Shakespeares "Romeo and Juliet" und Baz Luhrmanns Filmadaption "William Shakespeare’s Romeo + Juliet"

Ein Vergleich ausgewählter Themen und Symbole


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vergleich zwischen Theater zu Shakespeares Zeiten und den Möglichkeiten des Filmes
2.1 Das Theater zu Shakespeares Zeiten und Erwartungen an einen Film
2.2 Hinweise auf Shakespeare im Film und die Einteilung des Filmes in

3 Themen und Symbole in der Filmadaption von Baz Luhrmann und deren Bedeutung im Hinblick auf das Theaterstück von Shakespeare
3.1 Symbole der Natur
3.1.1 Die Bedeutung des Wassers
3.1.2 Die Bedeutung der Gestirne
3.2 Christliche Symbole und der katholische Glauben

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die angebliche Kluft zwischen Shakespeare und unserer modernen Zeit Zwei Jahre nach der Premiere seines Filmes „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ tritt der Regisseur des Filmes, Baz Luhrmann, vor ein ausgewähltes Publikum und erklärt seine Gründe, warum er das Bedürfnis verspürt hatte diesen Film zu machen.[1] Er erklärt seinem Publikum, dass Shakespeare etwas mit allen Leuten im Raum gemeinsam habe, nämlich die Tatsache, dass er in einer Stadt wie London, zu der Zeit mit 400.000 Einwohnern, täglich 4.000 Menschen, die meist betrunken, grölend oder flegelhaft waren, eine Karte für eine seiner Vorstellungen verkaufen musste. Baz Luhrmann ist der Überzeugung, dass Shakespeare aus diesem Grunde gezwungen war, Stücke zu schreiben, die „aggressiv, sexy, unterhaltsam und voller Action waren“, denn nur dann wären die Zuschauer still gewesen. Weiter ist sich Baz Luhrmann sicher, dass Shakespeare es aber auch gleichzeitig schaffen musste, Stücke mit solchen Inhalten zu verfassen, dass Menschen „verschiedenster Herkunft“ erreicht werden konnten. Viele Kritiker äußerten über Baz Luhrmanns Filmversion des Stückes „Romeo and Juliet“, dass sie eher einer MTV-Produktion gleiche, und nicht mit dem klassischen Stück, sondern eher mit einem modernen Videoclip vergleichbar wäre (Thiele 2004: 207).

Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, durch Analysen von ausgewählten Themen und Symbolen, welche nur ein Bruchteil der möglichen sind, die zum Teil sowohl im Theaterstück als auch im Film zu finden sind, oder aber auch nur in der Filmversion vorliegen, zu zeigen, dass es durchaus möglich sein kann, Shakespeare in einem „neuen“ Gewand darzustellen, ohne ihm oder seiner Intention untreu zu werden. Außerdem ist es ein weiteres Ziel dieser Hausarbeit, die Komplexität und Mehrdimensionalität des Filmes, nicht nur in Hinblick auf das klassische Bühnenstück, sondern auch in Hinblick auf neue Möglichkeiten, die sich aus dem modernen Medium „Film“ ergeben, darzulegen, denn immerhin hat Baz Luhrmann „mehr als ein Jahr für diesen Film recherchiert“[2] und eins ist sicher: Keine Anspielung ―und sei sie noch so unauffällig― passiert ohne einen wohlüberlegten Hintergedanken des Regisseurs. Auch wenn nicht alle Leitthemen aus dem Film oder dem Theaterstück in dieser Hausarbeit behandelt werden können, soll sie dennoch einen Einblick in die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich heute bieten, geben, um zu verdeutlichen, dass Shakespeare in unserer Zeit noch durchaus bestehen und ständig neu entdeckt werden kann; ganz so, wie es Baz Luhrmann getan hat.

2 Vergleich zwischen Theater zu Shakespeares Zeiten und den Möglichkeiten des Filmes

2.1 Das Theater zu Shakespeares Zeiten und Erwartungen an einen Film

Das Theater zu Shakespeares Zeiten war ein Spektakel für die breite Masse, denn zu einer Zeit in der die Rate der Analphabeten hoch und gedruckte Bücher nicht für jedermann käuflich zu erwerben waren, war der Besuch einer Theateraufführung eine Freizeitbeschäftigung, die nicht nur als erschwinglich, sondern auch als durchaus amüsant galt. Unter den Zuschauern waren unter anderem Arme sowie auch Reiche, als auch Adlige zu finden, denn mit der Bezahlung eines jeden weiteren Penny’s konnte man in immer höhere Ränge des Theaters aufsteigen und sich sogar noch ein Sitzkissen dazu leihen. Schätzungen haben ergeben, dass in der Zeit von 1567 bis zur Schließung der Theater in London 1642, ca. 50 Millionen Einzelbesucher in Theateraufführungen waren (Klein 2000: 45). Theater waren jedoch nicht nur soziale Treffpunkte für die Menschen dieser Zeit ―denn nicht umsonst waren alle öffentlichen Theater außerhalb des Sperrbezirks, aber immer noch innerhalb der Stadtgrenzen Londons zu finden, wo sie in der direkten Nachbarschaft zu Freudenhäusern, Kampfarenen und ähnlichen Etablissements standen― sie waren aber auch gleichzeitig ein wichtiger Katalysator für die ökonomische Entwicklung Londons. Nicht nur Dramatiker und Schauspieler, welche zuvor noch in einem Atemzug mit Bettlern und Aussätzigen genannt worden waren, sich durch die Theater einen gesellschaftlichen Aufstieg verschafften und zugleich auch noch einen gewissen Schutz der Krone genossen, profitierten an dem Ansturm der Zuschauer, sondern auch wohlhabende Persönlichkeiten, die in den Bau eines Theaters investierten; sowie es Shakespeare auch zu späteren Zeiten getan hat (Klein 2000: 45).

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, waren einige Kritiker der Meinung, dass Baz Luhrmann das klassische Thema von „Romeo and Juliet“ in gewisser Weise „verschandelt“ und auf eine zu extreme Art dargestellt und präsentiert habe, jedoch ist zu der Verteidigung des Regisseurs zu sagen, dass bei dem klassischen Stück nur ein Text mit vereinzelten Regieanweisungen vorliegt. Jede weitere Form der Ausführung entzieht sich der Vollständigkeit des Textes und ist schon eine Art der Interpretation, denn detaillierte Angaben zur genauen Aufführungsform des Stückes sind leider nur noch fragmentarisch rekonstruierbar und nie eindeutig belegt. Viele Dinge sind erahnt worden, wie genau aber eine solche Aufführung nun ausgesehen hat, was im Zuschauerraum passiert ist und wie das Publikum auf diverse Textstellen reagiert hat, ist nicht überliefert. Es steht nur fest, dass Aufführungen zu der Zeit, in der Shakespeare gelebt und gearbeitet hat, sich immer ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit erkämpfen mussten, denn neben dem Theater gab es auch noch andere zahlreiche Freizeitangebote. Von einer Filmadaption, die den Nerv der heutigen Zeit treffen und nicht nur eine Wirksam- und Gültigkeit von ein paar Jahren haben soll, wird ähnliches erwartet. Sie soll Menschenmassen ins Kino ziehen, ganz so wie es zu Shakespeares Zeiten mit dem Theater war. Sie soll Aufmerksamkeit erregen und eine möglichst breite Masse ansprechen, denn das Kino der heutigen Zeit ist durchaus vergleichbar mit dem Theater von damals. Es ist beinahe erschwinglich für jedermann und man muss sich nicht speziell für jeden Kinobesuch kleiden oder ein spezifisches Vorwissen mitbringen, so wie es heutzutage bei Theater–, Oper– oder Kabarettbesuchen oftmals der Fall ist. Die Kinobesucher erwarten, ganz so wie es die Besucher zu Shakespeares Zeiten ebenfalls getan haben, dass sie für einen gewissen Zeitraum dem Alltag entfliehen können und gut unterhalten werden. Es wird Spannung, Action, Humor und Liebe gleichermaßen verlangt, alles verpackt mit genialen Schauspielerinnen und Schauspielern, an gut gewählten und passenden Drehorten mit ergreifenden und aussagekräftigen Dialogen, verschnürt mit einer durchschlagenden Werbekampagne, damit der Film zumindest schon mal ein Begriff für potentielle Kinobesucher ist und diese nur ja nicht auf den Gedanken kommen, sich einen anderen Film zu Gemüte zu führen.

Betrachtet man nun noch einmal all diese genannten Aspekte, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass das Kino von heute durchaus den sozialen Status des Theaters von damals hat.

Luhrmann hat als Theater- und Filmregisseur erkannt, daß der hohe Unterhaltungswert, … , heute eher im Kino als im Theater zu erzielen ist. Sein Film sucht somit explizit ein Massenpublikum und verbindet diesen Anspruch nicht etwa mit ästhetischer Redundanz, sondern gerade mit künstlerischer Vielfalt und Komplexität. (Thiele 2004: 213)

Eine Ausnahme gibt es allerdings, denn unsere heutigen „Kinopaläste“, die in ihrem Größenausmaß den Theatern von damals in nichts nachstehen, stehen nicht unbedingt außerhalb der Sperrbezirke in direkter Nachbarschaft von Bordellen, trotzdem mag es immer noch Menschen geben, die, wie die Puritaner es mit den Theatern und den Schauspielgruppen im 15. Jahrhundert getan haben (Klein 2000: 45), das heutige Kino beschuldigen, am Verfall von Sitte und Moral beteiligt zu sein.

2.2 Hinweise auf Shakespeare im Film und die Einteilung des Filmes in Sinnabschnitte

Zu aller erst sollte gesagt werden, dass es sich natürlich nicht um eine „versteckte“ Filmadaption handelt, so wie es zum Beispiel bei dem Film „Zehn Dinge die ich an Dir hasse!“ der Fall ist und nicht unbedingt jedem Zuschauer klar wird, dass er eine Überarbeitung des Shakespearestückes „Der Widerspenstigen Zähmung“ vor sich hat, oder, dass bei „Clueless“ Jane Austens „Emma“ als Vorlage herhalten musste. Schön, dass zumindest bei „Bridget Jones“ der Name einer der männlichen Hauptfiguren ähnlich dem des männlichen Hauptcharakter aus dem Original klingt (Marc Darcy), und sogar derselbe Schauspieler (Collin Firth), der kurze Zeit zuvor noch in der BBC-Verfilmung von Jane Austins „Stolz und Vorurteil“ zu sehen war, ebenfalls die Rolle des stolzen und ein wenig prüden, aber dennoch liebenswerten Anwaltes für Menschenrechte, Marc Darcy, spielt. Da fällt dem etwas belesenen Kinobesucher schon auf, dass sich der Regisseur durchaus einer altbewährten Vorlage bedient hat.

In Baz Luhrmanns „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ wird schon im Titel klar, das es sich nicht um ein wie oben genanntes Beispiel handelt, zumal Baz Luhrmann nicht nur die Thematik von „Romeo and Juliet“ übernommen hat, sondern auch die Verse, obwohl alles in der heutigen Zeit seinen Platz findet. Dies soll dazu führen, dass der moderne Zuschauer sich besser in das Geschehen einfühlen kann.

Je mehr das Publikum in die Welt des Spiels und das Spiel in die Welt der Wirklichkeit einbezogen wird, desto stärker realisiert sich das Drama erst im Prozeß seiner Aufführung, desto folgenreicher wird –künstlerisch gesehen– der Affekt des beteiligten Publikums.

(Weimann 1975: 41)

So sagt Benvolio zum Beispiel in der Szene an der Tankstelle „Part, fools! You know not what to do! Put up your swords!“ (Pearce/Luhrmann 1996: 9)/(Act I, Scene I, Line 62)[3], obwohl alle Schusswaffen in der Hand haben, als plötzlich die Kamera an Benvolios Waffe heranzoomt und die eingravierte Inschrift „Sword 9mm series S“ zu lesen ist, d.h. das Modell der Handfeuerwaffe ist also eine sog. „Sword“. Baz Luhrmann schafft es auf diese Art und Weise, dass, obwohl alle Schauspieler in Shakespeare–Versen sprechen, nicht der anhaltende Eindruck entsteht, die Sprache wäre angesichts der Kulisse fehl am Platze und mache den Film eher lächerlich als dass sie ihn bereichere. Baz Luhrmann hat es sich außerdem nicht nehmen lassen, hier und da kleine, versteckte Anspielungen an Shakespeare einzubauen, wie zum Beispiel die Ruine eines alten Theaters, das vom Aufbau her durchaus mit den Theatern zu Shakespeares Zeit vergleichbar wäre, wie zum Beispiel mit „The Globe“ oder „The Curtain“, welches zum Schauplatz diverser Ausschreitungen am Strand von Verona wird (Thiele 2004: 208). Auch gehen Romeo und Benvolio im „Globe Theatre“ Billard spielen um sich über Liebe zu unterhalten. Die beste und wohl am kürzesten eingeblendete Anspielung auf Shakespeare ist jedoch die Leuchtreklame an einer Verkaufsbude am Strand von Verona mit der Aufschrift: „The Merchant of Verona Beach“, was ohne Zweifel eine Anspielung an Shakespeares „The Merchant of Venice“ aus dem Jahre 1596/97 ist. Dem aufmerksamen Zuschauer entgeht auch nicht, dass der komplette Schauplatz von Verona Beach umgeben ist von Leuchtreklamen und Graffitisprüchen, die alle aus Shakespearestücken stammen bzw. stammen könnten.

„Romeo and Juliet“ wird also in einer dreckigen, lauten und überfüllten Großstadt ―als Drehort wurde Mexiko City ausgewählt― inszeniert, wo sich die Anhänger der beiden Häuser, welche dargestellt werden durch zwei Wolkenkratzer, Montague und Capulet, in einer Art Bandenkrieg ständig über den Weg laufen, Grund für Streit suchen und nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben aller Menschen in ihrem direkten Umfeld in Gefahr bringen (Civil War).

Um sich im weiteren Verlauf der Hausarbeit konkret auf bestimmte Szenen beziehen zu können, folgt nun eine Einteilung des Filmes, die zum Teil aus Jens Thieles Aufsatz „»Kiss kiss bang bang« William Shakespeares Romeo und Julia (Luhrmann, USA 1996)“ entnommen ist. Diese Einteilung soll helfen, bestimmte Szenen oder Sequenzen besser in den Verlauf des Filmes einordnen zu können:

(Es wurden einige Angaben erweitert und/oder verändert)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Einteilung des Filmes in Sequenzen

(Weitere Vermerke auf Sequenzen oder Szenen aus dem Film werden sich immer nur auf

[...]


[1] Zu sehen auf der Special Edition-DVD des Filmes „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ unter „Special Features“, „Director’s Gallery“, „Why Shakespeare?“. (Zitate auf deutsch sind dem Untertitel zu entnehmen.)

[2] Ebenfalls ein Kommentar Baz Luhrmanns aus dem Interview „Why Shakespeare?“

[3] Bei solchen Zitaten steht in der ersten Klammer der Verwies auf das Drehbuch und in der zweiten Klammer der Verweis auf die Textstelle im Theaterstück basierend auf der Arden-Ausgabe, London/New York 1980.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Shakespeares "Romeo and Juliet" und Baz Luhrmanns Filmadaption "William Shakespeare’s Romeo + Juliet"
Untertitel
Ein Vergleich ausgewählter Themen und Symbole
Hochschule
Universität zu Köln  (Englisches Seminar I)
Veranstaltung
Shakespeare Studies
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V383830
ISBN (eBook)
9783668591967
ISBN (Buch)
9783668591974
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shakespeare, Romeo und Julia, Romeo ans Juliet, Baz Luhrmann, William Shakespeare’s Romeo + Juliet, Movie, Film, Filmadaption, Wasser, Wassersymbolik, Gestirne
Arbeit zitieren
Ipek Sirena Krutsch (Autor), 2005, Shakespeares "Romeo and Juliet" und Baz Luhrmanns Filmadaption "William Shakespeare’s Romeo + Juliet", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383830

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