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Formen der Konfliktführung im Sachsenkrieg - Erscheinungen einer Umbruchzeit

Title: Formen der Konfliktführung im Sachsenkrieg - Erscheinungen einer Umbruchzeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 32 Pages , Grade: 2

Autor:in: Martin Röw (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Begriffe Krieg und Konfliktführung präsentieren sich uns als dehnbare Ausdrücke, welchen verschiedenste Vorstellungen zugrunde liegen. Im Hochmittelalter waren weniger Auseinandersetzungen zwischen Staaten als Konflikte innerhalb der Gesellschaft, zum größten Teil personalisierter Natur, üblich. Einem dieser Konflikte will sich diese Arbeit genauer annehmen: dem Sachsenkrieg Heinrichs IV.. Es soll bei der Betrachtung darum gehen, Verregelungen in der Konfliktführung ausfindig zu machen und zu überprüfen inwieweit tradierte Normen und Werte das Handeln der Konfliktparteien geprägt haben. Sobald es Regeln gibt, scheint es unausweichlich, dass diese mitunter gebrochen werden. Dies ist ein logischer Prozess, der in der Menschheitsgeschichte weit über die Grenzen des Mittelalters hinaus anzutreffen ist. Daher muss an dieser Stelle nicht das Bild vom finsteren Mittelalter bemüht werden, da auch Gerd Althoff zeigen konnte, dass es im Widerspruch zur Zivilisationstheorie Elias´ keines verstaatlichten Machtmonopols bedarf um Gewalt zu begrenzen. Um es vorwegzunehmen, wir treffen hinsichtlich des Sachsenkrieges auf eine Verregelung der Konfliktführung. Inwieweit diese jedoch dem Ideal entsprach, bzw. von ihm abwich, wird zu zeigen sein. Darüber hinaus wird nach den Gründen zu fragen sein, weshalb Normen und Regeln verletzt wurden. Die Arbeit sieht die Zeit des Sachsenkrieges in einer gesonderten Stellung, welche von stark en Veränderungen und Verwerfungen geprägt ist. Vor diesem Hintergrund soll das „Regelwerk“ Althoffs als Richtlinie für eine Überprüfung dienen. Darüber hinaus sollen die Erscheinungen der Gewalt in den Auseinandersetzungen des Sachsenkrieges nicht außer Acht gelassen werden. Ob und in welchem Maße sie auf die Art und Weise der Konfliktführung zurückzuführen sind, wird ebenso untersucht werden. Dafür werden in erster Linie die drei wichtigsten zeitgenössischen, erzählenden Quellen zum Sachsenkrieg bemüht: die Annalen Lamperts von Hersfeld, das Buch vom Sachsenkrieg des Bruno sowie das Carmen de bello saxonico.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorgedanken

2. Regeln der Konfliktführung

3. Konfliktführung im Sachsenkrieg

3.1. Der Sachsenkrieg als Zeit des Umbruchs

3.2. Normen und Regeln auf dem Prüfstand

4. Formen der Gewalt in den Sachsenkriegen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Sachsenkrieg unter Heinrich IV. im Hinblick auf die Einhaltung und den Bruch tradierter mittelalterlicher Normen zur Konfliktführung. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern ein existierendes „Regelwerk“ zur Gewaltbegrenzung während der Radikalisierung des Konflikts an Bedeutung verlor und welche Rolle der Vertrauensverlust zwischen dem König und den sächsischen Großen dabei spielte.

  • Analyse der mittelalterlichen Konfliktpraxis nach Gerd Althoff
  • Untersuchung von Rolle und Status der Friedensvermittler
  • Bewertung des Sachsenkriegs als Zäsur in der politischen Kultur
  • Analyse der Radikalisierung von Gewaltformen anhand erzählender Quellen

Auszug aus dem Buch

3.2. Normen und Regeln auf dem Prüfstand

Als Beispiel für das Konfliktverhalten der Parteien, mit welchem die unter Punkt zwei postulierte Verregelung überprüft werden soll, wird uns in erster Linie die Schlacht an der Unstrut 1075, die damit zusammenhängenden Beratungen sowie die ihr folgende Unterwerfung von Spier dienen. Bei der Betrachtung der Verhandlungen im Vorfeld, was sowohl die Praxis der Beratungen sowie die als Vermittler tätig werdenden Personen umfasst, ist der Hersfelder Mönch Lampert dem Verfasser des Carmens sowie dem Kleriker Bruno vorzuziehen, da er sich als einziger in aller Ausführlichkeit der Ereignisse annimmt, während sich die Alternativen zu großen Teilen auf die Schlachtendarstellung und die Folgen konzentrieren.

Betrachten wir zunächst den 3. Bereich des oben benannten „Regelwerks“. Wir hatten festgestellt, dass die Praxis der Beratungen zwischen Konfliktparteien als elementar zu bezeichnen ist, um eine bewaffnete Auseinandersetzung zu verhindern. Verhandeln Konfliktparteien nicht miteinander, kann schlichtweg kein friedlicher Ausgleich gefunden werden. Genau diese Situation finden wir nach der Schändung der Harzburg vor. Diese Tat des niederen sächsischen Volkes wurde von beiden konfliktführenden Seiten verurteilt; von den Sachsenfürsten ebenso wie vom König selbst. Daraufhin schicken die Sachsen - nach Lampert - mehrfach Gesandtschaften zum König um Vergebung zu erbitten. Diese wurden jedoch kategorisch vom König abgewiesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorgedanken: Einführung in das Thema der Konfliktführung im Hochmittelalter unter Einbeziehung des theoretischen Regelwerks von Gerd Althoff.

2. Regeln der Konfliktführung: Systematisierung der mittelalterlichen Normen in den Bereichen Königsherrschaft, Vermittlung und diplomatischer Deeskalation.

3. Konfliktführung im Sachsenkrieg: Analyse der Ursachen für das Scheitern diplomatischer Normen im Sachsenkrieg unter Heinrich IV.

3.1. Der Sachsenkrieg als Zeit des Umbruchs: Darstellung der politischen Rahmenbedingungen und des Vertrauensverlusts als Auslöser für die Radikalisierung.

3.2. Normen und Regeln auf dem Prüfstand: Überprüfung der Verregelung anhand der Schlacht an der Unstrut und der Unterwerfung bei Spier.

4. Formen der Gewalt in den Sachsenkriegen: Untersuchung der exzessiven Gewaltformen und des Bruchs mit christlichen sowie ritterlichen Konventionen.

5. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung des Sachsenkriegs als Zäsur, in der tradierte Verhaltensnormen massiv an Glaubwürdigkeit verloren.

Schlüsselwörter

Sachsenkrieg, Heinrich IV., Konfliktführung, Gerd Althoff, deditio, Vermittler, Intercessores, Gewaltbegrenzung, Vertrauensverlust, Umbruchzeit, Lampert von Hersfeld, Carmen de bello saxonico, Schlacht an der Unstrut, Harzburg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das mittelalterliche Konfliktverhalten am Beispiel des Sachsenkrieges Heinrichs IV. und prüft, ob und wie tradierte Normen zur Gewaltbegrenzung in dieser Krisenzeit zur Anwendung kamen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das "Regelwerk" der Konfliktführung (Verhandlungen, Vermittlung), die Rolle von status quo ante-Bestrebungen und die Radikalisierung von Gewalt in Bürgerkriegen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die Zeit des Sachsenkrieges als Zäsur fungierte, da das herrschende System normierter Konfliktlösung durch den Vertrauensverlust zwischen König und Großen systematisch ausgehebelt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse der zentralen erzählenden Quellen des 11. Jahrhunderts (u.a. Lampert von Hersfeld, Bruno, Carmen de bello saxonico) im Abgleich mit moderner sozialhistorischer Theorie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Es werden die Bereiche der Vermittlung, die Verhandlungen im Vorfeld kriegerischer Auseinandersetzungen sowie die Praxis der rituellen Unterwerfung (deditio) detailliert auf ihre Einhaltung und ihren Bruch hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sachsenkrieg, Vertrauensverlust, Konfliktführung und deditio geprägt.

Warum spielt der "Sonderstatus" der Vermittler eine so große Rolle?

Vermittler waren Garanten für Friedensverhandlungen; ihre Unverletzlichkeit war ein notwendiger Ehrenkodex. Deren Untergrabung durch den König zeigt den massiven Vertrauensverlust und die Radikalisierung der Konfliktparteien.

Wie bewertet der Autor die Schändung der Harzburg?

Der Autor ordnet diesen Akt als präventive, wenn auch irrationale Radikalisierung ein, die als Zäsur für die Überwindung bisher geltender Tabus in der Konfliktführung dient.

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Details

Title
Formen der Konfliktführung im Sachsenkrieg - Erscheinungen einer Umbruchzeit
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Geschichte)
Course
Die militärischen Anfänge des Rittertums und der ersten Ritterorden
Grade
2
Author
Martin Röw (Author)
Publication Year
2003
Pages
32
Catalog Number
V38192
ISBN (eBook)
9783638373418
Language
German
Tags
Formen Konfliktführung Sachsenkrieg Erscheinungen Umbruchzeit Anfänge Rittertums Ritterorden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Röw (Author), 2003, Formen der Konfliktführung im Sachsenkrieg - Erscheinungen einer Umbruchzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38192
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