Die Rolle Siziliens in der "Aeneis" am Beispiel des fünften Buches


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Übersetzung von Aen.5, 23-41

2. Einleitung

3. Die Bedeutung Siziliens in der Aeneis

4. Die Bedeutung Siziliens in der römischen Geschichte

5. Sizilien im dritten Buch- Intertextualität der mythischen Seite Siziliens 10

Literaturverzeichnis

1. Übersetzung von Aen.5, 23-41

„[…].nec litora longe fida reor fraterna Erycis portusque Sicanos, si modo ritememor servata remetior astra.“ 25 tum pius Aeneas: „equidem sic poscere ventos iamdudum et frustra cerno te tendere contra. flecte viam velis. an sit mihi gratior ulla, quove magis fessas optem dimittere navis, quam quae Dardanium tellus mihi servat Acesten 30 et patris Anchisae gremio complecitur ossa?“ haec ubi dicta, petunt portus et vela secundi intendant Zephyri; fertur cita gurgite classis, et tandem laeti notae advertuntur harenae. At procul ex celso miratus vertice montis 35 adventum sociasque rates occurrit Acestes, horridus in iaculis et pelle Libystidis ursae, Troia Criniso conceptum flumine mater quem genuit. veterum non immemor ille parentum gratatur reduces et gaza laetus agresti 40 excipit, ac fessos opibus solatur amicis.

„[…]. Auch ist die sichere brüderliche Küste des Eryx und der sikanische Hafen, so meine ich, nicht weit, wenn ich mich nur recht erinnere und die [damals] beobachteten Sterne zurückmesse.“ Darauf [erwidert] der fromme Aeneas: „In der Tat erkenne ich schon lange, dass es die Winde so fordern und du dich vergeblich dagegen stemmst. Wende den Weg für die Segel. Welches Land könnte mir wohl willkommener sein, wo würde ich mir eher wünschen, die erschöpften Schiffe einzuschiffen, als das Land der Dardaner, das mir Acestes beherbergt und die Gebeine meines Vaters Anchises im Schoße hält.“ Sobald diese [Worte] gesprochen worden waren, suchen sie den Hafen auf und günstige Winde spannen die Segel; rasch wird die Flotte übers tiefe Wasser getragen, und endlich steuern sie fröhlich auf den bekannten Strand zu. Aber fern von einem hohen Berggipfel, nachdem er von der Ankunft überrascht worden war, eilt Acestes den befreundeten Schiffen entgegen, schauderhaft mit Speeren und im Fell einer lybischen Bärin, den, schwanger vom Flussgott Crimisus, eine trojanische Mutter gebar. Jener freut sich über die Zurückgekehrten, weil er sich noch wohl an seine alten Vorfahren erinnert, und bewirtet sie freudig mit dem Vorrat seiner Felder, und tröstet die Erschöpften mit freundlichen Gaben.[1]

2. Einleitung

Vergil verfasste die Aeneis, um auf den Ursprung des Römischen Reiches aufmerksam zu machen. Dabei bediente sich der Dichter bei den bekannten Epen „Odyssee“ und „Ilias“ von Homer und „Argonautica“ von Apollonios Rhodos. Die Helden Aeneas und Odysseus aus den Epen „Aeneis“ und „Odyssee“ durchlaufen spannende Abenteuer in verschiedenen Ländern, kämpfen sich durch fremde Völker und gelangen letztendlich an ihr Ziel, die Heimat. In der Aeneis wird besonders auf zwei Länder das Augenmerk gelenkt: Libyen und Italien. Die ersten vier Bücher befassen sich mit dem Aufenthalt in Karthago und der Liebestragödie mit Dido, die Bücher sechs bis zwölf spielen in Italien und enden mit der Gründung einer neuen Heimat in Latium. Doch wo spielt das fünfte Buch? Ist es etwa nicht erwähnenswert, weil es keine Bedeutung für das Epos hat? Wird es deswegen in Seminaren eher seltener gelesen? Oder spielt es gar eine außergewöhnliche Rolle und wird von vielen unterschätzt?

Das fünfte Buch der Aeneis führt die Aeneaden nach Sizilien zurück. G. Karl Galinsky zitiert in seinem Buch „Aeneas, Sicily, and Rome“ Hellanicus, der schreibt:

„After the fall of Troy, some of the Trojans, who had escaped the Achaens, came in boats to Sicily. They settled as neighbors of the Sicanians and they all together were called Elymians, and their cities were Eryx and Segesta.“[2]

Aeneas landet am Beginn des Buches an der Küste des Eryx und gründet am Ende des Sizilienaufenthaltes die Stadt Acesta. Das fünfte Buch spielt weder in Libyen noch in Italien. Geographisch gesehen nimmt es demnach in der Aeneis eine Sonderstellung ein; eine Sonderstellung, die vielleicht sogar für das Epos außerordentlich bedeutsam ist? Es lässt jedenfalls vermuten, Vergil gäbe im fünften Buch eine Vorstellung davon, wie die Frühgeschichte Siziliens ausgesehen haben könnte. Doch nicht nur die Verknüpfung von Realität und Fiktion machen das fünfte Buch äußerst interessant und geben keinesfalls einen Grund dazu, es zu unterschätzen. Es sind die mystische Aura, die Vergil der Insel Sizilien zuschreibt, und die Ereignisse, die sich dort abspielen, die Sizilien von Karthago und Latium abheben lassen. Wieweit sich das fünfte Buch von den anderen elf Büchern der Aeneis unterscheidet, wird erst im Gesamtzusammenhang ersichtlich. Die Liebestragödie der Dido in Karthago der Bücher eins bis vier stellt wie die Ankunft in Italien und der harte Kampf in Latium eine abgerundete Episode dar. Wo nun lässt sich die kurze Episode auf Sizilien einordnen? In dieser Hausarbeit bei Herrn Stöckinger, der das Proseminar „Aeneis, Buch V“ betreute, soll die Bedeutung Siziliens ins Zentrum gerückt werden und der Frage, warum Sizilien einen Wendepunkt in der Aeneis darstellen könnte, nachgegangen werden.

3. Die Bedeutung Siziliens in der Aeneis

Die Worte des Aeneas bei der Landung auf Sizilienan sit mihi gratior ulla,/ quove magis fessas optem dimittere navis,/ quam quae Dardanium tellus mihi servat Acesten/ et patris Anchisae gremio complecitur ossa?[3]drücken bereits eine enge Verbundenheit der Trojaner zu der Insel Sizilien aus.[4]Grund dafür ist zum einen die Rückkehr zur Asche des Anchises: Im dritten Buch stirbt Anchises, der Vater des Aeneas im Hafen von Drepanum. Er wird dort von den Trojanern bestattet; erst dann wird die Fahrt fortgesetzt. Zu beachten ist hierbei die Beschreibung der sizilianische Küste in Aen. 3, 707f:hinc Drepani me portus et inlaetabilis ora/ accipit. […]Aeneas gibt der Küste mit dem Adjektivinlaetabiliseinen negativ konnotierten Charakter, weil er sie mit einem Unglück verbindet.[5]Der Tod des Vaters, der bis dahin wichtigster Haltepunkt für Aeneas war, stellt für den Sohn größten Schmerz und Trauer dar. Aeneas stellt seinen Vater rückblickend als[…] omnis curae casusque levamen[6]dar. Anchises übernahm die Aufgaben einespater familias, als er beispielsweise beim Brand Trojas zum Aufbruch aufrief, während der Irrfahrten des zweiten und dritten Buches die Opfer vollzog, die Zeichen der Götter deutete oder dazu aufforderte, das Orakel von Delos nochmals zu befragen. Aeneas muss am Ende des dritten Buches ohne den Vater weitersegeln; er ist nun sein eigener Ratgeber und Führer. Am Anfang des fünften Buches, nach dem Aufenthalt in Libyen, bei dem Aeneas dem Vater fern war, und der Didokatastrophe vom vierten Buch, werden die Trojaner durch ein Unwetter dazu genötigt, an der Küste Siziliens Halt zu machen. Ganz im Gegensatz zum dritten Buch wird die zweite Landung auf Sizilien vom Erzähler in Aen. 5, 34 positiv dargestellt:et tandem laeti notae advertuntur harenae.[7]Nicht nurlaeti, sondern auchnotaestellen die sizilianische Küste als Ort der Vertrautheit und Freude dar. Aeneas stellt dabei fest:annuus exactis completur mensibus orbis/ ex quo reliquias divinique ossa parentis/ condidimus terra maestasque sacravimus aras;/.[8]Der Todestag des Vaters jährt sich: ein Anlass zum Opfern und Feiern.[9]Eine von vielen Stellen in der Aeneis, an der Aeneas vorbildlich die von Vergil zugeschneiderte Rolle despius Aeneaserfüllt; von Anfang an steht diepietassowohl gegenüber den Göttern als auch gegenüber der Familie bei Vergil im Zentrum: Nach der Aufforderung seiner göttlichen Mutter Venus zur Flucht im zweiten Buch kehrt Aeneas zum väterlichen Haus zurück, um gemeinsam mit seinem Vater Anchises, seiner Ehefrau Creusa und seinem Sohn Ascanius zu fliehen. Aeneas gehorcht im Verlauf des zweiten und dritten Buches den Anweisungen seines Vaters willig und ordnet sich stets unter; er übt damitpietasgegenüber seinem Vater aus. Die Spiele im fünften Buch zu Ehren des verstorbenen Vaters sind Bekenntnis zum Vater und Ausdruck derpietas.

[...]


[1]Vgl. Williams 1960, 43-8

[2]Galinsky 1969, 77

[3]Aen. 5, 28-31

[4]Vgl. Kraggerud 1968, 125

[5]Vgl. Kraggerud 1968, 165

[6]Aen. 3, 709, aus Kraggerud 1968, 119

[7]Vgl. Kraggerud 1968, 165

[8]Aen. 5, 46ff

[9]Aen. 5, 58:ergo agite et laetum cuncti celebramus honorem/

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Siziliens in der "Aeneis" am Beispiel des fünften Buches
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V381998
ISBN (eBook)
9783668586116
ISBN (Buch)
9783668586123
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, siziliens, aeneis, beispiel, buches
Arbeit zitieren
Anuschka Wanner (Autor), 2012, Die Rolle Siziliens in der "Aeneis" am Beispiel des fünften Buches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381998

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