Ein Vergleich von Partnerwahltheorien zur Homogamie und Heterogamie

"Gleich und Gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an"?


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,70


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theorien zur Partnerwahl
2.1 Theorien der Homogamie
2.2 Theorien der Heterogamie

3. Befunde empirischer Studien

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Das Thema Liebe und die damit verbundene Wahl des passenden Partners stehen in unserer modernen Gesellschaft im Mittelpunkt des Interesses der Menschen. Die Vielzahl der Publi­kationen über den Bereich der Partnerwahl zeigt jedoch auch das Interesse der Soziologie an diesem Thema auf. Dennoch ist Partnerwahl keine moderne Erfindung, denn schon bei früheren Kulturen und auch in den vergangenen Jahrhunderten spielte die Wahl eines pas­senden Ehepartners eine überaus wichtige Rolle. Dabei fand das Ehepaar nicht durch eine freie Partnerwahl zusammen, die Aufgabe der Partnerwahl fiel stattdessen den Familien und insbesondere dem männlichen Familienoberhaupt zu (Burkart 2008: 174). So lassen sich be­reits in der Vergangenheit Ehen finden, bei der sich die Partner in bestimmten Merkmalen wie dem sozialen Status gleichen, wobei diese homogamen Ehen häufig innerhalb bestimm­ter sozialer Kreise geschlossen wurden (Hill/Kopp 2013: 123ff.). Andererseits gab es aber auch in der Vergangenheit bereits viele heterogame Ehen, also Ehen, bei denen die Ehepart­ner über unterschiedliche Merkmale wie den sozialen Status verfügten. So gab es in der Ge­schichte viele Eheschließungen über soziale Standesgrenzen hinweg, wie sich besonders an der üblichen Aufwärtsheirat von Frauen in der Geschichte zeigt, wodurch Frauen erheblich an sozialem Status gewannen (Hill/Kopp 2013: 123ff.). In modernen westlichen Gesellschaf­ten sind arrangierte Ehen jedoch selten geworden. Stattdessen herrscht das Modell der freien Partnerwahl vor, wobei Ehen vor allem aus Liebe geschlossen werden. Dennoch lässt sich auch in westlichen Kulturen, bei denen die Partnerwahl auf Liebe basiert, eine hohe so­ziale Strukturierung in Bezug auf den Bildungsgrad, das Alter oder den sozialen Status finden (Nave-Herz 2013: 120f.). Ob sich daraus jedoch ableiten lässt, dass es heute mehr homoga­me als heterogame Partnerschaften gibt, soll im Laufe dieser Hausarbeit untersucht werden. Zu Beginn dieser Hausarbeit sollen daher zunächst die Begriffe Homogamie als auch Hetero- gamie näher erläutert werden, bevor daran anschließend sowohl homogame als auch hete­rogame Partnerwahltheorien vorgestellt werden. Daran anknüpfend soll durch empirische Befunde die Frage beantwortet werden, ob es in unserer modernen Gesellschaft mehr ho­mogene als heterogame Partnerschaften gibt und welche Merkmale hierbei den größten Einfluss haben.

2. Theorien zur Partnerwahl

In diesem Kapitel sollen verschiedene Theorien der Partnerwahl vorgestellt werden, die sich in homogame und heterogame Partnerwahltheorien unterscheiden lassen. Unter Homoga­mie versteht man eine Gleichartigkeit der Partner, vor allem in Bezug auf das Alter, die Kon­fession, die Klassenzugehörigkeit oder das Bildungsniveau. Von homogamen Partnerschaften wird also immer dann gesprochen, wenn sich die beiden Partner in diesen Merkmalen äh­neln (Fuchs-Heinritz et al. 2011: 280). Homogamie führt daher zu einer Heirat innerhalb so­zialer Gruppen. Darüber hinaus wird vermutet, dass durch die Ähnlichkeit der Partner ho­mogame Beziehungen stabiler sind als heterogame Partnerschaften (Reinhold et al. 2000: 265). Heterogamie bezeichnet als Gegenteil von Homogamie hingegen die Ungleichartigkeit zweier Partner bezüglich Merkmalen wie Alter, Konfession, Klassenzugehörigkeit oder Bil­dungsniveau. Somit unterscheiden sich in heterogamen Beziehungen die Partner in diesen Merkmalen voneinander, so dass in diesem Fall von einer Heirat zwischen sozialen Gruppen gesprochen werden kann (Fuchs-Heinritz et al. 2011: 280). Für diese beiden gegenteiligen Begriffe der Homogamie und der Heterogamie bei der Partnerwahl existieren im Volksmund zwei bekannte Sprichwörter, so lässt sich Homogamie mit dem volkstümlichen Sprichwort „Gleich und Gleich gesellt sich gern" umschreiben, während der Begriff der Heterogamie mit dem Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an" umschrieben werden kann.

2.1 Theorien der Homogamie

Zu den homogamen Theorien der Partnerwahl lassen sich unter anderem die Strukturtheorie nach Blau und die Fokustheorie nach Feld zählen, welche nun näher vorgestellt werden sol­len.

Bei der makrosoziologischen Perspektive der Strukturtheorie nach Blau steht die Sozialstruk­tur der Gesellschaft im Mittelpunkt, wobei die Bevölkerung sozusagen auf verschiedene so­ziale Positionen verteilt wird, so dass die Sozialstruktur demzufolge einem multidimensiona­len Raum von sozialen Positionen entspricht (Teckenberg 2000: 52). In diesem mehrdimen­sionalen Raum befinden sich die einzelnen Individuen abhängig von ihren Merkmalsausprä­gungen. Dadurch bestimmt das Ausmaß des Zusammenhangs dieser Merkmalsausprägun­gen, inwiefern sich durch diese Merkmalsausprägungen gebildeten sozialen Kreise über­schneiden. Findet keine Überschneidung dieser sozialen Schichten statt, spricht man von einer geschlossenen Gesellschaft. Soziale Kreise bestimmen nach der Strukturtheorie von

Blau die Möglichkeit der Kontaktaufnahme innerhalb und außerhalb einer sozialen Position. Es wird angenommen, dass Beziehungen zwischen zwei Partnern umso unwahrscheinlicher werden, desto größer die Distanz des sozialen Status zwischen diesen beiden Partnern ist. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich mit zunehmender sozialer Distanz auch die Unter­schiede zwischen den Partnern in Bezug auf ihren Lebensstil vergrößern. Daraus wird gefol­gert, dass mit einem größeren unterschiedlichen Lebensstil auch die Wahrscheinlichkeit ei­ner Eheschließung sinkt (Hill/Kopp 2013: 134f.).

Bei der Fokustheorie nach Feld findet die Partnerwahl anders als bei der Strukturtheorie nach Blau nicht in abstrakten sozialen Räumen statt, sondern in kleinen sozialen Aktions­räumen der Individuen, welche über eine hohe soziale Strukturierung verfügen. Um die wichtigsten Aspekte der sozialen Umgebung werden soziale Aktivitäten organisiert (Hill/Kopp 2013: 136). Diese Orte, an denen sich Menschen begegnen und besonders häufig miteinander interagieren, werden bei Feld als Fokus bezeichnet. Typische Foki können bei­spielsweise der Arbeitsplatz, Vereine, Szene-Orte aber auch das Wohnviertel sein. Foki struk­turieren die Kontaktchancen der Menschen, da sich an diesen Orten besonders häufig Men­schen begegnen, die ähnliche Merkmale oder Interessen verbindet (Huinink/Konietzka 2007: 128). Daraus folgt, dass die Wahrscheinlichkeiten des Kennenlernens potenzieller Partner nicht sozial zufällig verteilt sind, sondern durch Foki als kleinräumliche Opportunitätsstruktu­ren mitbestimmt werden, weshalb Partnerschaften, die innerhalb dieser Foki entstehen, eher homogam sind. Dass Menschen, die sich treffen, eher ein Paar bilden, lässt sich auch mit dem Ausspruch „Who does not meet, does not mate" der meeting-and-mating-These umschreiben. Demzufolge hängt die Partnerwahl von Gelegenheitsstrukturen ab, also ob sich Personen überhaupt treffen (Hill/Kopp 2013: 136).

Jedoch muss berücksichtigt werden, dass den auf Homogamie ausgerichtete Partnerwahl­theorien durch den Heiratsmarkt Grenzen gesetzt werden. Dies geschieht, wenn bestimmte Eigenschaften unter Männern und Frauen nicht gleichverteilt sind. Bei einem unterschiedli­chen Bildungsniveau zwischen den Geschlechtern, wie dies in Deutschland vor der Bildungs­expansion in den 1960er Jahren, häufig der Fall war, kommt es der Homogamieregel nach dazu, dass nur ein Teil der Gesellschaft Partnerschaften eingehen kann, während der restli­che Teil der Bevölkerung entweder partnerlos bleibt oder „zu ,abweichendem Verhalten' gezwungen ist" (Klein 2000: 231). Abbildung 1 soll das Homogamieprinzip am Beispiel des Bildungsniveaus darstellen. Hierbei wird zur Verdeutlichung der Homogamieregel zwischen einer gleichen Verteilung des Bildungsgrads zwischen den Geschlechtern und einer unglei­chen Verteilung dieses Merkmals unterschieden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Darstellung des Homogamieprinzips anhand des Bildungsniveaus mit Unterscheidung zwischen einer Gleichverteilung des Merkmals Bildung zwischen den Geschlechtern (perfekte Homogamie) und einer ungleichen Verteilung des Merkmals Bildung zwischen Männern und Frauen. Quelle: Eigene Darstellung nach Klein (2000: 232).

Jedoch ist der Heiratsmarkt dynamischen Prozessen unterworfen, die die Homogamiequote von Partnerschaften durchaus verringern können. So ist diese Homogamiequote bei einer Homogamie in Bezug auf das Alter beispielsweise umso niedriger, desto höher das Heiratsal­ter ist. Ursache hierfür ist, dass mit einem zunehmenden Alter bereits eine immer größer werdende Anzahl von potentiellen Partnern in demselben Altersbereich bereits in einer Partnerschaft oder sogar verheiratet ist. Somit wird der Partnermarkt in diesem Fall mit zu­nehmendem Alter immer kleiner. Dadurch wird wiederrum die Wahrscheinlichkeit verrin­gert, einen in diesem Merkmal homogenen Partner zu finden. In den Augen der Partnersu­chenden verbleiben somit nur noch diejenigen Personen auf dem Partnermarkt, die entwe­der nur eine geringe Bindungsneigung mitbringen oder die andere Personen nicht als Partner ausgewählt haben. Es wird jedoch angenommen, dass in diesem Stadium eine zunehmende Kompromissbereitschaft einsetzt und dass sich daher auch Partner finden, die weniger ähn­lich sind. Damit verschärft sich das Ungleichgewicht des Partnermarktes in Bezug auf homo­game Beziehungen jedoch noch weiter, da hierdurch eher heterogame Partnerschaften be­günstigt werden (Klein 2000: 233f.).

2.2 Theorien der Heterogamie

Zu den heterogamen Partnerwahltheorien lässt sich vor allem der ökonomische Ansatz der Partnerwahl zählen, welcher dem familienökonomischen Ansatz nach Becker entspringt. Aber auch die Komplementaritätshypothese nach Winch, sowie der evolutionspsychologi­sche Erklärungsansatz nach Buss entsprechen heterogamen Theorien der Partnerwahl.

Betrachtet man den ökonomischen Ansatz, so sind die Individuen rationale Akteure, die nach einer Maximierung ihres Nutzens streben. Demzufolge gehen Paare dann eine Beziehung ein, wenn sie durch eine Zusammenlegung ihrer persönlichen Ressourcen effizient so ge­nannte commodities produzieren können. In Partnerschaften, die bei dem ökonomischen Ansatz nach Becker als Produktionsgemeinschaften betrachtet werden, sind commodities Güter oder Leistungen, die der Befriedigung von Wohlfahrtsbedürfnissen dienen, die jedoch nicht am Markt erworben, sondern nur innerhalb von Partnerschaften produziert werden können (Huinink/Konietzka 2007: 131). Das wohl wichtigste Gut, dass innerhalb von Partner­schaften produziert werden kann, sind wohl Kinder. Bei der mikrosoziologischen Erklärung von Becker stellen Kinder den zentralen Heiratsgrund dar, spenden jedoch auch einen psy­chologischen Nutzen. Darüber hinaus lassen sich durch eine Produktionsgemeinschaft auch Güter wie Zuwendung, Fürsorge, Vertrauen und Ansehen herstellen (Teckenberg 2000: 61 f.). Für eine effektive Produktion dieser Güter ist es jedoch notwendig, dass sich Personen zu Paaren verbinden, die sich in ihren persönlichen Eigenschaften und Ressourcen besonders gut ergänzen. Dieser Zusammenschluss durch Ergänzung dient in erster Linie der Nutzenma­ximierung der Partner bei der Produktion der commodities. Da die meisten Charaktereigen­schaften jedoch Komplemente sind, sollten nach Becker vor allem diejenigen Personen eine Partnerschaft eingehen, bei denen es durch die Zusammenlegung zweier gegensätzlicher Eigenschaften zu einer positiven Korrelation kommt. Beispiele hierfür können unter ande­rem Erziehung, Sozialisation, Intelligenz, körperliche Attraktivität, Alter oder auch das Ver­mögenseinkommen sein. Jedoch können sich nach dem ökonomischen Ansatz auch substitu­tive Merkmale eine positive Auswirkung auf den Ehegewinn haben, da es auch trotz einer negativen Korrelation von Eigenschaften zu einem positiven Effekt bei dem Ehegewinn kommen kann. Ein Beispiel hierfür ist das Einkommenspotential. Bei Partnerschaften, in de­nen beide Partner über ein unterschiedliches Einkommenspotential verfügen, gibt es für den Partner mit dem geringeren Einkommenspotential einen hohen Anreiz, sich auf die Hausar­beit und die Kindererziehung zu spezialisieren, während der Partner mit dem höheren Ein­kommenspotential sich auf die Erwerbsarbeit und das Lohneinkommen konzentriert. Bei Paaren mit einem ähnlichen Einkommenspotential ist hingegen der Anreiz, die Erwerbsarbeit aufzugeben und sich auf die Hausarbeit und die Kinderbetreuung zu konzentrieren, deutlich geringer. Dies bedeutet, dass sich nach dem familienökonomischen Ansatz nach Becker vor allem Partnerschaften finden lassen, die in Merkmalen wie Bildung oder Einkommen beson­ders heterogam sind und somit einer Nutzenmaximierung für die Akteure entsprechen.

Eine zweite Theorie der heterogamen Partnerwahl stellt die Komplementaritätshypothese nach Winch dar. Nach ihr suchen Personen bei ihrem potentiellen Partner vor die allem Merkmale, die sie selber nicht besitzen. Somit finden sich hier vor allem in ihren charakterli­chen Eigenschaften und sozialstrukturellen Merkmalen sehr gegensätzliche Paare (Nave- Herz 2013: 135). Bei der Partnerwahl sucht man sich nach Winch daher einen Partner, der möglichst komplementäre Eigenschaften besitzt, wodurch sich ihm zufolge eine maximale Befriedigung der Bedürfnisse beider Partner erreichen lässt. Winch spricht hierbei auch von einer Partnersuche nach der Person „ who gives greatest promise of providing him or her with maximum need gratification" (Winch 1958: 88f.), so dass diese Hypothese auch Need- Complementary-Theory genannt wird (Nave-Herz 2013: 135).

Der evolutionspsychologische Ansatz der Partnerwahl nach Buss soll nur kurz erläutert wer­den, da dieser Ansatz unter Sozialwissenschaftlern aus unterschiedlichen Gründen umstrit­ten ist. Nach dem evolutionspsychologischen Ansatz ist das Ziel der Partnerwahl die Maxi­mierung des Reproduktionserfolgs. Daraus entwickelt sich jedoch die Notwendigkeit, dass Männer und Frauen unterschiedliche Strategien bei der Partnerwahl verfolgen. Männer soll­ten diesem Ansatz nach mehr Nachkommen zeugen und daher möglichst promiskuitiv sein. Somit wird davon ausgegangen, dass Männer bei der Partnerwahl stark auf eine möglichst hohe physische Attraktivität ihrer Partnerinnen bedacht sind. Frauen hingegen sollten die­sem Ansatz nach, dadurch dass sie weniger Nachkommen zeugen können, weniger promis­kuitiv sein und für den maximalen Reproduktionserfolg eher darauf bedacht sein, einen Partner zu finden, der die Frau und die gemeinsamen Nachkommen möglichst gut unterstüt­zen kann. Aus diesem Grund sollten Frauen diesem Ansatz nach bei der Partnerwahl auf den sozialen Status ihres Partners fokussiert sein (Franzen/Hartmann 2001: 183ff.)

3. Befunde empirischer Studien

In Bezug auf das Thema Partnerwahl gibt es zahlreiche Studien, die sich mit Homogamie in Partnerschaften auseinandergesetzt haben. Viele dieser empirischen Untersuchungen konn­ten hierbei aufzeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Ähnlichkeit der Partner und einer hohen Zufriedenheit mit der Partnerschaft gibt. Paare, bei denen sich die Partner in bestimmten Merkmalen ähneln, sind also mit ihrer Beziehung überdurchschnittlich zufrie­den. Darüber hinaus ließ sich feststellen, dass homogame Ehen besonders stabil sind (Bur­kart 2008: 177, Sichelstiel/Söllner 2004: 250). Einige dieser Studien, die sich mit homogamen Partnerschaften auseinandersetzen soll nun nachfolgend näher vorgestellt werden. Aber auch empirische Befunde von Studien, die heterogame Partnerwahltendenzen untersuchten, sollen erläutert werden.

Mit der altershomogamen Partnerwahl beschäftigt sich Klein (2000: 236), da das Alter eines der wichtigsten Faktoren der Partnerwahl gilt. Die Partnersuche konzentriert sich in erster Linie auf einen altersnahen Bereich, da viele Gelegenheiten bei der Partnersuche altersho­mogen vorstrukturiert sind, wie beispielsweise die Schul- oder Berufsausbildung. Jedoch kann mit zunehmendem Alter durchaus eine Verschiebung des Partnermarktes stattfinden, so fand Klein heraus, dass beispielsweise Frauen mit zunehmendem Alter zunehmend jünge­re Partner wählten. Und auch Männer wählten mit höherem Alter eher jüngere Partnerin­nen. Diese mit zunehmendem Alter stärkere heterogame Partnerwahl liegt nach seinen Er­kenntnissen jedoch daran, dass sich mit zunehmendem Alter potentielle Partner des glei­chen Alters bereits in anderen Beziehungen befinden und somit dem Partnermarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund verschiebt sich daher die Partnerwahl zu­gunsten von jüngeren Partnern. Der durchschnittliche Altersunterschied zwischen den Part­nern beträgt jedoch ungefähr drei Jahre, wobei der Mann der Ältere ist. Dieser durchschnitt­liche Altersunterschied von knapp drei Jahren besteht jedoch bereits seit Jahrzehnten und hat sich auch trotz gesellschaftlicher Umbrüche kaum verändert. Somit besteht bei der al­tersbezogenen Partnerwahl eine Präferenz für Partner in einem altersnahen Bereich und ist somit auf Homogamie ausgerichtet (Klein 2000: 237f.). Auch Sichelstiel und Söllner (2004: 250) beschäftigen sich unter anderem mit altersbezogener Partnerwahl. Hierbei kommen ihre Ergebnisse zu dem Schluss, dass Ehen, bei denen der Mann deutlich jünger oder deut­lich älter ist als die Frau über ein erhöhtes Scheidungsrisiko verfügen. Demnach sind alters­homogame Ehen deutlich stabiler und somit erfolgreicher als altersheterogame Ehen. Neben dem Alter beschäftigen sich Sichelstiel und Söllner jedoch auch mit dem Bildungsniveau als Merkmal von Partnerschaften und auch hier lassen die Befunde darauf schließen, dass die Ehezufriedenheit umso höher ist, je ähnlicher der Bildungsgrad der Partner ist. Somit liegt auch hier ein positiver Zusammenhang zwischen der Ähnlichkeit des Paares in Bezug auf die Bildung und die Zufriedenheit mit der Partnerschaft vor, weshalb auch für das Bildungsni­veau die Homogamieregel gilt (Sichelstiel/Söllner 2004: 250f.). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Studie von Blossfeld und Timm, die sich ebenfalls mit dem Bildungsniveau von Paaren beschäftigt. Demzufolge hat die Bildungshomogamie über die Geburtskohorten hinweg zugenommen. Dies begründen Blossfeld und Timm damit, dass der Anteil von bil­dungshomogenen Partnerschaften in älteren Geburtskohorten für beide Geschlechter unge­fähr 46 Prozent betrug, dieser Anteil für die Geburtskohorten von 1964 bis 1978 hingegen fast 70 Prozent beträgt (Blossfeld/Timm 1997: 445ff.). Der Anstieg von bildungshomogenen Partnerschaften konnte auch in einer Studie von Teckenberg (2000: 109ff.) belegt werden, die auf einer Stichprobe von 19.000 bzw. 37.000 Befragten[1] des Media-Mikrozensus von 1978 bis 1987 aufbaut. Bei der Untersuchung bildungsspezifischer Homogenität von Ehepaa­ren stellte Teckenberg fest, dass bei der Eheschließung „vor allem auf die Ähnlichkeit ver­marktbarer Ressourcen geachtet wird" (ebd.: 153) und sieht die Bildungsreform und ihre Auswirkungen als die Ursache für eine zunehmende Bildungshomogenität von Ehepaaren da diese zu einer Angleichung des Bildungsniveaus beider Geschlechter führte. Dass bildungs­homogene Partnerschaften kein rein deutsches Phänomen sind, das sich auf die Bildungsex­pansion der 1960er Jahre begründet, sondern auch im internationalen Vergleich feststellbar sind, geht auf eine Studie von Rüffer (2001: 99ff.) zurück, bei der mit Hilfe der Daten des International Social Survey Programme für den Zeitraum von 1985 bis 1993 acht Länder[2] miteinander verglichen wurden. Auch wenn sich für einige der untersuchten Länder wie für Australien und die Niederlande niedrigere Homogamiepräfenzen zeigten, so fanden sich für andere Länder wie die USA oder Polen stärkere Homogamiepräferenzen. Rüffer führt diese Länderunterschiede darauf zurück, dass bei Ländern mit einer hohen Homogamiepräferenz die Trennlinie zwischen den einzelnen Sozialgruppen wesentlich schärfer verläuft und sich die einzelnen sozialen Gruppen durch eine homogene Partnerwahl und damit verbundene soziale Schließungsprozesse von anderen sozialen Gruppen abgrenzen. Doch trotz dieser bildungshomogenen Länderunterschiede kommt Rüffer zu dem Schluss, dass sich für alle untersuchten Länder Bildungshomogamie feststellen ließ. Es ließ sich jedoch in dieser Studie auch feststellen, dass es für die meisten Länder zu einer leicht sinkenden Bildungshomog- amietendenz kommt. Aus diesem Grund folgert Rüffer (2001: 128), dass es anders als in den Ergebnissen von Blossfeld und Timm (1997) sowie von Teckenberg (2000) nicht zu einem Anstieg, sondern zu einem leichten Abfall von bildungshomogenen Partnerschaften kommt.

[...]


[1] Teckenberg verwendete für den Zeitraum von 1978 bis 1986 eine Stichprobe von etwa 19.000 Befragten, für das Jahr 1987 jedoch eine Stichprobe von ungefähr 37.000 befragten Personen (Teckenberg 2000: 109)

[2] Die bei Rüffer untersuchen Länder waren Australien, Deutschland (alte Bundesrepublik), Niederlande, Irland, Österreich, Polen, Ungarn und die USA (Rüffer 2001: 100).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich von Partnerwahltheorien zur Homogamie und Heterogamie
Untertitel
"Gleich und Gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an"?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Seminar "Familiensoziologie"
Note
1,70
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V383785
ISBN (eBook)
9783668591608
ISBN (Buch)
9783668591615
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partnerwahl, Partnerwahltheorien, Homogamie, Heterogamie, Familiensoziologie, Liebe, Familie, Ehe, Partnerwahltheorie, Partnerschaft, Partnerschaften
Arbeit zitieren
Antje Kalina (Autor), 2014, Ein Vergleich von Partnerwahltheorien zur Homogamie und Heterogamie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383785

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