Vom Umgang mit Aggressionen. Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen im Grundschulbereich


Akademische Arbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung ... 3
2.
Definition Aggression ... 3
2.1.
Begriffsdefinition ... 3
2.2.
Arten von Aggressionen ... 4
3.
Aggressionen und Störungen des Sozialverhaltens ... 5
3.1.
Theorien zur Entstehung von Aggression ... 5
3.2.
Genetische Ursachen für aggressives Verhalten ... 6
4. Psychosoziale Risiko- und Schutzfaktoren ... 7
4.1
Risikofaktor aus dem Lebensumfeld ... 7
4.2
Schutzfaktoren ... 8
5.Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen als Präventionsmöglichkeit im
Grundschulbereich ... 9
5.1.
Stärkung der Ich-Identität, Selbstwertgefühl und Selbstbehauptung ... 9
5.2.
Förderung von Solidarität, Hilfsbereitschaft und Kooperation ... 10
5.3.
Ausbau von sozialer Sensibilität und Perspektivenübernahme ... 11
5.4.
Aufbau von Kommunikationskompetenz und Konfliktlösungskompetenz... 12
6. Zusammenfassung ... 13
7.Quellenverzeichnis ... 15

3
1.
Einleitung
Aggressionen und der Umgang mit Aggressionen an Schulen ist ein besonders in den letzten Jahren
häufig diskutiertes Thema. Immer wieder ist von körperlichen und psychischen Aggressionen in der
Schule die Rede. Im Rahmen meiner Schulzeit, als auch in Gesprächen mit Freunden und Bekannten,
gab und gibt es durchaus ernsthafte Vorfälle, die als aggressives Verhalten zu deuten sind und ich
begann mich zu fragen welche grundlegenden Ursachen und Faktoren dazu beitragen, dass einige
Schüler und Schülerinnen häufig aggressives Verhalten aufweisen. Als angehende Volkschullehrerin
gilt mein besonderes Interesse vor allem auch dem Umgang mit Aggressionen, im Speziellen den
präventive Möglichkeiten im Schulalltag, um aggressivem Verhalten entgegenzuwirken.
Die vorliegende Arbeit trägt den Titel ,,Vom Umgang mit Aggressionen" mit dem Ziel, in die
wissenschaftliche Ursachenforschung von Aggressionen einzuführen und grundlegende präventive
Maßnahmen erklären, die zur Aggressionsminderung in der Grundschule beitragen. Konkret
formuliert soll dabei folgende Forschungsfrage geklärt werden:
Welche grundlegenden Präventionsmöglichkeiten sind in Bezug auf die Stärkung emotionaler und
sozialer Kompetenzen, unter der Berücksichtigung der wissenschaftlichen Theorieforschung und der
psychosozialen Risiko- und Schutzfaktoren im Umgang mit Aggressionen, in Grundschulen
erfolgversprechend?
2.
Definition Aggression
2.1.
Begriffsdefinition
Der Begriff ,,Aggression" leitet sich aus dem lateinischen Wort ,,aggredi" ab und bedeutet so viel wie
herangehen oder angreifen. Somit hat die ursprüngliche Herkunft des Wortes eine positive
Bedeutung (an eine Sache herangehen) und eine negative (jemanden angreifen). In zahlreichen
Disziplinen und in der Fachliteratur wird der Begriff ,,aggressiv" im negativen Zusammenhang
verwendet (vgl. K
ESSLER
2009, S.19).
Diese weit gefassten Definitionen von ,,Aggression" umfassen demnach auch das Arbeiten, das
Wetteifern, die tätige Hilfeleistung und andere Formen des In-Angriff-Nehmens. Diese weite Deutung

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des Aggressionsbegriffs gilt als sehr unspezifisch und unbrauchbar, da er im Grunde dasselbe wie
`Aktivität` meint (vgl. N
OLTING
2004, S.24).
Betrachtet man enger gefasste Definitionen weisen diese zwei wichtige Merkmale auf: Schaden und
Intention. Aggression hat demnach mit Schädigung, mit Verletzung und Schmerzzufügung zu tun. Um
dabei Situationen auszugrenzen, bei denen es sich um eine Schädigung in hilfreicher Absicht handelt
(z. B. eine Behandlung beim Zahnarzt) oder bei denen Aggression auf Ungeschick oder unglücklichen
Umständen beruht (z. B. ein versehentlicher Tritt auf den Fuß), beziehen die meisten Definitionen
mehr oder minder eine Intention, Absicht oder Zielsetzung mit ein (vgl. Nolting 2004, S.21).
Da in den Medien die Begrifflichkeiten ,,Aggression" und Gewalt oft synonym verwendet, soll kurz
auch das Verhältnis dieser beiden Begriffe betrachtet werden. Fachwissenschaftlich stellt der Begriff
Gewalt eine Ausdrucksform von Aggression dar und ist damit klar als Unterkategorie abgegrenzt (vgl.
Nolting 2004, S. 25).
Da die weite Definition des Begriffs Aggression unspezifisch ist und unklar bleibt, welche Phänomene
eigentlich geklärt werden sollen, haltet sich die vorliegende Seminararbeit an den engen
Aggressionsbegriff. Anzumerken sei hierbei, dass auftretende aggressive Handlungen auch im
engeren Sinne nicht immer die genannten Kriterien Schaden und Intention beinhalten. Eine klare
Definition nach festgesetzten Kriterien für ,,aggressives Verhalten" im Schulbereich ist daher nicht
möglich, da eine definitive Schädigungsabsicht schwer nachgewiesen werden kann. Daher ist es eher
üblich, aggressives Verhalten lediglich als Feststellung des definierten Sachverhaltes ,,zielgerichtetes
Schädigen" zu verstehen (vgl. K
NOPF
1996, S. 39). Selbst bei einer engen Begriffsdefinition lassen sich
unterschiedliche Formen von Aggression unterscheiden, die im Folgenden näher erläutert werden.
2.2.
Arten von Aggressionen
Mit dem Blick auf die zwei grundlegenden Mechanismen aggressiven Verhaltens, können folgende
Ausdrucksformen von Aggression gelistet werden:
1. Proaktive Aggression
Proaktive Aggression umschreibt aggressives Verhalten, das geplant und absichtlich erfolgt. Der Täter
setzt Aggression als ,,Mittel zum Zweck" ein und verfolgt damit ein ganz bestimmtes Ziel (Macht über
ein Opfer, Ansehen, Anerkennung in der Gruppe etc.). Charakteristisch ist, dass das aggressive
Verhalten mit positiven Gefühlen gepaart ist und, dass das Bewusstsein besteht, in welcher Situation
und bei welchen Menschen dies mit Erfolg angewandt werden kann.

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2. Reaktive Aggression
Bei reaktiver Aggression handelt es sich um impulsives Verhalten, das aufgrund wahrgenommener
Auslöser wie Provokation, Bedrohung oder Frustration ausgeführt wird. In diesem Falle spricht man
von inadäquater ,,Reaktion", die meist von starken Gefühlen wie Ärger und Wut begleitet wird.
Reaktiv aggressive Täter unterstellen anderen in uneindeutigen Situationen typischerweise feindliche
Absichten, die wiederum als Rechtfertigung für das eigene aggressive Verhalten gelten (vgl. K
ESSLER
2009, S.34f.).
3.
Aggressionen und Störungen des Sozialverhaltens
3.1.
Theorien zur Entstehung von Aggression
Die klassischen Aggressionstheorien der Psychologie vertreten verschiedenste Ansätze zur Erklärung
von menschlicher Aggression. Die Darstellung einzelner Theorie enthalten vielfältige
Erklärungsaspekte. Wenngleich diese wissenschaftlichen Erklärungen einzeln abgehandelt sind, sind
sie dennoch durch Kausalprozesse und Wechselwirkungen miteinander verbunden. Auf jeden Fall
geben sie wichtige Hinweise auf die Ebenen und Faktoren, dir für das Zustandekommen bzw.
Vermeiden von Aggression wichtig sind.
Triebtheorie
In der Verhaltensforschung geht man davon aus, dass dem Tier als auch dem Menschen ein
Kampftrieb angeboren ist. Dieser Trieb ist die Grundlage zur Selbstverteidigung und Selbsterhaltung
im Konflikt mit anderen ist. Auch der Jagdtrieb zur Erlangung von Nahrung steht mit diesem
Kampftrieb eng in Verbindung. Die Neigung zu aggressiven Verhaltensweisen ist demnach bedingt
aus unserer angeborenen, biologischen Grundlage. Die spielerische Entladung des Triebes muss
scheinbar von Zeit zu Zeit durch balgen und miteinander raufen erfolgen und hinterlässt Überlegens-
und Befriedigungsgefühle, die als angenehm empfunden werden. Das Ausleben des Triebes wirkt wie
eine innere Belohnung, führt jedoch nicht dazu, dass sich Aggressivität und Kampfeslust vermindern.
Lerntheorie
Aggressives Verhalten kann durch unterschiedliche psychologische Mechanismen begünstigt und
verstärkt werden. Eine Verstärkung, in diesem Fall von aggressiven Verhalten, erfolgt demnach durch
Belohnung. Da das Ausleben von Aggression oft als erfolgreich empfunden wird, wird über den
Mechanismus der Verstärkung das aggressive Verhalten angeheizt. Aggression kann somit regelrecht

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,,gelernt" werden. Aggressives oder gewalttätiges Verhalten wird aber auch über den Weg der
Vorbildwirkung erlernt. Der Lernweg ,,Lernen am Modell" ist sehr wirkungsvoll. Aggressives
Verhalten wird demnach kopiert und ins eigene Verhaltensrepertoire übernommen. Andererseits
kann das Wahrnehmen und Erleben solcher Aggressionen auch zu Angst, Hilflosigkeit und
Existenzbedrohung bei Kindern führen.
Tiefenpsychologische Theorie
Ängste und das Gefühl der Bedrohung sind für Kinder und für Erwachsene äußerst unangenehm.
Unsere Seele ist bestrebt, solche unangenehmen, vielleicht sogar unerträglichen Gefühle und die
dadurch entstehenden inneren Spannungen zu lindern. Nach der tiefenpsychologischen Theorie
scheint es seelische Abwehrfunktionen zu geben, die dazu führen, dass solche massiven Ängste und
Bedrohungsgefühle nicht mehr spürbar sind. In diesem Mechanismus werden anstelle der nicht
erträglichen Gefühle, erträglicher Gefühle wie Ärger, Wut, Hass und Zorn gesetzt.
Frustrations-Aggressions-Theorie
Gewalt und Aggression wird nicht durch massive Ängste und Bedrohungsgefühle bedingt, auch
allgemeine Frustrationen im alltäglichen Leben, Enttäuschungen und die damit verbundenen
Selbstwertprobleme sind in der Lage, Wut, Ärger und Vergeltungswünsche hervorzurufen.
Soziologische Theorie
Beleuchtet man die soziologische Theorie so werden durch bestimmte Beziehungsstrukturen (z.B.
Machtstrukturen, große Unterschiede in Besitzverhältnissen) Aggressionen geschürt. Es wird
außerdem beschrieben, dass allein das Etikett ,,aggressives Kind" zur Verfestigung aggressiven
Verhaltens führen kann, da über diese Beurteilung eine gesellschaftliche Erwartungshaltung
gegenüber dem Kind mitgeteilt wird: ,,Alle denken, dass ich aggressiv bin, also muss ich mich auch so
verhalten, da es praktisch von mir erwartet wird" (vgl. P
ENTHIN
2001, S.30ff.).
3.2.
Genetische Ursachen für aggressives Verhalten
Eine Vielzahl verschiedener Ursachen kann beitragen, dass ein Kind auffallend aggressiv, gewalttätig
oder gar kriminell wird. Erbliche Faktoren bedingen gewisse körperliche Veranlagungen und
Charakterzüge. Das eine Kind ist von Natur aus ruhiger und friedlicher, das andere von seinen
Wesenszügen eher lebhaft, impulsiv oder gar jähzornig.
Eine Neigung zu aggressiven und impulsiven Verhalten lässt sich bei vielen Menschen durch eine
Veränderung im Zusammenspiel der Nervenbotenstoffe nachweisen. Diese genetische Bedingung
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Vom Umgang mit Aggressionen. Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen im Grundschulbereich
Hochschule
Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien / Krems
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V382489
ISBN (eBook)
9783668621800
ISBN (Buch)
9783668621817
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, Prävention, Emotionale Kompetenz, Soziale Kompetenz
Arbeit zitieren
Silvia Schein (Autor:in), 2017, Vom Umgang mit Aggressionen. Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen im Grundschulbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382489

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