Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die freiwillige Arbeitsmigration von Frauen im 19. Jahrhundert zu ihrer Emanzipation beitrug. Im Fokus der Abhandlung stehen der Emanzipationsbegriff selbst, sowie die Veränderung der Lebensumstände und der Selbstwahrnehmung jener Auswanderinnen unter Berücksichtigung des damaligen weiblichen Rollenbildes. Exemplarisch wurden hierfür die deutschen Dienstmädchen betrachtet, welche aus dem deutschen Kaiserreich nach Amerika auswanderten.
Ausgangspunkt der Abhandlung ist das Werk von Silke Wehner-Franco „Deutsche Dienstmädchen in Amerika: 1850-1914“. Auszüge aus Briefen von ausgewanderten Dienstmädchen aus ebendiesem Werk, sowie Interviews von Zeitzeuginnen aus Dorothee Wierlings „Mädchen für alles“ und Autobiographien deutscher Dienstmädchen aus Karin Paulweits „Dienstmädchen um die Jahrhundertwende“ dienen als Quellenmaterial.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Emanzipation: Begriff und Definition
2.2 Historischer Kontext: Dienstbotenfrage und „servant problem“
3 Motivation deutscher Frauen
3.1 Gründe Dienstmädchen zu werden
3.2 Migrationsgründe
4 Vergleich Deutschland / Amerika
4.1 Arbeitsbedingungen
4.1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.1.2 Arbeitszeiten
4.1.3 Lohn
4.2 Gesellschaftliches
4.2.1 Beziehung zur Herrschaft
4.2.2 Freizeitgestaltung
4.2.3 Fremdwahrnehmung
4.2.4 Rollenbild der Frau
5 Entwicklung der Dienstmädchen
6 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die freiwillige Arbeitsmigration deutscher Dienstmädchen nach Amerika im Zeitraum von 1850 bis 1914 einen Beitrag zu ihrer individuellen Emanzipation leistete, indem sie veränderte Lebensumstände und Selbstwahrnehmungen analysiert.
- Historische Einordnung des Emanzipationsbegriffs und der Dienstbotenfrage
- Analyse der Motivationsfaktoren für die Auswanderung deutscher Frauen
- Vergleichende Untersuchung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland und Amerika
- Bewertung des Einflusses von Lohn, Freiheit und gesellschaftlicher Wahrnehmung auf das Selbstbewusstsein der Dienstmädchen
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Fremdwahrnehmung
Sowohl in Amerika als auch in Deutschland gehörten Dienstboten zu den niedrigsten Gliedern der Gesellschaft. Frau Machwitz berichtete, das sie aufgrund des sozialen Stigmas als niedere Arbeitskraft kein Häubchen tragen wollte: „Ich war nich dafür ... Dann schrien se einem ‚Dienstmädchen’ nach auf der Straße. Ja, die Portiers und die Dienstmädchen waren die verachtetsten Menschen früher. Weil sie den gröbsten Dreck machen mussten.“95
Das soziale Ansehen der Dienstmädchen richtete sich zudem nach ihrem jeweiligen Aufgabenfeld. Als anspruchsloseste, sozial niedrigste Art der Dienstboten galten Kindermädchen und Mädchen für alles.96 Hausmädchen wurden höher angesehen, da in reicheren Haushalten mit mindestens zwei Dienstboten angestellt waren.97 Köchinnen als erfahrene, spezialisierte Arbeitskräfte standen über allen anderen Tätigkeitsfeldern.98 In der Öffentlichkeit genossen Dienstmädchen größere Freiheiten als bürgerliche unverheiratete Frauen, weil sie nicht unter Kontrolle des Heimatdorfs und ihrer Familien standen99. Das Bürgertum betrachtete sexuelle Freizügigkeiten als Anzeichen eines Verfalls weiblicher Sitten100.
In Amerika galten deutsche Dienstmädchen aufgrund der strengen Arbeitsbedingungen in ihrem Herkunftsland als brav, anspruchslos, unterwürfig und gehorsam. All diese Eigenschaften wünschten sich die amerikanischen Dienstgeber von ihren Angestellten101. Ein gutes Sprachverständnis und ähnliche Nahrungsgebräuche erleichterten das Zusammenleben mit deutschen Dienstmädchen 102.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des „Jahrhunderts der Emanzipation“ und methodischer Ausgangspunkt unter Berücksichtigung relevanter Quellen zur Migration deutscher Dienstmädchen.
2 Grundlagen: Definition des Emanzipationsbegriffs im historischen Kontext und Darlegung der wirtschaftlichen Notwendigkeit häuslicher Dienstboten in Deutschland und Amerika.
3 Motivation deutscher Frauen: Analyse der sozioökonomischen Gründe für den Dienstmädchenberuf sowie Untersuchung von Push- und Pull-Faktoren bei der Auswanderungsentscheidung.
4 Vergleich Deutschland / Amerika: Detaillierte Gegenüberstellung der Arbeitsbedingungen, Lohnverhältnisse, sozialen Beziehungen zur Herrschaft sowie der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Geschlechterrollen.
5 Entwicklung der Dienstmädchen: Reflexion über die Veränderung des Selbstbewusstseins durch die Auswanderung und die wachsende Bedeutung der persönlichen Freiheit.
6 Abschlussbetrachtung: Bestätigung der These, dass die Migration nach Amerika einen signifikanten emanzipatorischen Prozess für die betroffenen Dienstmädchen einleitete.
Schlüsselwörter
Emanzipation, Arbeitsmigration, deutsche Dienstmädchen, 19. Jahrhundert, USA, Hauswirtschaft, Frauenrolle, Arbeitsbedingungen, Selbstbestimmung, soziale Mobilität, Dienstbotenfrage, Lohn, weibliche Autonomie, Auswanderung, Lebensgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der freiwilligen Arbeitsmigration deutscher Dienstmädchen nach Amerika zwischen 1850 und 1914 und deren Einfluss auf die weibliche Emanzipation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Lage der Dienstboten, die Arbeitsbedingungen in Deutschland und den USA, Migrationsmotive sowie die psychologische Entwicklung des weiblichen Selbstbewusstseins.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Migration nach Amerika durch bessere Lohnbedingungen, mehr Freiheit und eine andere gesellschaftliche Wahrnehmung zu einer Stärkung der Emanzipation der Frauen führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historiographischen Analyse von Fachliteratur, zeitgenössischen Ratgebern, persönlichen Briefen ausgewanderter Dienstmädchen und autobiographischen Interviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Beweggründe, den direkten Vergleich der Lebens- und Arbeitsbedingungen zwischen Deutschland und Amerika sowie die Analyse der persönlichen Persönlichkeitsentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Emanzipation, Arbeitsmigration, Dienstmädchen, Rollenbild, Selbstbestimmung und soziale Mobilität.
Warum war der „Dienstmädchenberuf“ in Deutschland für viele Frauen ein notwendiger Weg?
Aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung durch Familien und mangelnder Ausbildungsmöglichkeiten bot dieser Beruf soziale Sicherheit in Form von Kost und Logis.
Welche Rolle spielte die Wahrnehmung des amerikanischen „servant problem“?
Da in den USA ein Mangel an Dienstpersonal herrschte, entstand ein höherer Bedarf, den man durch importierte Arbeitskräfte aus Deutschland deckte, was den Dienstmädchen dort mehr Macht im Arbeitsverhältnis verschaffte.
- Arbeit zitieren
- Patricia Häuser (Autor:in), 2017, Weibliche Emanzipation durch globale Arbeitsmigration am Beispiel deutscher Dienstmädchen in Amerika 1850-1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381262