Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius, nach der Durchführung seines Opferedikts. Viel ist uns über den römischen Kaiser Decius nicht bekannt. Ein Ereignis seiner kaum zweijährigen Herrschaftszeit (249 – 251) ist jedoch quellenmäßig ausgesprochen gut dokumentiert. Die Rede ist von der sogenannten Decischen Christenverfolgung. Diese wird im Allgemeinen als Wendepunkt in der Geschichte der Christenverfolgung bezeichnet, denn sie gilt als die erste zentral organisierte und reichsweite Verfolgung von Christen im Römischen Reich und als Vorbild der folgenden Verfolgungen bis zum 313 erlassenen Toleranzedikt von Mailand.
Problematisch an den bisherigen Rekonstruktionen der Verfolgung von Christen in den Jahren 249 bis 250 ist, dass sie de facto allein auf der Basis der christlichen Quellen geschah. Die Arbeit von R. Selinger hat jedoch gezeigt, eine Rekonstruktion der Ereignisse der Decischen Verfolgung ist auch ohne die Hinzuziehung der christlichen Zeugnisse, allein auf der Grundlage der wenigen „heidnischen“ Quellen, möglich. Da dabei zum Teil erhebliche Abweichungen von der christlichen Sicht festgestellt werden konnten, ist es notwendig geworden, die von den christlichen Autoren als Christenverfolgung interpretierten Ereignisse unter Bezugnahme auf die Ergebnisse Selingers und einer kritischen Betrachtung der christlichen Quellen sowie der traditionellen Forschungsmeinung daraufhin zu überprüfen, ob es sich denn wirklich um eine Christenverfolgung handelte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematik
1.2 Quellenlage
1.3 Materialgrundlage
2 Laufbahn, Herrschaft und Christenverfolgung des Decius
3 Der Charakter der Verfolgung
4 Zu den Gründen der Decischen Verfolgung
4.1 Die christlichen Quellen
4.2 Die Religiosität des Decius als Erklärungsansatz
4.2.1 Der religiöse Konservatismus des Decius
4.2.2 Ursache der Verfolgung?
4.2.3 Der Stellenwert der Religionspolitik
5 Eine Christenverfolgung?
5.1 Das Opferedikt – Ein Verfolgungsedikt?
5.1.1 Inhalt, Reichweite und Anlass
5.1.2 Opferkommission und Opferlibelli
5.1.3 Das Verhalten der Behörden
5.1.4 Instrument einer Christenverfolgung?
5.2 Die Christen und das Opferedikt
5.2.1 Christentum contra Kaiserkult
5.2.2 Opferverweigerung als crimen laesae maiestatis
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob das unter Kaiser Decius erlassene Opferedikt tatsächlich als gezielte Christenverfolgung zu bewerten ist oder ob es sich um eine allgemeine religiös-politische Maßnahme handelte, deren Auswirkungen auf Christen eher unbeabsichtigte Konsequenzen aus der Kollision von Religionspflicht und Glaubensüberzeugung waren.
- Analyse der historischen Quellenlage zur Herrschaft des Decius.
- Untersuchung des religiösen Konservatismus des Kaisers als mögliches Motiv.
- Rekonstruktion des Opferedikts und seiner praktischen Umsetzung durch lokale Behörden.
- Gegenüberstellung des kaiserlichen Willens mit der christlichen Interpretation als gezielte Verfolgung.
- Bewertung des Konflikts zwischen Christentum und römischem Kaiserkult.
Auszug aus dem Buch
5.1.2 Opferkommission und Opferlibelli
Opferkommission und Opferlibelli werden gerne herangezogen, um den besonderen Charakter der Decischen Verfolgung hervorzuheben. Beides sei Ausdruck der Neuartigkeit sowie der Planmäßigkeit der Verfolgung.
Hier sollen Opferkommission und Opferlibelli daraufhin untersucht werden, ob sie als Bestandteil einer Christenverfolgung angesehen werden können. Nach den bisherigen Erkenntnissen kann über die Kommissionen folgendes gesagt werden: Sie hatten für die Durchführung des Opfers auf lokaler Ebene zu sorgen, sie hatten als von den Städten organisierte Einheiten keine straffrechtliche Kompetenzen und sie hatten auch nicht die Aufgabe, Opferverweigerer, und damit vor allem Christen, ausfindig zu machen. Das es sich in der Tat nur um eine Einrichtung zur Überwachung dieser handelte, wird zudem durch das Verhalten der Behörden deutlich. Über das Genannte hinaus waren die Opferkommissionen zudem verantwortlich für die Opferlibelli. Bei den libelli handelt es sich um Anträge an die lokalen Opferkommissionen. Sie enthielten die Personalien des Antragstellers sowie die der Mitglieder des Haushaltes. Gegebenenfalls wurden außerdem besondere körperliche Kennzeichen angegeben. Es ist von mindestens zwei angefertigten Exemplaren auszugehen, welche der Antragsteller vorlegen musste. Die uns bekannten libelli datieren alle aus dem Zeitraum zwischen dem 12. Juni und 15. Juli 250.
Die libelli sind oft als besonderes Instrument der Decischen Verfolgung betrachtete worden. So wurde angenommen, sie dienten dazu, die Christen von der übrigen Bevölkerung zu trennen und zu bestrafen, beziehungsweise dass sie dem Besitzer dazu dienten zu beweisen, dass er kein Christ sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der sogenannten Decischen Christenverfolgung, Erläuterung der Quellenlage und der methodischen Herangehensweise zur kritischen Überprüfung des Forschungsbegriffs.
2 Laufbahn, Herrschaft und Christenverfolgung des Decius: Biografischer Überblick über Decius, seine politische Karriere sowie die zentralen Ereignisse seiner kurzen Herrschaftszeit.
3 Der Charakter der Verfolgung: Festlegung des Begriffs „Christenverfolgung“ auf Basis der christlichen Zeugnisse und historischer Forschungsmeinungen als systematische staatliche Vernichtungsmaßnahme.
4 Zu den Gründen der Decischen Verfolgung: Untersuchung der Motive für das Handeln des Kaisers, insbesondere die Frage nach dem Einfluss seines religiösen Konservatismus und der Priorität der Religionspolitik.
5 Eine Christenverfolgung?: Detaillierte Analyse des Opferedikts, der Opferkommissionen, des Verhaltens der Behörden sowie des zugrundeliegenden Konflikts zwischen Christentum und Kaiserkult.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass es sich beim Opferedikt nicht um ein Instrument zur Vernichtung der Christen handelte, sondern um eine allgemeine Anordnung, deren Folgen in den Rechtsvorschriften zur Opferverweigerung begründet lagen.
Schlüsselwörter
Decius, Christenverfolgung, Opferedikt, Opferlibelli, Römischer Kaiserkult, Religionspolitik, Konservatismus, Antike, Historische Quellen, Supplicatio, Opferverweigerung, Crimen laesae maiestatis, Frühes Christentum, Kirchengeschichte, Historische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die unter Kaiser Decius begonnene Verfolgung der Christen tatsächlich eine gezielte, zentral geplante Vernichtungsaktion war, wie sie von christlichen Autoren dargestellt wird.
Welche Themenfelder sind für das Verständnis zentral?
Zentrale Themen sind die Religionspolitik des 3. Jahrhunderts, die Rolle des römischen Kaiserkults, die Funktion der Opferlibelli sowie die Abgrenzung zwischen kaiserlichem Verwaltungsakt und religiöser Verfolgung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Begriff der „Christenverfolgung“ kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob das Opferedikt des Decius primär gegen Christen gerichtet war oder eine allgemeine, religiös-konservative Maßnahme darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse, indem er christliche Interpretationen den Erkenntnissen aus nicht-christlichen Zeugnissen sowie modernen historischen Forschungsansätzen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Decius' Motiven (religiöser Konservatismus) und die detaillierte Analyse der Ausführung des Opferedikts durch Kommissionen und Behörden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Decius, Christenverfolgung, Opferedikt, Opferlibelli und römischer Kaiserkult charakterisieren.
Warum wird das Opferedikt von den Christen als Verfolgungsedikt wahrgenommen?
Da die Partizipation am kaiserlichen Opferglauben für Christen aufgrund ihrer religiösen Überzeugung (Verehrung Gottes als Weltenherrscher) unmöglich war, trafen sie die allgemeinen Pflichten des Edikts besonders hart.
Warum waren Opferkommissionen und Libelli laut dem Autor kein Instrument der Christenverfolgung?
Die Kommissionen hatten keine spezifischen strafrechtlichen Befugnisse zur Christenjagd, und die Libelli dienten als bürokratische Anwendung etablierter Verfahren, nicht als Mittel zur systematischen Enttarnung von Christen.
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- Philipp Schneider (Author), 2003, Die Christenverfolgung unter Kaiser Decius. Das Opferedikt und die Christen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384459