Unter Leitmotiven versteht man in der Literatur sinnstiftende Verzahnungen, die auf metaphorischer Ebene das Leserverständnis intensivieren. Auch Harry Mulisch verwendet in „Das Attentat“ (1982) Leitmotive, um die Auseinandersetzung des Protagonisten Anton mit seiner Vergangenheit darzustellen. Anton verliert durch ein Attentat der deutschen Besatzer Eltern und Haus. Mithilfe des Zahnmotivs etabliert Mulisch Antons Verdrängung der Erinnerungsschmerzen und veranschaulicht anhand des Vulkanmotivs seine sukzessive Verarbeitung.
Ziel dieser Hausarbeit ist daher anhand exemplarischer Analysen aufzuzeigen, wie Mulisch das Leserverständnis des Verdrängungs- und Verarbeitungsprozess durch Leitmotive intensiviert.
Inhaltsverzeichnis
Reflective Statement zu Harry Mullischs ‚Das Attentat’ (1982)
Wie veranschaulichen das Vulkan- und Zahnmotiv aus Harry Mulischs ‚Das Attentat’ (1982) den Verdrängungs- und Verarbeitungsprozess des Protagonisten Anton?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Harry Mulisch durch die gezielte Verwendung von Vulkan- und Zahnmotiven in seinem Roman „Das Attentat“ (1982) den psychologischen Prozess der Verdrängung und späteren Verarbeitung des Traumas bei seinem Protagonisten Anton Steenwijk darstellt und für den Leser nachvollziehbar macht.
- Analyse der leitmotivischen Funktion von Vulkanmetaphorik zur Darstellung des Traumas.
- Untersuchung des Zahnmotivs als Symbol für die initiale Verdrängung und spätere Bewältigung.
- Verfolgung der Entwicklung Antons von der traumatischen Exposition bis zur aktiven Aufarbeitung.
- Betrachtung der Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für die individuelle Ich-Werdung.
Auszug aus dem Buch
Die Etablierung von Vulkan- und Zahnmotiven in der Exposition
Bereits in der Exposition etabliert Mulisch das Zahn- und Vulkanmotiv, um Antons Trauma und Verdrängung darzustellen.
Den Verlusts seiner Familie im Attentat von 1945 konfiguriert Mulisch im zahnmotivischen Bedeutungshorizont als Ursprung Antons Traumas. Dies untermalt er im Sinne des Vulkanmotivs, indem er die Hausexplosion als Vulkanausbruch umschreibt: „Das Haus brannte von innen und von außen“, „donnernde Feuergarben“ und „Lichtblitze“ schießen aus dem Haus. Dies symbolisiert Antons verwüstete emotionale Landschaft. Erkennbar ist dies auch im Plinius-Zitat „Überall war heller Tag, nur hier war Nacht, nein, mehr als Nacht“, welches einen Vesuvausbruch beschreibt. Dort versinnbildlicht die „Nacht“ lichtmetaphorisch Antons psychische Schmerzen.
Unmittelbar vor dem Attentat antizipiert Mulisch mithilfe des Zahnmotivs Antons späteren Umgang mit dem Trauma. Seine Mutter hat „ein Loch im Zahn“, lässt sich jedoch nicht behandeln, sondern hat „eine Gewürznelke hineingesteckt“. Dies deutet zahnmotivisch Antons Umgang mit dem Trauma an, da er seelischen Schmerzen betäubt und verdrängt, anstatt sich offen mit diesen auseinanderzusetzen.
Mulisch leitet die zweite Episode mit den Worten „Der Rest ist Nachspiel. Die Aschewolke aus dem Vulkan steigt in die Stratosphäre, kreist um die Erde und regnet noch Jahre später auf alle Kontinente nieder“ ein und thematisiert somit erneut Antons Verdrängung des Traumas. Durch die raummetaphorische Entfernung der „Aschewolke“, in der „Stratosphäre“ veranschaulicht er, dass Anton das Trauma verdrängt. Die „Aschewolke“ „kreist“ jedoch um ihn, was zeigt, dass ihn das Attentat immer wieder einholen wird. Erst wenn alle Aschepartikel durch Auseinandersetzungen mit seiner Vergangenheit „nieder [geregnet]“ sind hat Anton sein Schicksal verarbeitet.
Zusammenfassung der Kapitel
Reflective Statement zu Harry Mullischs ‚Das Attentat’ (1982): Diese Einleitung reflektiert die Bedeutung von biografischem Hintergrundwissen und kulturellen Kontexten für das Verständnis des Romans, insbesondere in Bezug auf die niederländische Widerstandsbewegung.
Wie veranschaulichen das Vulkan- und Zahnmotiv aus Harry Mulischs ‚Das Attentat’ (1982) den Verdrängungs- und Verarbeitungsprozess des Protagonisten Anton?: Das Hauptkapitel analysiert anhand von Textbeispielen die symbolische Entwicklung Antons und zeigt, wie Leitmotivvariationen seinen Weg von der anfänglichen Verdrängung bis hin zur aktiven Bewältigung seines Kindheitstraumas markieren.
Schlüsselwörter
Harry Mulisch, Das Attentat, Anton, Vulkanmotiv, Zahnmotiv, Verdrängung, Trauma, Verarbeitung, Leitmotiv, Ich-Werdung, Psychoanalyse, Niederländische Widerstandsbewegung, Literaturanalyse, Symbolik, Identitätsfindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologische Entwicklung des Protagonisten Anton in Harry Mulischs Roman „Das Attentat“ anhand literarischer Symbole.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Umgang mit traumatischen Erlebnissen, die Mechanismen der Verdrängung sowie der Prozess der persönlichen Aufarbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Mulisch durch das Zahn- und das Vulkanmotiv den mentalen Zustand und die sukzessive Entwicklung des Protagonisten für den Leser veranschaulicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich auf die Untersuchung und Interpretation von Leitmotiven konzentriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden exemplarische Romanpassagen analysiert, um die Veränderung im Umgang des Protagonisten mit seinem Trauma über verschiedene Lebensabschnitte hinweg nachzuzeichnen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Trauma, Verdrängung, Leitmotiv, Symbolik und psychologische Verarbeitung geprägt.
Welche Bedeutung hat das Zahnmotiv im Kontext von Antons Heilung?
Das Zahnmotiv dient zunächst als Symbol für die bloße Betäubung von Schmerz und wandelt sich am Ende zu einem Symbol für eine aktive, professionelle Auseinandersetzung mit dem Trauma.
Warum fungiert der Ofen als symbolischer Stellvertreter?
Der Ofen dient als externes Symbol, das Antons innere, verdrängte Emotionen und deren gelegentliches "Explodieren" sichtbar macht, wenn er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.
- Citar trabajo
- Ellen Saleck (Autor), 2015, Das Vulkan- und Zahnmotiv aus Harry Mulischs "Das Attentat". Wie werden Verdrängungs- und Verarbeitungsprozess des Protagonisten Anton dadurch veranschaulicht?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383583