Die vorliegende Hausarbeit macht es sich zum Ziel aufzuzeigen, wie sich Iweins Geisteswandel auf sein gesamtes Erleben auswirkt. Nach einer kurzen Übersicht über die Grundlagen der mittelalterlichen "âventiure", werden die beiden Abenteuerrunden des Iwein so gegenübergestellt, dass der Konflikt zwischen den beiden Konstituenten der höfischen Existenz und eben des Artusromans: Frauendienst (Minne, Eheglück) und Waffenruhm ersichtlich wird. Dabei gelten diese beiden Konstituenten allerdings ausdrücklich nicht als unvereinbare Gegensätze, sondern als essentielle Teile eines großen Gesamtkonzeptes verstanden, die sich effektiv unterstützen können, wie es sich vor allem im Kampf gegen Gawein zeigt. Und so erreicht Iwein am Ende eine "concordia discordantium", wie H.B. Willson es nennt, die zu erklären Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über die âventiure
3. Die erste Abenteuerrunde
3.1 Das Brunnenabenteuer
3.2 Die Ehe mit Laudine
3.3 Iweins moralischer Niedergang während seiner Zeit im Wald
4. Die zweite Abenteuerrunde
4.1 Iweins Sühne
4.2 Der Kampf mit Gawein
4.3 Concordia Discordantium
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Geisteswandel des Protagonisten Iwein in Hartmann von Aues Artusroman und analysiert, wie dessen Entwicklung zwischen den beiden Abenteuerrunden von einem rein an Ehre orientierten Handeln hin zu einem von christlichen Werten wie Milde und Barmherzigkeit geprägten Rittertum verläuft.
- Analyse des Begriffs der âventiure im mittelalterlichen Kontext
- Gegenüberstellung der ersten und zweiten Abenteuerrunde des Protagonisten
- Untersuchung des Konflikts zwischen höfischem Frauendienst und ritterlichem Waffenruhm
- Bedeutung von Iweins moralischem Niedergang und anschließender Sühne
- Interpretation der symbolischen Einheit zwischen Iwein und dem Löwen
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Brunnenabenteuer
Die arthurische Welt, auf die wir zu Beginn der eigentlichen Handlung blicken, wird den Hochpreisungen, die Hartmann von Aue im Prolog sowie in den ersten Zeilen des Kapitels „Am Artushof“ vorgenommen hat, kaum gerecht. Nachdem Artus zunächst noch als ein Mann gelobt wurde, der „hât bî sînen zîten gelebet also schône daz er der êren krône dô truoc“ (Iwein V.8-11), müssen wir nun erfahren, dass sich der König vom Fest zurückgezogen hat, um zu schlafen, sodass seine Ritter alleine zurückgeblieben sind. Und auch die Stimmung auf diesem Fest, das zunächst noch als „alsô schœne hôchzît“ (Iwein V. 35) verklärt wurde, ist wenig ausgelassen zu sein, da Keiî mit jedem seiner Worte Streit sät, obwohl eingangs ausdrücklich gesagt wurde, dass ein “bœser man“ (Iwein V.38) bei einem solchen Zusammentreffen edler Ritter (Iwein V. 42) nicht erwünscht sei.
Nach Meinung H.B. Willsons verkörpert Keiî all die schlechten Seiten des Rittertums von unbändigem Ehrgeiz über das Streben nach Macht, bis hin zu der Sünde der superbia, die sich vor allem in Keiîs maßloser Überschätzung des eigenen Wertes zeigt. Seine penetrante Eitelkeit verhindert, dass unter den Rittern eine Kultur des Miteinanders entstehen kann. Er lässt keine Chance aus, Iwein und Kalogrenant herabzuwürdigen, weil ihm deren „êre leit“ ist (Iwein V. 110), und degradiert sie somit zu anmaßenden „Gecken“, die ihre Höfichkeit öffentlich zur Schau tragen, um der Königin zu gefallen (Iwein V.113-135).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die moralische Problematik des Artusromans ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Entwicklung des Protagonisten durch seine Abenteuerrunden.
2. Über die âventiure: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Begriffs âventiure erörtert und die Verknüpfung von Erzählung und realem Handeln innerhalb des Romans analysiert.
3. Die erste Abenteuerrunde: Dieses Kapitel untersucht Iweins initiale, von Ehrgeiz und Mangel an moralischer Tiefe geprägte Handlungsphase bis hin zu seinem sozialen und psychologischen Absturz.
4. Die zweite Abenteuerrunde: Die Sühnephase des Helden, sein Wandel zum Löwenritter und die abschließende Versöhnung mit seiner Identität und der Gesellschaft stehen hier im Fokus.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert den Geisteswandel Iweins und bestätigt die Notwendigkeit seines persönlichen Leidensweges für die Erreichung einer höheren moralischen Stufe.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, âventiure, Artusroman, höfische Existenz, Minne, Rittertum, caritas, Geisteswandel, Concordia Discordantium, Löwenritter, Laudine, Gawein, Ehre, Sühne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den moralischen Entwicklungsprozess des Protagonisten Iwein im gleichnamigen Artusroman von Hartmann von Aue.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte von ritterlicher Ehre und Minne, der Begriff der âventiure sowie der Geisteswandel des Helden zwischen seinen zwei Abenteuerrunden.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Iwein durch das Erleben von Schicksalsschlägen und Sühne von einem individualistischen Krieger zu einem moralisch gereiften, christlich orientierten Ritter heranreift.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse und Interpretation, gestützt durch die Einbeziehung relevanter mediävistischer Forschungsliteratur.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der âventiure, die Analyse der ersten, schuldbehafteten Abenteuerrunde, den moralischen Absturz sowie die zweite, geläuterte Abenteuerphase.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Iwein, âventiure, caritas, Minne, Geisteswandel, Sühne und der Löwenritter.
Welche Rolle spielt der Löwe für Iweins Entwicklung?
Der Löwe fungiert als neues Alter Ego des Helden, das Tugenden wie Treue und Gerechtigkeit symbolisiert und Iweins Wiedereingliederung in die höfische Gesellschaft einleitet.
Warum ist das Zusammentreffen mit Gawein von so hoher Bedeutung?
Der Kampf mit Gawein markiert eine existenzielle Bewährungsprobe, die durch die gegenseitige Anerkennung der Freunde zur Synthese und Harmonie der gegensätzlichen Lebenssphären von Hof und Ehe führt.
- Citation du texte
- Ann-Kathrin Latter (Auteur), 2017, Ein schwerer "sælden wec". Sinn und Funktion der "âventiure" in Hartmann von Aues "Iwein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381223