Erhöht die soziale Interaktion mit anderen Menschen die Lebenszufriedenheit? Das Ausüben von Ehrenämtern und die individuelle Freizeitgestaltung als Formen der zwischenmenschlichen Kontakte


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hypothesen mit theoretischer Begründung

3. Verwendete Daten

4. Operationalisierung der Variablen
4.1 Abhängige Variable
4.2 Unabhängige Variablen

5. Datenauswertung
5.1. Ergebnisse für H1
5.2. Ergebnisse für H2
5.3. Ergebnisse für gemeinsames Regressionsmodell

6. Diagnostik
6.1. Diagnostik für H1
6.2. Diagnostik für H2

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Soziale Interaktion ist die durch Kommunikation vermittelte und wechselseitige Beziehung zwischen Personen und die daraus entstehende gegenseitige Beeinflussung ihrer Einstellun­gen, Erwartungen sowie Handlungen (Fuchs-Heinritz et al. 2007). Soziale Interaktion findet also immer dann statt, wenn Menschen miteinander agieren und kommunizieren und sich ihre Handlungen aneinander orientieren, wodurch zahlreiche unterschiedliche Möglichkei­ten der Interaktion existieren (Bahrdt 2000). Zwei Beispiele von Interaktion sollen in dieser Hausarbeit näher beschrieben werden, zum einen das Ausüben eines Ehrenamtes und zum anderen die Freizeitgestaltung von Menschen.

Betrachtet man die Freizeitgestaltung zeigt sich, dass der persönliche Kontakt zu anderen Personen eine große Rolle im Leben der meisten Menschen spielt. So treffen sich rund 60 Prozent in ihrer Freizeit gerne mit Freunden oder Bekannten (Statista 2006), wobei sich der Großteil der befragten Personen mindestens jede Woche mit anderen trifft (Statista 2012).

Auch das ehrenamtliche Engagement übernimmt eine immer größere Rolle im Leben. So hat die Bedeutung eines solchen Engagements innerhalb der letzten Jahre in Deutschland stark zugenommen. Seit 1999 gibt es einen Zuwachs bei sozialen, gesundheitlichen, sowie bei kin­der- und jugendbezogenen Engagements (Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009). Dabei verstehen viele Freiwillige ihre Aufgabe darin, die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitzu­gestalten. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft mit anderen, zwischenmenschlichem und per­sönlichem Kontakt ist eines der Hauptmotive des Engagements (Hauptbericht des Freiwilli- gensurveys 2009). So steht auch hier die positive Wirkung des zwischenmenschlichen Kon­takts im Vordergrund.

Wie wichtig die Ausübung eines Ehrenamts mittlerweile für die Menschen geworden ist und vor allem welchen Stellenwert es dabei im Leben einnimmt, soll nun ebenso wie der Einfluss der Häufigkeit der persönlichen Kontakte in der Freizeitgestaltung in dieser Hausarbeit be­antwortet werden. Grundlage der Untersuchung beider Einflussfaktoren ist hierbei die Münchner Studie zur Lebenszufriedenheit 2013/2014". Im Rahmen dieser Studie wurden Fragen darüber, ob man seine Freizeit eher alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen verbringt beantwortet. Ebenfalls waren Fragen zum Tätigkeitsfeld des Engagements und zum zeitlichen Aufwand für ein solches aufgeführt. Zudem wurde in der Studie die persönliche Einschätzung der Lebenszufriedenheit erhoben. Der Begriff Lebenszufriedenheit wird hierbei definiert als die Zufriedenheit, die das Ergebnis eines kognitiven Bewertungsprozesses des Lebens insgesamt ist (Diener, Sandvik, Pavot 1991).

2. Hypothesen mit theoretischer Begründung

Auch wenn sich die Soziologie mit der Selbstbeschreibung von Gesellschaften beschäftigt (Fuchs-Heinritz et al. 2007), spielt das Thema soziale Netzwerke und Freundschaft im Ver­gleich mit anderen soziologischen Themenbereichen noch immer eine eher untergeordnete Rolle (Nötzold-Linden 1994). In der zu diesem Gegenstand verfassten Literatur wird der Mensch als ein soziales Wesen angesehen, in dessen Natur es liegt, Gruppenbindungen ein­zugehen. Hierbei stehen Menschen miteinander in sozialen Beziehungen und verfolgen zu­mindest über eine gewisse Zeitdauer gemeinsame Ziele, welche durch Kommunikation und durch Interaktionsprozesse realisiert werden (Bahrdt 2000). Eine besondere Form dieser sozialen Beziehungen stellen Freundschaften dar, die durch eine besonders hohe emotionale Komponente definiert sind. Diese emotionale Beziehung zwischen Personen besteht meist längerfristig, so dass es zu mehrfacher Interaktion innerhalb dieser sozialen Relation kommt. Freundschaften sind demzufolge also durch eine hohe Intensität der Interaktion als auch durch eine hohe Regelmäßigkeit der Interaktion gekennzeichnet (Pfenning 1995). Zu dem Thema Freundschaft und sozialer Interaktion liegen in der Soziologie einige Studien vor, die sich nicht nur mit dem Thema an sich beschäftigt, sondern auch untersucht haben, inwiefern soziale Interaktion sich auf die Lebenszufriedenheit von Personen auswirkt. Soziale Interak­tion wird hierbei häufig als der persönliche Kontakt zu anderen Personen innerhalb der Frei­zeitgestaltung betrachtet (Rodríguez et al. 2007; Leung und Lee 2005, Lloyd und Auld 2002). Soziale Freizeitaktivitäten können beispielsweise generell das Treffen mit Freunden aber auch bestimmte gemeinsame Unternehmungen sein. Durch eine gemeinsame Freizeitgestal­tung festigen sich freundschaftliche Beziehungen, wobei es innerhalb von Freundschaften zu einer gegenseitigen Unterstützung und zu dem Austausch von Informationen kommt. Laut Leung und Lee (2005) sorgt dieser Beistand innerhalb von Freundschaften für eine positive Lebenszufriedenheit. Aber auch in den Studien von Rodríguez et al. (2007) sowie von Lloyd und Auld (2002) ließ sich durchweg eine positive Korrelation zwischen sozialer Interaktion und der Lebenszufriedenheit von Menschen feststellen. Bei Lloyd und Auld (2002) konnte darüber hinaus belegt werden, dass nicht nur die persönliche Interaktion an sich einen posi- tiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat, sondern auch die Häufigkeit sozialer Interak­tion eine Rolle spielt. Demzufolge müsste mit einer zunehmenden Häufigkeit der persönli­chen Interaktion auch der Beistand innerhalb von Freundschaften zunehmen, was wieder­rum einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat. Aus diesem Grund lässt sich die folgende Hypothese aufstellen:

H1: Umso häufiger man seine Freizeit gemeinsam mit anderen Personen verbringt, desto höher ist die Lebenszufriedenheit.

Durch die politischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse, denen die heutige Gesell­schaft unterliegt, hat das Ehrenamt immer mehr an Bedeutung für diese gewonnen. Ob es sich nun um kostenlose Nachhilfe an Grundschulen oder um die Betreuung und Pflege von chronisch Kranken handelt, ehrenamtliches Engagement ermöglicht dort Hilfe, wo sie drin­gend benötigt wird. (Müntefering 1996) Der Aufwand für diejenigen, die sich engagieren, die Zeit die sie hineinstecken und die Mühe und Kraft, die sie aufwenden wird in der Regel nicht finanziell vergütet. Trotz allem ist die Bereitschaft zum Ehrenamt in Deutschland groß. Statis­tiken, die vom BMFSFJ veröffentlicht wurden zeigen, dass etwa sich 40 Prozent der Bevölke­rung ehrenamtlich engagieren. Dabei sind sowohl die Einsatzmöglichkeiten ehrenamtlichen Engagements, als auch die Motive dafür vielfältig. Je nach persönlicher Interessenslage kann der Freiwillige aus einem breitgefächerten Angebot an Aufgaben wählen (Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009). Ein besonderes Motiv für das freiwillige Engagement stellt das Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Kontakt dar. Das Schaffen eines Gemeinschaftsge­fühls in Zeiten der schnelllebigen Globalisierung ist vielen Menschen wichtig (Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009). Zu diesem persönlichen Gewinn des Freiwilligen durch den sozialen Kontakt gibt es bereits zahlreiche Untersuchungen in der Soziologie und Psycholo­gie. So untersuchte die Universität Michigan die Motive für freiwilliges Engagement und wies an einer Studie mit über 1.000 Teilnehmern nach, dass Personen, die sich freiwillig engagier­ten, sich besonders glücklich fühlten. Bemerkbar machte sich dies sogar in der Lebenserwar­tung: Die freiwilligen Helfer hatten eine um 40 Prozent höhere Chance auf ein langes Leben als jene Probanden, die sich nicht für andere einsetzten (Brown, Fuhrel-Forbis, Konrath & Lou 2012). Auch in der Studie von Borgonovi (2008) ließ sich ein positiver Effekt von Ehren­amtlichem Engagement auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Probanden feststel­len. Bei Borgonvi (2008) wurde zudem festgestellt, dass es eine große Rolle spielt, wie oft und wie lange eine Person ein Ehrenamt ausübt. Je länger die Person sich bereits freiwillig engagiert, desto mehr scheint sie davon zu profitieren.

Nun wirft dieses Zusammenspiel von persönlichem Gewinn durch sozialen Kontakt im Eh­renamt die Frage auf, inwieweit die Lebenszufriedenheit von ehrenamtlichem Engagement abhängt. Angelehnt an die vorangehenden Ausführungen, kann man annehmen, dass von der Ausübung eines Ehrenamts ein positiver Einfluss auf die Lebenszufriedenheit ausgeht. Da auch die Häufigkeit und die Dauer des Engagements eine Rolle spielen, müssten auch diese einen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben. Daher lässt sich diese Hypothese formulie­ren:

H2: Je mehr Zeit eine Person in das ehrenamtliche Engagement investiert, desto höher ist die Lebenszufriedenheit.

3. Verwendete Daten

Die dieser Arbeit zugrunde liegenden Daten stammen aus der „Münchner Studie zur Lebens­zufriedenheit 2013/2014", die die Lebenszufriedenheit Münchner Bürger untersucht. Erho­ben wurden diese Daten durch einen Fragebogen mit insgesamt 69 Fragen, es handelt sich also um ein schriftliches, vollständig strukturiertes Interview. Der Fragebogen wurde mit einer einmaligen Messung erhoben, somit gilt diese Befragung als eine Querschnittserhe­bung. Während dem Erhebungszeitraum von Februar bis März 2014 wurde der Fragebogen an 3.000 volljährige Münchner Bürger verteilt. Die Auswahl der Stichprobe erfolgte durch eine mehrstufige Zufallsauswahl, wobei als erste Stufe das Random Route-Verfahren sowie das Straßenstück-Verfahren eingesetzt wurden. Bei dem Random Route-Verfahren wird eine Startadresse ausgewählt, von der aus aufgrund einer bestimmten Routenanweisung an je­den fünften Haushalt je ein Fragebogen verteilt wird. Dies soll gleiche Auswahlwahrschein­lichkeiten sicherstellen, was aber als Ziel nicht immer erreicht werden kann. Aus diesem Grund wurden zudem einige Fragebögen per Straßenstück-Stichprobe verteilt, wobei alle Straßenabschnitte zwischen zwei Kreuzungen nummeriert werden, wodurch es zu einer zu­fällig gleichwahrscheinlichen Auswahl eines Straßenabschnitts und somit einer Startkreuzung kommt und dadurch zufällig ein Starthaushalt ausgewählt wird. Auch bei dieser Verteilung wird in jedem fünften Haushalt ein Fragebogen verteilt. Anschließend wurde per Geburts­tagsmethode diejenige Person ausgewählt, die den Fragebogen für den betreffenden Haus­halt ausfüllen soll. Hierbei wird diejenige Person aus einem Haushalt ausgewählt, die als letz­tes Geburtstag hatte. Da die Frage nach der Lebenszufriedenheit in dem zur Studie gehören­den Fragebogen insgesamt 717 Personen beantwortet haben, der Fragebogen aber an 3.000 Haushalte verteilt wurde, lässt sich auf eine Rücklaufquote von rund 24 Prozent schließen. Somit liegt die Rücklaufquote nur knapp unter der gewünschten Rücklaufquote von 25 bis 30 Prozent.

4. Operationalisierung der Variablen

Für eine Konstruktion des Fragebogens ist es notwendig, die in den Hypothesen vorhande­nen Begriffe, präzise zu erklären und zu operationalisieren. Daher ist es erforderlich, wichti­ge Begriffe durch eine Dimensionsanalyse näher zu definieren. Hierbei unterscheidet man die evaluative Bewertungsdimension, die kognitive Wissensdimension und die intentionale Handlungsdimension. Darüber hinaus sollen bei der Operationalisierung der Hypothesen, die Variablenwerte der Hypothesen messbar gemacht werden. Hierfür wird innerhalb einer Hy­pothese zwischen einer abhängigen und einer unabhängigen Variable unterschieden, wobei die unabhängige Variable Merkmale sind, deren Wirkung auf die abhängige Variable geprüft werden soll (Diekmann 2007).

4.1 Abhängige Variable

Da die abhängige Variable diejenige Variable ist, die sich durch den Einfluss einer unabhängi­gen Variable verändert, ist die abhängige Variable in der „Münchner Studie zur Lebenszu­friedenheit" die Lebenszufriedenheit. Lebenszufriedenheit kann als die Zufriedenheit defi­niert werden, die das Ergebnis eines kognitiven Bewertungsprozesses des Lebens insgesamt ist (Diener, Sandvik, Pavot 1991), daher wird Lebenszufriedenheit in dem Fragebogen der Studie in der evaluativen Bewertungsdimension abgefragt. Dies geschieht über die Verwen­dung einer elf-stufigen Likertskala, bei der die Befragten angeben sollen, wie zufrieden sie gegenwärtig alles in allem mit ihrem Leben sind, wobei die Skala von ganz und gar unzufrie­den bis ganz und gar zufrieden reicht. Durch die Abfrage der Lebenszufriedenheit auf einer elf-stufigen Likertskala handelt es sich um eine quasi-metrische abhängige Variable. Da die Frage nach der Lebenszufriedenheit im Fokus der „Münchner Studie zur Lebenszufrieden­heit" steht, wurde diese Frage als erste Frage im Fragebogen gestellt.

4.2 Unabhängige Variablen

Unabhängige Variablen sind Merkmale, bei denen die Wirkung auf die abhängige Variable, in diesem Fall die Lebenszufriedenheit, überprüft werden sollen.

Im Fall der Hypothese H1 zur Häufigkeit von sozialen Interaktionen innerhalb der Freizeitge­staltung wird davon ausgegangen, dass mit steigender Häufigkeit auch die Lebenszufrieden­heit der Menschen ansteigt. Die unabhängige Variable ist daher die Häufigkeit der gemein­samen Freizeitgestaltung. Die Operationalisierung der unabhängigen Variable erfolgte in dem Fragebogen der „Münchner Studie zur Lebenszufriedenheit 2013/2014" über die Ant­wortkategorien der Frage 7, ob man seine Freizeit eher alleine oder eher zusammen mit an­deren Personen verbringt. Der Befragte konnte hierbei zwischen den Antwortalternativen „fast immer oder immer alleine", „eher alleine", „teils/teils", „eher mit anderen" und „fast immer oder immer mit anderen" einer fünf-stufigen Likert-Skala wählen.

Bei Hypothese H2 zur zeitlichen Rolle von ehrenamtlichem Engagement im Leben einer Per­son, wird davon ausgegangen dass mit steigender Häufigkeit auch ihre Lebenszufriedenheit steigt. Dabei ist die unabhängige Variable die Häufigkeit des ehrenamtlichen Engagements im Leben einer Person. Die Operationalisierung dieser unabhängigen Variable erfolgte im Fragebogen zur „Münchner Studie zur Lebenszufriedenheit 2013/2014" über die Antwortka­tegorien der Frage 11: „Wie viele Stunden haben Sie in den letzten vier Wochen für Ihr eh­renamtliches Engagement aufgewandt?". Der Befragte konnte hierbei die Stundenzahl in „ca. Stunden" angeben oder die Antwortmöglichkeit „keine Zeit" wählen.

5. Datenauswertung

Da der Fokus der dieser Befragung auf der Lebenszufriedenheit der Münchner Bürger liegt, wurde als erstes die Variable Lebenszufriedenheit untersucht. 717 Personen haben die Frage beantwortet, wobei die Lebenszufriedenheit im Mittel den Wert 7,91 beträgt. Die Mehrheit der Münchner Bürger ist demnach relativ zufrieden mit ihrem Leben.

Im Folgenden wurden nun für die beiden Hypothesen H1 und H2 zwei voneinander getrenn­te Regressionsanalysen durchgeführt.

5.1. Ergebnisse für H1

Bei der Untersuchung der Hypothese H1, die besagt, dass man lebenszufriedener ist, umso häufiger man seine Freizeit mit anderen Personen verbringt, betrachtet man zunächst den Einfluss der Häufigkeit von sozialer Interaktion innerhalb der Freizeitgestaltung auf die Le­benszufriedenheit. Im Fragebogen wurde zunächst abgefragt, ob die befragten Personen ihre Freizeit eher alleine oder eher zusammen mit anderen Personen verbringen. Diese Frage wurde von 717 Personen beantwortet, wobei mit 36,1 Prozent der Großteil der Personen ihre Freizeit mal alleine und mal mit anderen verbringt. Es lässt sich darüber hinaus erken­nen, dass die Mehrheit der Befragten in ihrer Freizeit lieber unter Menschen ist. So sagten 33,2 Prozent der Personen, sie würden ihre Freizeit „eher mit anderen" verbringen und im­merhin 18,3 Prozent verbringen ihre Freizeit „fast immer oder immer mit anderen". Deutlich seltener wird mit 9,8 Prozent die Freizeit „eher alleine" oder mit nur 2,6 Prozent „fast im­mer oder immer alleine" verbracht. Um zu überprüfen, inwiefern die Häufigkeit der sozialen Interaktion in der Freizeit mit der Lebenszufriedenheit korreliert, aber auch um zu überprü­fen, ob Drittvariablen existieren, die die abhängige Variable der Lebenszufriedenheit beein­flussen, wurde eine lineare multiple Regression durchgeführt. Die hierfür aufgestellten Hy­pothesen lauten:

H0: Keine der unabhängigen Variablen hat einen Einfluss auf die abhängige Variable.

H1: Mindestens eine unabhängige Variable hat einen Einfluss auf die abhängige Variable.

In die multiple Regressionsanalyse wurden folgende unabhängigen Variablen einbezogen:

1) Verbringt man seine Freizeit eher alleine oder eher mit anderen Personen (f7)

Auf dieser unabhängigen Variable, die die Häufigkeit von Interaktionen in der Freizeitge­staltung untersucht, baut die Hypothese H1 auf.

2) Ansprechpartner im Freundeskreis bei persönlichen Problemen (f3_5)

Mit dieser unabhängigen Variable soll untersucht werden, ob in erster Linie die Interakti­onshäufigkeit für die Lebenszufriedenheit von Bedeutung ist, oder ob das grundsätzliche Vorhandensein eines persönlichen Netzwerkes hierfür von größerer Bedeutung ist.

3) Kontakt über soziale Online-Netzwerke (f9)

Diese unabhängige Variable geht ebenfalls auf die Interaktionshäufigkeit in sozialen Be­ziehungen ein, jedoch bezieht sie sich ausschließlich auf Kontakte in sozialen Online­Netzwerken. Mit dieser unabhängigen Variable soll untersucht werden, ob die Interakti­onshäufigkeit in sozialen Beziehungen nur in der realen Welt oder auch in der virtuellen Welt von Bedeutung für die Lebenszufriedenheit ist.

4) Geschlecht (F57)

5) Alter

Desweiteren sollen als zusätzliche unabhängige Variablen sowohl das Geschlecht als auch das Alter der befragten Personen miteinbezogen werden, um zu überprüfen, ob diese beiden Variablen einen größeren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben als die Häufigkeit der Interaktion.

Für die Regressionsanalyse wurde die ordinale unabhängige Variable Geschlecht dichotomi- siert (Mann = 1, Frau = 0), so dass Frauen die Referenzkategorie bilden. Bei den anderen un­abhängigen Variablen Häufigkeit der Interaktion innerhalb der Freizeitgestaltung, Ansprech­partner bei persönlichen Problemen und Häufigkeit des Kontakts in sozialen Online­Netzwerken wurden Dummy-Kategorien gebildet. Das Alter wurde zudem in Jahrzehnten zentriert, wobei der Mittelwert des Alters 41,017 Jahre beträgt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Regressionsmodell 1 mit Darstellung der Koeffizienten bei Berücksichtigung aller unabhängigen Variablen Freizeitgestaltung, Möglichkeit eines Ansprechpartners im Freundeskreis bei persönlichen Problemen, Onlinekontakte in sozialen Netzwerken, Geschlecht sowie Alter.

In dem Regressionsmodell 1 lässt sich erkennen, dass laut dem Levene-F-Test F 7,849 beträgt und mit einem p-Wert von 0,000 höchst signifikant ist. Demzufolge trägt das Modell 1 also zur Erklärung der abhängigen Variable Lebenszufriedenheit bei. Somit kann die Nullhypothe­se, dass keine der unabhängigen Variablen einen Einfluss auf die abhängige Variable hat, abgelehnt werden. Jedoch beträgt das korrigierte R2 dieses Modells lediglich 0,092, so dass nur 9,2 Prozent der Varianz der abhängigen Variable Lebenszufriedenheit durch die unab­hängigen Variablen erklärt werden können.

Betrachtet man die Koeffizienten des Regressionsmodells 1, so ist sichtbar, dass die Konstan­te ßü 4,768 beträgt. Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit beträgt somit den Wert 4,768, wenn alle anderen Variablen auf null gesetzt sind. Dies bedeutet, dass Männer mit durch­schnittlichem Alter, die ihre Freizeit immer alleine verbringen, keinen Ansprechpartner für persönliche Probleme im Freundeskreis haben und nur wenig Onlinekontakt in sozialen On- line-Netzwerken haben mit 4,768 nur über eine recht geringe Lebenszufriedenheit verfügen, wenn man diesen Wert mit dem allgemeinen Mittelwert der Lebenszufriedenheit von 7,91 vergleicht.

Bei Betrachtung der Interaktionshäufigkeit innerhalb der Freizeitgestaltung lässt sich jedoch erkennen, dass mit zunehmender Häufigkeit der Interaktion die Lebenszufriedenheit an­steigt. Verbringt man seine Freizeit anstatt immer alleine nun eher alleine, so steigt die Le­benszufriedenheit um 1,434 auf einen Wert von 6,202 an. Ist man in seiner Freizeit hingegen mal mit anderen und mal alleine, so steigt die Lebenszufriedenheit um 1,780 auf 6,548. Bei einer Freizeitgestaltung gemeinsam mit anderen Personen erhöht sich der Wert der Lebens­zufriedenheit für die Antwortmöglichkeit „eher mit anderen" um 2,179 und steigt somit auf eine Lebenszufriedenheit von 6,947 an. Den höchsten Wert erreicht die Lebenszufriedenheit mit 7,054 jedoch bei den Personen, die ihre Freizeit immer gemeinsam mit anderen Perso­nen verbringen, da sich der Wert der Lebenszufriedenheit hierbei um 2,286 erhöht. Die Antwortmöglichkeit „eher alleine" ist mit einem p-Wert von 0,010 signifikant. Die restlichen drei Antwortmöglichkeiten sind mit p-Werten von 0,001 bzw. 0,000 höchst signifikant.

Einen geringeren Einfluss als die Interaktionshäufigkeit in der Freizeitgestaltung hat hinge­gen, wie sich in Modell 1 erkennen lässt, die Tatsache, ob einer Person bei persönlichen Problemen Ansprechpartner im Freundeskreis zur Verfügung stehen. Bei Personen die manchmal über Ansprechpartner verfügen, erhöht sich die Lebenszufriedenheit lediglich um 0,326 auf den Wert 5,094, jedoch ist dieser Koeffizient mit einem p-Wert von 0,399 nicht signifikant. Verfügt man hingegen immer über Ansprechpartner, so steigt die Lebenszufrie­denheit um 1,325 auf den Wert 6,093 an, wobei dieser Koeffizient mit einem p-Wert von 0,000 höchst signifikant ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Erhöht die soziale Interaktion mit anderen Menschen die Lebenszufriedenheit? Das Ausüben von Ehrenämtern und die individuelle Freizeitgestaltung als Formen der zwischenmenschlichen Kontakte
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Übung Methoden der quantitativen Sozialforschung II
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V383777
ISBN (eBook)
9783668593039
ISBN (Buch)
9783668593046
Dateigröße
1029 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erhöht, interaktion, menschen, lebenszufriedenheit, ausüben, ehrenämtern, freizeitgestaltung, formen, kontakte
Arbeit zitieren
Antje Kalina (Autor), 2014, Erhöht die soziale Interaktion mit anderen Menschen die Lebenszufriedenheit? Das Ausüben von Ehrenämtern und die individuelle Freizeitgestaltung als Formen der zwischenmenschlichen Kontakte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383777

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