Die Isolation von gefährlichen Individuen mittels Strafvollzugs gehört zu den Kernaufgaben eines Staates. Seit einigen Jahrzehnten wird diese wichtige Angelegenheit in manchen Nationen an private Firmen übertragen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland existieren bereits einige privatisierte Gefängnisse als Pilotprojekte. Anhand von Daten und Beobachtungen aus den Vereinigten Staaten werde ich in dieser Arbeit untersuchen, inwieweit eine Vertiefung dieser Entwicklung sinnvoll erscheint. Die Ergebnisse implizieren, dass eine Privatisierung im Strafvollzug eher nicht empfehlenswert ist.
Zuerst werde ich einen kurzen Überblick darüber geben, weshalb und in welchem Ausmaß US-Gefängnisse privatisiert wurden. Darauffolgend vergleiche ich private und staatliche Strafvollzugsanstalten hinsichtlich wesentlicher Faktoren. Da eine Untersuchung aller relevanten Aspekte den Rahmen dieser Hausarbeit jedoch bei Weitem übersteigen würde, werde ich mich bei meiner Analyse auf einige Kernpunkte beschränken. Charles Logan stellte 1992 in seinem Aufsatz Well Kept: Comparing Quality in Private and Public Prisons Kriterien auf, anhand derer man private und staatliche Gefängnisse hinsichtlich ihrer Qualität vergleichen kann. Diese lauten: Sicherheit, Schutz, Ordnung, Fürsorge, Aktivität, Gerechtigkeit, Zustand und Management. Exemplarisch werde ich hiervon die meines Erachtens wichtigsten Kriterien Sicherheit und Management untersuchen. Da es sich bei diesen Punkten ausschließlich um Kriterien der Qualität handelt, werde ich zusätzlich Rückfallraten und eine Kostenanalyse miteinbeziehen, um die qualitative bzw. finanzielle Effizienz zu messen. Abschließend fasse ich die Ergebnisse in einem Fazit zusammen und diskutiere, inwieweit sich aus diesen Erkenntnissen Implikationen für die Bundesrepublik Deutschland ableiten lassen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine Privatisierung im Strafvollzug eher nicht empfehlenswert ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprünge, Ursachen und Ausmaß der Privatisierung von US-Strafvollzugsanstalten
3. Private und staatliche US-Gefängnisse im Vergleich
3.1 Sicherheit
3.2 Management
3.3 Rehabilitation
3.4 Finanzielle Effizienz
4. Fazit und Implikationen für die Bundesrepublik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die qualitative und ökonomische Effizienz von privatisierten US-Strafvollzugsanstalten, um zu bewerten, ob eine Übertragung dieses Modells auf die Bundesrepublik Deutschland sinnvoll erscheint. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob die mit der Privatisierung angestrebten Kostenvorteile zulasten der Qualität des Strafvollzugs gehen und welche gesellschaftlichen Auswirkungen dies mit sich bringt.
- Historische Entwicklung und Ursachen der Privatisierung in den USA
- Vergleichende Analyse der Sicherheitsstandards in privaten und staatlichen Einrichtungen
- Untersuchung des Managements sowie der Personaleffizienz
- Evaluierung der Resozialisierungserfolge und Rückfallquoten
- Diskussion der Übertragbarkeit auf das deutsche Justizsystem
Auszug aus dem Buch
3.1 Sicherheit
Wenn Charles H. Logan von einer sicheren Strafvollzugsanstalt spricht, dann meint er damit, dass „sie in beide Richtungen, von drinnen nach draußen und umgekehrt, undurchlässig ist.“ (Logan, 1992: 582). Wichtige Indikatoren, um die Sicherheit von einem Gefängnis zu beurteilen, sind für ihn Sicherheitsprozeduren, Drogenkonsum, Gangaktivitäten, meldepflichtige Zwischenfälle, Ausbrüche und Personalqualität.
In einer Untersuchung zum Drogenmissbrauch kommen Camp & Gaes (2002) zu dem Schluss, dass private Strafvollzugsanstalten wesentlich höhere positive Testergebnisse bei zufällig ausgewählten Häftlingen aufweisen. 60 Prozent der privaten Gefängnisse erzielen Werte von über 3 Prozent, ein Drittel davon sogar von 10 Prozent und höher. Im Vergleich dazu werden bei den Testwerten von staatlichen Einrichtungen nur bei etwa einem Sechstel der Daten eine Rate von 3 Prozent oder höher festgestellt. Passend dazu fanden Blakely & Bumphus (2004) heraus, dass die Zahl an Häftlingen, die sich in einem Drogenentzugsprogramm befinden, in privaten Anstalten durchschnittlich doppelt so hoch ist, wie in staatlichen.
Außerdem gelangen Studien zu dem Ergebnis, dass die Gewaltrate in privaten Gefängnissen höher ist. Austin und Coventry (2001) stellen sowohl eine höhere Quote bei Angriffen von Insasse auf Insasse, als auch von Insasse auf Wärter fest. Jedoch konnten bei anderen Untersuchungskriterien, wie zum Beispiel Aufstände, kein Unterschied zwischen den Anstalten unterschiedlicher Trägerschaften ermittelt werden.
Auch bei den Ausbrüchen schneiden die privaten Einrichtungen schlechter ab als ihre staatlichen Gegenstücke. Archambault & Deis (1997/1998) verglichen drei Gefängnisse gleichen Alters und gleicher Sicherheitsstufe in Louisiana. Das eine wurde vom Staat betrieben, die zwei anderen von jeweils unterschiedlichen privaten Firmen. Während es in der beobachteten Zeit in den privaten Anstalten zu 4 bzw. 5 Ausbrüchen kam, wurde kein einziger Fall in der staatlichen Einrichtung verzeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Kontext der US-Gefängnisprivatisierung, insbesondere unter dem Einfluss politischer Entscheidungen, und definiert die methodische Herangehensweise der Arbeit anhand ausgewählter Qualitätskriterien.
2. Ursprünge, Ursachen und Ausmaß der Privatisierung von US-Strafvollzugsanstalten: Dieses Kapitel erläutert die historischen Entwicklungen sowie die politischen und ökonomischen Treiber, die seit den 1970er Jahren zur Ausweitung privater Haftanstalten in den USA führten.
3. Private und staatliche US-Gefängnisse im Vergleich: Der Hauptteil analysiert auf Basis normativer Kriterien die Unterschiede zwischen den beiden Trägerschaften hinsichtlich Sicherheit, Management, Resozialisierung und Effizienz.
3.1 Sicherheit: Das Kapitel vergleicht Sicherheitskennzahlen, wie Drogenmissbrauch, Gewaltvorkommen und Fluchtraten, und zeigt Defizite bei privaten Betreibern auf.
3.2 Management: Hier werden Personalkosten, Entlohnung, Kündigungsraten und Ausbildungsniveaus gegenübergestellt, wobei strukturelle Nachteile in privaten Anstalten deutlich werden.
3.3 Rehabilitation: Diese Sektion untersucht, ob private Einrichtungen durch bessere Resozialisierungsprogramme die Rückfallquoten senken können, und diskutiert konträre Forschungsergebnisse.
3.4 Finanzielle Effizienz: Dieses Kapitel hinterfragt das ökonomische Kernargument der Kosteneinsparung kritisch und weist auf versteckte Kosten und methodische Schwächen in Effizienzstudien hin.
4. Fazit und Implikationen für die Bundesrepublik: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und warnt vor einer Übertragung des US-Modells, da die Qualitätsmängel die potenziellen finanziellen Vorteile deutlich überwiegen.
Schlüsselwörter
Strafvollzug, Privatisierung, US-Gefängnisse, Effizienz, Sicherheit, Management, Rehabilitation, Rückfallraten, Kosteneinsparung, Qualität, Bundesrepublik Deutschland, Haftanstalten, Personalmanagement, Resozialisierung, Gewaltmonopol.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Effizienz und Qualität von privatisierten Strafvollzugsanstalten in den USA und prüft, ob dieses Modell eine Empfehlung für die Bundesrepublik Deutschland darstellt.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Sicherheit in Haftanstalten, das Management der Personalkosten, der Erfolg der Resozialisierung und die ökonomische Effizienz privater vs. staatlicher Trägerschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Daten zu bewerten, ob die Privatisierung des Strafvollzugs ein taugliches Mittel ist, um Staatsaufgaben effizienter zu erfüllen, ohne die Qualität der Inhaftierung oder die Resozialisierung zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literatur- und Datenanalyse durch, wobei er sich an den Qualitätskriterien von Charles H. Logan orientiert und verschiedene Studien zum Vergleich privater und staatlicher Gefängnisse heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der Sicherheitsstandards, der Qualität des Managements, der Rückfallquoten von Gefangenen sowie einer kritischen Kosten-Nutzen-Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Strafvollzugsprivatisierung, US-Justizsystem, Resozialisierungserfolge, ökonomische Effizienz und die öffentliche Debatte um die Legitimität privaten Strafvollzugs.
Warum schneiden private Gefängnisse bei der Sicherheit schlechter ab?
Laut den untersuchten Studien liegt dies vor allem an einem schlechteren Ausbildungsniveau der Wärter, einer hohen Fluktuation des Personals durch geringe Bezahlung und mangelnder Identifikation mit dem Arbeitgeber.
Ist eine Privatisierung für Deutschland nach Ansicht des Autors ratsam?
Nein, der Autor rät davon ab, da die qualitativen Defizite in den USA schwerwiegend sind und das Gewaltmonopol des Staates in diesem sensiblen Bereich nicht profitorientierten Interessen unterworfen werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Jacob Städtler (Autor:in), 2017, Eine Analyse der qualitativen und ökonomischen Effizienz von privatisierten US-Strafvollzugsanstalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381327