Diese Vorlesungsmitschrift bietet einen Überblick über die wichtigsten Werke in der deutschen Literatur des 15. Jahrhunderts.
Behandelt werden hierbei folgende Themenkomplexe:
- Konstellationen der Weltgeschichte: Hartmann Schedels ‚Weltchronik‘
- Der Liebesgott als Topograph: Die „Amores“ des Conrad Celtis
- Medienexperimente der Frühdruckzeit: Sebastian Brants „Narrenschiff“
- Intermediale Überlieferungskonstellationen des „Narrenschiffs“ und seiner Bearbeitungen
- Reichspatriotismus und Antikenübersetzung: Matthias Ringmanns „Caesar“
- Würzburger Eseleien: Johann Sieders Übersetzung von Apuleius „Goldenem Esel“
- Gedruckt ze Augspurg: Prosaromandrucke in Augsburg am Ende des 15. Jahrhunderts
Inhaltsverzeichnis
1. Sitzung (am 21.04.15)
Thema: Einführung
2. Sitzung (am 28.04.15)
Thema: Konstellationen der Weltgeschichte: Hartmann Schedels ‚Weltchronik‘
3. Sitzung (am 05.05.15)
Thema: Der Liebesgott als Topograph: Die „Amores“ des Conrad Celtis
4. Sitzung (am 12.05.15)
Thema: Medienexperimente der Frühdruckzeit: Sebastian Brants „Narrenschiff“
5. Sitzung (am 19.05.15)
Thema: Intermediale Überlieferungskonstellationen des „Narrenschiffs“ und seiner Bearbeitungen
7. Sitzung (am 09.06.15)
Thema: Reichspatriotismus und Antikenübersetzung: Matthias Ringmanns „Caesar“
8. Sitzung (am 16.06.15)
Thema: Würzburger Eseleien: Johann Sieders Übersetzung von Apuleius „Goldenem Esel“
9. Sitzung (am 23.06.15)
Thema: Gedruckt ze Augspurg: Prosaromandrucke in Augsburg am Ende des 15. Jahrhunderts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit protokolliert die Inhalte einer Lehrveranstaltung zur deutschen Literatur um 1500. Das primäre Ziel ist die Analyse literarischer Hauptwerke dieser Schwellenzeit, wobei insbesondere die Auswirkungen des Buchdrucks auf die Literarizität, das Konzept der Konstellationsforschung sowie die Entwicklung von Übersetzungskultur und Prosaromanen untersucht werden.
- Wandel der Literarizität durch den Buchdruck
- Intermediale Konzepte (Text-Bild-Beziehungen)
- Humanistische Übersetzungspraxis und Reichspatriotismus
- Entwicklung und Rezeption des Prosaromans
- Autorschaft und Veränderungsdynamik in der Überlieferungsgeschichte
Auszug aus dem Buch
4. Sitzung (am 12.05.15)
In der Schwellenzeit um 1500 verfasst Sebastian Brant das „Narrenschiff“ und erreicht damit einen herausragenden Erfolg. Im Jahr 1457 wird er in Straßburg als Sohn eines Gastwirts geboren. Ab 1575/76 absolviert er ein Studium der Artes liberales und Jura in Basel. Zunächst ist Brant als Jurist und Wissenschaftler tätig, ebenso publiziert er aber auch in Basel, dem Zentrum des Buchdrucks. Hier ist er im Humanistenkreis um Johann Heynlin tätig und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den Druckern Basels. Der Literat und Herausgeber Sebastian Brant, der zweisprachig verfasste, lateinisch und deutsch, verfasste zahlreiche lateinische Dichtungen (u. a. „Carmina in laudem Mariae“ oder „Varia carmina“).
Seinen größten Erfolg erreichte er allerdings mit seinem Werk „Narrenschiff“. Dieses war eines der größten Bucherfolge der frühen Neuzeit und wurde aus Erfolgssicht sogar mit Goethes Werther verglichen: „Niemals bis zu Goethes Werther hin ist einem literarischen Werk deutscher Sprache ein so durchschlagender Erfolg und eine so nachhaltige Wirkung beschieden gewesen wie dem 1994 zu Basel erschienenen ‚Narrenschiff‘ Sebastian Brants.“ Das im Jahr 1494 erschienende Werk, war ein Bestseller auf dem noch jungen Buchmarkt der Frühdrucke. Das Narrenschiff gehört zur volkstümlichen Literaturform der Narrengeschichten, einer satirischen Literatur, die die Belehrung über die menschlichen Schwächen und die Kritik des Zeitgeistes zum Inhalt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sitzung (am 21.04.15): Einführung in das Konzept der Literarizität um 1500, geprägt durch den Buchdruck und das Spannungsfeld zwischen Latinität und Volkssprache.
2. Sitzung (am 28.04.15): Analyse von Hartmann Schedels Weltchronik als historisches Nachschlagewerk und als Beispiel für intermediale Konstellationen in Nürnberg.
3. Sitzung (am 05.05.15): Untersuchung der „Amores“ des Conrad Celtis und dessen Selbstinszenierung als bedeutender Humanist und Dichter.
4. Sitzung (am 12.05.15): Behandlung von Sebastian Brants „Narrenschiff“ als erfolgreichste Satire der Frühdruckzeit und deren didaktische Zielsetzung.
5. Sitzung (am 19.05.15): Erörterung der intermedialen Struktur des „Narrenschiffs“ und der Problematik der Autorschaft durch Veränderungsdynamiken in der Überlieferung.
7. Sitzung (am 09.06.15): Fokus auf humanistische Übersetzungsliteratur am Beispiel von Niklas Wyle, Heinrich Steinhöwel und Matthias Ringmann.
8. Sitzung (am 16.06.15): Analyse von Johann Sieders Übersetzung von Apuleius „Goldenem Esel“ und dessen Rezeptionsgeschichte.
9. Sitzung (am 23.06.15): Diskussion über den Aufstieg des Prosaromans in Augsburg als Unterhaltungsliteratur für ein breites, deutschsprachiges Publikum.
Schlüsselwörter
Literatur um 1500, Buchdruck, Humanismus, Literarizität, Sebastian Brant, Narrenschiff, Konstellationsforschung, Schedels Weltchronik, Conrad Celtis, Übersetzung, Prosaroman, Johann Sieder, Apuleius, Intermedialität, Frühdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Protokoll grundsätzlich?
Das Dokument protokolliert eine universitäre Vorlesungsreihe über die Hauptwerke der deutschen Literatur um das Jahr 1500.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet den Einfluss des Buchdrucks, die Entwicklung der Literatur im Humanismus, das Konzept der Autorschaft sowie die Entstehung neuer Gattungen wie des Prosaromans.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die systematische Aufarbeitung der behandelten Vorlesungsinhalte, um die literarischen und medialen Umbrüche der Epoche um 1500 nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Vorgehensweise gewählt, die auf der Konstellationsforschung basiert, um Texte und ihre Entstehungskontexte zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Sitzungsprotokolle, die spezifische Werke, Autoren und mediale Entwicklungen, wie beispielsweise das „Narrenschiff“ oder Schedels „Weltchronik“, analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Literarizität, Frühdruck, Humanismus, Intermedialität und der deutsche Prosaroman.
Warum ist das „Narrenschiff“ für die Epoche so bedeutsam?
Es stellt einen der größten Bucherfolge der frühen Neuzeit dar und fungiert als satirisches Lehrstück, das mittels Text und Bild ein breites Publikum ansprach.
Welche Rolle spielte Augsburg für die Verbreitung des Prosaromans?
Augsburg entwickelte sich zum Produktionszentrum für Prosaromane, da dort keine Universität bestand und das Publikum fast ausschließlich deutschsprachige Literatur nachfragte.
- Arbeit zitieren
- Dominik Kremer (Autor:in), 2015, Literatur um 1500. Ein Überblick über die Hauptwerke der deutschen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384270