Unterrichtskonzeption zum Thema Krankheitsbewältigungsformen

Ausbildung Ergotherapeut (2. Jahr)


Unterrichtsentwurf, 2017

58 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bedingungsfeldanalyse
1.1 Analyse der Lerngruppe
1.2 Lernvoraussetzungen
1.3 Informationen zur Ausbildung
1.4 Kurzbeschreibung Ergotherapeuten-Berufs
1.5 Räumliche Gegebenheiten
1.6 Sitzordnung
1.7 Das Lehrpersonal
1.8 Die Lehrkraft

2 Sachanalyse
2.1 Transaktionales Stressmodell nach Richard Lazarus
2.2 Drei Coping-Strategien
2.3 Krankheitsbewältigung
2.4 Abwehrmechanismen im Rahmen von Coping

3 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki
3.1 Gegenwartsbedeutung
3.2 Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarische Bedeutung
3.4 Strukturanalyse
3.5 Bezug zum Bildungsplan
3.6 Zugänglichkeit

4 Didaktische Reduktion

5 Kompetenzen
5.1 Kompetenzen tabellarisch
5.2 Lehrziele

6 Makrosequenz

7 Mikrosequenz mit Begründung der Methoden
7.1 Einstieg
7.1.1 Eingangsfrage
7.1.2 Vorstellung der Agenda
7.1.3 PowerPoint-Präsentation
7.1.4 Vorstellung des transaktionalen Stressmodells
7.2 Erarbeitung
7.2 Ergebnissicherung
7.2.1 Erwartungshorizont
7.2.2 Lösungen
7.3 Transfer
7.4 Stundenschluss

8 Verlaufsplan mit Phasierung

9 Reflexion der Planung
9.1 Erarbeitung des Themengebiets
9.2 Überlegungen
9.2.1 Überlegungen zum Thema
9.2.2 Überlegungen zur Klasse
9.2.3 Überlegungen zum Beruf des Ergotherapeuten
9.3 Auswahl der Inhalte
9.3.1 Das Lazarus-Modell
9.3.2 Die Coping-Strategien
9.3.3 Allgemeines zum Thema Krankheitsbewältigung
9.4 Erstellen des Materials
9.4.1 Die Skripte
9.4.2 Fallbeispiele und Arbeitsauftrag
9.4.3 Die PowerPoint-Präsentation
9.4.4 Das Modell auf Metaplan-Karten
9.5 Planung des Unterrichtsablaufs

10 Literatur

11 Tabellen und Abbildungsverzeichnis

12 Anhang

1 Bedingungsfeldanalyse

1.1 Analyse der Lerngruppe

Tabelle 1: Daten der Schüler[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in Tabelle 1 dargestellt, befindet sich die zu unterrichtende Lerngruppe im zweiten Ausbildungsjahr der Ausbildung zum staatlich geprüften Ergotherapeuten. Es handelt sich um eine kleine Klasse mit neun Lernenden. Sie besteht aus sieben weiblichen und zwei männlichen Teilnehmern. Das Alter der Gruppe bewegt sich zwischen 19 und 23 Jahren. Nach dem ersten Ausbildungsjahr haben die Schüler ein vierwöchiges Pflegepraktikum absolviert. Im Februar 2017 hat die Klasse ihr Zwischenexamen abgelegt und ab dem 29.Mai 2017 beginnen die Fachpraktika.

1.2 Lernvoraussetzungen

[3]Die Klasse ET[4]15[5]ist eine verhältnismäßig heterogene Lerngruppe mit unterschiedlich ausgeprägtem Leistungsniveau. Gelegentlich unterstützen leistungsstärkere Schüler ihre Mitschüler bei der Er- und Bearbeitung von Lerninhalten. Die Lernenden zeigen sich im Unterrichtsverlauf ruhig und zurückhaltend. Sie verhalten sich kooperativ und aufmerksam. Mitschriften im Unterricht basieren auf eigenen Entscheidungen. In Gruppen- und Partnerarbeiten zeigt sich ein konstruktives und eigenständiges Arbeitsverhalten.

1.3 Informationen zur Ausbildung

Tabelle 2: Daten zur Ausbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in Tabelle 2 ersichtlich – handelt es sich bei der Ausbildung zum Ergotherapeuten um eine dreijährige Ausbildung, die mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird. Über einen Zeitraum von insgesamt 21 Monaten durchlaufen die Lernenden seit Beginn der Ausbildung einen theoretischen und fachpraktischen Unterricht. Im Anschluss daran absolvieren sie ein 40wöchiges schulbegleitetes Fachpraktikum. Ein Teil der Lernenden studiert ausbildungsbegleitend an der MSH Medical School Hamburg und erwirbt mit dem Staatsexamen auch den Bachelor Abschluss.

1.4 Kurzbeschreibung Ergotherapeuten-Berufs

Die Aufgabe von Ergotherapeuten ist es, Patienten jeden Alters zu beraten, zu fördern und zu behandeln. Zielgruppe sind Patienten, die durch eine physische oder psychische Erkrankung, eine Behinderung oder eine Entwicklungsverzögerung in ihrer Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit eingeschränkt, bzw. von Einschränkungen bedroht sind. Ergotherapeuten erarbeiten individuelle Behandlungspläne und führen therapeutische und präventive Maßnahmen durch. (Bundesagentur für Arbeit)

Menschen sollen bei der Durchführung von für sie wichtigen Aktivitäten in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit nach verschiedenen Konzepten in ihrer Umwelt gestärkt werden. Hierfür werden spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung gezielt und ressourcengerecht angewandt. Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität werden verbessert. In der untenstehenden Tabelle, ist ein Überblick über ergotherapeutische Verfahren und ergotherapeutische Mittel gegeben. Handwerkliche und kreative Techniken sind ein wichtiges Mittel um im therapeutischen Prozess die Kompetenz und die Ausdrucksfähigkeit eines Menschen zu unterstützen. (IB Medizinische Akademie)

Tabelle 3: Ergotherapeutische Verfahren und ergotherapeutische Mittel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(IB Medizinische Akademie)

1.5 Räumliche Gegebenheiten

Die Bildungseinrichtung verfügt über zwei Gymnastikräume, einen Bewegungsraum, eine Werkstatt, zwei kleine Seminarräume mit Stühlen und Klapptischen, zwei große Seminarräume mit festen Tischen sowie eine Küche, Sitzgelegenheiten auf dem Flur und zwei Besprechungsräume. Der für den Unterricht vorgesehene Seminarraum S4 ist mit einem Whiteboard, einem Flipchart Ständer und einem mobilen Beamer ausgestattet.

1.6 Sitzordnung

Da es sich um eine kleine Lerngruppe (neun Schüler) handelt, soll die Sitzordnung während der geplanten Unterrichtsstunde in Form eines Sitzkreises erfolgen. Dies ermöglicht ein entspanntes Miteinander. Für die Gruppenarbeit werden zusätzlich je drei Stühle in Gruppen arrangiert. Diese Vorbereitung spart Zeit, vermeidet Unruhe und ist möglich, da der Raum genug Stühle bietet.

1.7 Das Lehrpersonal

Alle fest angestellten Lehrkräfte des Bildungsinstituts, in dem auch die Ausbildung zum staatlich geprüften Physiotherapeut stattfindet, haben einen akademischen Abschluss oder befinden sich in Ausbildung. Sechs der Lehrkräfte sind Physiotherapeuten und eine Lehrkraft ist Ergotherapeutin.

1.8 Die Lehrkraft

Die unterrichtende Lehrkraft ist examinierte Altenpflegerin. Sie steht kurz davor, ihr berufsbegleitendes Medizinpädagogik Studium mit dem Bachelor abzuschließen. Sie ist qualifiziert, das vorliegende Thema zu unterrichten, da sie im Rahmen des Studiums das Modul Medizinische Soziologie absolviert hat. Das im Rahmen der Unterrichtseinheit zu behandelnde Modell (Transaktionales Stressmodell von Richard Lazarus) war Bestandteil der Vorlesungen im Modul Medizinische Soziologie. Die Lehrperson hat das Modell von Lazarus bereits an der DAA (Altenpflegeschule der DAA Deutsche Angestellten Akademie, Uelzen) im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum Thema Stress im Lernfeld Psychologie unterrichtet.

2 Sachanalyse

2.1 Transaktionales Stressmodell nach Richard Lazarus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Transaktionales Stress-Modell nach Richard Lazarus, erweitert um die dritte Coping-Strategie (http://t1p.de/4mmn)

Das oben dargestellte Transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus wurde 1966 erstmalig beschrieben und später mehrfach weiterentwickelt oder verändert. Es basiert auf der Annahme, dass die Bewältigung einer Belastung nicht nur von verschiedenen Faktoren abhängt, sondern von vor allem von der subjektiven Bewertung, die durch das Individuum vorgenommen wird. Es stellt den Stressreiz als Auslöser in den Fokus und beschreibt drei Stufen der Bewertung:

1. Ist die Belastung irrelevant, positiv oder gefährlich? Wenn sie irrelevant ist, ist sie nicht von Bedeutung, und wenn sie positiv ist, gibt es kein Problem, das angegangen werden muss. Für den Fall, dass sie als gefährlich eingestuft wird, fragt sich, ob es sich um eine Bedrohung, einen Verlust oder eine Herausforderung handelt (Letzteres ist die günstigste Variante).
2. Ist die Belastung mit den vorhandenen Möglichkeiten (Ressourcen) zu bewältigen? Wenn die Anforderung die Ressourcen des Individuums übersteigt, fühlt es sich überfordert und gerät in Stress oder ggf. sogar in eine Krise. (Sameiske 2008)
3. Wenn dann die Bewältigung erfolgte: Wie ist zukünftig mit ähnlichen Belastungen zu verfahren? Was habe aus der Erfahrung gelernt? Wie bewerte ich diese für mich?

Zwischen der zweiten und dritten Bewertung wählt das Individuum eine oder mehrere Coping-Strategien, um die Belastung zu bewältigen. Wird die Belastung problemorientiert bewältigt, heißt das, das die Ursachen der Krankheit oder Belastung aktiv bekämpft werden und alles darangesetzt wird, Wiederherstellung des Normalzustandes zu erreichen. Wird hingegen die emotionsorientierte Bewältigungsform gewählt, versucht das Individuum negative, in Verbindung mit der Krankheit auftretende, Gefühle abzubauen. Das kognitions- bzw. bewertungsorientierte Coping bewirkt eine Veränderung auf kognitiver Ebene. Das Individuum wertet die Krankheit oder Belastung aus einem anderen Blickwinkel.

Das Modell bezieht sich auf die subjektive Bewertung des Reizes durch das Individuum. Gleichzeitig zeigt es die Wichtigkeit der vorhandenen Ressourcen des Individuums auf. Das Modell ist transaktional, also auf wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Umwelt basiert. Die dargestellten Prozesse unterliegen nicht der zeitlichen Abfolge, Die unterschiedlichen Bewertungen können auch parallel stattfinden, obgleich sie sich gegenseitig bedingen. Verschiedene extrinsische und intrinsische Faktoren fließen mit ein und führen so letztlich zum individuellen Bewältigungsverhalten der Person. (Lazarus)

2.2 Drei Coping-Strategien

Es gibt (u.a.) die drei Coping-Strategien[6]: problemorientiertes, emotionsorientiertes und bewertungs-, bzw. kognitionsorientiertes Coping. Problemorientiertes Coping beschreibt den Versuch, die Situation konstruktiv zu verändern, eine Lösung des Problems zu erreichen, die Bedingungen von denen Schaden ausgeht, zu verändern, bzw. abzumildern. (Lexikon Online)

Problemorientiertes Coping könnte beispielsweise eine gesündere Lebensweise sein, die der bestehenden Krankheit entgegenwirken soll. Zum emotionalen Coping gehören sowohl Strategien der Entspannung, als auch der Versuch, Ängste, Anspannungen, negative emotionale Zustände durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum zu vermindern. (Lexikon Online)

Bewertungs-, bzw. kognitionsorientiertes Coping ist eine Form der Bewältigung, die eine Veränderung des Denkens über eine Krankheit bewirkt. Die Krankheit wird aus einer anderen Sichtweise betrachtet, und es kommt zu einer Neubewertung der Situation. (Lexikon Online)

Es gibt einen fließenden Übergang zwischen der dritten Bewertungsstufe und der dritten von Lazarus benannten Coping-Strategie[7]. Sowohl die dritte Bewertungsstufe als auch die dritte Coping-Strategie, nämlich kognitions-bzw. bewertungsorientiertes Coping, haben mit dem individuellen Denken über die Krankheit zu tun, d.h. finden auf kognitiver Ebene statt.

Andere Bezeichnungen für problemorientiertes Coping sind: instrumentelles Coping, aktives Coping oder handlungsorientiertes Coping. Andere Bezeichnungen für emotionsorientiertes Coping sind intrapsychisches Coping oder affektregulierendes Coping. Das problemorientierte Coping wird in der Literatur als die günstigste Form der Bewältigung beschrieben. (Lexikon der Psychologie)

2.3 Krankheitsbewältigung

Eine Definition von Krankheitsbewältigung stammt von dem Medizinsoziologen Johannes Siegrist. Sie lautet:

„Krankheitsbewältigung ist die Summe der Bemühungen, die durch eine chronische Krankheit auftretenden Herausforderungen und Bedrohungen intrapsychisch (kognitiv, affektiv, motivational) und interpersonell (Verhaltensweisen, soziale Kontakte und Aktivitäten) zu meistern.“ (Siegrist: 2005:310)

Die Funktionen einer (adaptiven, bzw. erfolgreichen) Bewältigungsstrategie sind aufLexikon onlinebeschrieben: Die gelungene Bewältigung der Krankheit reduziert den Einfluss schädigender Umweltbedingungen und verbessert die Aussicht auf Erholung. Sie macht negative Ereignisse oder Umstände erträglicher bzw. passt den Organismus an sie an. Weiterhin sichert sie ein positives Selbstbild und emotionales Gleichgewicht. Adaptive Krankheitsbewältigung ermöglicht außerdem das Fortsetzen befriedigender Beziehungen zu anderen Personen. (Lexikon Online)

2.4 Abwehrmechanismen im Rahmen von Coping

Den hauptsächlich unbewusst ablaufenden Abwehrmechanismen lassen sich Formen bewusster Bewältigungsmaßnahmen zuordnen. In allen drei genannten Formen gibt es Verhaltensweisen, die quasi mit gleicher Begrifflichkeit auch als Abwehrmechanismen beschrieben werden. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die Coping-Strategien bewusst zum Einsatz kommen. Das emotionsorientierte Coping ist jedoch am stärksten von unbewusst ablaufenden Verhaltensweisen gekennzeichnet. (Fabry)

Intrapsychische und interpersonelle Formen des Copings können sich sowohl auf der Verhaltens- als auch auf der kognitiven Ebene abspielen. Hierbei werden, neben handlungsbezogenen (interpersonellen) auch intrapsychische Umbewertungsprozesse (kognitions-, bzw. bewertungsorientiertes Coping) berücksichtigt. Da das Abwehren einer bedrohlichen Wahrnehmung nicht nur als pathologischer Prozess aufgefasst wird, sondern viel mehr als eine anpassungsfördernde Leistung, erscheint eine Trennung von Abwehrmechanismen und Coping-Maßnahmen nicht sinnvoll. Sowohl die Abwehr als auch das Coping können als Schutzmechanismen des Individuums ablaufen. Die Abwehr dient primär der intrapsychischen Regulation (Affektverarbeitung bzw. emotionsorientiertes Coping), und das Coping zielt mehr auf die tatsächliche und problemlösende Anpassung im Prozess der Krankheitsbewältigung. (Stangel)

3 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki

Der Erziehungs- und Bildungswissenschaftler Wolfgang Klafki erwartet von Lehrern, die Unterricht vorbereiten und planen, dass sie sich mit der Frage beschäftigen, ob sich das geplante Unterrichtsthema auch tatsächlich für die Schüler lohnt. Hierbei soll der Unterrichtsgegenstand durch das Vorhandensein bestimmter Kriterien legitimiert werden. Klafki fragt nach Bedeutung für Gegenwart und Zukunft und nach der exemplarischen Bedeutung. (Klafki)

3.1 Gegenwartsbedeutung

Die Berufswelt der Ergotherapeuten ist durch den Kontakt zum Patienten geprägt. Patienten, die Ergotherapie in Anspruch nehmen, sind von den unterschiedlichsten Krankheiten betroffen. Es ist wichtig für einen Ergotherapeuten, die unterschiedlichen Formen der Krankheitsbewältigung zu kennen. Auf diese Weise ist empathischer Umgang und individuell angepasste Therapie, Förderung und Begleitung möglich.

3.2 Zukunftsbedeutung

Gerade im Hinblick auf die berufliche Zukunft der angehenden Ergotherapeuten ist der Unterrichtsgegenstand von großer Relevanz. Ergotherapeuten fördern und begleiten Patienten in unterschiedlichen Lebenslagen und subjektiv erlebten Krankheitsverläufen. Eine diesbezügliche Sensibilisierung der Auszubildenden kann zu mehr Professionalität und Empathie im Umgang mit den Patienten verhelfen.

3.3 Exemplarische Bedeutung

Das Erschließen und Unterscheiden verschiedener Bewältigungsformen dient den Lernenden zur Erschließung anderer Sachverhalte als exemplarische Grundlage. Durch die Sensibilisierung für die Dimension verschiedener Bewältigungsformen wird den Schülern auch bzgl. anderer Problemlagen eine differenziertere Wahrnehmung und Einschätzung möglich. Auch das Hineindenken in einen Patienten mit einer schweren Diagnose, hat exemplarischen Wert und kann individuell auf berufliche Situationen übertragen werden. Die Fallanalyse, die auf Grundlage der individuellen Fälle von Krankheitsbewältigung bearbeitet wird, kann ebenso im exemplarischen Sinne methodisch auf andere Fallbeispiele vorbereiten.

3.4 Strukturanalyse

Die Struktur des Unterrichtsgegenstandes erstreckt sich auf drei Bewältigungsstrategien. Eine weitere Struktur beinhaltet das Transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus, das sich durch drei Bewertungsstufen auszeichnet und verschiedene Faktoren miteinschließt. Es endet im Lazarus-Modell eigentlich mit zwei Coping-Strategien – wurde aber wie an anderer Stelle schon erwähnt – für den vorliegenden Unterricht auf drei Strategien erweitert.

Das Thema „Krankheitsbewältigung“ gliedert sich in Definition und einige wichtige Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Thema von Bedeutung sind. Die hier aus der Literatur heraus erkennbaren Strukturen der Thematik wurden zum Teil so übernommen und zum anderen Teil weiter aufbereitet und untergliedert. Die Abwehrmechanismen, die im Zusammenhang mit der Krankheitsbewältigung stehen, sind nicht klar von den Bewältigungsstrategien abgegrenzt. Es gibt sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten. Alle Verhaltensweisen und Abwehrmechanismen lassen sich jedoch den drei genannten Bewältigungsformen zuordnen. (s. Skript: Drei Coping-Strategien)

3.5 Bezug zum Bildungsplan

Der vorliegende Unterricht ist nach dem deutschen Qualitätsrahmen (DQR) auf die Niveaustufe 4 konzipiert worden. „Niveau 4 beschreibt“ laut DQR „Kompetenzen zur selbständigen Planung und Bearbeitung fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld.“ (DQR, 2017) Der Unterricht wurde inhaltlich in den 2006 vom Thüringer Kultusministerium herausgegebenen Thüringer Lehrplan für Ergotherapie eingebettet. Dort findet sich in Kapitel 6.13 das Lerngebiet: „Medizinsoziologie und Gerontologie“ Dieses Lerngebiet soll sich auf insgesamt 70 Stunden erstrecken. Kompetenzbezogene und allgemeine Lernziele sind:

Die künftigen Ergotherapeuten besitzen grundlegende Kenntnisse zur allgemeinen und medizinischen Soziologie und verfügen über Schlüsselqualifikationen: - Sie wissen, dass ihr erworbenes Gesundheits-/Krankheitsverständnis und ein erfolgreiches Therapieren miteinander zusammenhängen. - Sie sind sich ihrer sozialen Rolle als Ergotherapeut in Institutionen des Gesundheitswesens bewusst und sind in der Lage, sich kritisch mit verschiedenen Erscheinungsformen im Interesse ihrer Patienten/Klienten auseinanderzusetzen. - Sie kennen verschiedene berufliche Belastungen, die sich aufgrund institutioneller Strukturen entwickeln können und verfügen über Möglichkeiten, diesen aktiv entgegenzuwirken. - Sie können die soziale und gesellschaftliche Bewertung von kranken und behinderten Menschen historisch und aktuell nachvollziehen. - Sie kennen durch Krankheit ausgelöste Konflikte und persönliche Belastungen und sind fähig, sich gegenüber den Patienten/Klienten empathisch zu verhalten.

Das Lerngebiet „Medizinische Soziologie“ erstreckt sich auf insgesamt 40 Stunden. Das vorliegende Thema ist unter „6.13.1.4 Verarbeitung und Bewältigung von Krankheit und Behinderung“ (ca. 10 Stunden) benannt. Die dort beschriebenen Ausführungen zum Thema lauten:

„Sie besitzen Kenntnisse über die - Krankheitsbewältigungsformen

Bewältigung (Coping) als subjektiv empfundene Minderung und die Ergebnisse der Bewältigung, oder Beseitigung der Belastung […]

- emotional ausgerichtete Bewältigungsform
- kognitive Bewältigungsform
- direktes Handeln
- Einsatz von Abwehrmechanismen als Teil der jeweiligen Bewältigungsform“

(Thüringer Lehrplan für den Beruf Ergotherapie)

3.6 Zugänglichkeit

Der vorliegende Unterrichtsgegenstand wird den Schülern durch verschiedene didaktische Mittel zugänglich gemacht.

1. Zusammenhänge durch ein Modell verstehen (Struktur, Abfolge und Visualisierung)
2. Sachverhalte durch Beispiele erfassen und analysieren: Die gewählten Fälle nehmen Bezug auf die ergotherapeutische Berufspraxis, indem sie von Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern handeln.
3. Perspektive der Patienten einnehmen
4. Theoretische Grundlagen eigenständig erarbeiten
5. Kognitive Aktivierung durch Fragen entwickelnden Unterricht
6. Sicherung der erarbeiteten Inhalte durch Wiedergabe des Lerngegenstandes im Rahmen der Ergebnis-Präsentation

4 Didaktische Reduktion

Das Thema Krankheitsbewältigung ist groß und unübersichtlich. Verschiedene Autoren (Lazarus, Siegrist, Corbin & Strauss, Kübler-Ross u.a.) haben dazu unterschiedliche Theorien und Taxonomien entwickelt. Es gibt Klassifikationsschemata die sich auf unterschiedliche Ebenen der Bewältigung beziehen, jedoch keine einheitliche Taxonomie. Um einen geeigneten und klar strukturierten Unterrichtsgegenstand zu gebrauchen, war eine Reduktionsentscheidung nötig. Da das Transnationale Stressmodell von Richard Lazarus als geeignetes Modell ausgewählt wurde, sollten auch die von ihm entwickelten Coping-Strategien verwendet werden. Auch andere Bewältigungsformen wären für den geplanten Unterricht theoretisch geeignet gewesen. Aus der Fülle der verschiedenen Formen wurde jedoch aus pädagogischen Gründen und wegen der begrenzten Zeit eine kleine Auswahl herausgesucht. Richard Lazarus spricht teilweise von zwei und teilweise von drei Coping-Strategien (Lazarus).

Teilweise ergänzt er die zwei am Ende stehenden Coping-Strategien durch das Neubewerten und Lernen nach der Entscheidung für eine der beiden Bewältigungsstrategien. Hier wird die dritte Bewertungsstufe gleichzeitig zu einer dritten Bewältigungsstrategie. Aufgrund des begrenzten Zeitfensters für die vorliegende Unterrichtseinheit war eine Reduktion auf die drei von Lazarus beschriebenen Coping-Strategien ebenfalls notwendig (statt weitere Unterscheidungen von Bewältigungsformen mit einfließen zu lassen). Da die Lernenden im zweiten Ausbildungsjahr sind und einen ersten Einblick in die Thematik Krankheitsbewältigung erhalten, ist eine gute Handhabbarkeit und Strukturierbarkeit durch eben diese Reduktion gegeben. Auch die Aspekte rund um das Thema Krankheitsbewältigung wurden nach Relevanz auf das Wesentliche reduziert.

5 Kompetenzen

Die im vorliegenden Unterricht anzubahnenden Kompetenzen sind nach dem KMK-Kompetenzbegriff ausgerichtet. Der KMK-Kompetenzbegriff eignet sich für die vorliegende Unterrichtskonzeption, da er die unterschiedlichen Kompetenzdimensionen beinhaltet. Alle Kompetenzdimensionen des KMK-Begriffs werden abgebildet. In der untenstehenden Tabelle ist aus Gründen der übersichtlichen Veranschaulichung außer der Kompetenz die jeweilige im Verlauf des Unterrichts stattfindende Handlung der Schüler aufgeführt. „Handlungskompetenz entfaltet sich in den Dimensionen von Fachkompetenz, Humankompetenz und Sozialkompetenz.“ (KMK 2017)

5.1 Kompetenzen tabellarisch

Tabelle 4: Kompetenzen und Handlungsebene

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.2 Lehrziele

1. Die Auszubildenden kennen und verstehen alle drei Bewertungsstufen des Lazarus-Modells:

a) Bewertung des Reizes: Ist er irrelevant, positiv oder gefährlich?

b) Bewertung der eigenen Ressourcen: Reichen meine Ressourcen, um die Belastung zu bewältigen?

c) Bewertung der angewandten Strategie: Wie gehe ich in Zukunft mit ähnlichen Belastungen um?

2. Die Auszubildenden kennen die Definition von Krankheitsbewältigung nach Siegrist und wissen, dass Krankheitsbewältigung

a) intrapsychisch und

b) interpersonell erfolgt.

3. Die Auszubildenden unterscheiden drei theoretische Bewältigungsstrategien: problem- emotions- und kognitions- bzw. bewertungsorientiertes Coping.

4. Die Auszubildenden sind in der Lage jede der drei erarbeiteten Coping-Strategien mittels Fallanalyse zu identifizieren.

5. Die Auszubildenden können mögliche Bewältigungsformen durch Identifikation mit der Patientenrolle reflektieren und diese den drei Kategorien zuordnen.

6. Die Auszubildenden wissen, was Abwehrmechanismen sind und wie diese im Verhältnis zu Coping stehen. Sie können die jeweiligen Abwehrmechanismen mithilfe der ausgehändigten Tabelle den drei Coping-Strategien zuordnen.

[...]


[1]Alle genannten Personen- und Funktionsbezeichnungen gelten jeweils für beide Geschlechter.

[2]SuS = Schülerinnen und Schüler (Als Abkürzung wird diese Kurzform in diesen und weiteren Tabellen verwendet)

[3]Die hier genannten Informationen beruhen z.T. auf eigene Beobachtungen am Hospitationstag und z.T. auf Mitteilungen der Lehrperson, die am Hospitationstag bei der ET 15 Unterricht in Behindertenpädagogik erteilte.

[4]ET steht für „Ergotherapie“

[5]Die Nummer bezeichnet die Reihenfolge, in der die Kurse seit Eröffnung der Schule gestartet haben. Die ET 15 ist demnach der 15. Kurs.

[6]Von Lazarus, aber auch von anderen Autoren ähnlich beschrieben, z.B. Berner Bewältigungsformen (Schwabe)

[7]S. hierzu weitere Erläuterungen unter 4 (Didaktische Reduktion).

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Unterrichtskonzeption zum Thema Krankheitsbewältigungsformen
Untertitel
Ausbildung Ergotherapeut (2. Jahr)
Hochschule
Medical School Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
58
Katalognummer
V381449
ISBN (eBook)
9783668644380
ISBN (Buch)
9783668644397
Dateigröße
4142 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Coping, Krankheitsbewältigung, Lazarus-Modell, Bewertung
Arbeit zitieren
Henrike Weber (Autor), 2017, Unterrichtskonzeption zum Thema Krankheitsbewältigungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381449

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