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Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre. Zur Problematik der Bildersprache in "Das fließende Licht der Gottheit" von Mechtild von Magdeburg

Titel: Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre. Zur Problematik der Bildersprache in "Das fließende Licht der Gottheit" von Mechtild von Magdeburg

Essay , 2010 , 7 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anna Kuhlmann (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In schwärmerischen Tönen beschreibt Mechtild von Magdeburg ihr sehnsüchtiges Verlangen nach ihrem Geliebten, in ihrem Werk "Das fließende Licht der Gottheit". In diesem um etwa 1250 erschienen Buch schildert Mechtild ihre mystischen Erfahrungen, die Vereinigung ihrer Seele mit Gott, als einen höchst erotischen Akt.

Doch handelt es sich hierbei um Worte beeindruckender poetischer Schönheit oder sind es die Äußerungen einer blasphemischen Verrückten? Im Folgenden sollen einerseits die Problematiken der Bildersprache Mechtilds thematisiert, andererseits aber auch ein Versuch unternommen werden, den Wert dieses Werkes zu beurteilen. Um die Einzigartigkeit der Bildersprache Mechtilds verstehen zu können, ist es zunächst notwendig, die historischen Gegebenheiten dieser Zeit nachzuvollziehen.

Das Frühmittelalter stand ganz im Zeichen der eschatologischen Naherwartung Gottes, der Apokalypse. Gläubige Christen erwarteten in naher Zukunft den Anbruch eines neuen Zeitalters, das mit Ängsten vor dem Jüngsten Gericht, einer Verurteilung zu einem Leben im Fegefeuer oder gar der Verdammnis in die Hölle einherging. Es dominierten Vorstellungen von Gott als ein unnahbarer, strafender Herrscher, ein allmächtiger, gefürchteter Gott, die Vorstellung eines "rex tremendus".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre – Zur Problematik der Bildersprache in Mechtild von Magdeburgs „Das fließende Licht der Gottheit“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik und Funktion der stark erotisch geprägten Bildersprache im mystischen Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ von Mechtild von Magdeburg. Ziel ist es, das Missverständnis der Texte als blasphemisch oder rein ekstatisch zu revidieren und stattdessen die tiefere mystische Erkenntnis sowie den revolutionären Ansatz der Autorin, das Verhältnis zwischen Mensch und Gott neu zu definieren, herauszuarbeiten.

  • Historische Einordnung der mystischen Erfahrung im Mittelalter
  • Analyse der erotischen Metaphorik und deren bezeugende Funktion
  • Herausforderungen durch die „Sprachbarriere“ und den „sprachlichen Notstand“
  • Überwindung des Gottesbildes eines strafenden Herrschers durch das Konzept der liebenden Vereinigung

Auszug aus dem Buch

Zur Problematik der Bildersprache in Mechtild von Magdeburgs „Das fließende Licht der Gottheit“

Als besonders schwerwiegend ist im diesem Zusammenhang aber die „Sprachbarriere“ zu bewerten. Diese thematisiert nicht nur die Problematik der Textüberlieferungen aus dem Mittelhochdeutschen und Mittellateinischen, sondern meint vielmehr auch den gewandelten Gebrauch der Sprache insgesamt. Thema der Mystik ist eine den ganzen Menschen ergreifende Erfahrung der Nähe Gottes. Diese überwältigende, übermenschliche und unvorstellbare Erfahrung des Unsagbaren in Worte zu fassen, sie zu beschreiben und begreiflich zu machen, ist wohl die schwierigste Aufgabe, die Mystiker und Mystikerinnen zu bewältigen hatten bzw. haben. Wenn Mechtild bspw. von der Vereinigung mit Gott in den Worten „Eya herre, minne mich sere und minne mich dike und lange!“ ( I, XXIII, S.45 Z.6) spricht, so beschreibt sie hier keineswegs einen sexuellen Akt, sondern thematisiert damit in ihren eigenen Worten die überwältigende Erfahrung der Gottesnähe. Dieses schwerwiegende Problem, das Haas als den „sprachlichen Notstand der Mystiker“ beschreibt, verweist auf die Schwierigkeit des Umsetzens der erlebten göttlichen Erfahrung in die Standardsprache.

Anders als der moderne Leser vielleicht denken mag, bedeutet eine mystische Erfahrung aber nicht, Gottes Wesen und die Wahrheit erkannt zu haben, denn dies korrigiert Mechtild umgehend, indem sie ihr eigenes Nichtwissen thematisiert und es anhand von Paradoxa veranschaulicht.

Die wesentliche Funktion, die der Bildersprache im „Fließenden Licht“ zugesprochen wird, ist, dass sie selbst in Form der stärksten und bildlichsten Metaphern all ihre Bedeutung und Aussagekraft einzubüßen hat. Begriffe wie Feuer, Hitze, Größe und Liebe verlieren ihre Bedeutung, wenn sie mit Gott in Bezug gesetzt werden. Auch wenn während der unio mystica von Berührungen zwischen Gott und der Seele gesprochen wird, so ist auch hier nicht die Rede von einem sexuellen Akt. Mechtild begreift die Liebe zu Gott als einen Weg der Erkenntnis, der tiefsten Identität des Menschen mit sich selbst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre – Zur Problematik der Bildersprache in Mechtild von Magdeburgs „Das fließende Licht der Gottheit“: Der Essay analysiert die erotische Metaphorik Mechtilds vor dem Hintergrund historischer Mentalitätsbarrieren und bewertet die theologische Bedeutung ihres Werkes als revolutionären Beitrag zur Mystik.

Schlüsselwörter

Mechtild von Magdeburg, Das fließende Licht der Gottheit, Mystik, unio mystica, Bildersprache, Mittelalter, Gottesnähe, Erotik, Sprachbarriere, Theologie, Erkenntnis, Liebespartner, Mentalitätswandel, Religionsgeschichte, Spiritualität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der besonderen Bildersprache der Mystikerin Mechtild von Magdeburg und untersucht, warum diese Sprache oft als blasphemisch missverstanden wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die mystische Vereinigung (unio mystica), die historischen Bedingungen des Mittelalters sowie die Schwierigkeit, spirituelle Grenzerfahrungen sprachlich auszudrücken.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Mechtilds erotische Metaphern nicht sexuell, sondern als Ausdruck einer tiefen mystischen Erkenntnis und eines neuen Gottesverhältnisses zu verstehen sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und geistesgeschichtliche Analyse, die den Primärtext mit historischem Kontext und existierender Forschungsliteratur in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Mentalitätsbarrieren, die Sprachproblematik der Mystiker sowie die Funktion der Metaphern als Werkzeug der Selbsterkenntnis und Gottesbeziehung.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Wichtige Begriffe sind Mystik, unio mystica, Bildersprache, Sprachbarriere und die historische Rolle Mechtilds als Vorreiterin eines neuen Gottesverständnisses.

Wie definiert Mechtild laut der Autorin die Liebe zu Gott?

Die Arbeit argumentiert, dass Mechtild die Liebe nicht körperlich-sexuell, sondern als einen Prozess höchster Erkenntnis und als Weg zur Identität des Menschen mit sich selbst begreift.

Warum wird Mechtild im Text als „Vorreiterin der Reformation“ bezeichnet?

Sie wird so bezeichnet, weil sie den starren Keil zwischen Schöpfer und Geschöpf durch die Kraft der persönlichen Liebe aufzuheben versucht und damit die theologische Denkweise ihrer Zeit revolutioniert.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre. Zur Problematik der Bildersprache in "Das fließende Licht der Gottheit" von Mechtild von Magdeburg
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Anna Kuhlmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V383626
ISBN (eBook)
9783668589285
ISBN (Buch)
9783668589292
Sprache
Deutsch
Schlagworte
feuriges verlangen liebesschwüre problematik bildersprache licht gottheit mechtild magdeburg
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Kuhlmann (Autor:in), 2010, Feuriges Verlangen und zärtliche Liebesschwüre. Zur Problematik der Bildersprache in "Das fließende Licht der Gottheit" von Mechtild von Magdeburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383626
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Leseprobe aus  7  Seiten
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