Die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Mikro- und makrotheoretische Erklärungen und eventuelle Folgen


Seminararbeit, 2016

10 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt
1.Einleitung ... 1
2. Fertitlität in Deutschland ... 1
2.1. Ost-West-Vergleich: ... 2
3.Mikro- und Makrotheoretische Perspektiven ... 3
3.1.Mikrotheoretische Perspektiven ... 3
3.2.Makrotheoretische Perspektiven ... 4
4.Folgen ... 6
5.Fazit: ... 7
6. Literaturverzeichnis ... 8

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1.Einleitung
Ab der Mitte der 60er Jahre setzte in Europa ein zweiter Geburtenrückgang ein und wird als Teil
des zweiten demographischen Wandels gesehen. Infolge dessen pendelte sich in Deutschland die
Total Fertility Rate (TFR) bei 1,2 bis 1,5 ein (vgl. Martin Bujard: 2015). Die Folgen sind überall
spürbar. Die Bevölkerung ist ständig im Wandel, verändert sich unumgänglich. Es sind bestimmte
Prozesse, die diesen Wandel hervorrufen. Man spricht von drei bestimmten Bevölkerungsprozessen,
welche sich auf Geburten, Sterberate und Auswanderungen beziehen. Jedoch kann man diese Pro-
zesse nicht als Ursache des Wandels bezeichnen (vgl. Stefan Hradil: 2006). Man muss tiefer gehen
und Perspektiven aufdecken, um näheres zu erfahren. Es gibt weitere Faktoren, die in die oben ge-
nannten Prozesse mit einspielen und die es zu ergründen gilt.
Folgende Seminararbeit beschäftigt sich mit einem bestimmten Prozess, der Prozess der Geburt.
Genauer gesagt mit dem Geburtenrückgang in Deutschland und dem damit verbundenen niedrigen
Geburtenrate. Ich werde versuchen mikro- und makrotheoretische Ansätze und Perspektiven aufzu-
zeigen, die dieses Phänomen beschreiben und eventuell erklären lassen. Schon seit mehreren Jahr-
zehnten zählt Deutschland zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Bereits zu Zeiten der
Spaltung Deutschlands in Ost und West herrscht eine Niedrig-Fertilitätssituation (Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung: 2016). Jedoch lässt sich ein Unterschied zwischen Ost und West feststel-
len, auf den in weiteren Abschnitten eingegangen wird. Im Laufe dieser Arbeit wird aus den Fertili-
tätsrückgang in Deutschland, die Geschichte bzw, den Verlauf der Geburtenrate, der Unterschied
zwischen Ost und West und einem zeitlichen Vergleich von früher zu heute eingegangen. Es wird
versucht die Frage zu klären, in welchem theoretischen Rahmen wir uns bewegen, welche Werte-
wandel und fortschreitende Individualisierungsprozesse fanden bzw. finden immer noch statt, so
dass die Geburtenrate weiter sinkt.
2. Fertitlität in Deutschland
Zunächst einmal sind einige Begriffe zu klären, die in weiteren Abschnitten aber auch in Verbin-
dung mit der Fertilität öfter vorkommen können. Zu den wichtigsten Begriffen zählen die allgemei-
ne Geburtenziffer, bei der die Anzahl der lebend geborenen Kinder auf die Zahl der Frauen im ge-
bärfähigen Alter bezogen wird, damit sind Frauen zwischen 15 und 50 Jahren gemeint. Dividiert
man nun die Zahl der Geburten durch die Zahl der Frauen zwischen 15 und 50 Jahren, erhält man
die allgemeine Geburtenziffer. (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: 2016). Die rohe Gebur-
tenziffer hingegen wird auf die Anzahl der geborenen Kinder eines Jahres gemessen und das wiede-
rum wird auf die mittlere Bevölkerung des gemessenen Jahres bezogen. Somit leitet sich die rohe
Geburtenziffer von der Zahl der Geburten ab, die durch die Zahl der Einwohner dividiert und mit
1000 multipliziert wird. Die letzte wichtige Geburtenziffer ist die zusammengefasste Geburtenziffer
auch Total Fertility Rate, im folgenden TFR, genannt. Diese umfasst alle 30 bzw. 35 für das Alter

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spezifische Geburtenziffern von 15 bis 50 Jahren. Wichtig ist, dass es sich dabei nur um jeweils ein
Kalenderjahr handelt (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: 2016, Definitionen). Diese
Geburtenziffer ist jedoch hypothetisch, misst also wie viele Kinder eine Frau auf die Welt bringen
würde. Dieser Wert ergibt sich, wenn man die Summe aller auf das Alter bezogenen Geburtenzif-
fern vom Alter 15 bis 50 Jahren berechnet und diesen Wert dann durch 1000 dividiert.
Da nun die wichtigsten Begriffe erklärt sind, liegt es nahe sich die Fertilität in Deutschland genauer
anzusehen, um einen Überblick davon zu gelangen, worum es eigentlich auch geht: der Geburten-
rückgang. Wie in dem oberen Teil schon zu lesen ist, liegt die TFR in Deutschland zwischen 1,2
und 1,5. Jedoch ist der Trend in Deutschland zu späten Geburten nicht zum Stillstand gekommen,
denn seit 2003 bekommen deutsche Frauen unter 30 Jahren weniger Kinder als Frauen über 30.
2010 gab es 743 Kinder pro 1000 Frauen im Alter von 30 bis 39 Jahren und nur 535 Kinder pro
100ß Frauen zwischen 20 und 29 Jahren (Statistisches Bundesamt: 2012). Doch wie konnte es so
weit kommen und wie sah die Geburtenziffer vor dem zweiten demographischen Wandel aus? Im
deutschen frühen Mittelalter brachte jede Frau ungefähr sechs Kinder auf die Welt, aber selbst die-
ser Wert liegt weit unter dem, der sich eigentlich ergeben hätte sollen, wenn man bedenkt, dass der
Fortpflanzung keinerlei Grenzen gesetzt wurde. Trotzdem bilden sechs Kinder pro Frau immer noch
vier mal so viel Kinder wie heute. Diese hohe Kinderzahl hielt sich bis 1875 konstant, erhöhten sich
teilweise sogar durch das Wegfallen einiger Heiratsbeschränkungen. Hier spricht man quasi von
einer Explosion der Bevölkerung im 19. Jahrhundert (vgl. Stefan Hradil: 2006). Doch zu Beginn
des 20. Jahrhunderts sanken die Geburten erst auf 5 Kinder pro Frau, dann immer weiter. Der erste
Weltkrieg prägte das Geburtenverhalten von Frauen maßgeblich. 1934 kam der Geburtenrückgang
mit 1,8 Kindern pro Frau erstmal zum erliegen. (vgl. Stefan Hradil: 2006). Der zweite Weltkrieg
hemmte bzw. verhinderte Geburten und als dieser zu Ende war, wurden viele dieser ausgefallenen
Geburten wieder aufgeholt und die Geburtenrate stieg auf 2,5 Kinder pro Frau an. (vgl. Stefan Hra-
dil: 2006). Die Einführung der Pille als Verhütungsmittel in den Jahren 1965 bis 1976, lies die Ge-
burtenrate wieder von 2,5 auf den heute bekannten Stand von 1,4 Kinder pro Frau sinken. Ab 1976
hat sich an diesem Wert kaum bis nichts getan. Jedoch liegen 1,4 Kinder zwei Drittel unter dem
Wert, den man bräuchte, um die Bevölkerungszahl aufrecht zu erhalten. (vgl. Stefan Hradil: 2006).
2.1. Ost-West-Vergleich:
Man konnte bis fast in die 80er hinein keine großen Differenzen zwischen Ost und West beobach-
tet. Die Aufstiege und Senkungen verliefen in DDR und BRD quasi parallel. Die Übergangsrate zur
ersten Geburt der Frauen in Ostdeutschland ist durch das stärkere Verlangen beruflich aktiv zu sein
gesenkt, doch die Neigung eine Familie zu gründen, verstärkt sich wiederum durch ihre starke Fa-
milienorientierung. Der hohe Anteil der Konfessionslosen in Ostdeutschland erleichtert die Eltern-
schaft und ihren Übergang dazu, denn Beziehungen werden somit schneller eingegangen und auch
gestärkt. Die Westdeutschen waren eher katholisch und damit sehr traditionell geprägt (Zeitschrift
für Bevölkerungswissenschaft: 2010). Jedoch in der Mitte der 70er änderte die Familienpolitik der
DDR ihre Richtung und ließ Maßnahmen wie bezahlte Freistellung der Mütter in der Erwerbsarbeit
oder die Verbesserung der Kinderbetreuung einrichten und erzielte somit einen Anstieg der Gebur-
tenrate. Kritisiert wurden diese Maßnahmen in der Hinsicht, dass sie nicht mehr Geburten hervor-

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bringen, sondern die, die ohnehin schon geplant waren, wurden lediglich vorgezogen. Die Über-
gangsrate zur Zweitgeburt unter ostdeutschen Frauen ist relativ lang und verzögert. Man kann dies
einerseits von den beruflichen Zielen, der niedrigen Religiosität und einer niedrigen Lebenszufrie-
denheit ableiten. Man kann sagen, dass man die Unterschiede zwischen Ost und West auf verschie-
denen Ebenen betrachten kann. Einerseits zählen die jahrelange Trennung der beiden Staaten in
zwei verschiedene politische Systeme stark dazu. Andererseits bewirkte die Wiedervereinigung
einen großen Umbruch bei den Ostdeutschen (Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft: 2010).
Denn nach der Wiedervereinigung 1998/90 gingen die Geburten in Ostdeutschland rapide zurück
und ging somit weiter unter die Geburtenrate von Westdeutschland, die immer noch bei 1,4 Kindern
pro Frau lag. In Ostdeutschland waren es 1993/94 nur knapp 0,8 Kinder. (Zeitschrift für Bevölke-
rungswissenschaft: 2010). Diese niedrige Geburtenrate ist dadurch zu erklären, dass sich die Ost-
deutschen an die späte Familienbildung der Westdeutschen anpassten und zusätzlich noch ihre neu
erworbene Freiheit genießen und nicht mit der Fortpflanzung und der damit verbundenen Kinderer-
ziehung verschenken wollten.
3.Mikro- und Makrotheoretische Perspektiven
Sowohl auf der Individual- als auch auf der Gesellschaftsebene finden sich Einflussfaktoren und
Muster, die die Fertilität beeinflussen und vor allem auch für den Geburtenrückgang zuständig sein
können. Im folgenden Abschnitt werden Mikro- und Makrotheoretische Perspektiven einzeln auf-
gezeigt und erläutert, um so einige Gründe für die niedrige Geburtenrate in Deutschland zu finden.
Beide Ansätze überschneiden sich in einigen Ansichtspunkten. So spielt zum Beispiel auf beiden
Ebenen der ökonomische Faktor eine große Rolle. Die Erwerbstätigkeit und die Lebenschancen
nehmen einen großen Platz ein. Man kann also sagen, dass Mikro- und Makroebene zusammenspie-
len und sich gegenseitig beeinflussen und auch erklären. Vielen was auf der Mikroebene passiert
lässt sich durch die Makroebene erklären und umgekehrt, denn Individuum und Gesellschaft lassen
sich nicht trennen.
3.1.Mikrotheoretische Perspektiven
Ein Faktor der Fertilitätstheorien ist die ökonomische Familientheorie, die große Bedeutung und
Einfluss ausübt, aber auch umstritten ist. Dazu gibt es zwei Ansätze: Der erste Ansatz ist von Her-
vey/Leibenstein. Hierbei werden drei Arten von Nutzen, die mit dem Kind verbunden sind, unter-
schieden. Der ,,Konsumnutzen von Kindern" beinhaltet die Bereicherung des Lebens durch die Ge-
burt, die Liebe und Zuneigung die die Eltern erfahren und die Erfüllung durch die Elternschaft. Der
,,Einkommensnutzen von Kindern" spricht von materiellen Vorteilen, der durch die Kinder produ-
ziert wird, da diese produktiv tätig sind. Dazu zählt auch Kinderarbeit etc. Der dritte und letzte Nut-
Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Mikro- und makrotheoretische Erklärungen und eventuelle Folgen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V384358
ISBN (eBook)
9783668622685
ISBN (Buch)
9783668622692
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niedrige, geburtenrate, deutschland, mikro-, erklärungen, folgen
Arbeit zitieren
Gina-Marie Müller (Autor), 2016, Die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Mikro- und makrotheoretische Erklärungen und eventuelle Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384358

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