Die wissenschaftliche Erforschung sowie die Frage nach dem Ursprung von Religion ist auch heute in der religionswissenschaftlichen Forschung weiterhin sehr präsent. Im 18. und 19. Jahrhundert etablierte sich die Erkenntnis, dass es möglich ist, Religionen über diverse Bezugsrahmen hinweg als geschichtlich wahrnehmbare Größe der Menschheit zu vergleichen.
An diese Einsicht, dass Religion als historisches Phänomen angesehen werden konnte und somit wissenschaftlich erforschbar wurde, knüpfte der Philologe und Religionswissenschaftler Friedrich Max Müller an. Müller profilierte sich innerhalb der Religionswissenschaft im Bereich der klassischen Indologie, weshalb man ihn auch als Vermittlungspersönlichkeit zwischen Indien und Europa wertete. Noch heute gilt Müller als
Pionier und Begründer der vergleichenden Religionswissenschaft.
Bereits zu Lebzeiten Müllers distanzierten sich viele Intellektuelle vom bis dato vorherrschenden Rationalismus der Aufklärung und wandten sich der von England ausgehenden, geistlichen Strömung der Romantik zu. In der Romantik wurde dem reinen, idealen Ursprung ein hoher Stellenwert beigemessen, was nicht zuletzt der Grund dafür war, dass Friedrich Max Müllers Forschung nach dem Ursprung der Religion in intellektuellen Kreisen hohen Anklang fand.
Ein weiterer Faktor, der Müller zu seinem großen Erfolg verhalf, war die Öffentlichkeitspräsenz der Hibbert-
Lectures, deren Antrittsvorlesung er zu dem Thema "On the Religions of India" hielt. Auch das zunehmende und zum Teil daraus resultierende intellektuelle Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung von Religion aus einer nicht-theologischen Perspektive, war für Müllers Arbeit vorteilhaft. In Baron Bunsen fand er einen Förderer und Geldgeber, der ihm seine umfangreiche Forschung nach anfänglichen Geldproblemen schließlich ermöglichte.
Innerhalb seines Ansatz der vergleichenden Religionswissenschaft hat Müller sich darüber hinaus mit der Klassifikation von Religionen sowie, für ihn davon untrennbar, mit Mythologie und Sprache beschäftigt. Da er zugleich auch Sprachwissenschaftler war, bildete sich für ihn eine besondere Beziehung zwischen Sprache und Religion heraus. Die Bedeutung von Sprache und Religion sowie deren Relation zueinander, sollen in dieser Arbeit, maßgeblich anhand Müllers "Vorlesung über die Religionswissenschaft II" vom 26. Februar 1870, näher betrachtet werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprache, Religion und der religionswissenschaftliche Ansatz bei Friedrich Max Müller
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den religionswissenschaftlichen Ansatz von Friedrich Max Müller, insbesondere die enge Verknüpfung von Sprache und Religion. Im Zentrum steht die Analyse, wie Müller durch sprachwissenschaftliche Methoden, speziell die Klassifikation und etymologische Untersuchung, den Ursprung menschlicher Religiosität zu ergründen suchte, und wie diese Ansätze sowie die damit verbundene Kritik durch Hans G. Kippenberg zu bewerten sind.
- Die Rolle der Philologie und Sprachwissenschaft in der frühen Religionsgeschichte
- Müllers Klassifikationsmodelle von Religionen (arisch vs. semitisch)
- Die Bedeutung von Mythologie und Gottesnamen als "Organ des Denkens"
- Die kritische Auseinandersetzung mit Müllers "theologischen Absichten"
- Der Einfluss Müllers auf die Etablierung der Religionswissenschaft
Auszug aus dem Buch
2. Sprache, Religion und der religionswissenschaftliche Ansatz bei Friedrich Max Müller
Der Philologe und Religionswissenschaftler Friedrich Max Müller richtete sein Interesse und somit auch den Fokus seiner sprach- und religionswissenschaftlichen Forschungen gänzlich auf die Urgeschichte und Anfänge der Menschheit. Dies führte ihn unweigerlich auch zum Ursprung von Sprache und Religion. Müller vertrat die These, dass Sprache etwas Gottgegebenes sei und er den Ursprung des denkenden Menschen sowie menschlicher Religion durch seine Sprachwissenschaft ausmachen könne. Die Ursprünge menschlichen Denkens und menschlicher Sprache müssen für Müller zwangsläufig simultan erfolgt sein und waren für ihn untrennbar und wesentlich miteinander verbunden, da er Sprache und Denken als Größen ansah, die nicht einzeln existieren könnten. Zudem sah Müller, kongruent zur Evolutionstheorie Darwins, Sprache sowie Religion und Mythologie als Ergebnis eines natürlichen Wachstumes vom frühsten Ausgangspunkt an. Resultierend daraus betrachtete er „Sprache [als] die notwendige Voraussetzung für jede geistige Tätigkeit, Religion nicht ausgeschlossen“.
In seiner Einleitung in die vergleichende Religionswissenschaft verdeutlichte Müller anfänglich, dass die Anzahl der Religionen im Verhältnis zu den existierenden Sprachen äußerst gering ausfalle. Er betonte gleichzeitig, dass das Studium der Religionswissenschaft dennoch um einiges schwieriger sei als Sprachen zu erfassen, da für Religionen keine Hilfsmittel vorhanden seien, die mit Arbeitshilfen zur Sprachforschung vergleichbar wären. Angelehnt an die lateinische Formulierung „divede et impera“ (teile und herrsche), war Müllers Ansatz, Religionen wissenschaftlich erforschbar zu machen, die Klassifikation von Religionen. So teilte er Religionen zunächst in sog. „Buchreligionen“ im Gegensatz zu Religionen ohne Buch ein, angelehnt an die bereits im Orient vorherrschende Klassifizierung von Religionen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung von Friedrich Max Müller als Pionier der vergleichenden Religionswissenschaft ein und erläutert seine theoretische Ausgangslage, die stark von der Romantik und der Philologie geprägt war.
2. Sprache, Religion und der religionswissenschaftliche Ansatz bei Friedrich Max Müller: Das Kapitel analysiert Müllers Methodik, insbesondere die Annahme, dass durch sprachwissenschaftliche Etymologie und Klassifikation ein gemeinsamer Ursprung der Religionen freigelegt werden könne, und setzt dies in Beziehung zur zeitgenössischen Kritik von Hans G. Kippenberg.
3. Fazit: Das Fazit fasst Müllers Bemühen zusammen, Religion als historisches Phänomen zu begreifen, und würdigt seine Arbeit trotz der methodischen Unzulänglichkeiten und theologischen Voreingenommenheiten als fundamental für die Disziplin.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Fachliteratur und Primärquellen.
Schlüsselwörter
Friedrich Max Müller, Religionswissenschaft, Sprachwissenschaft, Indologie, Philologie, Mythologie, Ursprung der Religion, Klassifikation, arische Religionen, semitische Religionen, Etymologie, Hans G. Kippenberg, Religionsgeschichte, Urreligion, Buchreligionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem religionswissenschaftlichen Ansatz von Friedrich Max Müller und der zentralen Rolle, die er der Sprache bei der Erforschung des Ursprungs von Religion zuschrieb.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Verknüpfung von Sprach- und Religionsforschung, der Klassifikation von Religionen in arische und semitische Familien sowie der kritischen Reflexion über Müllers Vorgehensweise.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Müller mittels sprachwissenschaftlicher Instrumente den Ursprung von Religion zu definieren versuchte und inwieweit sein Ansatz aus moderner sowie zeitgenössischer wissenschaftlicher Perspektive (durch Kippenberg) kritisch zu hinterfragen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine hermeneutische und diskursanalytische Untersuchung von Müllers Schriften, insbesondere seiner "Vorlesung über die Religionswissenschaft II", ergänzt durch Sekundärliteratur von Hans G. Kippenberg.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Müllers These der untrennbaren Verbindung von Denken, Sprache und Religion sowie seine methodische Einteilung von Religionen detailliert analysiert und der wissenschaftlichen Kritik gegenübergestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind die vergleichende Religionswissenschaft, die etymologische Deutung von Gottesnamen sowie die "theologische Absicht" im Kontext einer vermeintlich neutralen, deskriptiven Forschung.
Warum kritisierte Kippenberg die Arbeit von Max Müller?
Kippenberg kritisiert vor allem die unterstellten "theologischen Absichten" Müllers, die entgegen seinem Anspruch auf Objektivität zu einer unzulässigen Hierarchisierung der Religionen führten.
Inwiefern beeinflusste die Evolutionstheorie das Denken Müllers?
Müller betrachtete Religion und Sprache kongruent zur Darwinschen Evolutionstheorie als ein natürliches Wachstum vom frühesten Ausgangspunkt hin zu komplexeren Strukturen.
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- Anonym (Autor), 2017, Die Relation von Religion und Sprache im Werk von Max Müller, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384187