Der Stellenwert der Ethik im Bankensektor


Hausarbeit, 2015
15 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung

2 Lehre der Ethik
2.1 Ethik und Moral
2.2 Wirtschaftsethik
2.3 Bankenethik

3 Vereinbarkeit vom Bankgeschäft und Ethik
3.1 Retail- und Private Banking
3.2 Firmenkundengeschäft
3.3 Investmentbanking

4 Bedeutung des Bankings im Wirtschaftssystem
4.1 Aufgaben und Zielsetzung der Banken
4.2 Entwicklung am Bankensektor

5 Lösungsansätze
5.1 Corporate Governance
5.2 Ethikmanagement in Banken

6 Zusammenfassende Betrachtung
6.1 Kritische Würdigung
6.2 Zukunftsaussichten

Abkürzungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung der Arbeit

Thema der Hausarbeit ist es zu untersuchen, ob sich das Geschäft des Bankings mit der allgemeinen ethischen Auffassung vereinbaren lässt. In den letzten Jahren führten vermeintlich durch Banken hervorgerufenen Krisen, wie die Dotcom Blase und die Immobilienkrise in den USA sowie die daraus resultierende globale Finanzkrise, zu einer negativen Einstellung gegenüber dem Banksektor.

Es wurden und werden immer noch öffentliche Diskussionen geführt, ob das Bankgeschäft ethischen Normen entspricht und ob die Größe und Macht der Banken nicht zu einem Problem für die allgemeine Wirtschaft geworden ist. Die meisten negativen Affekte werden dem Investmentbanking zugesprochen, jedoch ist auch zu hinterfragen, ob auch das klassische Privatkunden- und Firmenkundengeschäft nach moralischen Normen arbeitet. Hierzu wird in der vorliegenden Arbeit auf die Bedeutung des Bankwesens in der Volkswirtschaft eingegangen.

Auch wird zu untersuchen sein, wie ethisch allgemeingültige Vorstellungen auf wirtschaftlich arbeitende Unternehmen anwendbar sind. Es bedarf der Klärung, wie Kapital und Wachstum mit moralischen Vorgaben vereinbar sind und welche Parameter hier herangezogen werden müssen. Auch kann eine Differenzierung vorgenommen werden, was ethisch verwerflich ist und wo angesetzt werden kann, um dem entgegenzuwirken.

Zum Bankensektor rechnet man in der Bundesrepublik Deutschland die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, mittelständige Privatbanken, einige Staatsbanken und zwei Großbanken in der Rechtsform der Aktiengesellschaft (Deutsche Bank AG, Commerzbank AG). Im Rahmen der Hausarbeit ist Untersuchungsgenstand der Bankensektor allgemein und nicht die Betrachtung einzelner Banken im Besonderen.

1.2 Gang der Untersuchung

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst auf die allgemeine Ethik und Moralvorstellungen eingegangen. Eine Vertiefung wird in der Erläuterung der Ethik, der Wirtschaftsethik und der Bankenethik vorgenommen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Bereichen einer Bank und zeigt die unterschiedlichen Geschäftsfelder und Arbeitsweisen auf. Unterschieden wird hier das Retail- und Privatkundengeschäft, das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking.

Neben der theoretischen Fundierung befasst sich das Hauptkapitel mit zwei übergeordneten Fragestellungen: Einerseits mit der Bedeutung des Bankings im Wirtschaftssystem mit den Unterpunkten der Aufgaben und Zielsetzung der Bank, den Geschäftsfeldern und dem Aufbau einer Bank sowie der Entwicklung des Bankensektors in Deutschland. Andererseits bildet der Hauptteil die Frage nach Lösungsansätzen ab. Es wird auf die Bankenaufsicht, die Corporate Governance und der Implementierung eines Ehtikmanagements in Banken eingegangen.

Abschließend werden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengetragen, dargelegt und kritisch gewürdigt. Auch wird in der Schlussbetrachtung ein Versuch unternommen, die Zukunftsaussichten und möglichen Entwicklungstendenzen der Vereinbarkeit von Ethik im Bankgeschäft vorzunehmen.

2 Lehre der Ethik

2.1 Ethik und Moral

In der vorliegenden Facharbeit ist der Stellenwert der Ethik genauer zu untersuchen, um ableiten zu können, wie sich das Bankwesen mit der Ethik vereinbaren lässt. Der Begriff Ethik stammt aus dem griechischen Wort „ethos" und bedeutet „Gewohnheit, Sitte, Brauch"[1] Der Begriff Ethik kann auch als Charakter oder sittliches Verhalten interpretiert werden. Dies meint, wer in seiner Erziehung und durch die Gesellschaft geprägt ist, ethisch zu handeln, der beruft sich auf das Gelernte.

Die altgriechischen Philosophen Sokrates (470 v. Chr. bis 399 v. Chr.), Platon (427 v. Chr. bis 348 v. Chr.) und Aristoteles (384 v. Chr. bis 322 v. Chr.) befassten sich mit diesem Begriff und versuchten, ein optimales moralisches Verhalten für die Menschen zu konzipieren.[2] Der römische Philosoph Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. bis 43 v. Chr.) brachte die Sittenlehre („Vom rechten Handeln“) in die Diskussion.[3] Er versuchte zu erläutern, dass der Mensch gemeinschaftsorientiert ist und ein reiner Eigennutz sowie profitables Handeln nicht zu den Tugenden eines Menschen gehören.

In der Schule des Kantianismus wird der Denkanstoß durch Immanuel Kant geprägt. Bekannt ist die These: „Handel nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde:"[4] Kant bezieht sich auf die Normen, nach dem jedes Individuum handeln soll, um der Allgemeinheit ein Vorbild zu sein. Die Ethik befasst sich in der Wissenschaft auch mit dem Begriff der Moral. Der lateinische Begriff „mos" (Plural „mores") verbindet sowohl die Sitte als auch den Charakter. Aufgabe der Menschheit ist es, die Theorie des moralischen Wissens praktisch anzuwenden.

2.2 Wirtschaftsethik

Das Wort Wirtschaftsethik setzt sich aus dem Begriff Wirtschaft und Ethik zusammen. Dies ist im logischen Sinne eine unterschiedliche, bzw. eine konträre Sinneslage; jedoch wird versucht, die Prinzipien des ethischen Handelns auf die Wirtschaftsakteure zu beziehen. Ziel der Wirtschaftsethik ist es, die Normen und die Moral auf die Ökonomie anzuwenden.[5]

Die Wirtschaftsethik umfasst ein komplexes Aufgabengebiet und gliedert sich in die Ordnungs-, Unternehmens- sowie Individualethik.[6] Es wird auch versucht, das normative Handeln der Ökonomie greifbar und bestimmbar zu machen, um das Anwenden der ethischen Normen und Ideale zu ermöglichen.

Für viele Marktteilnehmer scheint das moralische Handeln den Kostenaufwand zu erhöhen und den Gewinn zu senken. Moral und die intensive Wettbewerbssituation gelten in vielen Bereichen noch als nicht vereinbar. Jedoch findet ein immer größeres Umdenken in der Wirtschaft über die ethischen Ansätze statt. Denn durch die Kopplung der eigenen Interessen an die Interessen des Anderen kann eine Synergie geschaffen werden, die allen Beteiligten zum Vorteil gereicht. Auch das geschaffene Vertrauen am Markt führt zur Lockerung der Handelshemmnisse und zu einem schnelleren Austausch untereinander.[7]

Die Wirtschaftsethik lässt sich weiter auf die Unternehmensethik reduzieren. Nicht nur die Wettbewerbswirtschaft, sondern alle Marktteilnehmer unterliegen ethischen Spielregeln, Normen und Ideale, um einen nachhaltigen Wettbewerb und Fortbestand zu sichern.[8] Jede Handlung, bzw. jede Entscheidung bedarf einer Untersuchung, ob diese für das Allgemeinwohl oder nur für einen Einzelnen einen Vorteil mit sich bringt. Durch die Einhaltung von sittlichen Normen würden also alle Unternehmen und Menschen profitieren.

2.3 Bankenethik

Viele Produkte, welche den Kunden angeboten werden, sind nicht auf den Kunden zugeschnitten, sondern dienen vielmehr als lukratives Geschäft für die Bank. Es wird oftmals ein Verkaufsgespräch geführt anstelle eines Beratungsgespräches. Diese Einstellung und der damit verbundene Vertrauensverlust ist schlecht für den lukrativen Fortbestand der Bankenlandschaft.

Das Bankmarketing ist zu dem Schluss gekommen, ethische Grundsätze im Unternehmen festzulegen, welche mit der allgemeinen Wettbewerbsitutation vereinbar ist und ein bessere Reputation für das Unternehmen hervorruft. Nicht nur, dass das Image gesteigert wird, sondern auch die Mitarbeiter- und die Kundenzufriedenheit wird erhöht.

Auch kann eine neue Zielgruppe durch Produkte, wie z.B. Ethikfonds gewonnen werden.[9] Ethikfonds werden ausgewählt nach den Parametern, wie die Gleichberechtigung der Mitarbeiter, ein nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften, soziales Engagement und moralisches Handeln. Ausschlusskriterien für einen Ethikfond sind vor allem kontroverse Geschäftsfelder oder kritische Geschäftspraktiken.

Jedoch bedarf es einer kritischen Untersuchung, ob die Finanzanlagen nun keine Verluste für den Erwerber realisieren. In Zeiten von Finanzkrisen und einem volatilen Marktumfeld können auch nachhaltige und politisch korrekte Investments nicht vor Verlusten schützen. Trotzdem kann ein besseres Vertrauen in eine Wertaufholung der Anlagen eingegangen werden. Aufgrund von nachhaltigen und wertbeständigen Investments ist über eine lange Sicht ein Werterhalt oder ein Gewinn zu realisieren.

Auch wird aufgrund der Transparenz der Ethikfonds und auf den Verzicht in sogenannte spekulative Derivate weniger Schwankungen im Investment erwartet sowie ein größeres Vertrauen in die Fondmanager geschaffen. Dies führt wiederum zu einer geringeren Volatilität und somit zu einem wertbeständigen Finanzprodukt.[10] Nicht nur nachhaltige Bankprodukte und moralisches Handeln sind gefragt, sondern es gründen sich nach und nach Ethikbanken. Hier wird für den Kunden ein Vertrauen wiedergewonnen, die verwalteten Anlagen im Sinne des Kunden zu bewirtschaften und die angebotenen Produkte für den Erwerber vorteilhaft zu platzieren.

3 Vereinbarkeit vom Bankgeschäft und Ethik

3.1 Retail- und Private Banking

Unter dem Begriff Retail Banking wird im Allgemeinen das standardisierte Privatkundengeschäft einer Bank verstanden. Im Vordergrund steht hierbei eine einfach gestaltete und für einen externen Dritten schnell nachvollziehbare standardisierte Produktpalette. Dies bildet für eine Bank das klassische Privatkundengeschäft ab. Die Kunden sind ein hohes Filialnetz gewohnt und eine schnelle sowie einfache Gestaltung der Produktpalette für ihren Vermögensaufbau.

Im Retail- und Private Banking werden aus dem Zahlungsverkehr, dem Kreditgeschäft, dem Anlagegeschäft und dem Passivgeschäft Gewinne realisiert. Die Unterscheidung liegt vorwiegend in der Einteilung der Kunden nach Nettovermögen und monatlichem Einkommen. Somit kann bei vermögenden Privatkunden eine weitere und individuelle Produktpalette angeboten werden. Statistisch gesehen gehörten 92,3% der deutschen Haushalte in Deutschland zum Retail Banking und 7,7% zum Private Banking.[11]

Die Kundengruppe des Private Banking wird bei einigen Instituten, wie z.B. der Deutschen Bank und der Commerzbank, auch Wealth Management genannt und beinhaltet vermögende Privatkunden.[12] In diesem Segment spielt die Vermögensverwaltung eine besondere Rolle. Hier wird nach individuellen und komplex gestalteten Produkten Lösungen für den finanziellen Anspruch des Kunden gesucht.

Durch die Beratungskompetenz des Bankers für den Vermögenserhalt und einen erweiterten Service, was die Finanzverwaltung von Versicherungen, Depotanlagen und anderen Bankanliegen angeht, können die Kunden auf allumfassende und sinnvolle Produkte vertrauen.

Innerhalb des Unternehmens bedarf es daher, einen Grundstein des Vertrauens innerhalb des Betriebs und zwischen der Bank und den Kunden zu schaffen. Nur durch eine gemäßigte Produktpolitik, die dem Kunden angeboten wird, und eine nachhaltige sowie faire Zusammenarbeit kann ein langfristiges Geschäftsverhältnis entstehen. Die Kredit- und Wertpapieranlage sollte nur dann angeboten werden, wenn es für den Kunden sinnvoll ist und auch in einem ausgewogenen Verhältnis zum Vermögen steht. Somit wird aus einem Verkaufsgespräch ein Bedarfsgespräch für den Kunden ermöglicht.[13] Der Kunde steht damit im Vordergrund und nicht das Bankinteresse.

3.2 Firmenkundengeschäft

Das Firmenkundengeschäft gilt als wichtiger Ertragsgarant der Bank. Hier können durch hohe Volumina im Kreditgeschäft, im Zahlungsverkehr und im Anlagegeschäft höhere Erträge generiert werden, als es im Retail- und Private Banking möglich ist. Auch ist es angebracht, den Firmenkunden über die Unternehmensentwicklung hin zu betreuen und am Wachstum des Kunden mit zu profitieren. Da Firmenkunden bei einigen größeren Instituten nochmals aufgeteilt werden in kleinere Geschäftskunden, steht es an, diese zu Firmenkunden zu entwickeln, um selber ein Wachstum verzeichnen zu können.

[...]


[1] Vgl. Pieper, A.: Einführung in die Ethik, 6. Auflage, Tübingen-Basel 2007, S. 24.

[2] Vgl. ebenda, S. 24 ff.

[3] Vgl. Rippe, K. P.: Ethik in der Wirtschaft, Paderborn 2010, S. 25.

[4] Kant, I.: Kritik der Praktischen Vernunft, Berlin 1913, S. 54.

[5] Vgl. Ulrich, P.: Integrative Wirtschaftsethik, 4., vollständig neu überarbeitete Auflage, Bern-Stuttgart-Wien, 2008, S. 103 f.

[6] Vgl. Noll, B.: Wirtschafts- und Unternehmensethik in der Marktwirtschaft, 2., überarbeitete Auflage, Stuttgart 2013, S 45.

[7] Vgl. Koslowski, P.: Ethik der Banken, München 2009, S 28 ff.

[8] Vgl. Brodbeck, K.-H.: Gewinn und Moral, Aachen 2006, S. 99.

[9] Vgl. Reifner, U.: Bankenethik und Verbraucherschutz, in: Ethik in der Bankenpraxis, Hrsg.: Wagner, A. / Seidel, Chr., Frankfurt 2004, S. 79 ff.

[10] Vgl. Admati, A. / Hellwig, M.: Des Bankers neue Kleider, 2. Auflage, München 2014, S. 118.

[11] Vgl. Swoboda, U. C.: Retail-Banking und Private Banking, 3. vollständig überarbeitete Auflage, Frankfurt 2004, S. 68.

[12] Vgl. ebenda, S 39.

[13] Vgl. ebenda, S. 71 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Stellenwert der Ethik im Bankensektor
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V381272
ISBN (eBook)
9783668580442
ISBN (Buch)
9783668580459
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stellenwert, ethik, bankensektor
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Der Stellenwert der Ethik im Bankensektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381272

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