Einleitung
In der Öffentlichkeit gerät der Islam gerade seit dem 11.September.20001 immer wieder stark ins Kreuzfeuer der Kritik, sodass es häufig zu Verallgemeinerungen über die gesamte muslimische Gesellschaft kommt. Mit dem Begriff Islam an sich wird nicht mehr die Religion verbunden, sondern eine relativ kleine Gruppe von Muslimen, die so genannten Islamisten, die die Religion für ihre Zwecke missbrauchen. Dem Islam hängt demgemäß fast immer der fade Beigeschmack von Terrorismus, Brutalität und fanatischem Glaubenskampf nach, der auch durch aktuelle politische Debatten immer wieder akzentuiert wird.
Weitere Aspekte, die mit dem Islam assoziiert werden sind vornehmlich die Unterdrückung der Frauen, Zwangsehen oder Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Männer der islamischen Gesellschaft sind nach diesem aktuellen Verständnis die Unterdrücker und die Frauen und Kinder die Unterdrückten.
Durch die ausgeprägte Darstellung des „Feindbildes Islam“ ist eben auch eine Generalisation der öffentlichen Meinung zu begründen. Hört man in den Nachrichten von Muslimen, so verbindet man mit diesen oftmals die so genannten „Schläfer“, die nur darauf warten den nächsten katastrophalen Übergriff auf die Menschheit zu verüben, um sich am heiligen Krieg zu beteiligen und im Namen Allahs das eigene Leben zu opfern.
Um dieser Verallgemeinerung der öffentlichen Meinung Einhalt zu gebieten, ist es also notwendig, sich mit der sehr umfangreichen „Thematik Islam“ im Allgemeinen zu beschäftigen, um sich einen eigenen Standpunkt zu bilden. Dieses „Informieren“ über den Islam, seine Geschichte, aktuelle Bezüge oder einfach kulturelle Hintergründe ist meines Erachtens für eine angehende Lehrerin unumgänglich, da es in der heutigen multikulturellen Gesellschaft fast selbstverständlich ist auch ausländische beziehungsweise muslimische Kinder im Klassenverband zu unterrichten. Damit man die Kinder nicht über einen Kamm schert und die Vorurteile der hiesigen Gesellschaft an diesen auslässt, ist es unbedingt notwendig, sich mit deren Kultur auseinandergesetzt zu haben. Auch sollten diese Kinder möglichst in den Klassenverband integriert werden, indem beispielsweise auf kulturelle Eigenheiten, muslimische Feiertage, oder auch Traditionen eingegangen und den anderen Kindern ein Einblick in die ihnen fremde Kultur geboten wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sachanalyse zum Thema Islam
2.1 Was ist Islam?
2.1.1 Entstehung und Ausbreitung des Islam
2.1.2 Die fünf religiösen Pflichten der Muslime
2.2 Der Koran, die heilige Schrift der Muslime
2.2.1 Die Stellung der Frau im Koran
2.2.2 Rechte /Lebensbedingungen der Frau
2.3 Ehe und Familie
2.3.1 Die Bedeutung der Sexualität in der islamischen Gesellschaft
2.3.2 Erbrecht
3 Muslimische Frauen und Mädchen und das Leben zwischen zwei Kulturen
3.1 Das Leben in der Fremde: türkische Familien in Deutschland
3.2 Erziehung
3.3 Der Begriff der Ehre in der muslimischen Gesellschaft
3.4 Das Kopftuch: Entstehung, Auswirkungen bis in die heutige Zeit
3.4.1 Die Verschleierung
4 Aktuelle Bezüge der Islamproblematik
4.1 Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh
4.2 Der Kopftuchstreit
5 Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur
5.1 Der moderne Kinderroman
5.2 Der psychologische Kinderroman
5.3 Der Adoleszenzroman
6 Literarische Aufbereitung der Problematik muslimischer Mädchen der zweiten Einwanderergeneration auf der Suche nach der eigenen Identität
6.1 Die Autorin: Federica de Cesco
6.2 Federica de Cesco: „Aischa oder die Sonne des Lebens“
6.3 Inhaltsangabe
6.4 Inhaltliche Analyse
6.4.1 Realitäts- und Problemgehalt
6.4.2 Stilanalyse – Sprache / Form
6.5 Einordnung in eine literarische Gattung
7 Marliese Arold: „So frei wie ihr? Hatice lebt zwischen zwei Welten“
7.1 Die Autorin: Marliese Arold
7.2 Inhaltsangabe
7.3 Inhaltliche Analyse
7.3.1 Realitäts- und Problemgehalt
7.3.2 Stilanalyse – Sprache / Form
7.4 Einordnung in eine literarische Gattung
8 Vergleich der beiden Romane
8.1 Inhaltliche Aspekte
8.1.1 Gemeinsamkeiten
8.1.2 Unterschiede
8.2 Sprachliche/ stilistische Aspekte
8.2.1 Gemeinsamkeiten
8.2.2 Unterschiede
8.2.3 Abschließende Gegenüberstellung der Romane
9 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die Darstellung der Identitätssuche muslimischer Mädchen der zweiten Einwanderergeneration in der Jugendliteratur. Ziel ist es, durch eine fundierte Sachanalyse zum Thema Islam und eine literarische Untersuchung zweier ausgewählter Jugendromane einen Beitrag zur interkulturellen Sensibilisierung angehender Lehrkräfte zu leisten.
- Grundlagen des Islams, Familienstrukturen und Frauenrechte
- Soziale und kulturelle Herausforderungen muslimischer Mädchen in Deutschland
- Analyse moderner Adoleszenzromane als Spiegel gesellschaftlicher Realitäten
- Vergleichende Untersuchung der Werke von Federica de Cesco und Marliese Arold
- Bedeutung von Bildung, Selbstbehauptung und interkultureller Integration
Auszug aus dem Buch
Die Protagonistin Aischa
Die Probleme von Einwandererkindern der zweiten Generation – das Leben zwischen zwei Welten- wird meines Erachtens durch die Ich-Erzählerin, Aischa Ben-Jamal, sehr gut verdeutlicht. Die Zerrissenheit zwischen ihren zwei Lebenswelten wird verdeutlicht, indem de Cesco darauf hinweist, dass Aischa in Frankreich geboren ist und sich als Französin fühlt, obwohl ihre Wurzeln in Algerien liegen und sie sich demgemäß als Muslimin fühlen sollte. Den LeserInnen werden auf diese Weise Einblicke in die Gefühlswelt der 16 jährigen Protagonistin gewährt.
Die innere Zerrissenheit des Mädchens wird durch unterschiedliche Phasen akzentuiert: Es werden Empfindungen von Mut (153, 295, 297) über Resignation (168, 298f., 305), Angst (144, 146, 291, 293, 302f.), Trauer (281, 291), Wut (173, 178), Schuldgefühle (286, 303), Glück (128, 135, 170, 307), Liebe (125, 171) und Freude (161, 278) zum Ausdruck gebracht.
Aischa wird sich ihrer Position als Außenseiterin in der Gesellschaft durchaus bewusst, da sie zwischen den Kulturen steht und sich in keiner so richtig zu Hause fühlen kann (74).
Ihre Persönlichkeit wird als viel versprechend beschrieben, da sie intelligent, geduldig, bereitschaftlich und hingebungsvoll ist (42). Die Wissbegierigkeit Aischas wird durch das häufige Lesen in ihrer Freizeit verdeutlicht. Ungestört lesen kann sie jedoch nur dann, wenn die Brüder abwesend sind, da diese sie für ihren Wissensdurst belächeln (8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert das Bild des Islam in der Öffentlichkeit und die Notwendigkeit für angehende Lehrkräfte, sich mit dieser Kultur auseinanderzusetzen, um muslimische Kinder kompetent und vorurteilsfrei zu unterrichten.
2 Sachanalyse zum Thema Islam: Dieses Kapitel liefert grundlegende Informationen über islamische Glaubenslehren, Familienstrukturen, Frauenrechte und die geschichtliche Entwicklung des Islams als Basis für die folgende Literaturanalyse.
3 Muslimische Frauen und Mädchen und das Leben zwischen zwei Kulturen: Es wird die Erziehungssituation und der Begriff der Ehre in muslimischen Familien beleuchtet, wobei ein besonderer Fokus auf den Herausforderungen für Mädchen liegt, die zwischen Tradition und westlicher Lebenswelt aufwachsen.
4 Aktuelle Bezüge der Islamproblematik: Hier werden zeitgenössische Themen wie die mediale Darstellung des Islams, der Fall van Gogh und der Kopftuchstreit analysiert, um die gesellschaftliche Relevanz der Thematik zu verdeutlichen.
5 Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel definiert die Gattungen des modernen Kinder- und Adoleszenzromans und erläutert deren Rolle als Medium zur Aufarbeitung zeitgenössischer Problemlagen.
6 Literarische Aufbereitung der Problematik muslimischer Mädchen der zweiten Einwanderergeneration auf der Suche nach der eigenen Identität: Hier wird das Werk von Federica de Cesco analysiert, wobei der Fokus auf der Charakterentwicklung der Protagonistin und der Darstellung sozio-kultureller Konflikte liegt.
7 Marliese Arold: „So frei wie ihr? Hatice lebt zwischen zwei Welten“: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten inhaltlichen und sprachlichen Analyse des Jugendromans von Marliese Arold, unter besonderer Berücksichtigung der Identitätsfindung der Protagonistin Hatice.
8 Vergleich der beiden Romane: Die beiden ausgewählten Jugendbücher werden auf inhaltliche und stilistische Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede untersucht, um die verschiedenen literarischen Ansätze zur Identitätsthematik aufzuzeigen.
9 Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert ihre Arbeit und betont die Bedeutung einer vorurteilsfreien, frühen pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Thema Islam und Identität, um Integration zu fördern.
Schlüsselwörter
Islam, Muslimische Mädchen, Jugendliteratur, Identitätssuche, Kulturkonflikt, Erziehung, Migration, Frauenrechte, Adoleszenzroman, Integration, Vorurteile, Interkulturelle Pädagogik, Familienehre, Kopftuch, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Identitätssuche von muslimischen Mädchen der zweiten Einwanderergeneration und analysiert, wie diese Thematik in zwei spezifischen Jugendromanen dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle des Islams in der modernen Gesellschaft, das Spannungsfeld zwischen traditionellen familiären Werten und der westlichen Lebenswelt, die Bedeutung von Erziehung sowie die Möglichkeiten der Integration.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein fundiertes Verständnis für die Lebensrealitäten dieser Mädchen zu schaffen, um angehenden Lehrkräften die Grundlage für einen kompetenten und vorurteilsfreien Umgang im Unterricht zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine einführende Sachanalyse zu islamischen Grundlagen mit einer literaturwissenschaftlichen Analyse und einem komparativen Vergleich zweier ausgewählter Adoleszenzromane.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Sachanalyse zum Islam werden die Romane "Aischa oder die Sonne des Lebens" von Federica de Cesco und "So frei wie ihr? Hatice lebt zwischen zwei Welten" von Marliese Arold in Bezug auf Inhalt, Erzählweise und Realitätsgehalt intensiv untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Islam, Identitätssuche, Kulturkonflikt, Migration, Adoleszenz, Erziehung und literarische Aufarbeitung.
Warum spielt die Großmutter Ma Djamila in der Analyse von Federica de Cesco eine so wichtige Rolle?
Ma Djamila fungiert als eine entscheidende, selbstbewusste Bezugsperson, die Aischa darin bestärkt, ihre eigenen Lebensentwürfe jenseits strenger Traditionen zu verfolgen und für ihre Bildung einzustehen.
Welche Rolle nimmt die Sozialarbeiterin Jasmin Weber im Roman von Marliese Arold ein?
Jasmin Weber ist eine zentrale Figur, die als Mediatorin und Wegweiserin agiert, Hilfestellungen außerhalb des Familienverbands aufzeigt und Hatice darin unterstützt, ihre eigene Stimme zu finden.
- Quote paper
- Sonja Thele (Author), 2005, M. Arold, So frei wie ihr? - F. De Cesco, Aischa oder die Sonne des Lebens. Eine vergleichende Analyse zum Thema 'Islam' im Jugendbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38148