Die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland


Bachelor Thesis, 2015
58 Pages, Grade: 2

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

1. Einleitung

2. Problembeschreibung

3. Zielsetzung und Fragestellung

4. Methodische Vorgehensweise

5. Theoretischer Rahmen
5.1. Stigma und Stigma-Management
5.2. Gesetzliche Grundlagen der Pflege

6. Das deutsche Gesundheitssystem

7. Gesetzliche Rahmenbedingungen für Asylsuchende in Deutschland

8. Gesundheitliche Situation der Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund ...

9. Möglichkeiten und Chancen für die Pflege- und Gesundheitspraxis

10. Zusammenfassung der Ergebnisse

11. Schlussfolgerung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Deutschland war im Jahr 2013 der größte Einzelempfänger von Asylsuchenden und Flüchtlingen in der Gruppe der industrialisierten Staaten. Gleichzeitig häufen sich in den Medien Berichte über menschenunwürdige Zustände bei der Unterbringung, Behandlung und Gesundheitsversorgung dieser Klientel. Diese Bachelorarbeit geht der Frage nach, inwiefern die gesundheitsbezogene Versorgung von Personen und Gruppen mit Flücht­lingshintergrund in Deutschland eine Rolle spielt und welche Möglichkeiten und Chancen sich daraus für die Pflege- und Gesundheitspraxis ergeben. Ebenso war es ein Ziel den aktuellen Forschungsstand darzulegen. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden im Rah­men einer systematischen Literaturrecherche verschiedene Datenbanken und Bibliothe­ken nach empirischen Studien zur Thematik durchsucht. Weitere Ergebnisse lieferten Fachbücher, Forschungsliteratur sowie Gesetzestexte und journalistische Artikel. Zusam­menfassend kann festgehalten werden, dass bezüglich der Unterbringung und Gesund­heitsversorgung von Flüchtlingen und Asylbewerbern sowohl politischer als auch gesund­heitsbezogener Handlungsbedarf besteht. Der Zugang zum Gesundheitssystem stellt sich für die Klientel als große Hürde heraus. Hier könnten in Zukunft professionelle Pflegekräf­te eine zentrale Rolle als sogenannte Gatekeeper zwischen den Asylsuchenden, Ärzten und den Sozialämtern einnehmen. Außerdem konnte festgestellt werden, dass vor allem in Deutschland nur eine übersichtliche Anzahl an empirischen Forschungsarbeiten zum Thema vorliegt, es besteht ein hoher Forschungsbedarf vor allem in Bezug auf verallgemeinerbare Studien.

Schlüsselwörter: Flüchtlinge, Asylbewerber, Deutschland, Gesundheitsversorgung, profes­sionelle Pflege, Gatekeeper

Abstract

In 2013 Germany was the main single recipient of asylum seekers and refugees in the group of industrialized states. Simultaneously reports of inhuman conditions according to accommodation, treatment and healthcare of this group of people amass in German me­dia. This bachelor thesis aims to portray the role of healthcare regarding to refugees and asylum seekers in Germany and analyses to what extent chances and possibilities emerge for nursing and health care practice out of this fact. Another aim is to give an overview of the actual state of research. To answer these questions a systematic search of literature in different databases and libraries was performed to find empirical studies referred to the topic. Further results were provided by professional literature in books and maga­zines, other research literature, legal texts and journalistic articles. It can be summarized that according to the accommodation and healthcare-provision given to asylum seekers in Germany there is a need for action in politics and the health sector. The access to healthcare appears as an huge obstacle for those clients. This opens a door for future fields of application for professional nurses in the health care sector of Germany dealing with refugees. Nurses could be put in charge as gatekeepers between the asylum seekers, social welfare departments and physicians. The last conclusion of this bachelor thesis is that there is a lack of empirical research regarding these concerns in Germany especially according to studies with generalizable results.[1]

Keywords: Refugee, asylum seekers, Germany, health-care, professional nursing care, gatekeepers

1. Einleitung

In dieser Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades „Bachelor of Sience in Nursing" soll die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland auf der Basis von (Forschungs-)Literatur dargestellt und diskutiert werden. Laut der United Nations (UN) Refugee Agency unter dem UN High Commissioner for Refugees (UNHCR) (2014) war die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2013 mit 109.600 neuen Asylanträgen der größte Einzelempfänger von Asylanträgen in der Gruppe der industrialisierten Staaten. Generell zeigte laut UNHCR (2014) die Anzahl der Asylbewerber in allen 44 Staaten dieser Gruppe eine Steigerungsrate von 28% gegen­über dem Vorjahr. Als Grund dafür nennt der UNHCR (2014) die Kriegssituation in Syrien, wenngleich Asylanträge auch von Personen aus diversen anderen Staaten gestellt worden sind. Diese Zahlen zeigen sowohl, dass Deutschland in der Gruppe der industrialisierten Staaten eine große Rolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen einnimmt, als auch, dass die Zahl der Flüchtlinge, welche in den industrialisierten Staaten westlicher Prägung Asyl su­chen, insgesamt in den letzten Jahren stetig ansteigt. Neben der Gewährung von Asyl und nötigen Grundbedürfnissen wie Kleidung, Nahrung und Unterkunft benötigen die Asylsu­chenden auch eine gesundheitliche Versorgung. In den folgenden Kapiteln soll nun auf die notwendige Gesundheitsversorgung dieser in Deutschland befindlichen Gruppen und In­dividuen mit Flüchtlingshintergrund eingegangen werden, die nicht zuletzt aufgrund der traumatischen seelischen und körperlichen Zustände dieser Personen durch die Flucht aus der Heimat eine bedeutende Rolle zu spielen vermag. Nach einer ausführlichen Dar­stellung des Problems, der Zielsetzung und der Fragestellungen, die in dieser Arbeit be­antwortet werden sollen, folgen in Kapitel vier die methodische Vorgehensweise beim Verfassen der Arbeit mit Begriffsdefinitionen, einem Überblick über die Literaturrecher­che, deren Ergebnisse und Bewertung der gefundenen Forschungsliteratur. Außerdem beinhaltet das Kapitel einen Exkurs über die Rolle des Journalismus in Abgrenzung zu For­schungsliteratur, da das gewählte Thema dieser Bachelorarbeit in Deutschland gerade sehr aktuell ist und deshalb in den Print- und sonstigen Medien eine Fülle von Material veröffentlicht wird, während noch relativ wenig Forschungsliteratur vorliegt. In Kapitel fünf wird anschließend das Thema anhand der Erkenntnisse des Soziologen Erving Goffman in einen theoretischen Rahmen zu Stigma und Stigma-Management gesetzt, gleichzeitig folgt ein Überblick über die gesetzlichen Grundlagen der Pflege wie dem Krankenpflegegesetz (KrPflG), mit besonderem Augenmerk auf den Ethikkodex des Inter­national Council of Nurses (ICN). Nach den gesetzlichen Grundlagen der Pflege[2] folgt in Kapitel sechs ein Überblick über die Finanzierung und die gesetzlichen Rahmenbedingun­gen der Gesundheitsversorgung von deutschen Staatsangehörigen. In Kapitel sieben er­folgt ein Überblick über die gesetzlichen Grundlagen für Asylsuchende und deren gesund­heitliche Absicherung und Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Kapitel acht stellt die gesundheitliche Situation der Asylsuchenden und Flüchtlinge sowie deren Zugang zum Gesundheitswesen über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus dar. In Kapitel neun werden auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse Möglichkeiten und Chancen für die Pflege- und Gesundheitspraxis zur gesundheitsbezogenen Versorgung von Menschen mit Flüchtlingshintergrund dargestellt und geklärt, durch welche mögli­chen und künftigen pflegerischen Einsatzgebiete diese Versorgung verbessert werden kann. In den beiden letzten Kapiteln werden die Ergebnisse und Implikationen der Arbeit diskutiert und zusammengefasst sowie eine Schlussfolgerung und ein Ausblick herausge­arbeitet.

2. Problembeschreibung

Vor der ausführlichen Problembeschreibung dieser Arbeit ist es unabdingbar, verwendete Begriffe wie „Flüchtling", „Asylbewerber" und „Asylberechtigter"[3] genau zu definieren, da diese im Alltagsgebrauch häufig synonym verwendet werden, jedoch wesentliche Un­terschiede aufweisen und diese Unterscheidung neben der Problembeschreibung auch für die Verwendung und Beurteilung statistischer Daten essenziell ist. Die Definition des Begriffs „Flüchtling" ist seit 1951 in der Genfer Flüchtlingskonvention festgehalten und bezeichnet einen Flüchtling als eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu­gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeu­gung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlose infolge solcher Ereignisse au­ßerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will." (Art. 1A, S2, Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge) Somit lässt sich festhalten, dass das Wort „Flüchtling" vorerst nichts über den Asylbewer­berstatus einer Person besagt oder ob sich die Person legal bzw. registriert im entspre­chenden Staat aufhält. Deshalb muss die Definition des Begriffs „Asylbewerber" ebenso angeführt werden. Hierbei lässt sich feststellen, dass es einen weiteren Unterschied zwi­schen den Definitionen von „Asylbewerber" und „Asylberechtigter" gibt. Laut Duden On­line (2013) ist ein „Asylbewerber" eine Person, die um Asyl ansucht, und kann synonym zum Begriff „Flüchtling" verwendet werden. Unterschieden werden müssen diese beiden Begriffe von dem Begriff der „Asylberechtigten", welches laut Duden Online (2013) Per­sonen sind, denen das Recht auf Asyl zuerkannt wurde. An den Definitionen wird deutlich, dass eine genaue Verwendung der Begriffe unerlässlich ist. So sind Flüchtlinge gleichzeitig Asylbewerber, da Flüchtlinge laut Definition der Genfer Konvention als politisch Verfolgte gelten und somit aufgrund des Artikels 16a des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland (1949) Asylrecht genießen, während der Begriff „Asylberechtigter" beinhal­tet, dass das Asylverfahren bereits abgeschlossen ist und positiv entschieden wurde. Wei- ter lässt sich festhalten, dass der Begriff „Flüchtling" durchgängig in Gesetzestexten, so­wie bei der UNO-Flüchtlingshilfe und der Genfer Konvention Verwendung findet und kei­neswegs eine politisch unkorrekte Bezeichnung darstellt. Für diese Arbeit wird somit im Folgenden „Flüchtlinge" und „Asylbewerber" synonym verwendet, in Abgrenzung dazu der Begriff „asylberechtigte" Personen. „Personen und Gruppen mit Flüchtlingshinter­grund" wird als Sammelbegriff für all diese Personengruppen verwendet, ungeachtet ih­res Aufenthaltsstatus. Nach der Definition der grundlegenden Begriffe erfolgt im nächsten Teil des Kapitels eine ausführliche Beschreibung der Problematik, welche dieser Bachelor­arbeit zugrunde liegt.

Laut der Flüchtlingshilfe der United Nations Organization (UNO) (2013) hat die Anzahl der Asylanträge speziell in Industrienationen im Jahr 2013 ein Rekordhoch erreicht.

„Insgesamt haben [...] 612.700 Personen in Nordamerika, Europa, Ostasien und der Pazi­fikregion um Asyl angesucht. Zuletzt waren die Zahlen 2001 auf diesem Niveau." (UNO- Flüchtlingshilfe, 2013, Abs.2)

Aus diesem Zitat wird deutlich, dass die Anzahl der Personen und Gruppen mit Flücht­lingshintergrund in den letzten Jahren weltweit stark ansteigt. Dies betrifft neben den Nachbarstaaten von Ländern, in denen aktuell Krieg herrscht auch die Industrienationen westlicher Prägung, zu welchen unter anderem die Bundesrepublik Deutschland zählt. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, ist der Anstieg der Flüchtlingsströme und die stei­gende Zahl der Asylsuchenden auch für Deutschland von großer Bedeutung. Dies wird auch an folgendem Zitat aus dem Global Trends Report des UNHCR im Jahr 2014 deutlich:

„ With 109,600 new asylum applications registered during 2013, Germany was for the first time since 1999 the world's largest single recipient of new asylum claims. This figure is 70 per cent higher than that recorded a year earlier (64,500) and the sixth consecutive annual increase." (UNHCR, 2014; 27)

Laut des UNHCR Global Appeal Update (2015) hat sich im Jahr 2014 im Vergleich zum Vor­jahr die Zahl der Asylbewerber in Europa um 25% erhöht, wobei Deutschland mit einer entsprechenden Steigerungsrate von sogar 28% weiterhin der größte Einzelempfänger von Asylbewerbern ist. Neben der Anzahl der neuen Asylanträge und der durch den UNHCR registrierten Personen mit Flüchtlingshintergrund, welche im vorherigen Zitat erwähnt werden, steigt auch die Zahl der beherbergten Flüchtlinge generell. So ist laut Focus-Online (2015) im Jahr 2014 „die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge auf rund 629.000 gestiegen. Das sind 130.000 Flüchtlinge mehr als 2013." (Focus-Online, 2015, Abs. 1) Die in den letzten Jahren anhaltend steigenden Flüchtlingsströme nach Deutschland stellen für die Bundesrepublik eine große Herausforderung dar. Neben der Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Unterkunft spielt auch die Gesundheitsver­sorgung dieser Personen und Gruppen eine besondere Rolle. Laut Norredam, Mygind und Krasnik (2005) stellen Asylsuchende eine vulnerable Population dar, welche durch ihre Flucht speziellen gesundheitlichen Risikofaktoren ausgesetzt ist, da sie häufig aus Kon­fliktgegenden ohne Zugang zu adäquater Gesundheitsversorgung stammen. Vor allem vor ihrer Migration sind diese Personen meist Folter und Traumata ausgesetzt, welche laut Norredam et al. (2005) schließlich zu geistiger und körperlicher Krankheit führen können. Zudem konstatierten die Forscher, dass bei Ankunft im Aufnahmestaat weitere Faktoren wie Abschiebehaft, Dauer des Asylverfahrens, Sprachbarrieren und fehlende Kenntnis über das Gesundheitssystem im Aufnahmeland eine entscheidende Rolle für die Gesund­heit spielen. Burnett und Peel konstatierten 2001, dass Asylsuchende keine homogene Bevölkerungsgruppe sind und aufgrund der verschiedenen Herkunftsländer und Kultur­kreise auch die durchlittenen Erlebnisse von Person zu Person unterschiedlich sein kön­nen, wodurch ihre Gesundheit und ihr Ernährungszustand beeinflusst werden. Diese Fest­stellungen implizieren, dass Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund nicht nur verschiedene gesundheitliche Probleme aufweisen, sei es körperlich, geistig oder seelisch, sondern auch, dass der Ernährungszustand bei Ankunft im Aufnahmeland eine Rolle in der Versorgung spielt. So lässt sich feststellen, dass diese Personen und Gruppen - neben einer gesetzlichen Grundversorgung - aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsländer und -kulturen eine individuelle und differenzierte Versorgung und Unterstützung benöti­gen.

3. Zielsetzung und Fragestellung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland herauszuarbeiten und zu diskutieren. Anhand von (Forschungs-)Literatur soll herausgefunden werden, inwieweit die Gesund­heitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund eine besondere Herausforderung für das deutsche Gesundheitswesen darstellt. Um diese Hauptfragestel­lung zu beantworten ist es nötig, den nationalen und internationalen Kenntnisstand von Literatur und Forschung zu diesem Thema herauszuarbeiten, um die Bedeutung der Er­gebnisse für die gesundheitsbezogene Versorgung dieser Klientel in Deutschland festzu­stellen. Da es sich um eine pflegewissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema handelt, werden in dieser Arbeit die Unterfragen beantwortet, inwiefern pflegebezogene Grundlagen für die gesundheitsbezogene Versorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund herangezogen werden können, welche Möglichkeiten und Chan­cen sich daraus für die Pflege- und Gesundheitspraxis ergeben und welche Auswirkungen und neuen Einsatzgebiete sich daraus für die mit dieser Klientel beauftragten Pflegekräf­te[4] in Deutschland ergeben.

4. Methodische Vorgehensweise

Grundlage für diese Bachelorarbeit war eine Literaturrecherche in der Bibliothek der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg und der medizinischen Datenbanken PubMed und CINAHL sowie der Cochrane Library. Letztere lieferte jedoch keinerlei Ergeb­nisse zu den Suchbegriffen. Als Suchbegriffe wurden verwendet: Refugee(s)/Flüchtlinge, German/deutsch, Germany/Deutschland, health/Gesundheit, asylum seekers/Asyl­bewerber/Asylsuchende, asylum/Asyl, nursing (care)/(Kranken-)Pflege. Als Boolescher Operator wurde ausschließlich UND verwendet. Da in den Datenbanken nur wenige rele­vante Ergebnisse gefunden wurden, wurden Ausschlussoperatoren wie NICHT nicht not­wendig. Eine Suche durch die Suchmaschine Google erwies sich mit dem Suchbegriff „Gesundheitsversorgung Flüchtlinge" als enorm hilfreich, da hier der Zugang zu den In­ternetportalen der Flüchtlingshilfe der vereinten Nationen (UN) sowie des UNHCR und anderer Internetseiten verschiedener Flüchtlingshilfen ermöglicht wurde. Ein weiteres hilfreiches Ergebnis durch die Suchmaschine war die Information über eine Forschergrup­pe aus Heidelberg, welche aktuell an einer systematischen Übersichtsarbeit zum Thema „Gesundheitszustand und Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Deutschland" arbeitet. Im Rahmen der Durchsicht des Protokolls der Review konnte ein Kontakt zu Dr. med. Kayvan Bozorgmehr hergestellt werden und so erhielt die Autorin eine Liste mit hilfreichen Links zu wissenschaftlichen Studien zum Thema. Die Literatursu­che über Quellenangaben in bereits bekannten Studien bzw. Artikeln erwies sich am Ende als am produktivsten um ausreichend Literatur zu sammeln. Generell ist festzustellen, dass nur sehr wenige Forschungsarbeiten und populärwissenschaftliche Sachliteratur, die das Thema treffend behandeln über gängige Datenbanken gefunden werden können. Außerdem wurden Fachbücher für Soziologie, Krankenpflege und Public Health gesichtet. Einschlusskriterien für die Literatursuche waren die deutsche und englische Sprache so­wie die Verfügbarkeit der Datenbank-Artikel im Volltext über die PMU, Originalartikel und Reviews. Da diese nur sehr spärlich vorhanden waren und aufgrund der Aktualität des Themas in den Medien wurde auch auf journalistische Artikel zurückgegriffen. Ein Verweis auf die journalistischen Gütekriterien im Vergleich zu denen der qualitativen und quanti­tativen Forschung erfolgt anschließend noch in diesem Kapitel. Eingeschlossen ist des Weiteren Literatur zu Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund, während alle anderen Migranten bzw. der Suchbegriff „Migrant" im Allgemeinen ausgeschlossen wur­de. Der Grund für den Ausschluss ist die extrem weite Begriffsdefinition, über welche sich sogar das Bundesamt für Statistik nicht einig ist und die somit zu einem sehr weiten Lite­raturspektrum führt, das den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Der Zeitraum der Publikationsdaten wurde zunächst auf die Jahre 2000-2015 beschränkt, jedoch stellte sich heraus, dass durchaus auch ältere Werke für diese Arbeit noch relevant sind, wie z.B. Er­ving Goffmans „Stigma" von 1963[5] oder die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951. Die gesichteten empirischen Studien, welche nach der Literaturrecherche übrig blieben, wur­den anschließend anhand der Gütekriterien der empirischen Sozialforschung bewertet. Die quantitativen Studien wurden kritisch hinsichtlich der klassischen Gütekriterien Validi­tät, Reliabilität und Objektivität beurteilt, die qualitative Studie zusätzlich hinsichtlich der alternativen Gütekriterien nach Lincoln und Guba (1985; 198) sowie den Umformulierun­gen der bekannten Gütekriterien (Prozedurale Reliabilität, Validierung, interne und exter­ne als auch emergentistische Objektivität).Da die Anzahl an adäquater Forschungslitera­tur vor allem für das Kapitel acht - Gesundheitliche Situation der Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund - verschwindend gering ist, ist es hier sinnvoll, aktuelle journa­listische Artikel zur Situation dieser Personen mit einzubeziehen. Um diesen Einsatz von journalistischen Arbeiten zu rechtfertigen, ist es nötig, Unterschiede und Gemeinsamkei­ten von Journalismus und Sozialforschung zu klären, sowie die Gütekriterien des Journa­lismus genauer zu beleuchten, da nicht nur qualitative und quantitative Forschung, son­dern auch der Journalismus gewissen Qualitätskriterien folgt. Wie Klammer (2005) kon­statiert, liegt die Gemeinsamkeit der Arbeit von Journalisten und Sozialwissenschaftlern darin, dass beide Bereiche soziale Wirklichkeit als Bezugspunkt für ihre Arbeit haben. Sie beschäftigen sich mit „Phänomenen sozialer Wirklichkeit" (Klammer, 2005; 8). So „haben beide Gruppen jeweils berufsspezifische Methoden und Instrumentarien entwickelt, mit denen sie Informationen sammeln, ordnen und auswerten" (Klammer, 2005; 8). Aus die­sen Zitaten werden die größten Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten von qualitativer Sozialforschung und Journalismus bereits deutlich. Während beide in etwa das gleiche Ziel, nämlich die Darstellung sozialer Wirklichkeit verfolgen, unterscheiden sich die Me­thoden, Ziele und Intentionen jedoch in den unterschiedlichen Disziplinen. Die Unter­schiede bestehen unter anderem in der Verwendung von Zitaten. Während die qualitative Sozialforschung Zitate als Belege und zur argumentativen Absicherung verwendet, führt der Journalismus diese an, um Artikelinhalte zu veranschaulichen, interessanter zu ma­chen oder bildlich zu umschreiben. Auch der Umfang der Arbeiten beider Disziplinen un­terscheidet sich sehr deutlich. Qualitative Studien folgen außerdem systematischen Ab­läufen, sie beinhalten Aussagen zu Methodik, Teilnehmerauswahl und Vorgehen, wäh­rend in journalistischen Texten dazu keine Aussagen getroffen werden. Dies hat aber ei­nen besonderen Grund: Journalismus ist geprägt durch seine Aktualität und zeitnahe Be­richterstattung, während qualitative Studien viel Zeit in Anspruch nehmen nicht zuletzt wegen der Bindung an Gütekriterien wie Reliabilität, Validität und Objektivität und Ergeb­nisse erst nach Monaten zur Verfügung stehen. Mit einem qualitativen Forschungsansatz wäre es unmöglich, das öffentliche Interesse zu zeitnahen Themen zu befriedigen, wäh­rend der Journalismus dies erreicht. „Hierbei wäre es allerdings kontraproduktiv, wenn Journalisten ähnlich wie Sozialforscher ihr investigatives Vorgehen immer transparent machen müssten" (Klammer, 2010; 364). Ein weiterer Unterschied der beiden Disziplinen liegt in deren Intention.

„Sozialforscher sind an neuer Erkenntnis interessiert, sie wollen gesellschaftliche Erschei­nungen und Prozesse beschreiben und vor allem erklären. Ihr Augenmerk richtet sich in der Regel auf das Verbindende sozialer Phänomene, um möglichst generelle Aussagen über solche Phänomene, ihre Ursachen und Folgen machen zu können." (Klammer, 2010; 363)

Aus diesem Zitat wird deutlich, dass Sozialforscher daran interessiert sind, soziale Phä­nomene auf bestimmte Personengruppen zu verallgemeinern bzw. Hypothesen für diese zu generieren. Dies ist nicht die Intention von Journalisten. Laut Klammer (2005) orientie­ren sich Sozialreportagen durch Journalisten häufig an Einzelfällen, die nicht immer ty­pisch sein müssen und einer zufälligen und somit subjektiven Wahrnehmung großen Raum lassen. Des Weiteren folgt qualitative Sozialforschung einer Systematik und ist dementsprechend strukturiert. Dies beginnt beim Forschungsplan, Designauswahl bis hin zur Datenerhebung und -analyse, während Journalismus häufig unstrukturiert vorgeht. Klammer (2005) beschreibt dies treffend als ungeordnete, den Zufällen ausgesetzte Ein­drücke sozialer Reportage. Zwar müssen sich beide Disziplinen vor Interviews Fragen zu­rechtlegen und ein mehr oder weniger großes Hintergrundwissen zur Thematik aneignen, jedoch bedient sich die empirische Sozialforschung ausführlicher und systematischer In­terviewleitfäden für eine bestmögliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse, während Journa­listen an diese nicht gebunden sind. Dies liegt auch an den unterschiedlichen Zielen, wel­che laut Klammer (2010) für die Wissenschaft ein Erkenntnisfortschritt und für den Jour­nalismus das Herstellen von Öffentlichkeit sind. Hier lassen sich auch unterschiedliche Vorgehensweisen erkennen:

„Im Mittelpunkt der Tätigkeit von Journalisten steht die Darstellung und Vermittlung von Erscheinungen sozialer Wirklichkeit, über die in der Regel ergebnisbezogen berichtet wird. Vom Journalismus wird nicht erwartet, Lösungen für soziale Probleme zu erarbeiten, son­dern in erster Linie soziale Probleme und Fehlentwicklungen wahrzunehmen, zu erkennen und sie mit geeigneten Mitteln öffentlich zu machen." (Klammer, 2010; 364)

Dennoch lassen sich zwischen beiden Disziplinen auch Gemeinsamkeiten finden. Als ers­ter Punkt lässt sich hier die Datengewinnung anführen: Beide Berufsgruppen nutzen hier­für Beobachtungen, Befragungen und Dokumentanalysen, wenngleich der Grad der Struk­turierung unterschiedlich ausgeprägt sein mag.

„Menschen werden beobachtet, um ihr Verhalten kennen zu lernen, sie werden befragt, um ihre Meinungen und Einstellungen zu erfahren, Dokumente werden inhaltlich analy­siert, um Zusammenhänge zu verstehen."(Klammer, 2005; 16)

Die bedeutendste Gemeinsamkeit der beiden Disziplinen ist jedoch das Ziel, soziale Wirk­lichkeit darzustellen, wie auch Klammer (2010) es anführt:

„Die augenfälligste Gemeinsamkeit von empirischer Sozialforschung und Journalismus ist der Gegenstandsbereich, mit dem sich beide befassen und dem sie sich mit den ihnen ei­genen Methoden und Instrumenten zu nähern versuchen: soziale Wirklichkeit." (Klammer, 2010; 363)

Der Autor führt an, dass soziale Wirklichkeit nicht unmittelbar zu beobachten sei, sondern sich in Form sozialer Phänomene zeige, welchen sich beide Disziplinen mit ähnlichem Vorgehen näherten um Hintergrundwissen darüber zu gewinnen. Auch der Antrieb ist laut Klammer (2010) eine Gemeinsamkeit der beiden Disziplinen. Er beschreibt, dass beiden Disziplinen die Neugier gemeinsam sei: „das Interesse, Neues zu entdecken, aber nicht als Selbstzweck, sondern - idealtypisch betrachtet - stets mit Blick auf die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz." (Klammer, 2010; 363) Beiden Disziplinen ist gemeinsam, dass ihre Recherchen und Berichte, vor allem die Ergebnisse, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und ihr Wissen der Allgemeinheit bereitgestellt wird. Auch die Verwen­dung von Sprache als Mittel zur Darstellung der sozialen Wirklichkeit haben qualitative Sozialforschung und Journalismus gemein. Menschliche Kommunikation und Interaktion wird sprachlich bzw. im Text dargestellt, sei es durch wörtliche Zitate oder durch nieder­geschriebene Beobachtungen. Sowohl im qualitativen Forschungsprozess als auch im Journalismus werden Artefakte menschlichen Seins in Sprache umgewandelt und diese Sprache ausgewertet, um sie anschließend dem Publikum in Form von Texten, Videos etc. transformiert zugänglich zu machen. Die für diese Arbeit wichtigste Gemeinsamkeit der beiden Disziplinen ist jedoch, dass beide gewissen Gütekriterien folgen. Die empirische Sozialforschung folgt den klassischen Gütekriterien der Objektivität, Validität und Reliabi­lität und deren Umformulierungen sowie alternativen Gütekriterien, während laut Klam­mer (2010) der Journalismus die Qualitätsmerkmale Aktualität, Relevanz und Vermittlung aufweist. „Die journalistische Güte oder Qualität wird daher auch weniger am Weg der Informationsgewinnung, also der Recherche, bemessen als vielmehr am journalistischen Endprodukt." (Klammer, 2010; 364) Was Klammer in seinen Ausführen nicht erwähnt, ist, dass es ähnlich dem ICN-Ethikkodex für Pflegende als Leitlinie auch für Journalisten einen sogenannten „Pressekodex" gibt, welcher als Richtlinie für die publizistische Arbeit vom deutschen Presserat im Jahr 1973 beschlossen wurde. In der aktuellen Fassung aus dem Jahr 2015 lassen sich einige Punkte identifizieren, welche durchaus eine gewisse Anleh­nung an die klassischen Gütekriterien und ethischen Grundsätze der Sozialforschung dar­stellen. So beschreibt der Kodex „die Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit" (Presserat, 2015; Ziffer 1) als oberste Gebote der Presse. Auch an folgendem Zitat lassen sich Parallelen zur Sozialforschung erkennen, man denke hier an die Vermeidung von Publikationsbias. Auch zu den klassi­schen Gütekriterien lassen sich Gemeinsamkeiten finden.

„Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsge­treu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermu­tungen sind als solche erkennbar zu machen." (Presserat, 2015; Ziffer 2)

Somit lässt sich festhalten, dass nicht nur die Sozialforschung, sondern auch der (Quali­täts-Journalismus Gütekriterien und Qualitätsmerkmalen unterliegen, weshalb es vor allem aufgrund der Aktualität des Themas dieser Arbeit durchaus sinnvoll ist, in einem gewissen Rahmen besonders bezüglich der subjektiven Situation der Personen und Grup­pen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland journalistische Artikel als Quellen heranzu­ziehen.

5. Theoretischer Rahmen

Der theoretische Rahmen, in welchen diese Arbeit eingebettet ist, gliedert sich in zwei Teilbereiche. Zum einen in Erving Goffmans heute noch bedeutende Ausführungen zu Stigma und Stigma-Management von 1963 und zum anderen in die gesetzlichen Grundla­gen der Pflege, welche dazu dienen, „Pflege" zu definieren und später die Rolle der Pfle­gekräfte in Zusammenhang zur Arbeit mit Flüchtlingen zu setzen.

5.1. Stigma und Stigma-Management

Bereits zu Beginn seines Werkes „Stigma" hält Erving Goffman (2014) fest, dass Stigma charakterisiert ist als „die Situation eines Individuums, das von vollständiger sozialer Ak­zeptierung ausgeschlossen ist." (Goffman, 2014; 7) Als Gründe für diese unvollständige soziale Akzeptanz nennt der Autor, dass Menschen, sobald sie auf Fremde treffen, deren soziale Identität antizipieren, welche sich aus bestimmten Charaktereigenschaften und strukturellen Merkmalen zusammensetzt. Dies führt laut Goffman (2014) dazu, dass Men­schen durch die Vorwegnahme von Eigenschaften meist unbewusst gewisse Forderungen an diese Personen stellen. Treten nun nicht erwartete, wenig wünschenswerte Attribute an dieser Person zutage, wird diese, vor allem wenn die Attribute extrem sind, „von einer ganzen und gewöhnlichen Person zu einer befleckten, beeinträchtigten herabgemindert. Ein solches Attribut ist ein Stigma, besonders dann, wenn seine diskreditierende Wirkung sehr extensiv ist". (Goffman, 2014; 10-11) Goffman (2014) merkt an, dass nicht alle Eigen­schaften, die nicht unserer Antizipation entsprechen „strittig sind, sondern nur diejeni­gen, die mit unserem Stereotyp von dem, was ein gegebener Typus von Individuum sein sollte, unvereinbar sind." (Goffman, 2014; 11) Als weiteren wichtigen Punkt im Zusam­menhang mit Stigma führt Goffman (2014) an, dass bestimmte Eigenschaften nicht gene­rell als Stigma typisiert werden können. Je nach Typus können manche Eigenschaften bei einem Menschen als normal gelten, bei einem anderen führen sie zur Stigmatisierung. Laut Goffman (2014) gibt es bei einem Menschen drei verschiedene Arten von Stigma: physische Deformationen, individuelle Charakterfehler (z.B. Haft, Geistesverwirrung, radi­kales politisches Verhalten) sowie „phylogenetische Stigmata von Rasse, Nation und Reli­gion." (Goffman, 2014; 13) Bezogen auf Personen und Gruppen mit Flüchtlingshinter­grund bedeutet dies, dass Flüchtlinge und Asylsuchende aufgrund ihrer ethnischen Zuge­hörigkeit, ihrer Nation, ihrem schlichtweg anderen Aussehen und eventuell auch ihrer anderen Religion der dritten Art von Stigmata zugeordnet werden können und somit ein Risiko für ein Stigmatisiert-Werden tragen. Durch Folter in ihrem Heimatland können kör­perliche Entstellungen auftreten, während individuelle Charakterfehler seltener als Stig­ma zu erwarten sind. Je nach erlittener Verfolgung, Krieg oder anderer Bedrohungen be­steht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für psychische Störungen aufgrund von Traumata und Folter sowie eventuell eine Neigung zu radikalem politischen Verhalten (zumindest aus Sicht der im Einreiseland lebenden Personen und deren gesellschaftlicher Normen). Dies lässt die Folgerung zu, dass Flüchtlinge ein hohes Risiko für eine Stigmatisierung im Einreiseland aufweisen. Laut Goffman (2014) führt die Stigmatisierung zu Diskriminierun­gen, durch welche die Lebenschancen der Stigmatisierten, wenn auch nicht mit Absicht, reduziert werden. Bedenkt man nun die Situation der Flüchtlinge in Deutschland, so rei­sen diese teilweise mittellos und mit großen Sprachbarrieren in ein fremdes Land, was allein dadurch schon mit verminderten Lebenschancen und einer Einschränkung der Le­bensqualität einhergeht, weshalb einer Sensibilisierung für Stigma und Stigma­Management in Bezug auf den Umgang mit dieser Personengruppe eine große Bedeutung zugemessen werden muss, da nur so eine zufriedenstellende Integration und Unterstüt­zung dieser Personen erreicht werden kann. Eine Möglichkeit für Personen, welche Stig­mata erfahren, damit umzugehen, ist laut Goffman (2014), sich mit anderen zusammen­zuschließen, die das gleiche Stigma teilen, d.h. sich mit anderen Flüchtlingen zusammen­zutun und sich zurückzuziehen, da dies Behagen und Akzeptanz mit sich bringt. Besonders erschwerend für die Situation der Flüchtlinge ist, dass diese ohne die ihnen zugewiesenen Stigmata aufgewachsen sind und in ihrem Herkunftsland als „normal" galten, während sie nun lernen und erfahren müssen mit der Situation, plötzlich stigmatisiert zu sein, umzu­gehen. Dies steigert nach Goffman (2014) auch die psychische Vulnerabilität dieser Klien­tel. Dementsprechend sind besonderer Umgang und Unterstützung notwendig, sowie eine Sensibilisierung für Stigma und Stigma-Management unter den Personen, die mit Flüchtlingen arbeiten, um diese Kohortenbildung und Abgrenzung sowie durch Stigmati­sierung auftretende Aggressionen und Unmut, die erneut zu Stigmatisierung und Diskri­minierung führen können, von vorneherein zu mildern oder zu verhindern, indem dieser unbewusste Prozess des Stigmatisierens anderer bewusst gemacht wird.

[...]


[1] Von einer wörtlichen Übersetzung ins Englische wurde hier abgesehen, da dadurch der Lesefluss in engli­scher Sprache beeinträchtigt ist. It was renounced to translate the abstract verbatim in favour of the flow of reading.

[2] Alle pflegerischen Bezeichnungen beziehen sich auf das berufliche Feld der Gesundheits- und Kranken­pflege In dieser Bachelorarbeit wird weitestgehend auf eine geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet, um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen. Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter gemeint.

[4] In dieser Arbeit werden synonym die Begriffe „Pflegekraft", „Pflegeperson(al)" und „Pflegende" verwen­det, alle diese Termini beziehen sich auf Gesundheits- und Krankenpfleger(innen). Der Begriff „Pflegefach­kraft" bezieht sich in späteren Kapiteln ausschließlich auf die in der Schweiz speziell weitergebildeten Pfle­gekräfte, welche die Autoren als Nurse Practitioner bezeichnen.

[5] „Stigma" wurde von Goffman 1963 in der Originalausgabe veröffentlicht und liegt für diese Bachelorarbeit in der 22. Auflage von 2014 vor. Bei Zitaten wird im weiteren Text deshalb auf das Jahr 2014 verwiesen.

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Details

Title
Die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland
College
Paracelsus Medical University  (Institut für Pflegewissenschaft)
Grade
2
Author
Year
2015
Pages
58
Catalog Number
V382902
ISBN (eBook)
9783668587274
ISBN (Book)
9783668587281
File size
630 KB
Language
German
Tags
Flüchtling, Asylbewerber, Deutschland, Gesundheitsversorgung, professionelle Pflege, Gatekeeper, Primary Nursing
Quote paper
Julia Hofbauer (Author), 2015, Die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382902

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Title: Die Bedeutung der Gesundheitsversorgung von Personen und Gruppen mit Flüchtlingshintergrund in Deutschland


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