Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, ihrem Leser anhand einer analytischen Herangehensweise die stilistischen und handwerklichen Mittel, deren sich der Autor in "Der Legitime und die Republikaner I" bedient, darzulegen. Die Schwerpunkte dieser Ausarbeitung liegen dabei auf den Figuren und deren Konstellation, den erzähltheoretischen Indikatoren, sowie der Sprache, die sich Sealsfield zu Nutzen macht. Dem Leser soll so ein ausführlicher Überblick über den Aufbau des Werkes ermöglicht werden. Dazu werden die obengenannten Hauptaspekte in kleinere Bausteine zerlegt und analysiert. Durch Beispiele aus dem Text sowie die Erläuterung der Fachtermini sollen die vorgebrachten Argumente für den Leser verständlich werden.
Um dem Leser eine Einordnung des Werkes in einen gattungszuweisenden Kontext zu ermöglichen, aber auch um einige erzähltheoretische Aspekte später überprüfen zu können, findet sich eine Genrezuweisung zu Beginn dieser Abhandlung. Diese soll vor allem die Frage nach der literarischen Gattung beantworten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Frage, wie der Autor seine Figuren positioniert, um ein Spannungsfeld zu erzeugen und somit die Handlung voranzutreiben. Mit Hilfe von Grafiken und Erläuterungen zu den einzelnen Fraktionen und Figuren, soll dem Leser ein tiefergehendes Verständnis für die Konstellationen vermittelt werden. Aber auch die erzähltheoretische Überprüfung von Modus, Zeit und Raum wird in dieser Ausarbeitung abgehandelt. Im letzten Teil der Analyse erfolgt eine Begutachtung der Sprache und deren Funktion. Alle Kapitel dieser Abschnitte der Arbeit werden mit Beihilfe des Standartwerkes "Einführung in die Erzähltheorie" abgehandelt.
Das Resümee soll anschließend darlegen, welche Merkmale des Romans signifikant für Sealsfields Erzählstil sind und die Gattungszuordnung erläutern. Diese Arbeit bezieht sich ausschließlich auf den ersten Teil des bearbeiteten Werkes "Der Legitime und die Republikaner".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gattungszugehörigkeit
3. Figuren
3.1. Beschreibung und Funktion
3.2. Konflikte und Relationen
4. Modus
4.1. Distanz
4.2. Fokalisierung und Stimme
5. Die Zeit
5.1. Diegetischer Raum
5.2. Semantischer Raum
5.3. Die Landschaftsbeschreibungen
6. Sprache
6.1. Die Sprache der Indianer
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die stilistischen und handwerklichen Mittel in Charles Sealsfields Roman "Der Legitime und die Republikaner I" mithilfe einer erzähltheoretischen Analyse offenzulegen und das Werk innerhalb seines literarischen Kontextes zu verorten.
- Erforschung der Figurenkonstellationen und ihrer narrativen Funktion
- Einsatz erzähltheoretischer Kategorien wie Modus, Zeit und Raum
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und der Verwendung von Amerikanismen
- Einordnung des Romans in die Gattung der Abenteuerliteratur
- Untersuchung der politischen Dimension und gesellschaftskritischer Aspekte
Auszug aus dem Buch
3.1. Beschreibung und Funktion
Beim ersten Auftreten der Indianer innerhalb der Erzählung, beschreibt die Erzählinstanz die Krieger des Stammes der Oconee, als „Wilde“ oder „Nachtgestalten“. Auch wenn auf diesen ersten Seiten eine differenzierte Darstellung der Indianer fehlt und der Erzähler in dieser Episode aus der Perspektive des Hinterwäldlers berichtet, so zieht sich die kriegerische und rohe Darstellung der männlichen Oconee durch die ganze Handlung hinfort. Doch nicht nur die Schilderung des kriegerischen Charakters, sondern auch die Aufführung stereotypischer Requisiten wie einem „Diadem aus Federn“ oder dem „Tomahawk“ befriedigen die europäische typisierte Vorstellung eines Indianers im 19. Jahrhundert. Im gesamten Text finden sich Passagen, in denen die Indianer enthumanisiert werden. Diese Entmenschlichung der indianischen Figuren kommt vor allem dadurch zum Ausdruck, dass die Erzählinstanz des Öfteren von Tiervergleichen Gebrauch macht. So spricht der Erzähler beim Eintreten in die indianische Siedlung von „dunkelfarbigen Wesen (…), die man auf den ersten Anblick ungezweifelt für eine Herde Affen gehalten haben würde“. Im nächsten Satz werden die Indianer mit „Schlangen“ verglichen. Sowohl Affen als auch Schlangen sind in der westlichen Welt des 19. Jahrhunderts negativ konnotiert. Diese Vergleiche sollen auf das rohe und unzivilisierte Verhalten der Oconee hindeuten, aber auch die Verbundenheit zur Natur unterstreichen. Das Heilerinnen-Motiv kommt in der Figur der Medizinfrau Winondah zum Vorschein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Charles Sealsfields Roman ein, erläutert die Zielsetzung der erzähltheoretischen Untersuchung und definiert das methodische Vorgehen.
2. Gattungszugehörigkeit: Dieses Kapitel prüft die Merkmale der Abenteuerliteratur am konkreten Werk und diskutiert die Verortung von Sealsfields Roman zwischen Realismus und Romantik.
3. Figuren: Hier werden die handelnden Charaktere, ihre Funktionen und das komplexe Beziehungsgeflecht sowie die Konfliktpotentiale zwischen den verschiedenen Fraktionen analysiert.
4. Modus: Dieses Kapitel untersucht die erzählerische Distanz sowie die Fokalisierung und Stimme, um die Unmittelbarkeit der Darstellung zu beleuchten.
5. Die Zeit: Diese Analyse widmet sich der Erzählzeit, der chronologischen Struktur und dem Raum als wesentlichem Grundpfeiler der erzählten Welt im Roman.
6. Sprache: Das Kapitel befasst sich mit der spezifischen Kunstsprache Sealsfields, den eingesetzten Amerikanismen und den besonderen Merkmalen der Indianersprache.
7. Resümee: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und das Werk als politisch dimensionierte Vormärz-Literatur gewürdigt.
Schlüsselwörter
Charles Sealsfield, Der Legitime und die Republikaner, Erzähltheorie, Abenteuerliteratur, Indianerdarstellung, Figurenkonstellation, Landschaftsbeschreibung, Kunstsprache, Amerikanismen, Gattungsgeschichte, Realismus, Vormärz-Literatur, Narratologie, Postkoloniale Aspekte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Charles Sealsfields Roman "Der Legitime und die Republikaner I" unter erzähltheoretischen Gesichtspunkten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Schwerpunkte liegen auf den Figurenkonstellationen, der narrativen Struktur (Modus, Zeit, Raum) sowie der sprachlichen Gestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die stilistischen und handwerklichen Mittel des Autors darzulegen und den Roman in den Kontext der Abenteuerliteratur einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor bedient sich primär erzähltheoretischer Analysemodelle, insbesondere angelehnt an Martinez und Scheffel sowie an Genette und Lotman.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Gattung, Figuren, Erzählmodus, Zeit- und Raumstrukturen sowie der speziellen Roman- und Indianersprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sealsfield, Erzähltheorie, Abenteuerliteratur, Figurenkonstellation, Realitätseffekt und Vormärz-Literatur.
Wie werden die Indianerfiguren im Roman funktional eingesetzt?
Sie dienen einerseits als Projektionsfläche für das Genre des edlen Wilden, werden jedoch gleichzeitig durch Tiermetaphern und Stereotype sowohl humanisiert als auch fremd definiert.
Welche Rolle spielt die Landschaftsbeschreibung für den Realitätseffekt?
Sealsfield nutzt detaillierte Landschafts- und Tiernennungen, um eine authentische, fast fotografische Atmosphäre zu schaffen, die den Leser in die fiktionale Welt integriert.
- Arbeit zitieren
- Jannis Holl (Autor:in), 2017, Eine erzähltheoretische Analyse des Indianerromans "Der Legitime und die Republikaner" von Charles Sealsfield, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383084