Das Telefoninterview in der empirischen Sozialforschung


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Stichproben
2.1.1 Auswahl des Haushalts
2.1.2 Auswahl innerhalb des Haushalts
2.2 Fragebogenkonstruktion
2.2.1 Einleitung und Makrostruktur
2.2.2 Spezielle Frageformen
2.3 Durchführung
2.3.1 Rekrutierung und Schulung der Interviewer
2.3.2 Räumliche und technische Durchführung
2.4 „Quick and dirty”?
2.4.1 Grenzen des Telefoninterviews
2.4.2 Methodische Vorzüge

3. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Telefonumfrage als Erhebungsmethode stammt ursprünglich aus den USA. Mitte der achtziger Jahre begann sie sich auch in Deutschland zu verbreiten, analog zur erweiterten Dichte des deutschen Telefonnetzes, in dem schichtspezifische Unterschiede in der Telefonversorgung keine ausschlaggebende Rolle mehr spielen. 1997 wurden bereits 40% aller standardisierten Befragungen per Telefon durchgeführt.[1] Manche Institute, wie etwa Forsa, haben sich ganz auf diese Methode spezialisiert.

Diese Arbeit betrachtet mehrere Aspekte des Telefoninterviews. Wie kommen die Stichproben zu Stande? Welche Besonderheiten gilt es bei der Konstruktion des Fragebogens zu beachten? Wie wird eine Telefonumfrage personell und technisch durchgeführt? Schließlich sollen einige signifikante Vor- und Nachteile der Methode dargestellt werden.

2. Hauptteil

2.1 Stichproben

2.1.1 Auswahl des Haushalts

Bei Telefonumfragen gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren der Stichprobenziehung. Das Random Digit Dialing (RDD) wird vor allem in den USA angewendet. Dabei besteht die Stichprobe aus computergenerierten Zufallszahlen. Das einheitliche Telefonsystem der USA – alle Nummern bestehen aus zehn Ziffern in drei Blocks (xxx-xxx-xxxx) – begünstigt das RDD-Verfahren. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der amerikanischen Telefonanschlüsse nicht gelistet ist. Viele Amerikaner haben eine Geheimnummer, die nicht im Telefonbuch auftaucht. Die computergenerierten RDD-Zahlen schließen diese Nummern nicht aus, was eine Verzerrung hervorrufen würde.

In Deutschland wird dagegen traditionell das andere Verfahren der Stichprobenziehung befürwortet: die Listenauswahl auf der Basis von Telefonbüchern oder CD-Roms. Abgesehen von Listen mit nur geringem Umfang – etwa Vereins- oder Verbandslisten – aus denen eine einfache Zufallsstichprobe gezogen werden kann, wird bei umfangreichen Listen wie Telefonbüchern ein mehrstufiges Auswahlverfahren angewendet (Seitenzahlen, Spalten, Abschnitte etc.). Soll eine repräsentative Stichprobe der gesamtdeutschen Bevölkerunng gezogen werden, wird zusätzlich in mehreren Stufen des deutschen Telefonnetzes ausgewählt (Zentralvermittlungsstellen, Hauptvermittlungsstellen, Knotenvermittlungsstellen, Ortsnetze).

Frey[2] nennt einige Umstände, die die Listenauswahl in Deutschland begünstigen. Telefonbücher sind leicht zu beschaffen und frei zugänglich. Schwankungen wie in den USA sind auf Grund der geringeren Mobilität der Deutschen weniger bedeutsam, Geheimnummern hier weniger gebräuchlich als dort. Der Bevölkerungsanteil ohne Telefonanschluss sei in Deutschland so gering, dass man ihn vernachlässigen könne. „Verzerrungen der Ergebnisse bei Untersuchungen der Gesamtbevölkerung aufgrund einer Auswahl per Telefonbuch sind also kaum zu erwarten.“[3] Ein weiterer Vorteil dieser Auswahlmethode liege darin, dass Telefonbücher in der Regel die Adressen der Haushalte führen, so dass ein Gespräch per Post angekündigt bzw. erbeten werden kann. Dadurch werde die Erreichbarkeit erhöht, die Verweigerungsrate indes gesenkt, was beides zu einer größeren Ausschöpfung beiträgt.

Der Trend zur Listenauswahl hält sich in der deutschen Forschung bis heute.[4] Trotzdem darf die Dynamik des deutschen Telefonnetzes nicht außer Acht gelassen werden. Häder stellt fest, dass mittlerweile 20% der deutschen Haushalte nicht ins Telefonbuch eingetragen sind und das Telefonbuch daher „keinen adäquaten Auswahlrahmen für derartige Befragungen mehr dar[stellt].“[5] Als Alternative entwickeln Häder und Gabler ein Kombinationsmodell aus Listenauswahl und RDD-Verfahren.[6] Nach wie vor dienen hier Telefonbücher oder CD-Roms als Grundlage. Allerdings bezieht die Methode auch nicht gelistete Anschlüsse mit ein. Von den gelisteten Telefonnummern werden die letzten Ziffern x gestrichen und mit allen möglichen Ziffernkombinationen der gleichen Länge x ersetzt. So entsteht ein Telefonnummern-Pool, der auf gelisteten Nummern basiert, aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht Gelistete erfasst. Aus diesem Pool werden dann - wie sonst auch - Zufallsstichproben gezogen. In einer Studie über den Hörfunk in Nordrhein-Westfalen haben Meier und Ignaczak gezeigt, „daß das Verfahren von Gabler und Häder – wenn auch mit erheblichem EDV-Aufwand – in größeren Regionen anwendbar ist.“[7] Auch sie halten die Bildung von Zufallsnummern nach diesem Verfahren mittlerweile für unverzichtbar.[8]

2.1.2 Auswahl innerhalb des Haushalts

Unabängig davon, wie die Stichprobe zustande gekommen ist, wird jede seriöse Telefonbefragung eine weitere Differenzierung in den einzelnen Haushalten vornehmen und nicht aufs Geratewohl die erste Person befragen, die den Anruf annimmt. Fuchs weist auf die Beobachtung hin, dass es häufig die älteren Frauen eines Haushalts sind, die ans Telefon gehen. Würden nur diese so genannten „Gate-Keeper“ befragt, gäbe es eine Verzerrung, so dass im Haushalt ein weiteres Screening angewendet werden muss, um eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe zu erhalten.[9] So auch Frey: „Soll der Charakter der Wahrscheinlichkeitsauswahl für die gesamte Stichprobe gewahrt bleiben, dann muß auf der letzten Auswahlstufe der Haushalte eine Zufallstechnik angewandt werden.“[10] In früheren Verfahren wurde dabei eine Auswahl nach unterschiedlich vielen sozialstatistischen Kriterien wie Alter oder Geschlecht vorgenommen. Diese Methoden hatten – obwohl sie „von hoher methodischer Qualität“[11] waren - in der Praxis eine hohe Zahl an Verweigerungen und Abbrüchen zur Folge und sind deshalb nicht mehr in Gebrauch. Heute wird statt dessen die simple „Last/Next-Birthday“-Methode angewendet. Dabei fragt der Interviewer den „Gate-Keeper“, welche Person im Haushalt als letztes Geburtstag hatte oder wer als nächstes Geburtstag haben wird und führt mit der entsprechenden Person das Interview. So entsteht eine reine und einfach zu realisierende Zufallsauswahl.

[...]


[1] vgl. Schnell, Rainer/Hill, Paul B./Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung. München 1999. S.341.

[2] vgl. Frey, James H./Kunz, Gerhard/Lüschen, Günther: Telefonumfragen in der Sozialforschung. Methoden, Techniken, Befragungspraxis. Westdeutscher Verlag 1990. S.66-71.

[3] ebd. S.69.

[4] vgl. zum Beispiel Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Hamburg 2002. S.433.

[5] Häder, Sabine/ Gabler, Siegfried: Ein neues Stichprobendesign für telefonische Umfragen in Deutschland. In: Gabler, Siegfried/ Häder, Sabine/ Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen H.P. (Hrsg.): Telefonstichproben in Deutschland. Westdeutscher Verlag 1998. S.69.

[6] vgl. ebd. S.69-88.

[7] Meier, Gerd/ Ignaczak, Jürgen: Erste Ergebnisse eines neuen Stichprobendesigns für Telefonumfragen. In: Gabler: Telefonstichproben. S.99.

[8] ebd. S.100.

[9] vgl. Fuchs, Marek: Umfrageforschung mit Telefon und Computer. Einführung in die computergestützte telefonische Befragung. Weinheim 1994. S.170.

[10] Frey S.75.

[11] ebd. S.76.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Telefoninterview in der empirischen Sozialforschung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Methoden der empirischen Sozialforschung; SS 2003
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V38330
ISBN (eBook)
9783638374224
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Telefoninterview als Methode innerhalb der empirischen Sozialforschung. Dargestellt werden die Problemfelder der Stichprobenziehung, der Fragebogenkonstruktion und der konkreten Durchführung. Am Schluss werden einige signifikante Vor- und Nachteile der Methode Telefoninterview erörtert.
Schlagworte
Telefoninterview, Sozialforschung, Methoden, Sozialforschung
Arbeit zitieren
Torben Waleczek (Autor), 2003, Das Telefoninterview in der empirischen Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38330

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