Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Geburt. Genauer gesagt mit dem Geburtenrückgang in Deutschland und der damit verbundenen niedrigen Geburtenrate. Ich werde mikro- und makrotheoretische Ansätze und Perspektiven aufzeigen, die dieses Phänomen beschreiben und eventuell erklären.
Schon seit mehreren Jahrzehnten zählt Deutschland zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Bereits zu Zeiten der Spaltung Deutschlands in Ost und West herrscht eine Niedrig-Fertilitätssituation. Jedoch lässt sich ein Unterschied zwischen Ost und West feststellen, auf den in weiteren Abschnitten eingegangen wird. Im Laufe dieser Arbeit wird aus den Fertilitätsrückgang in Deutschland, die Geschichte bzw., den Verlauf der Geburtenrate, der Unterschied zwischen Ost und West und einem zeitlichen Vergleich von früher zu heute eingegangen. Es wird versucht die Frage zu klären, in welchem theoretischen Rahmen wir uns bewegen, welche Wertewandel und fortschreitende Individualisierungsprozesse fanden bzw. finden immer noch statt, so dass die Geburtenrate weiter sinkt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Fertitlität in Deutschland
2.1. Ost-West-Vergleich:
3.Mikro- und Makrotheoretische Perspektiven
3.1.Mikrotheoretische Perspektiven
3.2.Makrotheoretische Perspektiven
4.Folgen
5.Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mikro- und makrotheoretischen Erklärungsansätze für die anhaltend niedrige Geburtenrate in Deutschland sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen.
- Analyse des historischen Verlaufs der Fertilität in Deutschland
- Vergleich der Geburtenentwicklungen in Ost- und Westdeutschland
- Untersuchung ökonomischer Familientheorien (Mikroebene)
- Betrachtung gesellschaftlicher Einflussfaktoren wie Erwerbsbeteiligung und Sozialisationskonzepte (Makroebene)
- Bewertung der Folgen demografischen Schrumpfens und Alterung
Auszug aus dem Buch
3.1.Mikrotheoretische Perspektiven
Ein Faktor der Fertilitätstheorien ist die ökonomische Familientheorie, die große Bedeutung und Einfluss ausübt, aber auch umstritten ist. Dazu gibt es zwei Ansätze: Der erste Ansatz ist von Hervey/Leibenstein. Hierbei werden drei Arten von Nutzen, die mit dem Kind verbunden sind, unterschieden. Der „Konsumnutzen von Kindern“ beinhaltet die Bereicherung des Lebens durch die Geburt, die Liebe und Zuneigung die die Eltern erfahren und die Erfüllung durch die Elternschaft. Der „Einkommensnutzen von Kindern“ spricht von materiellen Vorteilen, der durch die Kinder produziert wird, da diese produktiv tätig sind. Dazu zählt auch Kinderarbeit etc. Der dritte und letzte Nutzen ist der „Versicherungsnutzen“, der die Absicherung in Alter und Krankheit durch die Kinder verspricht. (Huinik und Konietzka: 2007). Aber mit dem Nutzen sind auch Kosten verbunden, die Leibenstein in zwei Bereiche aufteilt. Zum einen hat man die direkten Kosten, die die Ausgaben für Ernährung, Kleidung, Bildung etc. beinhalten. Und zum anderen die indirekten Kosten, die sich auf die Zeit, die man für die Erziehung der Kinder aufbringt bezieht. Diese Zeit fehlt dann bei anderen Faktoren wie Arbeit oder Haushalt und steht somit nicht mehr zur Verfügung. Dabei sind Kosten und Nutzen von dem Wohlstand abhängig und somit veränderbar (vgl. Huinik und Konietzka: 2007).
Der zweite Ansatz stammt von Gary Becker, der die „Unterscheidung von Kinderzahl und der (…) Qualität der Kinder“ (vgl. Huinik und Konietzka: 2007, S.149, Z.17-18) aufzeigt. Für Becker sind Kinder Nutzen im Sinne von Konsumgütern, die vermittelt werden. Den ersten Aspekt, die „Qualität der Kinder“ (vgl. Huinik und Konietzka: 2007, S.149-150) ,sieht er als Eigenschaften der Kinder, die die Eltern als wichtig erachten. So z.B. der Zustand der Gesundheit oder das Vermögen in der Zukunft usw. Den zweiten Aspekt, „die Kosten der Kinder“ (vgl. Huinik und Konietzka: 2007, S.150, Z.10), misst er in Zeit. Auch hier geht es um die Zeit, die aufgebracht wird, um Kinder zu versorgen, zu erziehen etc. Becker geht, wie Leibenstein, davon aus, dass diese Zeit bei anderen Aktivitäten fehlt, so z.B auch dafür das Erwerbseinkommen zu stärken bzw. zu erhöhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in den demografischen Wandel und den anhaltenden Geburtenrückgang in Deutschland ein und formuliert das Ziel der Arbeit, Erklärungsansätze für dieses Phänomen zu beleuchten.
2. Fertitlität in Deutschland: Hier werden zentrale Fachbegriffe wie die allgemeine Geburtenziffer oder die Total Fertility Rate (TFR) erläutert und der historische Verlauf der Geburtenzahlen nachgezeichnet.
2.1. Ost-West-Vergleich:: Dieser Abschnitt analysiert die spezifischen Unterschiede in der Geburtenentwicklung zwischen der ehemaligen DDR und der BRD sowie die Auswirkungen der Wiedervereinigung.
3.Mikro- und Makrotheoretische Perspektiven: Das Kapitel stellt die theoretische Grundlage dar, indem es das Zusammenspiel von individuellen Entscheidungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Familiengründung beschreibt.
3.1.Mikrotheoretische Perspektiven: Hier werden ökonomische Ansätze wie die Familientheorie von Leibenstein und Becker diskutiert, die Kinder als Nutzen-Kosten-Abwägung auf individueller Ebene betrachten.
3.2.Makrotheoretische Perspektiven: Dieser Teil befasst sich mit gesellschaftlichen Einflüssen, insbesondere der Erwerbsarbeit, Rolleninkompatibilität und dem Sozialisationskonzept nach Easterlin.
4.Folgen: Das Kapitel erörtert die negativen Auswirkungen des Geburtenrückgangs, wie Schrumpfung der Bevölkerung, Überalterung, Fachkräftemangel und Belastungen der Sozialsysteme.
5.Fazit:: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Einflussfaktoren und einem Ausblick auf die Bedeutung des demografischen Wandels für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Geburtenrückgang, Fertilität, Total Fertility Rate, Demografischer Wandel, Familiensoziologie, Opportunitätskosten, Mikrotheorie, Makrotheorie, Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Bevölkerungsentwicklung, Sozialsysteme, Rolleninkompatibilität, Familiengründung, Deutschland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem anhaltenden Geburtenrückgang in Deutschland und den theoretischen sowie gesellschaftlichen Gründen, die zu einer niedrigen Fertilitätsrate führen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die ökonomischen Ansätze der Familienbildung, der Einfluss von Erwerbstätigkeit auf die Familiengründung und der Vergleich zwischen ost- und westdeutschen Entwicklungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, mikro- und makrotheoretische Erklärungen für die niedrige Geburtenrate zu identifizieren und die möglichen langfristigen Folgen dieser Entwicklung für die Gesellschaft zu analysieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener soziologischer und demografischer Theorien sowie der Auswertung empirischer Befunde zum Geburtenverhalten in Deutschland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung zur Fertilität, eine historische Betrachtung des Ost-West-Vergleichs, eine theoretische Analyse der Mikro- und Makroebene sowie eine Diskussion der Folgen für Wirtschaft und Sozialstaat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere geprägt durch Begriffe wie Geburtenrückgang, Fertilität, Opportunitätskosten, demografischer Wandel und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Wie unterscheidet sich die Fertilitätsentwicklung zwischen Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung?
Nach der Wiedervereinigung kam es in Ostdeutschland zu einem rapide einsetzenden Geburtenrückgang, da sich die Bevölkerung an die späte Familienbildung des Westens anpasste und neue Lebensentwürfe jenseits der Fortpflanzung verfolgte.
Welche Rolle spielen Opportunitätskosten bei der Entscheidung für ein Kind?
Opportunitätskosten, insbesondere der Einkommensverlust durch eine zeitweise Unterbrechung der Erwerbstätigkeit sowie der Zeitaufwand für Kindererziehung, gelten als einer der bedeutendsten Einflussfaktoren für den Geburtenrückgang.
Warum hält der Autor die Alterung der Gesellschaft für ein „schlimmeres“ Problem als den Bevölkerungsrückgang?
Martin Bujard wird zitiert, dass die Alterung der Gesellschaft ein sicherer Prozess ist, der die Sozialsysteme und den Wohlstand stark belastet, während der Bevölkerungsrückgang theoretisch durch verschiedene Maßnahmen oder Zuwanderung noch beeinflussbar ist.
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- Gina-Marie Müller (Author), 2016, Die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Mikro- und makrotheoretische Erklärungen und eventuelle Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384358