Der LEH hat sich in den letzten Jahren stark verändert. 1 Gründe dafür sind unter anderem der technische Fortschritt, die zunehmende Internationalisierung und die Veränderung des Einkaufverhaltens. 2 Deshalb ist der „Tante-Emma-Laden“ mit begrenzter Verkaufsfläche und kleinem Sortiment heute kaum noch zu finden. Dagegen haben neue Vertriebsformen erhebliche Marktanteile gewonnen. Der „Wandel im Handel“ hat für die Sortimentsgestaltung des LEH neue Herausforderungen mit sich gebracht. Kurzfristige Konsumtrends und sinkende Einkaufsstättentreue der Konsumenten führen zu ständigen Sortimentsveränderungen. Es ergibt sich die Frage nach Systemen, die dem LEH das Management von Sortimenten erleichtern. Die Portfolio-Methode (PMe) könnte ein geeignetes Instrument für das Management von Sortimenten im LEH sein. Die PMe ist seit der Einführung des Marktanteil-Marktwachstum-Portfolios durch die Boston-Consulting-Group (BCG) ein in der Industrie verwendetes Strategieinstrument, das als Managementtool „den Zusammenhang […] zwischen Rentabilität, Cashflow, Wert, Verschuldungskapazität, Wachstums- und Dividendenpotential und Wettbewerbsfähigkeit“ herstellt. 3 Es wurden bereits verschiedene Ansätze zur Anwendung der PMe im Handel entwickelt. 4 Diese diskutieren allerdings überwiegend die allgemeinen Anwendungsmöglichkeiten, spezielle Anwendungsfelder, insbesondere mit Bezug auf die Sortimentspolitik, sind bisher kaum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung gewesen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, auf Basis eines systematischen Überblicks über bestehende Portofolioansätze im Handel, konkrete Portfolio-Modelle (PMo) für die Sortimentspolitik im LEH herauszuarbeiten. Für diese Modelle werden die Nutzenpotentiale und Grenzen als Informationsgrundlage der Sortimentspolitik im LEH detailliert aufgezeigt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EIGNUNG DER PORTFOLIO-METHODE FÜR DIE SORTIMENTSPOLITIK IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
1.1. EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEMSTELLUNG
1.2. ÜBERBLICK ÜBER AUFBAU UND ARGUMENTATIONSFOLGE
2. GRUNDLAGEN UND BEGRIFFSABGRENZUNG
2.1. DER LEBENSMITTELEINZELHANDEL
2.1.1. Abgrenzung des Lebensmitteleinzelhandels
2.1.2. Wettbewerbssituation im Lebensmitteleinzelhandel
2.2. GRUNDLAGEN DER SORTIMENTSPOLITIK
2.2.1. Sortiment und Sortimentspolitik
2.2.2. Die Sortimentspolitik als Prozess der Marketingplanung
2.3. GRUNDLAGEN DER PORTFOLIO-METHODE
2.3.1. Grundbegriffe der Portfolio-Methode
2.3.2. Normstrategien der Portfolio-Methode
3. DIE PORTFOLIO-METHODE IM EINZELHANDEL
3.1. DIE ANWENDUNG DER PORTFOLIO-METHODE IM EINZELHANDEL
3.1.1. Besonderheiten der Portfolio-Methode im Einzelhandel
3.1.2. Überblick der Portfolio-Modelle im Einzelhandel
3.1.3. Nutzen und Grenzen der Anwendung im Einzelhandel
3.1.4. Die Portfolio-Methode als Informationsgrundlage der Sortimentspolitik im Einzelhandel
3.2. DIE PORTFOLIO-METHODE IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
3.2.1. Die Anwendung im Lebensmitteleinzelhandel
3.2.2. Portfolio-Modelle zur Anwendung im Lebensmitteleinzelhandel
4. DIE PORTFOLIO-METHODE ALS INFORMATIONSGRUNDLAGE DER SORTIMENTSPOLITIK IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
4.1. DAS IMAGE-ERTRAGSKRAFT-PORTFOLIO
4.1.1. Darstellung des Image-Ertragskraft-Portfolios
4.1.2. Nutzenpotentiale des Image-Ertragskraft-Portfolios
4.1.3. Grenzen des Image-Ertragskraft-Portfolios
4.2. DAS MARKTANTEILS-ERTRAGSKRAFT-PORTFOLIO
4.2.1. Darstellung des Marktanteils-Ertragskraft-Portfolios
4.2.2. Nutzenpotentiale des Marktanteils-Ertragskraft-Portfolios
4.2.3. Grenzen des Marktanteils-Ertragskraft-Portfolios
4.3. DAS VERBUNDINTENSITÄT-ERFOLG-PORTFOLIO
4.3.1. Darstellung des Verbundintensität-Erfolg-Portfolios
4.3.2. Nutzenpotentiale des Verbundintensität-Erfolg-Portfolios
4.3.3. Grenzen des Verbundintensität-Erfolg-Portfolios
4.4. DAS LEBENSZYKLUS-WETTBEWERBSPOSITIONS-PORTFOLIO
4.4.1. Darstellung des Lebenszyklus-Wettbewerbspositions-Portfolios
4.4.2. Nutzenpotentiale des Lebenszyklus-Wettbewerbspositions-Portfolios
4.4.3. Grenzen des Lebenszyklus-Wettbewerbspositions-Portfolios
4.5. KRITISCHE WÜRDIGUNG DER PORTFOLIO-MODELLE IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
4.6. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE VERWENDUNG DER PORTFOLIO-METHODE ZUR SORTIMENTSPLANUNG IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Portfolio-Methode als strategisches Informationsinstrument für die Sortimentsgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel, um das Management bei komplexen Sortimentsentscheidungen zu unterstützen und Optimierungspotenziale aufzuzeigen.
- Grundlagen der Sortimentspolitik und Portfolio-Methode
- Herausforderungen der Anwendung im Lebensmitteleinzelhandel
- Analyse spezifischer Portfolio-Modelle (Image, Marktanteil, Verbundintensität, Lebenszyklus)
- Ableitung von Nutzenpotenzialen und Grenzen für die Sortimentsplanung
- Strategische Handlungsempfehlungen für das Handelsmanagement
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Besonderheiten der Portfolio-Methode im Einzelhandel
Aufgrund der Entwicklung der PMe für die Industrie sind Anwendbarkeit und Gültigkeit der Grundlagenkonzepte für den LEH zu prüfen. Im Rahmen des Erfahrungskurveneffektes müssen die SGE klar trennbar sein. Dieses ist im LEH aufgrund der angestrebten Verbundbeziehungen im Sortiment nicht möglich. Die Überprüfung des vermuteten Erfahrungskurveneffektes wird somit verhindert. Hinzu kommt, dass der Handel nicht produziert und dadurch das für die Industrie nachgewiesene Kostensenkungspotenzial zwar besteht, die Kostendegressionseffekte und das Prozessverbesserungspotential aufgrund des Lerneffektes jedoch nur in geringerer Höhe effektiv werden.
Die uneingeschränkte Gültigkeit der Ergebnisse der PIMS-Studie ist zu bezweifeln, denn aufgrund der geringen Datenbasis ist die empirische Fundierung für den EH nicht gegeben. Den Ergebnissen kann nur tendenzieller Charakter zugebilligt werden. Hinzu kommt, dass der unterstellte Zusammenhang von Marktanteil und Gewinn im EH nicht allgemeingültig zu beobachten ist, da hier Fach- und Spezialgeschäfte mit geringen Marktanteilen zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Das Lebenszykluskonzept besitzt nur eingeschränkte Gültigkeit da einzelne Betriebsstätten unterschiedliche Lebenszyklen aufweisen und dieses grundsätzlich auch auf der Warenebene gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EIGNUNG DER PORTFOLIO-METHODE FÜR DIE SORTIMENTSPOLITIK IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL: Einleitung in die Problematik des sich wandelnden Lebensmitteleinzelhandels und Darstellung des Ziels der Arbeit, Portfolio-Modelle für die Sortimentsgestaltung nutzbar zu machen.
2. GRUNDLAGEN UND BEGRIFFSABGRENZUNG: Definition des Lebensmitteleinzelhandels, Grundlagen der Sortimentspolitik sowie Einführung in die theoretischen Konzepte der klassischen Portfolio-Methode.
3. DIE PORTFOLIO-METHODE IM EINZELHANDEL: Analyse der Übertragbarkeit industrieorientierter Portfolio-Konzepte auf den Einzelhandel sowie Diskussion der spezifischen Anforderungen an die Modellbildung.
4. DIE PORTFOLIO-METHODE ALS INFORMATIONSGRUNDLAGE DER SORTIMENTSPOLITIK IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL: Detaillierte Analyse und kritische Würdigung von vier spezifischen Portfolio-Modellen für den Lebensmitteleinzelhandel sowie Handlungsempfehlungen.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Abschließende Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Eignung und der bestehenden Defizite beim Einsatz der Portfolio-Methode in der Handelspraxis.
Schlüsselwörter
Portfolio-Methode, Lebensmitteleinzelhandel, Sortimentspolitik, Strategische Planung, Sortimentssteuerung, Warengruppenmanagement, Marktanalyse, Deckungsbeitrag, Verbundeffekte, Wettbewerbsposition, Produktlebenszyklus, Handelsmarketing, Sortimentsplanung, Managementinstrument, Informationsgrundlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die ursprünglich für die Industrie entwickelten Instrumente der Portfolio-Methode genutzt werden können, um die Sortimentspolitik im Lebensmitteleinzelhandel strategisch zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Sortimentsplanung im Lebensmittelhandel, die theoretischen Grundlagen der Portfolio-Analyse, die Besonderheiten der Branche sowie die detaillierte Bewertung spezifischer Portfolio-Matrizen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Hauptziel ist es, konkrete Portfolio-Modelle herauszuarbeiten, die dem Management des Lebensmitteleinzelhandels als Informationsgrundlage dienen, um Nutzenpotenziale und Grenzen ihrer Sortimentspolitik besser einschätzen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Literaturanalyse bestehender Portfolio-Ansätze, die sie auf die spezifischen Bedingungen des Lebensmittelhandels anwendet, um sie kritisch zu evaluieren und anzupassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische Modelle – das Image-Ertragskraft-Portfolio, das Marktanteils-Ertragskraft-Portfolio, das Verbundintensität-Erfolg-Portfolio und das Lebenszyklus-Wettbewerbspositions-Portfolio – detailliert dargestellt und kritisch hinterfragt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Portfolio-Methode, Sortimentspolitik, Lebensmitteleinzelhandel, strategisches Controlling und Warengruppenmanagement charakterisieren.
Warum ist die direkte Übertragung der Industrie-Portfolio-Methode schwierig?
Die Übertragung ist schwierig, da im Lebensmitteleinzelhandel die geforderte Unabhängigkeit einzelner Geschäftseinheiten aufgrund komplexer Sortimentsverbundeffekte in der Realität kaum gegeben ist.
Welche Rolle spielt die EDV bei der Sortimentssteuerung?
Die EDV-Technologie und der Einsatz von Scannerkassen sind entscheidend, da sie erst die notwendige Datengrundlage schaffen, um Sortimentsverbünde und Warenbewegungen präzise auswerten zu können.
- Quote paper
- Volkher Blaich (Author), 2005, Nutzenpotentiale und Grenzen der Portfolio-Methode als Informationsgrundlage der Sortimentspolitik im Lebensmitteleinzelhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38247