Fünf Textanalysen zum Bildungsbegriff von Theodor W. Adorno und Heinz-Joachim Heydorn


Ausarbeitung, 2015
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theodor W. Adorno: Philosophie und Lehrer 1961

3. Theodor W. Adorno: Fernsehen und Bildung 1963

4. Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz 1969

5. Theodor W. Adorno: Erziehung zur Entbarbarisierung 1968

6. Heinz-Joachim Heydorn: Überleben durch Bildung 1972

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit fünf Texten zum Bildungsbegriff von Theodor W. Adorno und Heinz-Joachim Heydorn aus den 60er und 70er Jahren. Die Texte werde ich nach dem klassischen Prinzip aus der Germanistik analysieren. Das heißt auch die Einordnung in das Zeitgeschehen und einen kurzen Überblick des Inhaltes werden genannt. Des Weiteren halte ich mich ebenfalls an die Zitationsregeln und den Aufbau einer Arbeit aus diesem Fach.

2. Theodor W. Adorno: Philosophie und Lehrer 1962

Der Vortrag im Studentenhaus der Goethe-Universität Frankfurt „Philosophie und Lehrer" stammt von Theodor W. Adorno, publiziert in: Neue Sammlung. 1962, sowie in: Eingriffe. 1963 und wurde im November 1961 vom Hessischen Rundfunk gesendet.

Zur Zeitgeschichte ist zu sagen, dass in den 60er Jahren eine zunehmende Politisierung der Gesellschaft stattfand und man die Grenzen zwischen Politik und Literatur aufhob. Die politische Literatur der 60er Jahre hatte ein formal auffallendes Kennzeichen: den „Dokumentarismus[1] ". Eine Information, welche wichtig für die veranschlagten Analysen ist, da man durch sie den Zeitgeist besser verstehen kann.

Der Text handelt von der Philosophieprüfung im Lehramtsstudium. Ich werde mich im Folgenden mit der Frage beschäftigen, welche Funktion jene nach Adorno hat. Er behauptet, dass der Sinn der Prüfung zum Einen falsch verstanden wird und zum Anderen seinen Zweck nicht mehr erfüllt.

Die abgeprüfte Philosophie ist in ihr Gegenteil umgeschlagen; anstatt die Adepten zu sich selbst zu bringen, taugt sie nur noch dazu, ihnen und uns vor Augen zu führen, wie sehr Bildung mißlang, nicht nur an den Kandidaten sondern überhaupt[2].

Studenten erwerben keine Bildung, die über das Auswendiglernen hinausgeht. Des

Weiteren sieht er ein großes Defizit im Verhältnis zur Sprache. Es ist keine Auseinandersetzung mit der Sprache möglich (keine Erfahrung), da sich die Studenten nicht darauf einlassen und laut ihm ein „Verdingliches Bewusstsein[3] [4] " entwickeln.

Das aber, die Unfähigkeit, Erfahrungen zu machen und zu irgendeiner Sache frei und autonom sich zu verhalten, ist der offenbare Widerspruch zu all dem, was man vernünftigerweise und ohne Pathos unter dem denken kann, was in der Prüfungsordnung, als Zweck der höheren Schulen, >echte Geistesbildung< heißf.

Die Selbstentfremdung wird fortgesetzt, denn die Beschäftigung mit der Philosophie fördert nicht mehr die Identität ihrer Begeisterung mit dem Fachstudium. Prüflinge unterwerfen sich nach Adorno stattdessen einer Autorität und er sieht im Ziel der Prüfung eher einen Beleg für eigenes Denken in übergeordneten Fragen, als vielmehr nur die Einhaltung der Prüfungsordnung.

Denn Bildung ist eben das, wofür es keine richtigen Bräuche gibt; sie ist zu erwerben nur durch spontane Anstrengung und Interesse, nicht garantiert allein durch Kurse, und wären es auch solche vom Typus des Studium generale[5].

Über diese entstehende Katastrophe und über ihre Konsequenzen für das Examen muss nachgedacht werden. Adorno sieht also die Funktion der Prüfungsordnung nicht als Zwang des Studenten als reine Vorgabe in seinem Studium. Vielmehr soll sich der Prüfling seinen Drang nach Wissen[6] hingeben und hinterfragen.

Aber hat er recht? Meiner Meinung nach, sieht das heute nicht anders aus. Ich studiere zwar nicht Philosophie, aber auch die Prüfungsordnung meines Studiums übermannt mich. Kurse werden belegt, weil sie es vorgibt; Themen werden gewählt, weil sie es vorgibt und auch Prüfungen werden absolviert, weil sie es vorgibt. Platz für eigenständiges Denken ist nicht (kaum) vorhanden. Ich habe meine Prüfungsordnung ausgedruckt und gerade am Anfang eines jeden Semesters dabei und habe mir schon oft die Frage gestellt, ob jene eine Art „Bibel" für mich geworden ist. Wenn man bedenkt, dass Adorno den

Vortrag in den 60erJahren gehalten hat, graut es mir, denn verändert hat sich nichts.

3. Theodor W. Adorno: Fernsehen und Bildung 1963

Das Gespräch „Fernsehen und Bildung" zwischen Theodor W. Adorno und Hellmut Becker[7] wurde geleitet von Gerd Kadelbach[8]. Gesendet im Hessischen Rundfunk am 1. Juni 1963 und publiziert in: Volkshochschule im Westen, Heft 3, Jahrgang 1963.

Der Text handelt von dem Bildungsauftrag des Fernsehens in der Erwachsenenbildung. Adorno behauptet, es sei Ideologie[9]. Ich werde mich im Folgenden mit der Frage beschäftigen, ob das Medium, Bildung im Sinne von Adorno, heute vermittelt oder nicht. Gefahr besteht im Gebrauch des Mediums, nämlich ein falsches Bewusstsein zu erreichen und einer Art Manipulation ausgesetzt zu sein.

[...] dazu beiträgt, Ideologien zu verbreiten und das Bewusstsein der Menschen, die es betrachten, in einer unwahren Weise zu lenken[10].

Er geht sogar weiter und meint, Fernsehen müsste gelehrt werden. Der Zuschauer darf nicht auf Ideologien hereinfallen und müsste lernen, in Kategorien zu denken, eine kritische Fähigkeit zu entwickeln und der Reklame nicht zu entfallen (Vgl. Adorno, S. 54). Jene Aspekte führen dazu, dass der Zuschauer denkt, er habe Szenen selbst gesehen oder sogar zu einer Fernsehsucht (Vgl. Adorno S.59), die zu Weilen auch eine Harmoniesucht beherbergt.

[...] daß nämlich falsches Bewusstsein und Verschleierung der Wirklichkeit den Menschen eingetrichtert werden, und daß, wie man so schön sagt, eine Reihe von Werten als schlechterdings dogmatisch positiv geltend den Menschen aufgeschwatzt werden, während die Bildung, von der wir sprechen, gerade darin bestünde, daß man solche Begriffe, die hier als positiv eingesetzt werden, in ihrer Problematik durchdenkt und daß man zu einem selbstständigen und autonomen Urteil übersie gelangt[11].

Chancen bestehen aber, dass Fernsehen besser als Unterricht ist, wenn jener gut aufbereitet ist. Adorno steckt hier Hoffnung in die Forschung. Er gibt als Beispiel an, in zwei verschiedenen Klassen Tests durchzuführen[12]. Die eine Gruppe wird durch einen Lehrer unterrichtet, die andere durch das Schulfernsehen. Die Ergebnisse könnte man dann miteinander vergleichen und ermitteln, welche Gruppe besser abgeschnitten hat. Adorno weist darauf hin, Hoffnung besteht, wen man es richtig angeht. Wie bereits erwähnt, braucht das Fernsehen Aufklärung bei den Zuschauern.

Vom Medium aus gesehen, würde sich die Aufgabe so stellen: Inhalte zu finden, Sendungen zu machen; die selber ihrem eigenen Gehalt nach diesem medium angemessen sind, anstatt daß sie irgendwoher von außen übernommen werden[13].

Was ist also in den letzten Jahren passiert? Meiner Meinung nach, ist genau das eingetreten, was Adorno als Gefahr sieht. Der Umgang mit dem Fernsehen ist „leichtsinnig" geworden und die Gefahr der 'Massenverblödung' besteht in der Tat. Ich persönlich kann mich kaum durch das Medium bilden. Mit kaum meine ich, dass ich sehr wohl Nachrichten, Dokumentationen und Reportagen wichtig finde und mich durch jene weiterbilden kann. Ich kann durch diese Kulturen und Länder kennenlernen und mich über das Weltgeschehen informieren. Wenn ich allerdings an die Nachmittagssendungen denke, verstehe ich, was Adorno mit Bewusstseinsverschleierung meint. Es ist davon auszugehen, dass viele junge Leute heutzutage glauben, was ihnen der Fernseher bezüglich des Alltages, der Liebe und den Umgang mit Menschen vorgibt. Also nein, Bildung im Sinne von Adorno, also Informationen zu begreifen und diese zu reflektieren, wird nicht vermittelt. Wenngleich es im Staatsfernsehen doch Ansätze dazu gibt, die Massenmedien jedoch eindeutig überwiegen.

4. Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz 1969

Der Vortrag „Erziehung nach Auschwitz" wurde am 18. April 1966 im Hessischen

Rundfunk gesendet, dann publiziert in: Zum Bildungsbegriff der Gegenwart. 1967 und in: Stichworte. 1969.

Der Text handelt von dem Ziel der Erziehung nach Auschwitz.

Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube,sie begründen zu müssen noch zu sollen[14].

Ich werde mich im Folgenden mit der Frage beschäftigen, welche wichtigen Forderungen Adorno an die Erziehung stellt. Basis seines Postulats ist die Aussage, dass sich so was wie Auschwitz nicht wiederholen darf. Er geht davon aus, dass dieser Satz Forderungen und Fragen aufwirft, die bis dato zu wenig behandelt wurden und sich kaum bewusst gemacht worden sind. Die Folge sei, dass dieses Ereignis („das Ungeheuerliche[15] ") ist nicht in die Menschen eingedrungen und die Möglichkeit der Wiederholung bleibt bestehen. Daraus resultiert, dass der Bewusstseinsstand der Menschen gegenüber Auschwitz gleich bleibt. Es droht ein Rückfall in die Barbarei[16], solange diese Bedingungen bestehen bleiben. Deshalb teilt er die Erziehung in zwei Bereiche ein. Auf der einen Seite die Erziehung in der frühen Kindheit, auf der anderen Seite die allgemeine Aufklärung, um ein gutes Klima zu schaffen (Vgl. Adorno S.91f). Man muss Mechanismen erkennen, die Menschen zu solchen Taten fähig werden lassen.

Schuldig sind alleine die, welche besinnungslos ihren Haß und ihre Angriffswut an ihnen ausgelassen haben[17].

Deshalb und weil keine Reflexion auf sich selbst besteht, ist die Wendung auf das Subjekt nach Adorno so wichtig. Diese kritische Selbstreflexion muss in der frühen Kindheit passieren, denn da wird der Charakter der Menschen gebildet. Mit dem Begriff der Bindung begründet er den Autoritätsverlust der Menschen. Die Gefahren der Bindungen bestehen allerdings: sie verantworten sich nicht vor der eigen Vernunft des Individuums, bedeuten ein sich abhängig machen von Geboten und Normen und sind der Ausweis für einen zuverlässigen Bürger.

Für den gesunden Menschenverstand ist es plausibel, Bindungen anzurufen, die dem Sadistischen, Destruktiven, Zerstörerischen Einhalt tun durch ein nachdrückliches »Du sollst nicht«[18].

Ein anderes Problem ¡st die Kollektivierung. Mit Kollektivierung ist hier gemeint, dass der Mensch sich physischen Schmerz zufügt, damit er sich zugehörig zu einem Kollektiv fühlt und das der Mensch sich als selbstbestimmtes Wesen auslöscht, um in eine Kollektive eingeordnet werden zu können. Der manipulative Charakter[19] zeichnet sich durch Organisationswut, Unfähigkeit unmittelbare menschliche Erfahrungen zu machen, Emotionslosigkeit und überbewerteten Realismusaus.

[...]


[1] Montage von Zeitungsartikeln, Interviews, Protokollen und anderen Dokumentarten.

[2] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 45.

[3] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 37.

[4] ebd., S. 37.

[5] ebd., S. 41.

[6] ebd., S. 48.

[7] Bildungspolitiker.

[8] Herausgeber von Erziehung zur Mündigkeit.

[9] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 52.

[10] ebd., S. 52.

[11] ebd., S. 55.

[12] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 65.

[13] ebd., S. 52.

[14] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 88.

[15] ebd., S. 88.

[16] ebd., S. 88.

[17] ebd., S. 90.

[18] Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit. S. 92.

[19] ebd., S. 97.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Fünf Textanalysen zum Bildungsbegriff von Theodor W. Adorno und Heinz-Joachim Heydorn
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V383681
ISBN (eBook)
9783668590243
ISBN (Buch)
9783668590250
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fünf, textanalysen, bildungsbegriff, theodor, adorno, heinz-joachim, heydorn
Arbeit zitieren
Verena Rumm (Autor), 2015, Fünf Textanalysen zum Bildungsbegriff von Theodor W. Adorno und Heinz-Joachim Heydorn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383681

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