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Motiv und Intention von Drachenkämpfen in der mittelhochdeutschen Literatur

Ein Vergleich der Drachenkampfsymbolik in den Werken Wirnts von Grafenberg ("Wigalois") und Gottfrieds von Strassburg ("Tristan")

Title: Motiv und Intention von Drachenkämpfen in der mittelhochdeutschen Literatur

Bachelor Thesis , 2012 , 47 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Anna Kuhlmann (Author)

Literature - Medieval Literature
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Summary Excerpt Details

Die Literatur des Mittelalters bietet ein faszinierendes Panoptikum an fabulösen, monströsen und dämonischen Wesen. Besonders der Drache ist in diesem Zusammenhang ein beliebtes literarisches Motiv, um einem Ritter die Möglichkeit zu bieten, seine heldenhafte Tapferkeit unter Beweis zu stellen und durch die Drachentötung seinen Anspruch auf königliche Macht und Herrschaft zu legitimieren. Überhöht wird dieses Motiv, indem der Drache als Inkarnation des Teufels stilisiert wird und all seine dämonischen Kräfte dazu nutzt, dem gottestreuen Helden zu schaden.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden zwei Beispiele dieser Omnipräsenz des Drachen untersucht, zum einen der „Tristan“ Gottfrieds von Strassburg, zum anderen der „Wigalois“ Wirnts von Grafenberg. Nach einer ausführlichen Betrachtung der Herkunft und der Bedeutungsgeschichte des Fabelwesens ausgehend von der Antike bis hin zur Entstehungszeit beider Werke Anfang des 13. Jahrhunderts steht der literarische Drachenkampf selbst jeweils im Fokus der Betrachtungen. Es wird analysiert, welche Funktion er innerhalb der Versromane einnimmt und wie er die Geschichte weiter beeinflusst. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang neben dem Aussehen des Drachen vor allem die christliche Dimension der Kämpfe und ihre Auswirkungen auf das Bewusstsein des Ritters. In einem abschließenden Vergleich beider Werke wird der Frage nachgegangen, ob Drachenkämpfen in der Literatur eine übergeordnete Funktion zukommt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mythos Drache: Herkunft und Bedeutung des Fabelwesens

3. Wirnt von Grafenberg: „Wigalois“

3.1 Aussendung des auserwählten Kämpfers in das teuflische Korntin

3.2 Der Drache Pfetan, des „tievels bot“

3.3 Die Ohnmacht des christlichen Streiters

4. Gottfried von Strassburg: „Tristan“

4.1 Die intrigante Brautwerbungsfahrt

4.2 Der Drache, des „tiuveles kint“

4.3 Die Ohnmacht des listigen Helden

5. Vergleich der Symbolik beider Drachenkämpfe

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Funktion von Drachenkämpfen in der mittelhochdeutschen Literatur, indem sie den "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg und Gottfrieds von Strassburg "Tristan" vergleichend analysiert. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit das Motiv des Drachenkampfes als christliche Erlösungstat oder als zweckrationales Mittel zur Zielerreichung fungiert und welche Rolle die dämonische Symbolik des Ungeheuers für die Identitätsbildung der Helden spielt.

  • Herkunft und kulturgeschichtliche Bedeutung des Drachenmythos
  • Funktion des Drachen als dämonischer Kontrahent im höfischen Roman
  • Vergleich christlicher Erlösungsvorstellungen und höfischer Tugendethik
  • Analyse der narrativen Bedeutung von Ohnmachtsepisoden nach dem Kampf
  • Die Rolle von List, Taktik und göttlichem Beistand bei der Drachentötung

Auszug aus dem Buch

3.1 Aussendung des auserwählten Kämpfers in das teuflische Korntin

Nachdem Wigalois eine Reihe schwerer Bewährungsproben bestanden und Nereja von seiner Tapferkeit überzeugt hat, dankt sie ihm für seine Kampfesmühen und offenbart ihm, wie Korntin den Händen des Königspaars entrissen und Roaz zuteil wurde, dem Mann, der „[d]urch sînen zouberlist / beidiu sêle unde / leben einem tievel gegeben“ (V. 3656ff.). Diesem Heiden gelang es nämlich, sich durch „guoter mære vil“ (V. 3681) das Vertrauen des Königs zu erschleichen, um ihn dann hinterrücks zu überfallen und sein Volk zu töten. Einzig die Königin und ihre Tochter entgingen dem jämmerlichen Schicksal, da sie sich zur Zeit des Hinterhalts nicht in Korntin befanden. Nunmehr zehn Jahre ist dies her und Roaz führt seitdem eine Schreckensherrschaft, die schon viele Ritter vergeblich zu brechen versuchten. Grund dafür sind aber nicht Ruhm und Ehre allein, sondern die Königstochter Larie, die Teil eines Plans ist, den das verbliebene Volk ersann, um von ihrem Leid erlöst zu werden.

Mit diesem Wissen begibt sich Wigalois nun nach Roimunt, wo Nereja der Königin Bericht über ihre Reise erstattet und Wigalois „als würdiger und auserwählter Kämpfer vorgestellt [wird].“ In dem Moment, als Wigalois die Königstochter Larie zum ersten Mal sieht, ist es um den tapferen Ritter geschehen und er verliebt sich unsterblich in sie.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das literarische Motiv des Drachenkampfes im Mittelalter ein und skizziert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs zwischen dem "Wigalois" und dem "Tristan".

2. Mythos Drache: Herkunft und Bedeutung des Fabelwesens: Das Kapitel beleuchtet die etymologische Herkunft und die wandlungsreiche Bedeutung des Drachen als dämonisches Symbol von der Antike bis zur mittelalterlichen christlichen Weltauffassung.

3. Wirnt von Grafenberg: „Wigalois“: Hier wird der Handlungsverlauf des "Wigalois" dargelegt, wobei besonders die ritterliche Ausbildung und die Bestimmung zum Erlösungswerk im Land Korntin im Fokus stehen.

3.1 Aussendung des auserwählten Kämpfers in das teuflische Korntin: Dieser Abschnitt beschreibt die Vorbereitung von Wigalois auf seine Aventiure und die Offenbarung der Schreckensherrschaft des Teufelsbündlers Roaz.

3.2 Der Drache Pfetan, des „tievels bot“: In diesem Kapitel erfolgt eine detaillierte Analyse der monströsen Gestalt des Drachen Pfetan als teuflisches Geschöpf und Verkörperung der sieben Todsünden.

3.3 Die Ohnmacht des christlichen Streiters: Der Text analysiert die Schwächephase des Helden nach dem Sieg und diskutiert die Bedeutung dieses Zustands als existentielle Krise und Weg zur Selbstfindung.

4. Gottfried von Strassburg: „Tristan“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Tristan-Erzählung, die zentralen Motive der List und die Bedeutung des Brautwerbungs-Kontexts.

4.1 Die intrigante Brautwerbungsfahrt: Der Fokus liegt hier auf den politischen Verwicklungen am Hofe von Marke und der Notwendigkeit für Tristan, seine Position durch eine waghalsige Fahrt zu festigen.

4.2 Der Drache, des „tiuveles kint“: Hier wird die Kampfhandlung Tristans untersucht, wobei besonders die Ambivalenz zwischen ritterlicher Tapferkeit und kalkuliertem, listigem Vorgehen hervorgehoben wird.

4.3 Die Ohnmacht des listigen Helden: Dieses Kapitel thematisiert die Ohnmacht Tristans nach dem Kampf und die daraus resultierende Herausforderung, seinen Status als Sieger gegenüber Betrügern zu behaupten.

5. Vergleich der Symbolik beider Drachenkämpfe: Ein systematischer Vergleich arbeitet die Gemeinsamkeiten in der Drachengestalt sowie die fundamentalen Unterschiede in der Intention und christlichen Dimension der Heldentaten heraus.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Drachenkampf in beiden Werken als archetypischer Weg zur Selbstwerdung fungiert, jedoch mit grundlegend unterschiedlicher moralischer Wertung.

Schlüsselwörter

Drachenkampf, Mittelalter, Wigalois, Tristan, Symbolik, Dämonie, Rittertum, höfischer Roman, Erlösung, Teufel, List, Identitätsbildung, christliche Dimension, Wirnt von Grafenberg, Gottfried von Strassburg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelor-Arbeit analysiert die Bedeutung und Funktion von Drachenkämpfen in zwei zentralen Versromanen des hohen Mittelalters, dem "Wigalois" und dem "Tristan".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die symbolische Ausgestaltung dämonischer Wesen, das ritterliche Ethos und die Frage, ob der Kampf eine moralische Bewährung vor Gott oder ein zweckrationales Mittel zur Zielerreichung darstellt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob Drachenkämpfen in der Literatur eine einheitliche übergeordnete Funktion zukommt und wie sich die Helden Wigalois und Tristan in dieser Extremsituation charakterlich definieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Textvergleich zwischen zwei unterschiedlichen Werktraditionen (Artusroman vs. Tristan-Stoff) sowie die Einbeziehung zeitgenössischer theologischer und kultureller Kontexte umfasst.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist in die Analyse der beiden Werke unterteilt, wobei jeweils die Herkunft des Drachen, die Vorbereitungen des Kampfes, der Kampf selbst und die anschließende Ohnmachtsepisode der Protagonisten detailliert betrachtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Drachenkampf, Symbolik, Identitätsbildung, christliche Erlösung, höfischer Roman und der Vergleich zwischen Wigalois und Tristan.

Welche Rolle spielt die Zunge des Drachen im Tristan-Roman?

Die Zunge dient als Siegestrophäe und Beweisstück, um Tristan gegen den opportunistischen Truchseß zu legitimieren, während sie gleichzeitig seine Neigung zur List und Täuschung symbolisiert.

Warum fällt Wigalois nach dem Sieg in Ohnmacht?

Die Ohnmacht wird in der Forschung unterschiedlich interpretiert: Sie kann als notwendige Bewährungsprobe, als existenzieller Verlust der Identität oder als Wendepunkt zur Erkenntnis der Abhängigkeit von Gottes Willen gedeutet werden.

Ist der Drachenkampf bei Tristan weniger "religiös" als bei Wigalois?

Ja, laut der Analyse verfolgt Tristan mit dem Kampf eher opportunistische, persönliche Ziele, wohingegen Wigalois’ Kampf als endzeitliches Szenario einer christlichen Erlösungstat stilisiert wird.

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Details

Title
Motiv und Intention von Drachenkämpfen in der mittelhochdeutschen Literatur
Subtitle
Ein Vergleich der Drachenkampfsymbolik in den Werken Wirnts von Grafenberg ("Wigalois") und Gottfrieds von Strassburg ("Tristan")
College
University of Osnabrück
Grade
2,1
Author
Anna Kuhlmann (Author)
Publication Year
2012
Pages
47
Catalog Number
V383623
ISBN (eBook)
9783668591882
ISBN (Book)
9783668591899
Language
German
Tags
Drachen Mediävistik Wirnt von Grafenberg Wigalois Gottfried von Strassburg Tristan Helden Symbolik Fabelwesen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Kuhlmann (Author), 2012, Motiv und Intention von Drachenkämpfen in der mittelhochdeutschen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383623
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