Die Ambulante Eingliederungshilfe. Chancen und Grenzen des Arbeitsfeldes beim Abbau von sozialer Ungleichheit


Hausarbeit, 2017

31 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Behinderung und soziale Ungleichheit
1.1 Was versteht man unter Behinderung?
1.2 Was versteht man unter sozialer Ungleichheit?
1.3 Behinderung und soziale Ungleichheit

2. Inklusion

3. Die rechtliche Situation
3.1. Die UN-Behindertenrechtskonvention und die Aufgabe der Inklusion
3.2 Das Bundesteilhabegesetz
3.3 Die rechtlichen Grundlagen der (ambulanten) Eingliederungshilfe

4. Das Arbeitsfeld der ambulanten Eingliederungshilfe
4.1 Die Inhalte des Arbeitsfeldes
4.2 Die Chancen der Ambulanten Eingliederungshilfe beim Abbau von sozialer Ungleichheit
4.3 Die Grenzen des Arbeitsfeldes beim Abbau von sozialer Ungleichheit

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis / Literaturliste

Einführung

Diese Hausarbeit hat zum Thema „Ambulante Eingliederungshilfe – Chancen und Grenzen des Arbeitsfeldes beim Abbau von sozialer Ungleichheit“. Was versteht man eigentlich unter Behinderung und was ist mit sozialer Ungleichheit gemeint? Sind Menschen mit Behinderung auch von sozialer Ungleichheit betroffen und wenn ja: In welchen Bereichen macht sich das bemerkbar?

Diese Hausarbeit möchte sich genau mit diesen Fragen beschäftigen und versuchen, darauf Antworten zu finden.

Hinweise zu dieser Ausarbeitung: Wenn von Menschen mit Behinderungen gesprochen wird, ist damit nicht eine spezielle Personengruppe (körperlich, geistig oder seelisch gemeint). Ausnahmen werden als solche deutlich gemacht.

In der Praxis finden sich unterschiedliche Bezeichnungen für Menschen mit Behinderungen. So wird etwa von NutzerInnen, VerbraucherInnen, Klienten/Klientinnen, Kunden/Kundinnen etc. gesprochen. Der Verfasser dieser Arbeit hat sich hierbei für „Klientinnen/Klienten“ entschieden, da dies im Arbeitsfeld die verbreitetste Form darstellt.

Bezüglich der rechtlichen Beschreibung des Arbeitsfeldes der ambulanten Eingliederungshilfe gilt es anzumerken, dass es sich dabei um einen Teilbereich des Gesamtkomplexes der Eingliederungshilfe handelt. Überschneidungen zu anderen Eingliederungshilfeleistungen lassen sich nicht vermeiden. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde daher darauf verzichtet, jedes Mal explizit auf diesen Umstand hinzuweisen. Stattdessen wird an diesen Stellen die Schreibweise „(ambulante) Eingliederungshilfe“ genutzt.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich anteilig mit Themen wie der UN-Behinderungsrechtskonvention, dem Bundesteilhabegesetz und dem Ansatz der Inklusion. Aus inhaltlichen und strukturellen Gründen können diese aktuellen und komplexen Themen lediglich jeweils kurzgefasst dargestellt werden. Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird darauf verzichtet, diese Erklärung den jeweiligen Kapiteln voranzustellen.

1. Behinderung und soziale Ungleichheit

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Themen Behinderung und soziale Ungleichheit. Zunächst soll geklärt werden wie Behinderung und soziale Ungleichheit jeweils definiert werden. Im Anschluss daran soll dann geschildert werden, warum insbesondere Menschen mit Behinderungen von sozialer Ungleichheit betroffen sind.

1.1 Was versteht man unter Behinderung?

Als Einstieg soll zunächst die gesetzliche Definition von Behinderung dargestellt werden. So heißt es in § 2 Satz 1 SGB IX, dass ein Mensch als behindert gilt, wenn er in seiner körperlichen Funktion, geistigen Fähigkeit oder seiner seelischen Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit für länger als sechs Monate von seinem Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Menschen gelten als von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Die Definition des SGB IX bezog dabei wesentliche Aspekte der „Internationalen Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit[1] “ (ICF[2] ) mit ein. Die Weltgesundheitsorganisation[3] (WHO) hat mit der ICF die 1980 veröffentlichte „International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps“

(ICIDH) aktualisiert. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) schreibt zum Thema ICF:

„Die ICF ist dank des zugrundeliegenden bio-psycho-sozialen Modells nicht primär defizitorientiert, also weniger eine Klassifikation der "Folgen von Krankheit". Vielmehr klassifiziert sie "Komponenten von Gesundheit": Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten und Partizipation (Teilhabe) sowie Umweltfaktoren.

Sie ist damit auch ressourcenorientiert und nimmt bezüglich der Ätiologie einen neutralen Blickwinkel ein. Die ICF kann daher auf alle Menschen bezogen werden, nicht nur auf Menschen mit Behinderungen. Sie ist universell anwendbar.“ (DIMDI 2017, Quelle Internet[4] )

Dem ICF liegt ein bio-psycho-soziales Modell zugrunde, das im Gegensatz zum ICIDH den Lebenshintergrund der Betroffenen berücksichtigt und somit versucht, die gesamte Lebenswirklichkeit der Menschen zu erfassen (vgl. WHO 2005, S. 4).

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen zur Definition von Behinderungen. Es gab hierzu medizinische Modelle als auch soziale Modelle – diese Modelle standen im krassen Gegensatz zueinander.

„Das medizinische Modell betrachtet „Behinderung“ als ein Problem einer Person, welches unmittelbar von der Krankheit, einem Trauma oder einem anderen Gesundheitsproblem verursacht wird, das der medizinischen Versorgung bedarf, etwa in Form individueller Behandlung durch Fachleute. Das Management von Behinderung zielt auf Heilung, Anpassung oder Verhaltensänderung des Menschen ab (…).

Das soziale Modell der Behinderung hingegen betrachtet Behinderung hauptsächlich als ein gesellschaftlich verursachtes Problem und im Wesentlichen als eine Frage der vollen Integration Betroffener in die Gesellschaft. Hierbei ist „Behinderung“ kein Merkmal einer Person, sondern ein komplexes Geflecht von Bedingungen, von denen viele vom gesellschaftlichen Umfeld geschaffen werden. Daher erfordert die Handhabung dieses Problems soziales Handeln, und es gehört zu der gemeinschaftlichen Verantwortung der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, die Umwelt so zu gestalten, wie es für eine volle Partizipation [Teilhabe] der Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des sozialen Lebens erforderlich ist.“ (WHO 2005, S. 24 – 25)

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde, verbindet die ICF medizinische und soziale Modelle zu einem bio-psycho-sozialen Modell. Hierdurch entsteht ein wesentlich komplexeres Modell von Behinderung als es frühere Modelle – die entweder nur das Medizinische oder das Soziale berücksichtigten – taten. Behinderung ist nicht nur ein körperliches, geistiges oder seelisches Defizit, das in der Person begründet liegt, sondern entsteht durch die Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Menschen nicht nur „behindert“ sind, sondern auch „behindert“ werden. Mit dieser Erkenntnis bekommt der Behinderungsbegriff auch eine gesellschaftspolitische Dimension und liefert einen ersten Anhaltspunkt für das Thema, ob Menschen mit Behinderung von sozialer Ungleichheit betroffen sind.

Im nächsten Kapitel soll sich der Begriffsbestimmung der „sozialen Ungleichheit“ gewidmet werden.

1.2 Was versteht man unter sozialer Ungleichheit?

Auch der Begriff der sozialen Ungleichheit unterliegt dem Wandel der Zeit bzw. gibt es hierzu unterschiedliche Definitions- und Erklärungsansätze. Aus inhaltlichen und strukturellen Gründen können die nachfolgenden drei Ansätze lediglich skizziert und nicht ausführlich beschrieben werden.

Windisch differenziert den Begriff der sozialen Ungleichheit anhand von folgenden Aspekten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu 1) Windisch schreibt zum Thema Klasse, Schicht und gesellschaftliche Differenzierung:

„Ausgehend von Ungleichheitsrelevanten Faktoren wie Bildung, Beruf, Besitz und Einkommen lassen sich in „klassischen“ Modellen der Ungleichheitssoziologie klar voneinander abgegrenzte soziale Gruppen – Klassen, Schichten oder Stände – identifizieren, die mit hierarchisch gegliederten Erwerbspositionen und mit unterschiedlichen Mustern sozialer, ökonomischer und kultureller Lebensführung korrespondieren.“ (Windisch 2014, S. 72)

In diesen genannten Modellen geht man davon aus, dass soziale Ungleichheit dann vorliegt, wenn Menschen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit, ihrer Stellung/Position im Beruf und aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation über mehr Ressourcen verfügen als andere (vgl. ebd.).

In diesen Erklärungsansätzen gelten die ungleiche Einkommensverteilung als auch der Besitz, die Logik des Arbeitsmarktes sowie das Ausmaß staatlicher Interventionen als entscheidende Instanzen sozialer Ungleichheit (vgl. ebd.).

Kritiker bezweifeln allerdings, dass Modelle, die lediglich eine durch Besitz und Einkommen begründete gesellschaftliche Hierarchie darstellen, in der Lage sind, gegenwärtige soziale Entwicklungen zu erfassen. Durch die Pluralisierung von Lebensformen und -möglichkeiten entstehen immer komplexere Lebenswelten. Die Kritiker dieser Modelle fordern daher dazu auf, weitere Aspekte von sozialer Ungleichheit wie z.B. individuellen Lebensstil, Zugangsmöglichkeiten zu Ressourcen etc. zu berücksichtigen (vgl. Windisch 2014, S. 73).

Zu 2) Nach Windisch gehen neue Modelle der Ungleichheitssoziologie von „einer weitgehenden Differenzierung, Pluralisierung und Individualisierung von Lebenslagen aus und betonen die gesellschaftsstrukturierende Bedeutung horizontaler Merkmale wie Alter, Bildungsniveau und Geschlecht.“ (Windisch 2014, S. 74)

Im Fokus dieser Modelle stehen nicht der Besitz und das (ungleiche) Einkommen, sondern die Fragestellung, „ob ein Lebensstil, der die Möglichkeit bietet, den eigenen Wertorientierungen und Interessen entsprechend zu leben, als ungleichheitsrelevant zu bewerten ist.“ (ebd.)

Soziale Milieus werden danach befragt, wie sie gegebene Lebensbedingungen wahrnehmen, sie nutzen und beeinflussen können. Die Lebensstilmodelle gehen grundsätzlich nicht davon aus, dass Menschen den gesellschaftlichen Bedingungen ausgeliefert sind, sondern diese aktiv mitgestalten können. In diesem Zusammenhang geht es dann auch um die Beantwortung der Frage, welche Einflüsse und strukturellen Gegebenheiten individuelle Handlungsmöglichkeiten einschränken oder erweitern (vgl. Windisch 2014, S. 74).

„Sie [Die Lebensstilanalysen] verfolgen das Ziel, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von subjektiven Wahrnehmungs- und Handlungsweisen und strukturellen gesellschaftlichen Bedingungen zu klären und stellen daraus resultierende soziale Ungleichheitsverhältnisse in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung.“ (Windisch 2014, S. 77)

Die Modelle der Lebensstilanalysen widmen sich dem Thema der sozialen Ungleichheit deutlich differenzierter als die Modelle, die unter „ Klasse, Schicht und gesellschaftliche Differenzierung “ beschrieben wurden.

Zu 3) Auch Pierre Bourdieu widmet sich der Wechselwirkung zwischen objektiven gesellschaftlichen Bedingungen, dem individuellen Lebensstil und den Handlungsorientierungen von Personen (Windisch 2014, S. 77).

Bordieu differenziert zwischen drei unterschiedlichen Kapitalformen: ökonomisches Kapital, kulturelles und soziales Kapital. Die soziale Position eines Menschen ist vom Kapitalvolumen, der Kapitalstruktur und dem zeitlichen Faktor (der sozialen Laufbahn) abhängig (vgl. Burzan 2011, S. 125).

Mit ökonomischem Kapital sind z.B. Eigentum und Vermögen gemeint. Dieses Kapital ist z.T. direkt in Geld umsetzbar.

Das kulturelle Kapital gliedert Bourdieu in drei Formen:

- Das inkorporierte Kulturkapital meint Bildung und Wissen (damit ist nicht nur schulisches Wissen sondern auch z.B. lebenspraktisches Wissen gemeint). Die ersten Aneignungen dieses Kapitals prägen die Person in hohem Maße. Die Aneignung kann zudem nicht kurzfristig erfolgen.
- Das objektivierte Kulturkapital meint die Form von kulturellen Gütern die man besitzt. Dies können z.B. Bücher, Instrumente, Gemälde etc. sein. Diese Güter sind leichter auf andere übertragbar, sind allerdings nur dann von Bedeutung, wenn eine Person sie sich aneignet und sie dann strategisch einsetzt.
- Das institutionalisierte Kulturkapital meint z.B. schulische Titel. Ein Zeugnis dient als kulturelle Kompetenz die einen relativ dauerhaften und rechtlich garantierten Wert besitzt. Der (z.B. schulische) Titel ist institutionell anerkannt und kann in ökonomisches Kapital übertragen werden bzw. dafür genutzt werden (vgl. Burzan 2011, S. 126).

Unter sozialem Kapital versteht Bourdieu Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe beruhen. Durch das Kennen von wichtigen Personen entstehen dann z.B. berufliche wichtige Möglichkeiten. Diese Kapitalform ist in besonders hohem Maße vom Status der Herkunftsfamilie abhängig und bedarf der kontinuierlichen Beziehungsarbeit und Pflege (vgl. ebd.).

Um eine Person im sozialen Raum bestimmen zu können, bedarf es aber nicht nur der Erhebung der beschriebenen Kapitalarten – es muss auch die Kapitalstruktur berücksichtigt werden. Damit ist das Verhältnis der einzelnen Kapitalarten gemeint (z.B. das Verhältnis zwischen dem ökonomischen und kulturellen Kapital). Als letztes sei noch auf den zeitlichen Faktor hingewiesen, der Auskunft darüber gibt, wie sich die Kombinationen der Kapitalarten im Zeitverlauf entwickeln (vgl. Burzan 2011, S. 127).

Die dargestellten Ansätze verdeutlichen, wie komplex das Thema der sozialen Ungleichheit ist. Als Konsens kann angesehen werden, dass eine ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung ein bedeutsamer Faktor für soziale Ungleichheit ist. Weitere Facetten sind außerdem (ungleiche) Zugänge zu Bildung sowie schlechtere Teilhabechancen an gesellschaftlichen Prozessen.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse soll im nachfolgenden Kapitel nun dargestellt werden, wieso Menschen mit Behinderungen besonders von sozialer Ungleichheit betroffen bzw. gefährdet sind.

1.3 Behinderung und soziale Ungleichheit

Nimmt man die zuvor geschilderten Ansätze über Ursachen und Entstehung von sozialer Ungleichheit, so stellt man fest, dass Menschen mit Behinderungen davon besonders betroffen sind bzw. sein können. Dies soll anhand von drei Beispielen aus den Bereichen Arbeit, Bildung und Wohnen veranschaulicht werden.

Im Hinblick auf das Thema Arbeit lässt sich feststellen, dass insbesondere Menschen mit Behinderungen von Erwerbslosigkeit bedroht sind. Als Beleg hierfür kann der fünfte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung herangezogen werden. Dort heißt es unter anderem:

„Menschen mit Beeinträchtigungen sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet. Ihre Erwerbslosenquote ist nahezu doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Beeinträchtigungen oder Behinderungen stellen weiterhin Risiken für die soziale Mobilität dar. Bei chronisch Kranken ist das Armutsrisiko besonders hoch.“ (Bundesregierung 2017, S. 36).

Menschen mit Behinderungen sind aber nicht nur im Hinblick auf das Thema Erwerbstätigkeit benachteiligt. Bezieht man z.B. die oben aufgeführten Erklärungsansätze zum Thema „kulturelles Kapitel“ von Bourdieu mit ein, so muss man feststellen, dass Menschen mit Behinderungen insbesondere im Bereich Bildung stark benachteiligt wurden. Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonention (UN-BRK) erkannte Deutschland das Recht auf Bildung von Menschen mit Behinderungen an. In Artikel 24 UN-BRK[5] heißt es u.a., dass Menschen mit Behinderungen nicht der Zugang zum allgemeinen Schulsystem versagt werden darf, weil sie beeinträchtigt sind. Obwohl die UN-BRK bereits im März 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, lässt sich auch heute noch feststellen, dass die Inhalte des Art. 24 UN-BRK bisher nur in geringen Teilen umgesetzt wurde. Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) veröffentlichte 2014 eine Analyse zum Thema „Bildung von Menschen mit Behinderungen im Bildungswesen[6] “. Darin stellte man u.a. fest:

„Gegenwärtig ist die Inklusionsquote im Elementarbereich am höchsten, im Primarbereich höher als im Sekundarbereich – und dort wiederum finden sich die niedrigsten Inklusionsquoten in den Institutionen, in denen besonders hochwertige Abschlüsse erzielbar sind. In der beruflichen Bildung finden sich eher wenige inklusive Angebote, stattdessen sind dort umfänglich Maßnahmen des Sozialsystems vorgesehen. Auch da, wo inklusive Bildungsangebote bestehen, muss es sich erweisen, ob die realisierten pädagogischen Konzepte es leisten, nicht nur gemeinsame Lernorte zu schaffen, sondern auch die entsprechenden bildungsbezogenen Interaktionen weitgehend inklusiv zu gestalten.“ (DIPF 2014, S. 200)

Die Schaffung eines inklusiven Bildungswesens ist ein komplexer und langwieriger Prozess, da er eine Abkehr vom traditionellen Selbstverständnis von Institutionen und Professionen darstellt. Der Abbau bzw. die langfristige Abschaffung von (pädagogischen) Sonderwelten wird für alle Beteiligten sicherlich zu einer Herausforderung werden. Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft - zu der sich Deutschland durch die Unterzeichnung der UN-BRK verpflichtet hat– wird es aber unerlässlich sein, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Diese Auseinandersetzung wird außerdem dazu führen, dass etwas aktiv gegen soziale Ungleichheit im Bildungswesen getan wird.

[...]


[1] http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icf/stand2005/

[2] International Classification of Functioning, Disability and Health

[3] World Health Organisation

[4] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icf/

[5] https://www.behindertenrechtskonvention.info/bildung-3907/

[6] http://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2014/pdf-bildungsbericht-2014/h-web2014.pdf

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die Ambulante Eingliederungshilfe. Chancen und Grenzen des Arbeitsfeldes beim Abbau von sozialer Ungleichheit
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
31
Katalognummer
V381360
ISBN (eBook)
9783668580480
ISBN (Buch)
9783668580497
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, ambulante Eingliederungshilfe, soziale Ungleichheit
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Ambulante Eingliederungshilfe. Chancen und Grenzen des Arbeitsfeldes beim Abbau von sozialer Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381360

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