Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege

Second level digital divide als Gefahr der milieuspezifischen Internetnutzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bourdieu – Theorie der sozialen Ungleichheit
2.1 Kapitaltheorie
2.2 Habitus
2.3 Sozialer Raum und soziale Klasse

3 Milieuspezifische Nutzungspräferenzen des Internets

4 Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege

5 second level digital divide in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und
Krankenpflege
5.1 second level digital divide
5.2 Auswirkungen auf die Berufsausbildung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Die Grundpfeiler der Ungleichheit

Abbildung 2 Lernen und Computer-/ Internetnutzung zuhause für die Schule 2016

Abbildung 3 Handynutzung in der Schule

Abbildung 4 Vermittlung digitaler Kompetenzen

1 Einleitung

Die Digitalisierung erfasst vermehrt den Gesundheits- und Pflegebereich, denn vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels können digitale Technologien einen großen Mehrwert für den Pflegeprozess bringen (GI, 2017, S. 6). Alle Berufsbilder in der Gesundheitsbranche müssen sich den neuen Herausforderungen stellen, um auch in Zukunft das eigene Berufsbild aktiv und inhaltlich weiterzuentwickeln (Liehn, Grüning, & Köhnsen, 2006, S. 2). Es muss eine zunehmende berufliche Flexibilität gelebt werden und die Kompetenz zur zielgerichteten Navigation durch die Informationsflut sowie ein angemessener Umgang mit Diskontinuitäten in der Berufsbiografie sind in einem selbstgesteuerten Prozess zu entwickeln. Die Fähigkeit, selbstgesteuert zu lernen, entwickelt sich somit zu einem Auslesekriterium und dies unabhängig vom Bildungsniveau oder Tätigkeitsfeld (Dietrich, 2001, S. 20). Bei aller Kurzlebigkeit digitaler Produkte ist dabei zu berücksichtigen, dass Basiskompetenzen eine erhebliche Lebensdauer aufweisen. Insofern ist dem Erwerb von digitalen Basiskompetenzen in der Ausbildung ausreichend Raum einzuräumen (GI, 2017, S. 9). Dabei kommt es nicht darauf an den Auszubildenden ein internetfähiges Endgerät zur Verfügung zu stellen, sondern den Auszubildenden die Nutzungsmöglichkeiten des Internet aufzuzeigen, so dass diese lernen, das Internet für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen (Hargittai, 2002, S. 10). Im Rahmen einer Analyse von Hargittai sind die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Internet untersucht worden, mit dem Ergebnis eines vorliegenden second level digital divide (Hargittai, 2002, S. 1). Second level digital divide wird definiert als die digitale Spaltung hinsichtlich der Nutzungskompetenz des Internets.

Während der dreijährigen Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege ist es hinsichtlich der Digitalisierung des Berufsfeldes wichtig, einen second level digital divide zu verhindern und homogene Arbeitsmarktchancen für examinierte Pflegekräfte zu ermöglichen. Ausbildung darf nicht zu einer Spaltung hinsichtlich medialer Kompetenzunterscheide führen, die dann über einen Arbeitsplatz in der digitalen Pflege entscheidet. Daher soll dieser Hausarbeit folgende Forschungsfrage zugrunde liegen: Inwieweit kann second level digital divide in der Berufsausbildung vermindert werden, um Auszubildenden homogene Berufschancen zu ermöglichen?

Im Rahmen der Hausarbeit wird dazu in Kapitel zwei die Kapitaltheorie von Bourdieu, die Habitustheorie sowie der soziale Raum erörtert. Anhand dieser theoretisch fundierten Grundlage werden in Kapitel drei milieuspezifische Nutzungspräferenzen des Internets aufgezeigt. Im darauffolgenden Kapitel vier wird die Heterogenität hinsichtlich Bildungs- und Herkunftsmilieu in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege dargestellt. Daran anschließend soll in Kapitel fünf die Thematik second level digital divide in der Berufsausbildung aufgegriffen werden und anhand der Theorien von Bourdieu und der heterogenen Situation bezogen auf die Auszubildenden erläutert werden. Dazu wird zunächst eine Begriffsdefinition vorgenommen und der Begriff second level digital divide erklärt. Weiterhin wird die Auswirkung der digitalen Spaltung auf die Berufsausbildung dargestellt und aufgezeigt, ob und inwieweit eine digitale Spaltung vermindert werden kann. Die Hausarbeit schließt in Kapitel sechs mit dem Fazit ab.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

2 Bourdieu – Theorie der sozialen Ungleichheit

2.1. Kapitaltheorie

Die Position im sozialen Raum bestimmt Wahrnehmung und Denken (Gudjons, 2012, S.172). Bourdieu’s Kapitaltheorie besagt, dass jeder Mensch mit unterschiedlichen Ressourcen ausgestattet ist, um sich eine Position im sozialen Raum zu sichern. Diese besagten Ressourcen werden von Bourdieu mit dem Begriff Kapital benannt. „Kapital ist akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Materie oder in verinnerlichter, „inkorporierter“ Form“ (Bourdieu, 2010, S. 299). Das in der Gesamtheit zur Verfügung stehende Kapital, auch als Kapitalvolumen bezeichnet, bestimmt über die Position von Personen im sozialen Raum und ebenso über die soziale Position in der Gesellschaft. Bourdieu unterteilt dieses Kapital, wie in Abbildung 1 dargestellt ist, in drei Formen: ökonomisches Kapital, soziales Kapital und kulturelles Kapital.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Die Grundpfeiler der Ungleichheit (Bleyenberg, 1998, o.S.)

Das ökonomische Kapital beschreibt materiellen Reichtum, also den gesamten Besitz einer einzelnen Person. Somit ist diese Kapitalform durch Eigentumsrecht gesichert und durch den Geldwert mit dem Besitzer verbunden. Eine weitere Kapitalform ist das soziale Kapital, welches sich auf die Zugehörigkeit einer Gruppe bezieht. Aus der Zugehörigkeit zur Gruppe ergeben sich sowohl materielle wie symbolische Profite; aus dieser Zugehörigkeit können sich dauerhafte Verpflichtungen ergeben, die auf subjektiven Gefühlen oder auf Rechtsansprüchen beruhen (Jurt, 2012, S. 29). Das Ausmaß dieser Profite und Verpflichtungen hängt von der Integration in die Gruppe ab. Besitzt das Beziehungsnetz eine weite Ausdehnung, so lässt sich sagen, dass auch ein hoher Umfang an Sozialkapital zu erwarten ist. Somit ist der Umfang einer Sozialkapitalbeziehung in jegliche Richtungen möglich. Das soziale Kapital kann so die Wirkung der beiden anderen Kapitalarten bestärken (Jurt, 2012, S. 30). Die dritte Kapitalform beschreibt das kulturelle Kapital. Neben den ökonomischen Unterschieden spielen hier auch symbolische Unterscheidungen eine Rolle, bei denen es nicht mehr bloß um den Besitz von Gütern geht, sondern um die Art, sie zu verwenden und als Mittel der Distinktion einzusetzen (Jurt, 2012, S. 25). Soziale Ungleichheiten werden somit auch durch den Besitz von kulturellem Kapital deutlich und spiegeln sich als Hierarchie wieder. Mit dem kulturellen Kapital liefert Bourdieu einen Erklärungsansatz, um die Ungleichheit schulischer Leistungen von Kindern aus verschiedenen sozialen Lagen zu verdeutlichen. Das kulturelle Kapital lässt sich in drei Kategorien unterteilen. Zum einen in inkorporiertes kulturelles Kapital, welches Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen wiederspiegelt, das körpergebunden ist. Das bedeutet, dass dieses Bildungskapital zu einem festen Bestandteil der Persönlichkeit wird und sich im Habitus verankert. An der Gesamtdauer des Bildungserwerbs lässt sich so das Volumen des Bildungskapitals in etwa messen. Die in der familiären Primärerziehung und der anschließenden schulischen Sekundärerziehung erworbene Bildung wird zu einem Bestandteil der Person; dieser verinnerlichte Besitz kann darum im Unterschied zu Geld oder zu Adelstiteln nicht durch Geschenk, Vererbung oder Tausch unmittelbar weitergegeben werden (Jurt, 2012, S. 26). Des Weiteren beschreibt Bourdieu das objektivierte kulturelle Kapital. Diese Kapitalform ist durch materielle Dinge wie z.B. Gemälde, Bücher, usw. geprägt. Somit ist diese Kapitalform durch ökonomisches Kapital vorbelastet. Denn nur durch ökonomisches Kapital lassen sich Anschaffungen von Büchern, Gemälden, usw. realisieren. Zudem können sich Personen die beschriebene Kapitalform nur zu Eigen machen, wenn sie über inkorporiertes Kulturkapital verfügen. Nur mit Wissen und Fähigkeiten ist es möglich sich diese Kapitalform greifbar zu machen und zu verinnerlichen. Je größer das inkorporierte Kulturkapital ist, desto mehr objektiviertes Kulturkapital kann begriffen werden und der Machtstatus steigt. Die dritte Form des kulturellen Kapitals ist das institutionalisierte kulturelle Kapital. Dieses Kapital spiegelt sich in Form von Titeln, Abschlüssen und Zertifikaten wieder und stellt den Besitz von Kapital und somit auch von Bildung offiziell dar. Die Verbindung zwischen ökonomischem und kulturellem Kapital stellt die Zeit dar (Jurt, 2012, S. 27). Ist in einer frühen Phase des Bildungsprozesses ökonomisches Kapital vorhanden, kann eine fundamentale Basis geschaffen und zu adäquaten Abschlüssen erweitert, also zu inkorporiertem Kulturkapital, werden. Diese Kapitalform kann letztlich wieder in ökonomisches Kapital umgewandelt werden, da durch die Anerkennung von Abschlüssen höhere Bildungs- und Arbeitsschichten erreicht werden können und dadurch materielle Gewinne ermöglicht werden. Somit lässt sich schlussfolgern, dass nicht nur der Besitz von ökonomischem Kapital, sondern vor allem auch der Besitz von kulturellem Kapital einen entscheidenden Unterschied im gesellschaftlichen Ansehen ausmacht. Allerdings kann ein und derselbe Schulabschluss höchst unterschiedliche Beziehungen zu Kultur und Bildung implizieren. Denn Bildungskapital und durch die soziale Herkunft erworbenes Kapital vermischt sich (Bourdieu, 2016, S. 143). Nicht nur die Schule stellt die Aneignung von Bildungskapital sicher, auch durch die Familie erfahren Schüler eine kulturelle Vermittlung von Bildungsinhalten. Der Wirkungsgrad der familiären Instanz hängt wiederum vom Umfang des disponierten kulturellen Kapitals ab (Bourdieu, 2016, S. 47). Der Besitz von Bildungskapital ist ein wesentlicher Bestandteil einer Person, dessen Habitus, was nun im nächsten Kapitel weitergehend thematisiert wird.

2.2. Habitus

Die soziale Position und der Lebensstil einer Person stehen in einem Zusammenhang, welcher durch den Habitus zu erklären ist. Der Habitus wird definiert als „Erzeugungsprinzip objektiv klassifizierbarer Formen von Praxis und Klassifikationssystemen (prinicpium divisionis) dieser Formen“ (Bourdieu, 2016, S. 277). Stellt man beide den Habitus definierenden Leistungen in Beziehung zueinander, nämlich die Hervorbringung klassifizierbarer Praxisformen und die Unterscheidung und Bewertung der Formen, lässt sich daraus der Raum der Lebensstile ableiten (Bourdieu, 2016, S. 278). Der Habitus ermöglicht einzelnen Personen die Darstellung individueller Eigenschaften und dementsprechend auch die Darstellung der Soziallage. Somit ist eine Unterscheidung von Mitmenschen aus anderen Lebensstilen möglich (Bourdieu, 2016, S. 278). Unterschiedliche Existenzbedingungen bringen unterschiedliche Formen des Habitus hervor. Somit liegt auch beim Habitus die Gewichtung auf der Primärsozialisation durch die Familie. Der Habitus erzeugt charakteristische Ausprägungen verschiedenster Dimensionen, z.B. der Sprache oder Stilistik. Jede Gruppe mit eigenem Habitus, verkörpert sich durch Anderssein. Der Habitus ermöglicht die Darstellung von unterschiedlichen Ausprägungen in der Gestaltung der Umgebung, wie z.B. Möbel, Gemälde, Autos, Spirituosen, oder Kleidung und im Verhalten, so z.B. Sport, oder Kulturerlebnisse (Bourdieu, 2016, S. 282). Die verschiedenen sozialen Lebensstile stellen ein System von Differenzen dar. Der Habitus erfasst also Unterscheidungsprinzipien (Bourdieu, 2016, S. 279).

Ebenfalls ist im Habitus eines Menschen das persönliche disponierte Verhältnis zum Körper offenbart. Es zeigt sich, wie Personen mit ihrem Körper umgehen, ihn pflegen oder ernähren. Dies kann allerdings auch gesellschaftlich geprägt werden, so dass der Körper nicht nur den aktuellen Lebensstil widerspiegelt, sondern die Laufbahn des Körpers (Bourdieu, 2016, S. 207). Der Habitus ist die sozialisierte Subjektivität und Produkt der inkorporierten Geschichte, äußert sich in Form von Denk-, Wahrnehmungs-, und Handlungsmustern und baut auf früheren Erfahrungen auf (Bourdieu, 1999, S. 101). Diese Dispositionen, welche gesellschaftlich erlernt sind, führen durch mehrfaches Wiederholen oder Beobachtung zur Habitualisierung des Menschen. Die Habitualisierung ist durch reflexive Prozesse veränderbar (Niesto, 2010, S. 316). Der Habitus ist die allgemeine Grundhaltung eines Menschen zu sich selbst und der Welt und fungiert als Vermittler zwischen der Position im sozialen Raum und spezifischen Vorlieben (Bourdieu, 2010, S. 206). Was unter dem Begriff sozialer Raum zu verstehen ist, wird im nächsten Kapitel erörtert.

2.3. Sozialer Raum und soziale Klasse

Der Habitus einer Person bestimmt die Position im sozialen Raum. Der Habitus beeinflusst die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen nachhaltig. Er bildet ein System von Chancen und Grenzen und kann mit Nähe und Distanz zur schulischen Bildungsnorm einhergehen (Kramer & Helsper, 2010, S. 106). In der Regel hält man sich von sozialen Räumen fern, in denen man sich weniger sicher fühlt, oder man wird aus ihnen mittels subtiler Praktiken herausgedrängt (Schallberger, 2015, o.S.). Die Position im sozialen Raum wird bestimmt durch die jeweiligen Ressourcen einer Person. Ob man eine zentrale oder periphere Position einnimmt, hängt von der richtigen Menge, Qualität sowie dem richtigen Mischverhältnis der Kapitalien ab und welchen Wert diese im sozialen Raum darstellen. Viele relevante Kapitalien werden sozial ererbt. Durch Aneignung von Kompetenzen werden diese nur teilweise erarbeitet. Eine durch Fremdausschließung reproduzierte soziale Ungleichheit liegt vor (Schallberger, 2015, o.S.).

Durch Produkte, die der Wahl der Konsumenten unterliegen, können drei Geschmacksdimensionen, Bildungsniveaus sowie drei gesellschaftliche Klassen korrespondieren: die herrschende Klasse mit einem legitimen Geschmack, die Arbeiter- oder auch mittlere Klasse mit mittlerem Geschmack und die untere Schicht mit populärem Geschmack (Bourdieu, 2016, S. 38). Die Produkte der Kulturproduktion, wie Romane, Operetten oder Mode, wirken zwischen den Klassen differenzierend (Bourdieu, 2016, S. 368). So lassen sich Kontraste zwischen den jeweiligen Klassen darstellen. Auch unser menschlicher Körper repräsentiert die jeweiligen Klassen und stellt sogar die unwiderlegbarste Objektivierung des Klassengeschmacks dar (Bourdieu, 2016, S. 307). Größe und Gewicht sowie Körperhaltung verraten viel über den Lebensstil eines Menschen. Die gesellschaftliche Vorstellung der Schönheit des eigenen Körpers wird durch die Anwendung eines sozialen Klassifikationssystems erreicht (Bourdieu, 2016, S. 311). Die herrschende Klasse besitzt viel ökonomisches und kulturelles Kapital. Die mittlere Klasse zeichnet sich durch Bildungsbeflissenheit aus. Sie eifert der Kultur der herrschenden Klasse nach. Die untere Schicht ist durch Notwendigkeit bestimmt (van Essen, 2013, S.37).

Habitus, Kapitalbesitz und Positionierung im sozialen Raum bilden eine Bedingungsstruktur, aus der die Chancen und Grenzen der Lebensgestaltung hervorgehen. Hier ist auch der Bildungsweg zu nennen, der vorbestimmt ist, da Kapitalbesitz und Habitus im Schulsystem festgeschrieben und soziale Ungleichheit daher legitimiert wird (van Essen, 2013, S. 18). So ist schon rational vorbestimmt, ob eine Person regelmäßig Zeitung liest oder mit Freunden chattet (Dudenhöffer & Meyen, 2012, S. 12). Medien werden als Kulturkapital beschrieben, die von Jugendlichen im Kontext sozialer Klassen und Positionierung im sozialen Raum genutzt werden, um „unter Gleichgesinnten Gemeinschaft herzustellen und um sich gegen Eltern oder den herrschenden Kinsensus aufzulehnen“ (Krotz & Schulz, 2014, S. 32).

Wie spezifisch die Mediennutzung ausfällt, wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit thematisiert.

3 Milieuspezifische Nutzungspräferenzen des Internets

Die Internetnutzung kann anhand verschiedener Merkmale analysiert werden. Das folgende Kapitel bezieht sich ausschließlich auf die Merkmale soziale Herkunft, Geschlecht und Schulbildung.

Bezogen auf Bildungschancen von Kindern steht das Kulturkapital der Familie in engem Zusammenhang. Dieses Kulturkapital ist interfamiliär unterschiedlich und wird stark vom Lebensmilieu geprägt. So ist statistisch erhoben worden, dass ein Kind aus der sozialen Unterschicht in den ersten drei Lebensjahren circa 500 neue Wörter pro Monat lernt, während ein Kind aus der Oberschicht circa 1100 neue Wörter lernt (Maurer, 2015, S.19). Die wichtigste Lernform ist das Lernen durch Praxis, Nachmachen und Üben, wodurch das eigene Denk- und Wahrnehmungsvermögen entwickelt wird. Diese soziale Vererbung kann bei Kindern zu Bildungsprivilegien, aber auch Bildungsdefiziten führen, da stets eine kulturelle Bildung vorausgesetzt wird. Das Handeln einer Person ist das individuelle Ergebnis einer schichtspezifischen Sozialisation, auf welche die betreffende Person nur begrenzt Einfluss hat (Baumgart, 2008, S.199).

Neben dem Einfluss der sozialen Herkunft macht Bourdieu das Bildungssystem für den Erhalt des Klassensystems verantwortlich. Er beruft sich dabei auf Statistiken, die zeigen, dass in den höheren Schulen, den Gymnasien, 70% – 80% der Lernenden aus der Ober- und Mittelschicht stammen (Baumgart, 2008, S.232). Nur etwa 1% kommt aus der Unterschicht, dem Arbeitermilieu. Damit sind in den Gymnasien die Klassen am stärksten vertreten, die in der gesamten Gesellschaft den kleinsten Teil ausmachen (Baumgart, 2008, S. 232). Ausschlaggebend für die Reproduktion der sozialen Ungleichheit durch das Bildungssystem sind nach Bourdieu zum einen die oft unbewusste Einstellung der Lehrenden und das fehlende kulturelle Kapital der Lernenden. Die Lehrenden sind in der Regel selbst Vertreter der Ober- oder Mittelschicht und damit den schichtspezifischen Regeln unterworfen. Als Vertreter der intellektuellen Oberschicht berufen sie sich auf ihre fachliche Kompetenz und Wissenschaftlichkeit (Bourdieu, 2010, S. 14). Sie legen damit die Lerninhalte und Lernziele für die Schulen fest. Gleichzeitig grenzen sie sich immer auch nach unten gegen die sozial tiefer stehenden Klassen ab, was auch als Distinktion bezeichnet werden kann. Die Lehrenden aus der Mittelschicht versuchen sich der Oberschicht anzupassen und übernehmen deshalb die von der Oberschicht festgelegten Anforderungen. Für sie ist die Abgrenzung zum Arbeitermilieu besonders wichtig. Daraus entsteht eine oft unbewusste, negative Erwartungshaltung gegenüber dem Arbeitermilieu, die dazu führt, dass schon in der Schule Kindern aus der bildungsfernen Unterschicht ein Besuch des Gymnasiums, trotz guter Lernleistung, nicht zugetraut wird (Baumgart, 2008, S. 247). Auf der anderen Seite bringen die Lernenden unterschiedliche, durch die Sozialisation in eine bestimmte Gesellschaftsschicht erworbene, Fähigkeiten mit. Sie besitzen unterschiedliches kulturelles Kapital.

Da das Bildungssystem von Angehörigen der oberen Schichten entwickelt und vertreten wird, müssen Kinder aus dem bildungsfernen Arbeitermilieu mehr leisten, um ihre durch die Schichtzugehörigkeit entstandenen Defizite zu kompensieren, um nicht durch Selektion von der höheren Schulbildung ausgeschlossen zu werden. Gleichzeitig kämpfen sie gegen das Vorurteil der Lehrer, die ihnen eine gute Leistung nicht zutrauen und sie aufgrund der milieubedingten Defizite als minder begabt einstufen (Baumgart, 2008, S. 247). Bourdieu beschreibt diesen Vorgang anhand des unterschiedlichen Sprachgebrauchs. So wird in der Schule der Lerninhalt überwiegend über die Sprache vermittelt und bei Prüfungen entsprechend abgefragt. Da sich die Sprachgewohnheiten der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten unterscheiden und die Schule, als Institution der oberen Schichten, auf gehobene Sprache Wert legt, haben Kinder aus der Unterschicht allein durch den dort gebräuchlichen Sprachgebrauch wenig Chancen, bei Prüfungen gut abzuschneiden (Baumgart, 2008, S. 236). Bourdieu bezieht sich mit seiner Theorie auf das französische Bildungssystem. Dennoch lassen sich seine Erkenntnisse auch auf das deutsche Bildungswesen übertragen. So stellten sowohl die PISA Studie als auch eine Untersuchung des UN Sonderberichterstatters Vernon Muñoz den Einfluss des familiären Status und damit des kulturellen Kapitals auf den Bildungserfolg der Lernenden fest (Hradil & Schiener, 2005, S. 165; Muñoz, 2007). Auch in Deutschland ist das Werkzeug der schulischen Selektion die an den Anforderungen der intellektuellen Oberschicht orientierte Leistungsbeurteilung der Lehrer.

Jeden Lebensbereichen sind distinktive Merkmale gegeben, so können unter dem Oberbegriff Getränke verschiedene Weine, Wassersorten oder Fruchtsäfte zusammengefasst werden (Bourdieu, 2016, S. 355). Ebenso kann die Nutzung des Internets als Oberbegriff verstanden werden. Mit Hilfe des Internets können virtuelle Computerspiele gespielt, Kochrezepte gesammelt, Literatur recherchiert oder eine Online-Vorlesung besucht werden. Durch distinktive Merkmale ist es möglich Unterschiede zum Ausdruck zu bringen (Bourdieu, 2016, S. 355). Generell lässt sich anhand der JIM-Studie 2016 feststellen, dass sich eine rückläufige Tendenz in der PC-/ Laptop-Besitzrate verzeichnen lässt, wohingegen die Smartphone-Besitzrate konstant auf 97% angestiegen ist. Analog zur Entwicklung der Besitzrate haben sich auf die Nutzungspräferenzen des Internets verändert. 73% der 12- bis 19-jährigen gehen über einen Zeitraum von 14 Tagen mit einem PC oder Laptop online. Das sind neun Prozent weniger als 2014. Allerdings gewinnt die Internetnutzung durch das Smartphone parallel konstant an Bedeutung. Neun von zehn Jugendlichen gehen mit diesem Endgerät ins Internet (mpfs, 2017, S. 24). Bei der Betrachtung der Mediennutzung von Jugendlichen werden zudem geschlechtsspezifische Differenzen deutlich. Mädchen setzen verstärkt das Smartphone zur Internetnutzung ein, wohingegen Jungen der stationäre PC eine wesentliche Rolle spielt, was auf die Vorliebe der Online-Spiele zurückzuführen ist (mpfs, 2017, S. 25).

Der uneingeschränkte Zugang zum Internet erfordert aus ökonomischer Sicht eine Flatrate. Mit steigendem Alter nimmt die Zahl der Flatrate-Nutzer zu (mpfs, 2017, S.26). Die tägliche Onlinenutzung des Endgeräts variiert je nach Schulform. Schüler eines Gymnasiums sind 189 Minuten täglich im Internet, Schüler anderer Schulformen 217 Minuten. 41% dieser Zeit fällt auf kommunikative Aspekte, 29 % auf Unterhaltung, 19 % auf Spiele und 10 % auf eine Informationsrecherche (mpfs, 2016, S. 28). Bei Mädchen dominieren Online-Anwendungen wie SnapChat und Instagram, bei den Jungen besteht mehr Interesse an YouTube und Facebook (mpfs; 2017, S. 30).

Die Nutzung des Internets zeigt, dass der Alltag von Jugendlichen digital geprägt ist. Jungen investieren weniger Zeit in ihre Schulkarriere als Mädchen. Allerdings spielt das Internet bei den Hausaufgaben eine wichtige Rolle, wie in nachstehender Abbildung 2 zu sehen ist. 28% der Jugendlichen nutzen Erklärvideos auf YouTube zu Themen aus der Schule und 7% nutzen täglich Wikipedia. Schüler nehmen digitale Hilfestellungen in Anspruch (mpfs, 2016, S. 47). Des Weiteren nutzen 39 % der Haupt- und Realschüler das Internet zuhause für die Schule, wohingegen 47% der Gymnasiasten das Internet für die Schule nutzen. Das Verhältnis Mädchen zu Jungen ist mit 40% bzw. 39% ausgeglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Lernen und Computer-/ Internetnutzung zuhause für die Schule 2016 (mpfs, 2016, S. 46)

94% der Schüler nehmen ihr Handy mit in die Schule. Dort unterliegt es allerdings Restriktionen. An einzelnen Schulen, je nach Rechtslage in den Bundesländern, herrscht Handyverbot (mpfs, 2016, S. 47). Im Vergleich von Haupt-/ Realschulen und Gymnasien zeigt sich ein deutlicher Unterschied in den Nutzungspräferenzen, wie in nachstehender Abbildung 3 deutlich wird. Auch die Handynutzung im Unterricht ist am Gymnasium höher als an der Haupt- und Realschule. Im Kontext der Internetnutzung wird also eine Bildungskluft deutlich. Wer höher gebildet ist nutzt eher eine Suchmaschine zur Recherche und schreibt mehr E-Mails. Die Chat- und Blognutzung hängt dagegen mehr mit niedriger Bildung zusammen (Dudenhöffer, & Meyen, 2012, S. 10). Ebenfalls werden Foto- und Videoplattformen eher von Schülern mit geringem Bildungsniveau besucht (Niesto, 2010, S. 318). Der Umgang mit dem Internet wird vor allem vom Alter, Geschlecht, persönlichen Umfeld und der sozialen Position bestimmt, wie ebenfalls in Abbildung 3 ersichtlich ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Handynutzung in der Schule (mpfs, 2016, S. 47)

Ebenso trägt das Internetrepertoire dazu bei die eigene Position im sozialen Raum zu halten oder zu verbessern (Dudenhöffer, & Meyen, 2012, S. 10). Bezugnehmend auf Bourdieu ist die Internetnutzung nicht ohne den Habitus und die soziale Position zu erklären. Um zu verstehen wie ein Schüler das Internet nutzt, muss bekannt sein, wie dieser sozialisiert wurde, wie der Lebensstil aussieht und wie viel Kapital dieser besitzt und sich dieses zusammensetzt, mit anderen Worten, wie sich die Position im sozialen Raum definiert. Ebenfalls kann ein Schüler das Internet nutzen um Kapital anzuhäufen, die eigene Position zu erkennen und zu markieren. Denn Internetangebote enthalten kulturelles Kapital und können zu sozialem und ökonomischem Kapital beitragen. Diese Arbeit an der Position im sozialen Raum kann über Social Network Sites, Rollenspiele oder Homepages erfolgen (Dudenhöffer, & Meyen, 2012, S. 12). Die Kapitalanhäufung durch das Internet hängt davon ab, welche Bedeutung eine Person dem Internet zuspricht. Diese Bedeutung hängt vom Bildungsniveau und der sozialen Position ab. Eltern mit höherer Formalbildung begleiten ihre Kinder deutlich öfter im Umgang mit dem Internet und unterstützen sie bei virtuellen Erfahrungen jeglicher Art (Schmidt, Paus-Hasebrink, & Paus-Hasebrink, 2009, S.19). Menschen aus der unteren Klasse haben weniger Interesse an der Kapitalanhäufung über das Internet als Menschen aus der mittleren oder herrschenden Klasse. Personen mit hoher Bildung und hohem sozial-wirtschaftlichen Status sammeln mehr kulturelles Kapital und verbessern die soziale Position. Wenn die untere Klasse auf dieses Kapital verzichtet, läuft sie Gefahr, im sozialen Raum zu versinken (Dudenhöffer & Meyen, 2012, S. 20). Bezogen auf das Bildungssystem lässt sich schlussfolgern, dass die Hauptschüler auf die Kapitalanhäufung durch das Internet weniger Wert legen, auch weil vermehrt Computerspiele gespielt werden und weniger Informationen gesammelt werden. Dies bewirkt eine Verstärkung der sozialen Ungleichheit in der Gesellschaft. Diese setzt sich auch nach dem Schulsystem in der beruflichen Ausbildung fort. Welche Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege herrscht, wird im nächsten Kapitel beschrieben.

4 Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege

Unter den Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege herrscht eine starke Heterogenität hinsichtlich der Schulbildung und des Herkunftsmilieus. Die Zulassungsvoraussetzungen zur Gesundheits- und Krankenpflege- Ausbildung, welche durch das Krankenpflegegesetz von 2004 geregelt sind, legen laut §4 für den Zugang zu einer Ausbildung den „Realschulabschluss oder eine andere gleichwertige, abgeschlossene Schulbildung oder den erfolgreichen Abschluss einer sonstigen zehnjährigen allgemeinen Schulausbildung oder den Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung, zusammen mit einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren oder einer Erlaubnis als Krankenpflegehelferin oder Krankenpflegehelfer oder einer erfolgreich abgeschlossenen landesrechtlich geregelten Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe“ (KrPflG, 2004) zugrunde. Ein höherwertiger Schulabschluss gewährleistet alle durch ihm untergeordnete Abschlüsse bescheinigte Kenntnisse (Bourdieu, 2016, S. 514). Je nach Schulbildung, Herkunftsmilieu und Geschlecht werden Differenzen im Umgang mit dem Internet deutlich. Diese sind explizit im vorherigen Kapitel erörtert worden. Mehr als die Hälfte der Auszubildenden verfügt über einen Realschulabschluss, ca. 30% sind Abiturienten (Blum, Isfort, Schilz, & Weidner, 2006, S. 8). Durch die heterogene Schulbiografie werden bereits an dieser Stelle Differenzen der Internetnutzung sichtbar.

Der Pflegeberuf ist charakteristisch ein Frauenberuf, wenn auch mehr Männer in dieses Berufsfeld einsteigen. Der Anteil der Männer lag in der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2012 bei 21%. Die größte Altersgruppe der Auszubildenden liegt mit 54,5% bei den 18- bis 21-jährigen. 30,5 % der Auszubildenden sind zwischen 22 und 25 Jahren alt und 15% sind älter als 25. Die Rate der Auszubildenden unter 18 Jahren liegt nur bei 2,8% (verdi, 2012, S. 7). Die Altersstruktur der Auszubildenden verdeutlicht, dass eine Vielzahl der Auszubildenden zwischen 18 und 25 Jahren die Ausbildung beginnen und somit über eine Schulbildung, die über den Realschulabschluss in Sekundarstufe I hinausgeht, verfügen. Bedingt durch diverse Schulformen im Sekundarbereich I und II weisen die Auszubildenden im Klassenverbund eine heterogene Schulbildung auf, die ebenfalls heterogene Kenntnisse und Fertigkeiten im Rahmen der Internetnutzung beinhalten. Je nach Schulform und Habitus der Auszubildenden sind die medialen Kenntnisse und Nutzungspräferenzen des Internets ausgeprägt. Es ist zu beachten, dass Benachteiligung als strukturelle Komponente auf bestimmte Lebenslagen verweist, die Ausgrenzung befördert. Bildungsmäßig benachteiligte Gruppen sind nicht homogen (Niesto, 2010, S. 316). Auszubildende sind je nach Medieneinsatz im sozialen sowie schulischen Umfeld konditioniert. Durch diese unterschiedlichen Bildungs- und Lebensbiografien der Auszubildenden vor Beginn der Ausbildung besteht die Gefahr des second level digital divide in der Berufsausbildung. Wie der Begriff definiert wird und welche Auswirkungen auf die Berufsausbildung damit einhergehen, wird im nächsten Kapitel erläutert.

5 second level digital divide in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege

5.1. second level digital divide

Viele Jugendliche nutzen auf unterschiedliche Wege das Internet. Das Smartphone ist die beliebteste Zugangsoption für die Internetnutzung, gefolgt vom Laptop und Tablet (mpfs; 2016, S.24). Die Internetnutzung bekommt laut ARD und ZDF Online Studie zurzeit den größten Zuwachs. 83,8 % der Bevölkerung ab 14 Jahren nutzt das Internet täglich. Die tägliche Nutzungsdauer der 14-29 jährigen liegt bei circa vier Stunden (Koch & Frees, 2016, o.S.). Dabei ist der Zugang zum Internet nicht heterogen, die ursprünglich vorliegende Zugangskluft ist überwunden (Kutscher & Otto, 2014, S. 283). Neben dieser ersten überwundenen Stufe der technisch bedingten Zugangskluft bezieht sich die zweite Stufe auf die Internetnutzung. Hier zeigt sich eine digitale Ungleichheit (Niesto, 2010, S. 317). Im Rahmen einer Analyse von Hargittai sind die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Internet untersucht worden, mit dem Ergebnis eines vorliegenden second level digital divide (2002, S. 1). Second level digital divide wird definiert als digitale Spaltung hinsichtlich der Nutzungskompetenz des Internets. Ursachen für die digitale Spaltung sind sozial-, kulturell- und bildungsbedingt. Second level digital divide spiegelt sich in der Qualität der Mediennutzung wider und lässt sich mit der These der Wissenskluft erklären. Denn die Verbreitung verschiedener Informationen über das Internet ermöglicht nicht zwangsläufig eine kompetentere Gesellschaft. An dieser Stelle wird ein Distinktionsmerkmal deutlich. Durch die Internetnutzung wird die Spaltung zwischen bildungsaffinen und bildungsfernen Kompetenzniveaus vertieft (Buchem, 2013, S. 6).

Di Maggio und Hargittai haben fünf Dimensionen aufgedeckt, die zu einer digitalen Spaltung beitragen:

– technische Ausstattung
– eigenständige Nutzung
– Nutzungsmuster
– Netzwerke sozialer Unterstützung
– Fähigkeit der effektiven Internetnutzung (2001, o.S.).

Die Möglichkeiten der Internetnutzung hängen stark mit der Bildungsbiografie der Nutzer und deren sozialen Kontext zusammen (Niesto, 2010, S. 318). Ressourcen von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital sowie prägende Faktoren für Präferenzen, habituelle Fähigkeiten und strukturelle Möglichkeiten sind als Grundbedingung für eine Mediennutzung zu verstehen. Soziale und kulturelle Ressourcen im Sinne technischer Bedienkompetenzen, internetbezogenen Wissens, Erfahrungen im Umgang mit dem Internet oder die Computeraffinität des sozialen Umfelds sind für die Aneignung von Nutzungskompetenzen entscheidend (Zillien, 2006, S. 167). Aus Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten der Internetnutzung resultiert ein habitualisiertes Nutzungsspektrum (Kutscher & Otto, 2014, S. 285). Dies lässt sich durch sozial sinnhafte Handlungsweisen Jugendlicher, die durch Anerkennungsstrukturen geprägt sind erklären. Das bedeutet, dass je nach Lebenswelt der Jugendlichen unterschiedliche Handlungs- und Nutzungsprioritäten vorliegen (Bittlingmayer & Bauer, 2006, S. 215). Zwischen den formalen Schulbildungen ist ein Unterschied in der Internetnutzung aufzuweisen, dieser wird größtenteils durch das soziale Umfeld verstärkt (Kutscher & Otto, 2014, S. 286). Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Milieus zeigen einen „primär rezeptions- und konsumorientierten Medienumgang, der zudem oft an einseitigen Inhalten (etwa Actionangeboten) ausgerichtet ist“ (Wagner & Eggert, 2007, S. 19). Sie sind weniger dazu befähigt worden das Internet als Wissens- oder Informationslieferanten zu nutzen und haben geringere Chancen die Kommunikationsstrukturen des Internet in das Medienhandeln zu integrieren (Wagner & Eggert, 2007, S. 19). Jugendliche mit formal höherem Bildungsniveau weisen eine eigenständige informationsbezogene Nutzungsweise auf, wohingegen Jugendliche mit formal niedrigerem Bildungsniveau eine eigenständige unterhaltungsorientierte Nutzungsweise aufweisen (Kutscher & Otto, 2014, S. 287). Die Fähigkeit einer effektiven Internetnutzung zur Erlangung eines formal hohen Bildungsabschlusses obliegt somit den Jugendlichen mit höherem Bildungsniveau.

Das Nutzungsmuster kapitalärmerer Jugendlicher weist die Gefahr des Cybermobbings und des happy slappings auf. Kapitalreiche Jugendliche sind davon weniger betroffen (mpfs, 2016, S. 49). Diese nutzen vermehrt Internetseiten mit textbasierten Informationen wohingegen formal niedriger gebildete Jugendliche eher Chaträume mit stereotyper Kommunikation nutzen (Kutscher & Otto, 2014, S. 293). Weiterhin spielt auch der Faktor Zeit eine wichtige Komponente für eine digitale Spaltung. Je länger und öfter Jugendliche das Internet nutzen, desto besser können die eigenen medialen Fähigkeiten vertieft werden. Allerdings können Jugendliche, die Schwierigkeiten bei der eigenständigen Informationssammlung im Internet haben, schnell entmutigt werden und die Motivation lässt nach. Dann verbringen diese Jugendlichen schlussendlich weniger Zeit mit dem Internet und eine digitale Spaltung entsteht (Hargittai, 2002, S. o.S.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege
Untertitel
Second level digital divide als Gefahr der milieuspezifischen Internetnutzung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V383438
ISBN (eBook)
9783668589063
ISBN (Buch)
9783668589070
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitale Spaltung, Second level digital divide, divide, bourdieu, heterogenität, gesundheits- und Krankenpflege, Berufsausbildung, Ausbildung, Internetnutzung
Arbeit zitieren
Ilka-Maria Watermann (Autor), 2017, Heterogenität in der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383438

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