Diese Hausarbeit möchte zuerst Michels „Ehernes Gesetz der Oligarchie", aber auch die Kritik an dieser These genauer vorstellen und ferner auch den Autor und seinen Werdegang, zur besseren Kontextualisierung seiner These, kurz beleuchten. Weiter werden die führenden Parteien in Deutschland darauf hin untersucht, ob sie überhaupt eine Sensorik für die Gefahr der Elitenherrschaft in ihrer Partei wahrnehmen und wenn ja, was sie konkret gegen dieses Gefährdungspotenzial unternehmen. Dabei möchte diese Arbeite den Fokus auf die Parteien legen, die aktuell auch im Bundestag vertreten sind. Die nähere Betrachtung der Linken soll dabei vernachlässig werden, stellt sich doch bei dieser Partei die grundsätzliche Frage nach der Demokratiefähigkeit ihrer Mitglieder, die bis vor kurzem noch verfassungsrechtlich unter Beobachtung standen. Die genauere Untersuchung der CSU kann aufgrund ihrer sehr ähnlichen Parteistruktur zur CDU ebenfalls ausgeklammert werden. Auch wenn die Piratenpartei in Deutschland bereits wieder deutlich an Zustimmung verloren hat und sie eben nicht das oben genannte Kriterium als Mitglied im Bundestag erfüllt, soll zum Ende dieser Hausarbeit trotzdem - aufgrund ihrer sehr basisdemokratischen Struktur – etwas genauer auf sie eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Eherne Gesetz der Oligarchie
3. Robert Michels
4. Kritik an Michels
5. Die beiden großen Volksparteien
6. Die Grünen
7. Die Piraten
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht auf Basis von Robert Michels „Ehernem Gesetz der Oligarchie“, inwieweit moderne deutsche Parteien von elitären Machtstrukturen geprägt sind und wie sie mit der Gefahr der Elitenherrschaft umgehen.
- Analyse des "Ehernen Gesetzes der Oligarchie" nach Robert Michels.
- Untersuchung der innerparteilichen Demokratie bei CDU und SPD.
- Evaluation der Entwicklung der Grünen von einer Basisbewegung zur etablierten Partei.
- Betrachtung der Organisationsstruktur der Piratenpartei und ihres Anspruchs auf Transparenz.
- Gegenüberstellung von theoretischem Anspruch und parteiinterner Praxis.
Auszug aus dem Buch
Das Eherne Gesetz der Oligarchie
In seiner Untersuchung Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie die Robert Michels bereits 1911 veröffentlichte, formulierte er Das Eherne Gesetz der Oligarchie. Dabei folgte er den Elitentheorien von Mosca und Pareto, die eine immer währende Unterscheidung in eine herrschende- und eine beherrschte Klasse postulierten (siehe Jörke 2011: 261). Eine Gemeinwohlorientierung „großer Männer“ sei nach Michels, und damit folgte er einer Argumentation die bereits in den 1830er Jahren von Alexis de Tocqueville in seiner Schrift über die Demokratie in Amerika formuliert wurde, nicht auszumachen. Selbst wenn Politiker als Idealisten gestartet seien, hätte sie das Politische während ihres Aufstiegs im System korrumpiert. Und somit wären „Die Revolutionäre der Gegenwart […] die Reaktionäre der Zukunft“ (Michels 1925: 196). Mit dieser pessimistischen Grundhaltung analysiert Michels, der selbst einmal Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei Deutschland war, in seiner Arbeit die organisatorische Struktur dieser Partei und formuliert daraus Rückschlüsse auf das Verhältnis zwischen (Partei-) Herrschern und Beherrschten.
Zu seinen Grundannahmen gehörte, dass in Organisationen – gerade ab einer gewissen Größe – wie Parteien, eine Arbeitsteilung zu effektiven Erledigung von Arbeiten unumgänglich sei. Eine Partei hätte nur an der Basis eine demokratische Form, die innere Struktur jeder Partei zwänge aber zwangsläufig zur Oligarchie – je größer die Struktur – je oligarchischer sei sie. Die Größe führe zwangsläufig zu einer Spezialisierung und Konzentration von Wissen und Macht, welche die Partei in Führende und Geführte aufspalte. Die Folge davon wäre, nach Michels, eine Verselbständigung der Spezialisten, die kaum noch von den einfachen Mitgliedern kontrolliert werden könne, da diesen ja dann der nötige Zugang zu Wissen und Macht fehle (siehe Michels 1925). Der Autor fasste die Erkenntnis in die prägnante Formel zusammen: „Die Organisation ist die Mutter der Herrschaft der Gewählten über die Wähler, der Beauftragte über die Auftraggeber, der Delegierten über die Delegierenden“ (Michels 1925: 504).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Relevanz von Michels Theorie für heutige Parteien und Definition des Untersuchungsumfangs der Arbeit.
2. Das Eherne Gesetz der Oligarchie: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Robert Michels, insbesondere der Entfremdung zwischen Basis und Elite in großen Organisationen.
3. Robert Michels: Kurzbiografie des Autors zur Einordnung seiner persönlichen Erfahrungen mit der SPD und seiner späteren politischen Entwicklung.
4. Kritik an Michels: Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Kritik an der Methodik und Generalisierung seiner Thesen in der Fachliteratur.
5. Die beiden großen Volksparteien: Analyse der Machtstrukturen und der innerparteilichen Partizipationsmöglichkeiten bei CDU und SPD.
6. Die Grünen: Betrachtung des Wandels der Partei von basisdemokratischen Ursprüngen hin zur institutionellen Anpassung an etablierte Strukturen.
7. Die Piraten: Untersuchung der Parteistruktur der Piraten und ihrer Ansätze zur digitalen Basisbeteiligung im Vergleich zur rechtlichen Realität.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Tendenz zur Oligarchie trotz formeller demokratischer Statuten in den untersuchten Parteien.
Schlüsselwörter
Robert Michels, Ehernes Gesetz der Oligarchie, Politische Parteien, Elitenherrschaft, Basisdemokratie, Parteienforschung, Organisationssoziologie, SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Piratenpartei, Partizipation, Delegiertensystem, Machtstrukturen, Oligarchie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und inwieweit das „Eherne Gesetz der Oligarchie“ von Robert Michels auch heute noch auf die Struktur deutscher Parteien zutrifft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die innerparteiliche Demokratie, das Spannungsverhältnis zwischen Basis und Parteielite sowie die historische Entwicklung verschiedener Parteien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob heutige Parteien Mechanismen zur Verhinderung von Elitenherrschaft besitzen und ob diese in der Praxis tatsächlich funktionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse einschlägiger Sekundärliteratur sowie die Untersuchung der Parteiprogramme und Organisationsstatuten der betrachteten Parteien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Michels-These sowie die konkrete Fallbetrachtung von SPD, CDU, den Grünen und der Piratenpartei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Oligarchie, Parteienstruktur, Elitentheorie, Basisdemokratie und Partizipation.
Warum spielt die Vita von Robert Michels eine Rolle?
Die Biografie dient dazu, die Entstehungsgeschichte seiner Theorie besser zu kontextualisieren, da seine eigenen Erfahrungen in der SPD maßgeblich zur Formulierung des Gesetzes beitrugen.
Warum wurde die Piratenpartei trotz ihres geringen Erfolgs untersucht?
Ihre Struktur ist aufgrund ihrer basisdemokratischen und digital orientierten Ansätze hochinteressant, um Parallelen und Unterschiede zur Entwicklung der Grünen aufzuzeigen.
- Arbeit zitieren
- Frank Krause (Autor:in), 2015, Das Eherne Gesetz der Oligarchie und wie heutige Parteien damit umgehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381426