Die neurophysiologische Behandlung nach Vojta. Ein Ansatz zur Frühförderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vojta´s Leben

3 Die Entwicklung der Vojta-Therapie

4 Theorie- und Grundpositionen

5 Anwendungsbereiche der Vojta-Therapie

6 Die Umsetzung der Vojta-Therapie
6.1 Das Reflexkriechen
6.2 Das Reflexumdrehen

7 Kritikpunkte der Vojta-Therapie

8 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Man müsste annehmen, dass es in der "Rehabilitationspädagogik" ausschließlich um "rehabilitative" Maßnahmen ginge, dass dem nicht so ist, beweist die Frühförderung. Das Stichwort hierbei lautet: Prävention. Diese beiden Begriffe sollte man gerade in diesem Wissenschaftsbereich immer im Zusammenhang betrachten. Denn auch oder vielleicht gerade die Frühförderung von Kindern mit Handicaps leistet einen wichtigen Beitrag für den weiteren Lebensverlauf.

Die Frühförderung setzt ein bevor sich eine Behinderung des Kindes erst entwickeln kann, somit können spätere rehabilitative Schritte evt. vermieden werden. Die Frühförderung gestaltet sich daher als ein sehr komplexes System, angefangen von der Früherkennung über begleitende Angebote für Eltern bis hin zur Vermeidung von schweren Schädigungen durch bestimmte Maßnahmen oder Therapien. Wichtig hierbei ist, dass nicht nur das Kind "therapiert" wird, sondern auch Eltern, Geschwister und Angehörige. Adressaten von Frühförderung können also Kinder sein, die körperliche oder geistige Entwicklungsstörungen, Sinnes- oder Wahrnehmungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder soziale, intellektuelle oder emotionale Entwicklungsverzögerungen aufzuweisen haben.

Es gibt viele therapeutische Möglichkeiten diese Symptome zu bearbeiten. Ein Weg zur Behandlung ist die Vojta-Therapie, über die in dieser Arbeit berichtet werden soll. Die Vojta-Therapie spricht insbesondere Kinder an, die motorische und koordinative Störungen, angeborene Fehlbildungen oder einer CP-Bedrohung (CP-Cerebral Parese) unterliegen, um nur einige Indikationen zu nennen.

In dieser Arbeit erfährt der Leser zu Beginn etwas über die Person, den Sammler, wie sich Vaclav Vojta selbst immer nannte, und dessen Leben (2). Danach wird erläutert, welche Besonderheiten und Eigenschaften die Vojta-Therapie mit sich bringt (3). Im darauf folgenden Teil wird die Entwicklung dieser Therapieform beschrieben (4). Der fünfte Teil stellt die Zielgruppen und Anwendungsbereiche der Vojta-Therapie dar (5). Die Beschreibung der Therapieform selbst, bildet den sechsten Teil der Ausführungen (6). Im siebenten Punkt dieser Arbeit werden verschiedene Kritikpunkte der Therapie nach Vojta dargestellt (7). Das Fazit wird diese Arbeit abrunden und gewonnene Ergebnisse vortragen (8). Man muss kritisieren, dass gerade in den letzten Jahren rund um die Vojta-Therapie literarisch nicht viel passiert ist. Viele Werke und Veröffentlichungen über die Vojta-Therapie sind in einem nicht nur alten, sondern vor allem desolaten Zustand. Zudem sind diese Berichte nur sehr knapp bemessen. Dies könnte daran liegen, dass immer mehr alternative Therapien bevorzugt angewandt werden. Auch wenn die Vojta-Therapie ein abgeschlossenes System darstellt und es eigentlich "nichts mehr zu sagen gibt", so sollten dennoch literarische Aktualisierungen oder Überblicke nicht das Problem darstellen. Ein Kritikpunkt an dem in Zukunft noch besser gearbeitet werden sollte.

2 Vojta´s Leben

Professor Vaclav Vojta wurde am 12.07.1917 in Mokrosuky/ Böhmen in der Tschechischen Republik geboren.

1937 begann er mit dem medizinischen Studium an der Karls-Universität in Prag, das er aufgrund deutscher Besatzung und der Kriegsverhältnisse erst 1947 mit der Promotion abschließen konnte. Im gleichen Jahr begann er mit der Facharztausbildung in Neurologie und Kinderneurologie. Von 1948 bis 1956 war er Assistenzarzt an der Neurologischen Klinik der Karls-Universität Prag und ab 1956 Leiter der Kinderneurologischen Abteilung an der IV. Klinik der Medizinischen Fakultät der Universität Prag. 1961 wurde er mit der Leitung der Fakultätspoliklinik für Kinderneurologie in Prag betraut.

In diese, wie Professor Vojta sagte „erste fruchtbarste Periode seines Arbeitens" (http://www.vojta.com/cgi-local/ivg_ger.cgi) fiel im August 1968 der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen. Professor Vojta musste um seine persönliche und berufliche Zukunft fürchten und entschloss sich, mit seiner Familie aus dem Urlaub in Jugoslawien nicht mehr in seine Heimat zurück zukehren. Er suchte für sich und seine Familie Zuflucht in der Bundesrepublik Deutschland.

Herr Professor Imhäuser, der damalige Leiter der Orthopädischen Universitätsklinik in Köln, nahm Professor Vojta im Herbst 1968 als wissenschaftlichen Mitarbeiter an seine Klinik und verschaffte ihm so die Möglichkeit, seine entwicklungskinesiologischen Studien und Untersuchungen weiterzuführen. Hier hielt Professor Vojta Seminare für Ärzte zur neurokinesiologischen Diagnostik und für Physiotherapeuten in der Anwendung der entwicklungskinesiologischen Therapie bei bewegungsgestörten Säuglingen, Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen. 1974 erhielt Professor Vojta den Heine-Preis, die höchste Anerkennung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie.

Im Frühjahr 1975 wechselte Professor Vojta an das Kinderzentrum München des Bezirks Oberbayern. Er wurde dort Stellvertreter von Professor Hellbrügge und Leiter der Rehabilitationsabteilung. 1979 verlieh ihm die Aktion Sonnenschein die Medaille "Miteinander wachsen". Ebenfalls war Professor Vojta Träger des Bundesverdienstkreuzes. In Japan und Korea wurden ihm hohe Distinktionen verliehen. 1983 erhielt er den Ernst-von-Bergmann-Preis für ärztliche Fortbildung von der Bundesärztekammer, 1990 die von Pfaundler-Medallie für kinderärztliche Weiterbildung vom Berufsverband der Kinderärzte.

Seit 1992 hielt er bis zuletzt wieder regelmäßig Vorlesungen an seiner neurologischen Fakultät, der Karls-Universität in Prag. Das Collegium Catholicum Medicinae in Seoul /Korea ernannte ihn 1994 zum Honorarprofessor.

Nach dem Zerfall des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei habilitierte sich Dr. Vojta 1996 zum Professor der Kinderneurologie und Rehabilitation und bekam die Beförderung zum ausgezeichneten Professor für Neurologie und Kinderneurologie. 25 Jahre zuvor hatte man ihn als "politisch unzuverlässige Person" nicht zur Habilitation zugelassen.

Am 31.12.1995 trat Professor Vojta im Kinderzentrum München in den Ruhestand, wirkte aber weiter in München als Wissenschaftler, Arzt und Lehrer. In seiner Heimat wurde Professor Vojta im Oktober 2000 der tschechische Verdienstorden durch Präsident Havel verliehen. Am 12.09.2001 starb Professor Vojta nach kurzer, schwerer Krankheit.

3 Die Entwicklung der Vojta-Therapie

Die neurokinesiologischen Untersuchungstechniken Lagereaktionen und Reflexologie von Professor Vojta werden heute weltweit zur frühzeitigen Erkennung von motorischen Entwicklungsstörungen von Säuglingen und Kleinkindern angewandt. Sie sind die Basis dafür, dass so früh wie möglich, auch wenn klinisch noch keine bestimmbaren Störungen erkennbar sind, mit einer Therapie begonnen werden kann.

Die von Professor Vojta entwickelte Physiotherapie mit Hilfe der Reflexlokomotion stützt sich auf seinen Erkenntnissen zur Entwicklung von Haltung und Bewegung des Kindes. Professor Vojta entdeckte die Ausgangspunkte der Reflexlokomotion bei seinen Versuchen, Therapiemöglichkeiten für zerebralparetische Jugendliche mit spastischen Lähmungen zu finden.

Heute wird die Reflexlokomotion bei zahlreichen Erkrankungen im Säuglings-, Kindes- Jugendlichen- und Erwachsenenalter, z.B. bei Meningomyelozelen, bei peripheren Lähmungen, bei Arthrogrypose multiplex congenita, bei Skoliosen, bei Hüftdysplasien und Hüftluxationen, nach Schädel-Hirn-Traumen, bei Querschnittslähmungen und vielen mehr[1] erfolgreich angewandt.

Während seiner Beschäftigung an der Universitätsnervenklinik Prag wurde Professor Vojta 1954 vom damaligen Leiter der Klinik beauftragt, für eine neu gegründete Klinik im Nordosten von Böhmen eine Therapie für CP-Kinder einzuführen. Damals legte Professor Vojta das Fundament zur Therapie für zerebralparetische Kinder. Aus dieser Therapie hat er ab 1959 das Vojta-Prinzip entwickelt.

Im Nachhinein erweist sich die Entwicklung der Vojta-Therapie nicht als "Zufallsentdeckung" und nicht als Resultat einer isolierten Idee. Sie ist vielmehr die Ausbeute einer mehr als 10jährigen systematischen Arbeit, zu der Professor Vojta seine außerordentlich präzise Beobachtungsgabe, seine hohe Sensibilität zum Erkennen verzweigter lokomotorischer Zusammenhänge und vor allem seine nahezu unendliche Forschungsbegeisterung befähigten.

Zu Beginn machte Professor Vojta die Beobachtung, dass in bestimmten Körperlagen durch eine Beeinflussung des Spitzfußes eine Anspannung der Nacken und Rumpfmuskulatur hervorgerufen und andererseits durch ein bewusstes Kopfheben die Spannung des Spitzfußes intensiviert werden konnte. Davon ausgehend, wurden Kopfbewegungen gegen Widerstände jeweils aus verschiedenen Lagen versucht. Ähnliche Unternehmungen wurden auch mit dem Axisorgan durchgeführt. Dabei machte Vojta die erstaunliche Entdeckung, dass sich Muskelgruppen aktivieren ließen, die sonst nicht anregt werden konnten und dass vor allem so behandelte Kinder mit einer Zerebralparese danach eine bessere Schrittfolge, eine bessere Haltung und ein besseres Sprechverhalten zeigten.

[...]


[1] Nähere Ausführungen in Punkt 5.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die neurophysiologische Behandlung nach Vojta. Ein Ansatz zur Frühförderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Erziehungswissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V381202
ISBN (eBook)
9783668580305
ISBN (Buch)
9783668580312
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Voita, Therapie, Frühförderung, Kinder, Entwicklungsstörung
Arbeit zitieren
M. A. Sabine Wolf (Autor), 2003, Die neurophysiologische Behandlung nach Vojta. Ein Ansatz zur Frühförderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381202

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die neurophysiologische Behandlung nach Vojta. Ein Ansatz zur Frühförderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden