Georg Simmels Kulturphilosophie, die in der Weissagung einer „Tragödie der Kultur“ kulminierte, sowie konsum- und geldkritische Gedanken, sind es wert, gerade heute genauer betrachtet zu werden. Simmels Werk vereint in sich den Facettenreichtum und die Komplexität jener Welt, die es beschreibt. Das Instrumentarium „Geld“, das der Mittelpunkt des größten und bekanntesten Werks Georg Simmels ist, kann nicht ohne die Menschen verstanden werden, die es nutzen; zudem ist eine in einen strukturalistischen Kontext eingebettete Betrachtung der soziokulturellen Konsequenzen, die sich aus dem Symbolgehalt des Gelds zu ergeben vermögen, erforderlich.
Geld kann, folgt man den zu hinterfragenden Thesen Simmels, in eine soziale Wechselwirkung mit seinem Erfinder und Nutzer, dem Menschen, treten, ja nachgerade ein Eigenleben entwickeln, das es von eben jenem Erfinder und Nutzer entfernt. – Genau hier findet sich dann auch einer der Auslöser dieser Arbeit, nämlich die Offenkundigkeit der Parallelität zwischen der Kulturtheorie Simmels, die um die Verselbständigung der Mittel zu Zwecken, die Diskrepanz subjektiver und objektiver Kultur und die Eigenständigkeit der Kulturobjektivationen kreist, und seiner Geldphilosophie. Geld, so ergibt sich bald, ist das wichtigste Kulturgut des Menschen, aber sein hoher ideeller Wert scheint es fehlbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tragödie der Kultur
2.1. Kulturdimensionen
2.2. Komplexität
3. Tragödie des Geldes
3.1. Geld als Mittel
3.2. Geld als Gott
3.3. Geld als Zweck
4. Geld ist doch (k)ein leerer Wahn
5. Literatur
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, eine Brücke zwischen Georg Simmels Kulturphilosophie und seiner Geldphilosophie zu schlagen, indem sie die Parallelen zwischen der Verselbständigung kultureller Mittel und der soziokulturellen Rolle des Geldes analysiert.
- Kulturtheoretische Grundlagen nach Georg Simmel
- Die Dynamik der Verselbständigung von Mitteln zu Zwecken
- Soziokulturelle Auswirkungen der Geldwirtschaft auf das Individuum
- Das Verhältnis von subjektiver und objektiver Kultur
- Die symbolische Bedeutung des Geldes in der Moderne
Auszug aus dem Buch
3.2. Geld als Gott
Der Eigenwert des Geldes – dass es selbst ein Wert ist, weil es überall und jederzeit für jeden Zweck einsetzbar ist – birgt kritisches Potential. Indem alles mit Geld zu bewerten, zu beurteilen, zu verurteilen ist, kommt es zur Beherrschung der Quantität über die Qualität, denn nur erstere bietet (trügerische) Sicherheit. Als „Ausdruck und Äquivalent aller Werte“ ist Geld nicht mehr nur Tauschmittel, sondern absoluter Selbstzweck. Waren früher die Kirchen die höchsten Gebäude einer Stadt, so sind es heute Zentralen von Finanzdienstleistern und Großbanken. Objektivität und Relativität sind Ideale, die Geld einzulösen scheint, und dieser Verführung erliegen nach Sicherheit strebende Menschen gern. Für Simmel ist es ganz selbstverständlich, dass sich die Sehnsucht der Menschen nach Berechenbarkeit und Stabilität irgendwie umsetzen muss. Das Maß an Freiheit aber, das eine vermittels Wirtschaft und Finanzen florierende Gesellschaft garantiert, wird durch Versachlichung, durch Zwänge und Kalkül negiert.
In der Mode wird Simmel einem Ausdrucksmittel dieses Dilemmas gewahr, da sich in ihr das stete Veränderungs- und Freiheitsbegehren der modernen Gesellschaft ausdrückt, sie aber zugleich eine gewisse Uniformität garantiert. Denn wenn man Geld hat, um sich nach den Trends der Massen zu kleiden, nimmt man Teil an einer gesellschaftlichen Übereinkunft, kehrt zurück in jene Sicherheit, die nicht zuletzt auch Edelsteine, Schmuck, Gold und Silber aus verschiedenen, längst überholten ethnologischen Motiven garantieren.
Gerade in unübersichtlicher werdenden Zeiten ist die Verführung groß, dass ein scheinbar rationales, objektives Mittel die letztendliche „unfassbare Einheit des Seins“ offeriert und bald den Charakter eines Endzweckes anzunehmen beginnt, der aber dennoch keinerlei Sicherheit bietet, da er doch in der permanenten „Umsetzung in andere Werte“ gründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Georg Simmels Kulturphilosophie ein und erläutert die Notwendigkeit, das Geld als zentrales kulturelles Phänomen in einem soziokulturellen Kontext zu betrachten.
2. Tragödie der Kultur: Dieses Kapitel behandelt die zentralen Thesen Simmels zur Entfremdung und zur Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Kultur.
3. Tragödie des Geldes: Der Abschnitt analysiert das Geld als Objektivation und seine Entwicklung zu einer anonymen Autorität sowie als „Gott“ in einer ökonomisierten Gesellschaft.
4. Geld ist doch (k)ein leerer Wahn: Das Kapitel schließt die Arbeit ab, indem es die Rolle des Geldes als Relation reflektiert und die Frage der Verselbständigung kritisch hinterfragt.
5. Literatur: Dieser Abschnitt enthält das vollständige Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Georg Simmel, Geldphilosophie, Kulturphilosophie, Tragödie der Kultur, Objektivation, Subjektivität, Entfremdung, Verselbständigung, Geldwirtschaft, Soziokultur, Moderne, Werttheorie, Lebensphilosophie, Relativität, Kapitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk von Georg Simmel mit dem Fokus auf die Verbindung zwischen seiner Kulturphilosophie und seiner Geldphilosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die „Tragödie der Kultur“, die Verselbständigung von Mitteln zu Zwecken sowie die soziokulturelle Bedeutung des Geldes als Tauschmittel und Symbol.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Nachweis der engen Verzahnung von Simmels kulturphilosophischen Thesen mit seinen Beobachtungen zum Wesen des Geldes in der modernen Gesellschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche, textanalytische Untersuchung, die Simmels philosophische Schriften in Bezug zueinander setzt und interpretierend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Kultivierung, die Doppelrolle des Geldes sowie die Auswirkungen der Geldwirtschaft auf das menschliche Freiheitsstreben und die soziale Ordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen den Kulturbegriff, die Geldphilosophie, Entfremdung, Objektivation und das Superadditum des Reichtums.
Was versteht Simmel unter der „Tragödie der Kultur“?
Simmel beschreibt damit den Prozess, in dem durch Menschen geschaffene geistige Objektivationen eine Eigendynamik entwickeln, die sich der menschlichen Kontrolle entzieht und das Individuum einschränkt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Ersten Weltkriegs im Kontext von Simmels Denken?
Der Autor greift Simmels Sicht auf den Krieg als „Reinigungscharakter“ auf, durch den erstarrte Kulturgebilde aufgebrochen werden könnten, um den Menschen wieder auf den Lebensstrom zurückzubesinnen.
Was meint Simmel mit dem „Superadditum des Reichtums“?
Dieser Begriff beschreibt den zusätzlichen Vorteil, den wohlhabende Menschen durch ihre finanzielle Freiheit erlangen, wodurch ihre gesellschaftliche Stellung im Vergleich zu ökonomisch schlechter gestellten Individuen unangemessen gewichtet wird.
- Citation du texte
- Niels Menzel (Auteur), 2015, Georg Simmel. Zwischen Geldphilosophie und Kulturphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383385