Neuro-Enhancement. Noch Zukunftsvision oder alltägliches Gebrauchsgut?


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Was bedeutet Neuro-Enhancement?
2.1) RechtlicherHintergrund
2.2) Risiken

3) Arten des Körper-Enhancement
3.1) Kognitives Neuro-Enhancement
3.2) Emotionales Neuro-Enhancement
3.3) Körper-Tuning

4) Tatsächlicher Wirkungsgrad und Anwendungsbereich

5) Moralische Fragestellung

6) Fazit

1) Einleitung

Wird nach einem Begriff verlangt, der unsere Gesellschaft und das, was sie heute ausmacht, umschreibt, so wird der Name „Leistungsgesellschaft“ zwangsläufig fallen. Nicht nur in Sport oder Beruf, bereits in Schule und Studium muss alles schneller, besser, schöner oder einfach perfekter sein. Alle müssen die bestmöglichste Leistung und zwar zu jeder Zeit erbringen, was dazu stets überprüft wird. Wir befinden uns in einer Gesellschaft der ständigen Erreichbarkeit und dem stetig wachsenden medialen Informationsfluss. Nicht selten widerstrebt dies dem persönlichen Wohlsein, wodurch sich Personen einem Druck ausgesetzt fühlen, dem dann schnell eine Überforderung folgt. Dies äußert sich in dem modernen und stetig wachsenden Phänomen der Burn- Out-Erkrankungen, deren Rate ebenfalls stetig teigt.

Es ist nur verständlich, dass, um diesen Druck zu umgehen, nach einer Möglichkeit der Leistungssteigerung gesucht wird. In erster Linie wird dies von Konzernen genutzt, die mit Energy- und Abnehmprodukten werben, die bereits nach kurzer Zeit eine Verbesserung versprechen. Doch sind dies oft falsche Versprechungen, weshalb nach anderen, extremeren Maßnahmen gesucht wird, die erfolgversprechender erscheinen. Diese Maßnahmen können unterschiedlicher Art sein, so beispielsweise das Doping im Sport, Körpermodifikationen, die der Ästhetik dienen, Stimmungsaufheller oder dem sogenannten „Gehirndoping“, auch Neuro-Enhancement genannt, das Konzentration, Durchhaltevermögen und Denkleistung steigern soll.

Die folgende Hausarbeit wird sich mit den Arten der „körperlichen Enhancements“ auseinandersetzten, insbesondere dem Neuro-Enhancement und den derzeit am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen, deren rechtliche und gesundheitliche Hintergründe, sowie ihre ethische bzw. moralische Eingliederung in der Gesellschaft. Es soll dabei herausgearbeitet werden, wie weit verbreitet und toleriert ihr Gebrauch ist, oder ob es sich dabei noch um Missbrauch handelt und inwieweit die futuristischen Vorstellungen eines perfekten, modifizierten Menschen bereits Realität und nicht länger Fiktion sind.

2) Was bedeutet Neuro-Enhancement?

Wird der englische Begriff Enhancement ins Deutsche übersetzt, heißt dies so viel wie „Erweiterung“. Spricht man vom körperlichen Enhancement, so meint dies alle Erweiterungen, die dem menschlichen Körper zugefügt werden können, um ihn in einer gewissen Hinsicht zu optimieren. Diese Optimierung kann z.B. ästhetischer, kognitiver oder emotionaler Natur sein und durch Medikation oder Operation erfolgen.

In der Literatur existiert seitje her ein Bild vom „verbesserten Menschen“. Im Science Fiction Genre werden Konstellationen des Möglichen entworfen, wobei reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktiven Vorstellungen verknüpft werden. Die Veränderung des menschlichen Körpers stellt dabei ein wiederkehrendes Motiv dar und zeigt sich in Figuren, wie denen der genetisch veränderte Mutanten oder biotechnisch modifizierten Cyborgs. Die Ideen dahinter erscheinen auf den ersten Blick abstrakt, doch nimmt man ihnen das Extreme und untersucht das tatsächlich stattfindende Streben des Einzelnen nach übermenschlichen Leistungen, stellt sich bloß noch die Frage, inwieweit sich Fiktion von tatsächlichen Möglichkeiten des körperlichen Enhancement heute noch unterscheidet.

Der Begriff Neuro-Enhancement als solcher ist noch sehr jung, da es sich um ein modernes Phänomen handelt. Er beschreibt „die nicht medizinisch indizierte Verabreichung und Anwendung von Medikamenten, die ursprünglich für Krankheitsbilder wie Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Narkolepsie, Depression oder Demenz entwickelt wurden.“1 Dies soll der Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit bzw. der psychischen Befindlichkeit, mit denen keine therapeutischen oder präventiven Absichten verfolgt werden, dienen. Darunter fallen also Chemikalien, die gesunde Menschen zur Leistungssteigerung einnehmen, wobei sich natürlich die Frage stellt, wo die Grenzen der Neuro-Enhancer liegen. Ob bereits der Konsum von Kaffee, Energy-Drinks, Traubenzucker Bon-Bons oder Koffeintabletten als Neuro-Enhancement gewertet werden soll, ist ebenfalls zu klären.

Wird Kaffee als Beispiel gewählt, sollte zunächst untersucht werden, was ihn und seine Wirkung ausmacht. Kaffee gilt als Nahrungsmittel. Für die meisten Menschen gehört eine Tasse Kaffee zum Alltag und ist aus ihm nicht wegzudenken. Geschätzt wird er wegen seiner weckenden Wirkung und Steigerung der Konzentration. Aber ist dies nicht 1 Christa Berger (2011): Pharmakologisches Neuro-Enhancement, Auslegeordnung für die Suchtprävention; Zürich genau das, was einen Neuro-Enhancer ausmacht? Dazu sollen hier die chemischen Inhaltsstoffe von Kaffee und deren Wirkung vorgestellt werden. So enthält beispielsweise eine 125 mL Tasse Filterkaffee zwischen 80-120 mg des Bitterstoffs Koffein[1]. Dabei handelt es sich um ein Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine, also einer Art der Stimulantien oder psychotropen Substanzen. Es liegt auf stofflicher Ebene als weißes, kristallienes Pulver vor. Was seine Wirkung angeht, so regt Koffein temporär das zentrale Nervensystem an, erhöht die Herzfrequenz, verengt und erweitert spezielle Blutgefäße im Gehirn, fördert Enzymreaktion und vieles mehr. Es hat also ein sehr breites Wirkungsspektrum. Doch ist Koffein nicht der einzige Inhaltsstoff des Kaffees. Es liegt außerdem das ß-Carbolin Harman vor, welches eine geringe Hemmung bzw. der Steigerung der Übertragung von Nervenimpulsen verursacht. Beide dieser natürlichen Inhaltsstoffe können in höherer Dosis in Tablettenform vertrieben werden. Die Koffeintablette findet dazu besondere Beliebtheit. Ein weiteres Beispiel stellen Energy­Drinks dar. Sie enthalten ebenfalls Koffein und auch Taurin, das auch die Nervensignalletiung des zentralen Nervensystems stimuliert. Aber allem voran enthalten sie Zucker. Auch Zucker wird zur temporären Steigerung der Leistung eingesetzt. Der Einfachzucker Glucose (umgangssprachlich Traubenzucker) wird dabei besonders gern eingenommen, um eine sehr schnelle Wirkung zu erhalten. Zucker ist der Energielieferant für den menschlichen Körper, da durch enzymatosche Vorgänge wie z.B. der Glykolyse Zucker direkt in Energie umgewandelt wird. Mehr Energie bedeutet dabei bessere kognitive Fähigkeiten bzw. deren maximale mögliche Leistungserbringung. Doch wird niemand auf die Idee kommen Zucker als Neuro­Enhancer zu klassifizieren.

Es ist festzuhalten, dass diese organisch natürlichen Genuss- und Nahrungsmittel gesellschaftlich größtenteils akzeptiert sind, auch wenn sie immer wieder als Thema in den Medien auftauchen. Anders und auch schwieriger ist es bei den nachfolgenden pharmazeutischen und neurotechnischen Stoffen. Bei ihnen handelt es sich meistens um synthetische Verbindungen, die dazu auch nicht frei käuflich, sondern nur durch ein ärztliches Rezept erhältlich sind. Dies soll zunächst das Entscheidungskriterium sein, welches Neuro-Enhancer von allem anderen unterscheidet.

2.1) Rechtlicher Hintergund

Mit der Einnahme bestimmter Medikamente können immer bestimmte Risiken einhergehen. Besonders die hier behandelten pharmazeutischen Mittel, die der Gruppe psychoaktiv steuernden Medikamente angehören, sind oft nicht ausreichend auf Risiken untersucht, die sie bei einem vollkommen gesunden Menschen mit sich bringen würden. Dies ist unter anderem der Grund dafür, dass die vermeintlich leistungssteigernden Neuro-Enhancer unter das Betäubungsmittelgesetz[2] fallen. Ihre rezeptfreie Beschaffung oder ihr Verkauf sind illegal und dadurch eine Straftat, wie es auch bei illegalen Drogen der Fall ist. Gesetzlich ist der Vertrieb demnach genauestens geregelt, allerdings ist das Verbot der rezeptfreien Beschaffung in Deutschland kein Garant dafür, dass dieses auch eingehalten wird. In Zeiten des Internets ist es überhaupt kein Problem an verschreibungspflichtige Medikamente zu kommen. Gerade das ADHS-Medikament Ritalin steht dabei hoch im Kurs. Dafür reicht es die Worte „Ritalin“ und „kaufen“ in eine Suchmaschine einzugeben. Es wird in Online-Shops[3] mit rezept- und zollfreiem Verkauf von Neuro-Enhancern geworben. Die dort verkauften Präparate stammen aus dem Ausland, z.B. den Niederlanden und werden schwarz verkauft. Eine andere Möglichkeit ist die, die Medikamente direkt aus der Apotheke oder vom Arzt zu erhalten. Ein Student berichtet folgendes: „(...) Danach habe ich angefangen, mir das Ritalin, manchmal auch Modafinil, selbst zu besorgen. Ich habe es mir vom Arzt verschreiben lassen. Den davon zu überzeugen, war auch nicht wirklich schwer: Ich hatte mir einfach im Internet durchgelesen, was ADS kennzeichnet.“[4] Dieser Bericht wird von dem Ergebnis der DAK-Bevölkerungsumfrage von 2008 gestützt. Dort wurden Bürger nach ihren Erfahrungen mit leistungsteigernden Medikamenten befragt und es kam heraus, dass sich rund 28.3 % ihre „Empfehlung“ von einem Arzt und 10.7 % von einem Apotheker beschaffen konnten.[5]

2.2) Risiken

Bei nahezujeder Medikamenteinahme können gewisse Nebenwirkungen auftreten. Dies ist bei Neuro-Enhancern nicht anders. Bei Ritalin beispielsweise gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen[6] verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Nervosität und Übelkeit zu Beginn der Behandlung. In weniger häufigen Fällen kann es aber auch zu gravierenderen Nebenwirkungen kommen, wie Orientierungslosigkeit, akustischen und visuellen Halluzinationen, Manien, Depressionen und Psychosen.

Das problematische an alldem ist der Umstand, dass die Medikamente auf Personen eingestellt sind, die auch tatsächlich eine Krankheit aufweisen. Welche Wirkung sie auf Menschen haben, die unter keiner der jeweiligen Krankheiten leiden, ist dabei weitesgehend unerforscht. Und gerade bei ungenauer bzw. unkontrollierter Einnahme unter keiner Anleitung eines Arztes, also einer Überdosierung, können sie zu Langzeitschäden oder sogar einer Medikamentabhängigkeit führen. So wieder der Erfahrungsbericht eines Betroffenen: „Die Rezepte waren für je eine Tablette täglich, die habe ich dann gehortet, weil ich in den Prüfungsphasen mehr davon brauchte. Dann waren es sogar manchmal bis zu vier oder fünf Tabletten am Tag. Das Zeug wirkt dann in einer Art Teufelskreis: Wenn die Wirkung nachlässt, fühlt man sich erschöpft, umso unkonzentrierter und hat den drängenden Wunsch, noch eine Tablette zu nehmen. So kommt man sehr schnell in eine psychische Abhängigkeit.“[7]

3) Arten des Körper-Enhancement

Wie bereits zu Beginn dieser Arbeit angedeutet, gibt es viele Arten des Enhancements, die dadurch klassifiziert sind, je nachdem welchem Zweck sie dienen. Da gibt es einerseits das Neuro-Enhancement, welches wieder in zwei Arten aufgeteilt werden kann (siehe Abbildung 1.) und zwar in „kognitives Neuro-Enhancement“ und in „emotionales Neuro-Enhancement“. Ersteres verfolgt das Ziel der kognitiven Verbesserung, so auch der Leistungs- und Konzentrationssteigerung.

Das Zweite verfolgt den Zweck der übermäßigen Stimmungsaufhellung durch sogenannte „happy pills“[8].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. - Arten des Neuro-Enhancement (Darstellung angelehnt an Thorsten Galeri (2010): Neuro­Enhancement als Herausforderung der Selbstbestimmung)

[...]


[1] Charles E. Mortimer (2010): Chemie; 10. Auflage; Thieme Verlag, Stuttgart

[2] Vgl.: Dennis Tamke (2010): Braindoping - Eine Folge des Bologna-Prozesses?; Books on Demand GmbH; Norderstedt; S. 6f

[3] Ein Beispiel: http://aUes-rezeptfrei.net/ritalin-bestellen/

[4] http://www.fluter.de/de/doping/thema/9003/

[5] IGES Institut (2009): DAK Gesundheitsreport 2009, Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten. Schwerpunktthema Doping am Arbeitsplatz; S.53

[6] http://www.zentrum-der-gesundheit.de/ia-ritalin-nicht-unschaedlich.html

[7] http://www.fluter.de/de/doping/thema/9003/

[8] Thorsten Galert (2010): Neuro-Enhancement als Herausforderung der Selbstbestimmung

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Neuro-Enhancement. Noch Zukunftsvision oder alltägliches Gebrauchsgut?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V383802
ISBN (eBook)
9783668596115
ISBN (Buch)
9783668596122
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neuro-enhancement, noch, zukunftsvision, gebrauchsgut
Arbeit zitieren
Laura Wirths (Autor), 2015, Neuro-Enhancement. Noch Zukunftsvision oder alltägliches Gebrauchsgut?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383802

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