Auswendiglernen nicht erfassen. Sie haben keine Möglichkeit diesen komplexen Inhalt zu hinterfragen oder darüber zu diskutieren. Es sollte ein reines Reproduzieren der vorgegebenen Sätze stattfinden. Dies ist jedoch nicht mehr Ziel des heutigen Religionsunterrichts.

Um den Schülern die Dreieinigkeit Gottes näher zu bringen muss kleinschrittig vorgegangen werden und der Begriff der Dreifaltigkeit erst langsam erschlossen werden. Dazu darf man die Schüler nicht mit Lernsätzen konfrontieren, sondern muss ihnen ermöglichen Gott am Ende der Grundschulzeit als Ganzes zu begreifen.

Deswegen soll in der Grundschule korrelierendes Lernen im Vordergrund stehen.21 Den Schülern wird aufgezeigt, Ädaß die Offenbarung […] in konkrete menschliche Situationen hinein erfolgte, daß die christliche Überlieferung sich in menschlicher Geschichte vollzog und das die Verwirklichung des christlichen Glaubens immer in konkreten menschlichen Lebensvollzügen vor sich geht[…].“22

[...]


1 Mt 28,19.

2 Schmaus 1969, 3.

3 Hilberath 2011, 10.

4 Ebd.

5 Vgl. ebd., 11.

6 Vgl. Hilberath 2011, 9.

7 Vgl. Wolf 2001, 37.

8 V. St. Viktor 2002, 84f.

9 Vgl. Müller 2006, 13.

10 Ebd.

11 Vgl. Löser 2000, 1.

12 Ebd.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. von Balthasar/Ratzinger 1971, 42 f.

15 Ebd.

16 Löser 2000, 1.

17 Ebd.

18 Vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, 64.

19 Wolf 2011, 31.

20 Deutschen Bischofskonferenz 1955, 16.

21 Vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, 65.

22 Zentralstelle Bildung der Deutschen Bischofskonferenz 1977, 16.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ist die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes ein Thema für die Grundschule?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V381145
ISBN (eBook)
9783668576131
ISBN (Buch)
9783668576148
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trinitätslehre, Religionsdidaktik, Hans Urs von Balthasar
Arbeit zitieren
Johanna Lauer (Autor), 2016, Ist die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes ein Thema für die Grundschule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381145

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