Jedes Jahr gibt es unzählige öffentliche Debatten um die (ethische) Verantwortung von Unternehmen. Die jüngste bekannte Debatte dreht sich um das Thema „Abgas-Skandal“, welcher mit der Manipulation von Diesel-Abgaswerten durch VW begonnen hat. Nach und nach wurden Manipulationen auch bei weiteren Autoherstellern bekannt. Nach n-tv.de Autoexperte Helmut Becker stellen die Manipulationen eine Verletzung der moralischen Verpflichtung der Hersteller gegenüber ihren Kunden dar. So antwortet er auf die Frage, ob er sich bei japanischen Herstellern eine Manipulation vorstellen kann wie folgt: „Schwer zu sagen. Das hängt auch von der Unternehmensethik ab. Ich glaube nicht, dass etwa Toyota sich solcher Manipulationen bedient. Das passt nicht zu den unternehmerischen Leitsätzen des Konzerns.“ Doch die Forderung nach verantwortungsvollem Handeln von Unternehmen richtet sich nicht nur an die Automobilhersteller. So sind insbesondere Textilhersteller (z.B. wegen den Arbeitsbedingungen bei Zulieferern) sowie Öl- und Energiekonzerne wie Shell (z.B. Öltank Brent Spar) oder E.ON (Kernenergie) immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Die Gesellschaft erwartet von den Unternehmen, dass sie ihren Gewinn auf verantwortbare Weise erwirtschaften. Doch was muss ein Unternehmen tun, um verantwortungsvolles Handeln in den unternehmerischen Alltag zu integrieren?
Nach Beobachtungen von Lynn S. Paine (1994) haben sich in den USA für die Integration von verantwortungsvollen Handeln im Unternehmen zwei verschiedene Implementationsstrategien bzw. -ansätze entwickelt, nämlich der Compliance- und der Integrity-Ansatz.
Ziel dieser Arbeit ist es, die beiden Ansätze zur Verankerung von ethischen Handlungsmaßstäben im Unternehmen - Compliance und Integrity - in systematischer Weise zu untersuchen. Dazu werden die Charakteristika beider Ansätze erarbeitet. Darauf aufbauend findet eine Gegenüberstellung der Ansätze statt. Die systematische Untersuchung abschließend, wird sowohl zum Compliance- als auch zum Integrity-Ansatz kritisch Stellung bezogen.
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1 Einführung in das Thema
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau dieser Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Werte und Normen
2.2 Ethik und Moral
2.3 Wirtschafts- und Unternehmensethik
2.4 Ethik-Management-System im Unternehmen
3 Strategische Grundsatzentscheidung: Compliance versus Integrity
3.1 Der Compliance-Ansatz
3.2 Der Integrity-Ansatz
3.3 Vergleich der Charakteristika beider Ansätze
3.4 Kritische Stellungnahme
4 Zusammenfassung und kritische Reflexion
5 Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Verzeichnis der Internetquellen
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Compliance und Integrity?
Compliance setzt auf die Einhaltung von Regeln durch Kontrolle und Sanktionen, während Integrity auf die Selbststeuerung durch geteilte Werte und ethische Überzeugung setzt.
Warum brauchen Unternehmen ein Ethik-Management-System?
Um verantwortungsvolles Handeln im Alltag zu verankern, Skandale (wie den Abgas-Skandal) zu vermeiden und das Vertrauen der Gesellschaft zu sichern.
Was sind die Merkmale des Compliance-Ansatzes?
Er ist regelbasiert, oft juristisch geprägt und zielt darauf ab, Rechtsverstöße durch Überwachung und klare Richtlinien zu verhindern.
Wie funktioniert der Integrity-Ansatz?
Dieser wertorientierte Ansatz fördert eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter aus eigenem Antrieb ethisch handeln, unterstützt durch Führungsvorbilder.
Welcher Ansatz ist für Unternehmen besser?
Die Arbeit vergleicht beide Charakteristika und zeigt auf, dass oft eine Kombination aus beiden Ansätzen notwendig ist, um ethische Standards dauerhaft zu sichern.
- Quote paper
- Dennis Kraft (Author), 2017, Compliance versus Integrity. Unternehmensethische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382961