Rap wird seit jeher (auch) als mediales Sprachrohr verschiedenster sozialer Gruppierungen verwendet. Besonders in den Anfängen diente er sozial benachteiligten Menschen als Instrument, um Erfahrungen zu verarbeiten und auf sich aufmerksam zu machen.
Diese Arbeit untersucht mittels einer Korpusanalyse, in der neben den Texten auch die jeweiligen Paratexte (unter anderem Musikvideos) untersucht werden, inwiefern sich die Verarbeitung von Erfahrungen mit Fremdheit und ethnisch bedingter Ausgrenzung in deutschen Raptexten im letzten Vierteljahrhundert darstellt und gegebenenfalls verändert hat.
Die analysierten Stücke werden darüber hinaus immer in einen Kontext mit jeweils aktuellen gesellschaftspolitischen Ereignissen gesetzt. Mit diesem Schritt wird noch einmal die "Sprachrohrfunktion" dieser Musikform verdeutdeutlicht, indem gezeigt wird, dass Raptexte akute Ereignisse schnell aufgreifen, verarbeiten und an eine breite Masse vermitteln können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zur Auswahl der Songs
III. Analyse: Identität und Illustration
III. 1 Identität (Interpreten)
III.1.1 Advanced Chemistry
III. 1. 2. Brothers Keepers
III.1.3 Olli Banjo
III. 1.4 Blumio
III. 1. 5 PTK
III.2 Illustration (Musikvideos)
III.2.1 Fremd im eigenen Land (Deutschland 1993, Cristoph Dreher und R.Wolkenstein)
III.2.2 Operation Artikel 3 (Deutschland 1994, Christoph Dreher)
III.2.3 Adriano – Letzte Warnung (Deutschland 2001, Dany Levy)
III.2.4 Deutschland (Deutschland 2003, Headrush)
III.2.5 Hey Mr. Nazi (Deutschland 2009, Regie unbekannt)
III.2.6 Deutscher als du glaubst (Deutschland 2013, LM)
IV. Analyse: Der Text als Lyric und als Song
IV.1.1 Fremd im eigenen Land: Die Lyrics
IV.2.1 Operation § 3: Die Lyrics
IV.2.2 Operation § 3: Der Song
IV.3.1 Adriano – Letzte Warnung: Die Lyrics
IV.3.2 Adriano – Letzte Warnung: Der Song
IV.4.1 Deutschland: Die Lyrics
IV.4.2 Deutschland: Der Song
IV.5.1 Hey Mr. Nazi: Die Lyrics
IV.5.2 Hey Mr. Nazi: Der Song
IV.6.1 Deutscher als du glaubst: Die Lyrics
IV.6.2 Deutscher als du glaubst: Der Song
V. Bezüge zur gesellschaftlichen Realität
VI. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Verarbeitung von Fremdheitserfahrungen in deutschen Raptexten im Zeitraum von 1992 bis 2013, wobei der Fokus auf Songs von Interpreten mit nichtdeutschen Wurzeln liegt, um gesellschaftliche Tendenzen im Umgang mit Rassismus und Ausgrenzung aufzuzeigen.
- Analyse der Rolle von Rap als gesellschaftliches "Sprachrohr".
- Komparative Untersuchung von Interpreten-Identitäten und Musikvideos als konstitutive Elemente.
- Betrachtung der lyrischen Gestaltung und inhaltlichen Aussagen ausgewählter Songs.
- Kontextualisierung der Songinhalte mit gesellschaftspolitischen Ereignissen in Deutschland.
- Aufzeigen von Tendenzen und Veränderungen in der thematischen Bearbeitung von Fremdheitserfahrung über zwei Jahrzehnte.
Auszug aus dem Buch
IV.1.1 Fremd im eigenen Land: Die Lyrics
Die Lyrics zu Fremd im eigenen Land lassen sich grob in drei Strophen bzw. Parts untergliedern, die durch eine Hook voneinander abgegrenzt sind. Diese Hook lautet sehr knapp:
Kein, kein Fremder
Kein, kein Fremder
Kein, kein Fremder im eigenen Land!31
Und wiederholt auf prägnante Art und Weise die Kernaussage des gesamten Songs. Hierbei wird völlig auf lyrische Finessen verzichtet – es findet sich nicht einmal ein Reim32 – und einzig der letzte Vers durchbricht das Mantra, indem er das Fremdsein räumlich konkretisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Entwicklung des Rap-Genres vom US-amerikanischen Ursprung bis zur Etablierung in Deutschland und Skizzierung der thematischen Relevanz von Fremdheitserfahrungen.
II. Zur Auswahl der Songs: Begründung für die Auswahl eines heterogenen Korpus aus sechs Songs, die verschiedene Strömungen und regionale Ausprägungen des Deutsch-Raps repräsentieren.
III. Analyse: Identität und Illustration: Komparative Beschreibung der Künstlerbiografien und Analyse der Musikvideos als peritextuelle Elemente, die die Songaussagen visuell verstärken.
IV. Analyse: Der Text als Lyric und als Song: Detaillierte Untersuchung der Songtexte und musikalischen Umsetzung, unterteilt in die jeweiligen Analysen der sechs ausgewählten Titel.
V. Bezüge zur gesellschaftlichen Realität: Einordnung der untersuchten Songs in den jeweiligen historischen Kontext, wie die rassistischen Ausschreitungen in den 1990er Jahren oder Ereignisse nach dem 11. September.
VI. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die eine Tendenz von einer offensiven, rebellischen Auseinandersetzung hin zu einem reflektierteren, diplomatischeren Umgang mit Fremdheitserfahrungen im Zeitverlauf aufzeigt.
Schlüsselwörter
Deutsch-Rap, Fremdheitserfahrung, Rassismus, Ausgrenzung, Identität, Musikvideos, gesellschaftspolitische Realität, Advanced Chemistry, Brothers Keepers, Olli Banjo, Blumio, PTK, Sprachrohrfunktion, Migration, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie deutsche Rapper mit nichtdeutschen Wurzeln in ihren Texten mit Erfahrungen von Fremdheit, Rassismus und Ausgrenzung in Deutschland umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die diskursive Auseinandersetzung mit nationaler Identität, der Einfluss gesellschaftspolitischer Ereignisse auf Rap-Texte und die Rolle des Musikvideos als Verstärker der Botschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Tendenzen und Umschwünge im Umgang mit Fremdheitserfahrung über den Zeitraum 1992 bis 2013 an einem Korpus von sechs ausgewählten Songs aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die neben den Texten (Lyrics) auch peritextuelle Elemente wie Musikvideos sowie den gesellschaftspolitischen Kontext einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Interpreten, eine Analyse der Musikvideos und eine detaillierte textliche sowie musikalische Untersuchung der ausgewählten Songs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Deutsch-Rap, Fremdheitserfahrung, Rassismus, Identität und gesellschaftspolitische Realität charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen nationaler und ethnischer Identität eine so große Rolle?
Viele der untersuchten Rapper besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, werden aber aufgrund ihres Aussehens von der Gesellschaft nicht als „echte“ Deutsche anerkannt, was den Kern ihrer Fremdheitserfahrung bildet.
Wie unterscheidet sich die Tonalität der frühen Songs von den späteren Werken im Korpus?
Frühe Songs wie die von Advanced Chemistry zeigen eine rebellische, aggressive Rebellion gegen ein als fremdenfeindlich wahrgenommenes Deutschland, während spätere Songs, etwa von Blumio oder PTK, einen diplomatischeren, reflektierteren und friedlicheren Umgang suchen.
- Citation du texte
- Jannik Genz (Auteur), 2016, Die Verarbeitung von Fremdheitserfahrungen in deutschen Raptexten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384331