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Kirche und Staat in der DDR. Der Konflikt um Erziehung und Bildung am Beispiel der Schule

Titel: Kirche und Staat in der DDR. Der Konflikt um Erziehung und Bildung am Beispiel der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 26 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Florian Fischer (Autor:in)

Didaktik - Politik, politische Bildung
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Nach dem Ende des Krieges wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nahezu alle Bereiche des Lebens von einer grundlegenden Veränderung geprägt. Dabei wurde die gesamte Gesellschaft nach sowjetischen Vorbild gestaltet, deren Strukturen auf die gesellschaftlichen Bereiche übertragen und die marxistisch-leninistische Weltanschauung als ideologische Grundlage integriert, die den Herrschaftsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) legitimieren sollte.

Hierzu nahm das Bildungs- und Erziehungswesen eine wesentliche Rolle ein. Dabei sollte neben der Wissensvermittlung auch das Ideal der sozialistischen Persönlichkeit, welche das sozialistische Klassenbewusstsein, kollektive Verantwortung, Allgemeinbildung, ein großes fachliches Wissen, Disziplin und kulturelles Interesse verkörpert, im Vordergrund stehen: „Alle Staats- und Wirtschaftsorgane betrachten die allseitige Erziehung, Bildung und Förderung jedes jungen Menschen zu einer sozialistischen Persönlichkeit als eine ihrer wichtigsten Aufgaben“. Dies sollte vor allem innerhalb der Schule, aber auch durch staatliche Massenorganisationen wie die Jungen Pioniere oder die Freie Deutsche Jugend (FDJ) erreicht werden.

Vor dem Ende des Krieges hatte auch die Kirche einen großen Anteil an der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen sowohl in, als auch außerhalb der Schule, weshalb die Frage naheliegt, inwiefern die Kirche diese Rolle im System der DDR noch vollziehen konnte und welchen Einschränkungen sie hierbei unterworfen war. Dazu muss zunächst die Umgestaltung der Schule seit dem Beginn der DDR betrachtet werden, um strukturelle, die Kirche betreffende, Änderungen zu verdeutlichen.
Anschließend soll der generelle Konflikt zwischen Kirche und Staat verdeutlicht werden, um abschließend die Thematisierung der Religion im Unterricht der DDR zu analysieren. Hierbei soll anhand der Schulbuchanalyse der evangelischen Kirche von 1986/87 und der Betrachtung des Staatsbürgerkundeunterrichts der siebten Klasse, die Frage geklärt werden, inwiefern die Religion in der DDR noch von Bedeutung war oder ob sie verdrängt wurde, um anschließend ein Fazit zu ziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Umgestaltung des Schulwesens

2.1 Neuordnung bis 1949

2.2 Weitere Veränderungen bis 1989

3. Der Konflikt zwischen Kirche und Staat zwischen 1949 und 1989

3.1 Die Auseinandersetzung um die Junge Gemeinde

3.2 Streit um den Religionsunterricht und die Einführung der Jugendweihe

3.3 Die Friedensbewegung

4. Thematisierung von Religion im Unterricht

4.1 Schulbuchanalyse 1986/87

4.2 Der Staatsbürgerkundeunterricht

4.3 Die Verdrängung der Religion

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Kirche und Staat in der DDR unter besonderer Berücksichtigung des Bildungs- und Erziehungswesens. Dabei wird analysiert, wie der Staat durch strukturelle und inhaltliche Maßnahmen versuchte, ein Erziehungsmonopol zu etablieren, um die sozialistische Gesellschaftsordnung zu festigen und den Einfluss religiöser Institutionen systematisch zu verdrängen.

  • Struktureller Umbau des Schulwesens in der SBZ und DDR
  • Der staatliche Konflikt mit der Jungen Gemeinde
  • Die Verdrängung religiöser Bildung durch die Einführung der Jugendweihe
  • Analyse des Staatsbürgerkundeunterrichts hinsichtlich der Thematisierung von Religion

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Auseinandersetzung um die Junge Gemeinde

Die Junge Gemeinde stellt einen überregionalen Zusammenschluss der gemeindlichen Jugendarbeit dar, der seit 1950 existierte. Zunächst von Ortspfarrern ausgehend, agierten auch Kreis- und Landesjugendpfarrer als leitende Organe, weshalb die Junge Gemeinde nicht nur als regionale Erscheinung angesehen wurde und daher als Konkurrent für die FDJ angesehen wurde, der zudem das Bildungsmonopol des Staates gefährden könne. Bereits seit ihrer Gründung wurde der kirchlichen Jugendorganisation unterstellt, dass sie die Jugend spalten und diese von der FDJ entfernen wolle. Dieser Eindruck wurde die dort stattfindenden Aktivitäten – beispielsweise die Besprechung von weltlichen Themen und gemeinsame Wanderungen – noch verstärkt.

In der Folgezeit blieb eine Konfrontation zwischen Kirche und Staat zunächst aus, da die DDR eine eher kirchenfreundliche Haltung vertrat, um bestehende Vorurteile von westdeutschen Demonstranten abzubauen. Außerdem wurde der Kirchentag 1951 zur Verbreitung von östlicher Friedenspropaganda genutzt. Diese Zurückhaltung sollte jedoch im Mai 1952 beendet werden, da die bisherigen Maßnahmen wenig wirkungsvoll waren, sodass es schließlich zu einer offenen Konfliktaustragung kam.

Dabei wurde der Jungen Gemeinde vorgeworfen, dass sie eine schlagkräftige Organisation sei, die Mitglieder mit unerlaubten Maßnahmen werbe. Außerdem habe sie zum Ziel den Unterrichtsablauf zu stören sowie die Jugend an den Oberschulen und in der FDJ zu spalten. Hierzu seien Mitglieder der Jungen Gemeinde in die FDJ eingetreten, um diese Zersplitterung besser erreichen zu können. Auch wurden Vorwürfe aufgestellt, dass die Kirchenorganisation von westlichen Kräften gelenkt werde, um den Aufbau der DDR zu stören.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den grundlegenden Wandel der Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild und die damit einhergehende Etablierung der marxistisch-leninistischen Weltanschauung im Bildungssektor.

2. Die Umgestaltung des Schulwesens: Dieses Kapitel erläutert die strukturellen Reformen des DDR-Bildungssystems zur Beseitigung nationalsozialistischer Elemente und zur Stärkung des sozialistischen Erziehungsziels.

3. Der Konflikt zwischen Kirche und Staat zwischen 1949 und 1989: Hier wird der systematische Kampf gegen kirchliche Jugendarbeit und die schrittweise Verdrängung der Kirche aus dem Bildungssektor mittels staatlicher Instrumente wie der Jugendweihe dargelegt.

4. Thematisierung von Religion im Unterricht: Dieses Kapitel analysiert anhand von Schulbuch- und Unterrichtsbeispielen, wie Religion inhaltlich aus dem schulischen Kanon verbannt oder durch staatliche Ideologie ersetzt wurde.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die DDR-Führung erfolgreich ein Erziehungsmonopol installierte, das jeglichen religiösen Einfluss als störend eliminierte.

Schlüsselwörter

DDR, Sozialismus, SED, Kirche, Staat, Bildungswesen, Schule, Religionsunterricht, Junge Gemeinde, Jugendweihe, Erziehungsdiktatur, Staatsbürgerkundeunterricht, Indoktrination, Sozialistische Persönlichkeit, Friedensbewegung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den systematischen staatlichen Versuch in der DDR, das Bildungs- und Erziehungswesen ideologisch zu kontrollieren und den Einfluss der Kirche darin vollständig zu eliminieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen der strukturelle Umbau des Schulsystems, der politische Druck auf kirchliche Jugendgruppen sowie die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts nach den Vorgaben der SED.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die DDR ein staatliches Bildungsmonopol schuf und welche Maßnahmen genutzt wurden, um Religion aus dem Alltag von Schülern zu verdrängen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Bildungsreformen, Gesetzen sowie eine inhaltliche Untersuchung von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien der siebten Klasse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Konflikt zwischen staatlichen Strukturen und kirchlichen Institutionen chronologisch analysiert, wobei auch die Rolle der Schulbuchanalyse und des Staatsbürgerkundeunterrichts beleuchtet wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind DDR, Sozialismus, SED, Erziehungsdiktatur, Kirche, Bildungswesen, Jugendweihe und Indoktrination.

Welche Rolle spielte die "Junge Gemeinde" in diesem Konflikt?

Die Junge Gemeinde wurde vom DDR-Regime als Konkurrent zur FDJ und als Bedrohung für das Bildungsmonopol wahrgenommen, was zu massiven Repressionen führte.

Warum wurde die Jugendweihe eingeführt?

Die Jugendweihe diente als staatliches Ersatzangebot zur Konfirmation, um die religiöse Beeinflussung der Jugend zu unterbinden und die Heranwachsenden stärker an die sozialistische Weltanschauung zu binden.

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Details

Titel
Kirche und Staat in der DDR. Der Konflikt um Erziehung und Bildung am Beispiel der Schule
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Florian Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V383783
ISBN (eBook)
9783668596863
ISBN (Buch)
9783668596870
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kirche staat konflikt erziehung bildung beispiel schule
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Fischer (Autor:in), 2017, Kirche und Staat in der DDR. Der Konflikt um Erziehung und Bildung am Beispiel der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383783
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Leseprobe aus  26  Seiten
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