Schlussfolgerungen für den Polizeialltag aus Geert Hofstedes "Cultures and Organizations Intercultural Cooperation and its Importance for Survival


Exzerpt, 2017

10 Seiten, Note: 1,0

A. V. A Canetti (Autor)


Leseprobe

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1 .
E
I N L E I T U N G
Der vorliegende Text entstammt Geert Hofstedes Publikation Cultures and
Organizations:InterculturalCooperationanditsImportanceforSurvival(London:Profile
Books Ltd., 2003) und dem einleitenden Kapitel Levels of Culture, in dem der
Erläuterung des kulturellen Konzepts der mentalen Programmierung besondere
Bedeutungzukommt.DerAutoristniederländischerSozialpsychologeundemeritierter
ProfessorderUniversitätMaastricht,deralsPionierinderErforschunginterkultureller
Zusammenarbeit gilt. Bekannt ist er vor allem für die Entwicklung der sogenannten
CulturalDimensionsTheorie,diesichmitdemZusammenlebenverschiedenerKulturen
auseinandersetzt (Dellner 2009, 7). Cultures and Organizations untersucht die
KomponenteinterkulturellerZusammenarbeitundderenAnwendungsmöglichkeiten.
2 .
E
X Z E R P T
2 . 1 .
Z
U S A M M E N F A S S U N G
Hofstede führt in diesem Textauszug die Bedeutung von Verhaltensmustern ein, die
durchdieKindheit,denpersönlichenundkulturellenErfahrungsschatzunddassoziale
Umfeld geprägt werden. Er betont dabei das Konfrontationspotenzial, das durch
Unterschiede im Denken, Fühlen und Handeln zustande kommt. Hofstede stellt die
Theseauf,dassnurdasgegenseitigeVerständnisfürdieseUnterschiededieMöglichkeit
bietet durch interkulturelle Zusammenarbeit zu Lösungen ­ durch erfolgreiche
Implementierung getroffener Entscheidungen ­ für diese Probleme, Konflikte,
Konfrontationen zu gelangen. Er führt den Begriff des mental programming oder
software of the mind ein, die teilweise ererbten, teilweise erlernten Muster, die das
Denken, Fühlen und Handeln konstituieren. Einen besonderen Stellewert schreibt er
dabei dem Konzept Kultur zu (vgl. Hofstede 2003, 5). Im Zusammenhang der
ZugehörigkeitdesIndividuumszueinerkulturellenGruppefindetauchdasPrinzipdes
kulturellen Relativismus Erwähnung. In Bezug auf die Manifestation von Kultur
beschreibt Hofstede im Anschluss die Bedeutung von Symbolen, Helden, Ritualen und
Werten für das Gesamtkonzept und betont die Unterscheidung der Faktoren desirable

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und desired anhand der in ihnen involvierten Normen als Standard für jeweilige
Wertesysteme.
2 . 2 .
F
R A G E S T E L L U N G
Die Polizeiarbeit und besonders die Aus und Weiterbildung von Einsatzkräften sind
aufgrund der sich stetig ändernden gesellschaftlichen Parameter konstanter
Entwicklung unterworfen. Bei ethnischer Diskriminierung und der verstärkten
Konfrontation mit Minderheiten handelt es sich um kein neues Phänomen; dennoch
bietet sich im aktuellen Kontext der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung die
Gelegenheit,
den
Stellenwert
interkulturellen
Kompetenzerwerbs
in
der
Polizeiausführungzuhinterfragen.Esistunstrittig,dassdieVermittlunginterkultureller
Kompetenzen für den Polizeidienst heute unabdingbar ist ­ jedoch verbirgt sich hier
PotenzialfüreineEvaluationdesbisherigenErfolgsdieserKompetenzvermittlungund
der Qualität der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Institutionen zur Bekämpfung
vonUnverständnisundDiskriminierungzwischenverschiedenenKulturen.ImRahmen
der
gemeindeorientierten
Polizeiarbeit
(community
policing)
müssen
Fortbildungsmaßnahmen angestrebt werden, um das Zusammenwirken von Beamten
und gesellschaftlichen Fraktionen zu erleichtern und Konflikte, die durch mangelndes
Verständnis zustande kommen, zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund soll Hofstedes
Text analysiert werden, um zu Schlussfolgerungen für den Polizeialltag in Zeiten
wachsender Globalisierung und Migration zu gelangen. Anders als bei einer bloßen
AnalysegilteshierdenAusgangstextfüreinewissenschaftlicheNutzungaufzuarbeiten.
DahersollnichtlediglichdieArgumentationdesAutorsnachvollzogenwerden,sondern
auchnützlicheZitate,DefinitionenoderAbbildungenherausgearbeitetwerden.
2 . 3 .
A
N A L Y S E U N D
A
R G U M E N T A T I O N
Hofstede beginnt seine Ausführungen mit einem Auszug aus Reginald Roses
Kammerstück Die Zwölf Geschworenen (1955), dessen Verfilmung bis heute aus
soziologischpsychologischer Sicht zur Veranschaulichung gruppendynamischer
Verhaltensprozesseherangezogenwird(Bornstein2012).IndieserSzenezeigtsichdie

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sich emotional verschärfende Situation zwischen den Jurymitgliedern, die einstimmig
über die Schuld eines aus einem sozialen Brennpunkt stammenden Angeklagten
entscheiden müssen. Geschworener Nr. 11, ein Uhrmacher mitteleuropäischer
AbstammungwirdvonGeschworenemNr.10,einemrassistischenTankstellenbetreiber
fürseinehöflicheAusdrucksweiseverspottet.
10
th
juror:(interruptingandmimicking)Whatareyousogoddampoliteabout?
11
th
juror:(lookingstraightatthe10
th
juror)
Forthesamereasonyou'renot.It'sthewayIwasbroughtup.
Dieser kurze Schlagabtausch belegt Hofstedes zentrale These: Alle Menschen (ob in
ihrerRollealsIndividuumoderalsMitgliedeinersozialenGruppeoderNation)tragen
insichunlöschbareVerhaltensmuster["anindeliblepatternofbehaviour",vgl.Hofstede
2003, 3]
1
und bergen durch diese Unterschiede im Denken, Fühlen und Handeln
KonfrontationspotenzialimUmgangmiteinander.HofstedeüberträgtdieseSituationauf
einen breiteren Zusammenhang und legt am Beispiel aktueller Konflikte die
Notwendigkeit dar, zur Lösung gemeinsamer Probleme zusammenzuarbeiten, um
getroffene Entscheidungen erfolgreich zu implementieren. Hofstede betont hier den
Hauptgrund für das Scheitern der Implementierung von Lösungsansätzen auf
weltweiter Ebene: die Ignoranz der Existenz ebendieser
Unterschiede, die er für ebenso essenziell hält wie ihre
technischenFaktoren.DerAutorpräsentiertdieBehebung
dieser Missverständnisse als Zielvorgabe seines Buches
und erklärt aufzeigen zu wollen, dass trotz der
Vielseitigkeit mentaler Prozesse eine Struktur vorhanden ist, die als Basis für
gegenseitigesVerständnisdient.["helpindealingwiththedifferencesinthinking,feeling,
andacting",ibid.,4]
Hofstede widmet den Großteil seiner Argumentation der mentalen Programmierung
(mental programming) als Variante des Gesamtkonzepts Kultur. Er präsentiert die
Hypothese, dass sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens
2
Muster aneignet, die
ProzessedesDenkens,FühlensundpotenziellenHandelnsbestimmen.Sobalddiesevoll
1
Bei Zitaten in eckigen Klammern handelt es sich um den Wortlaut des Autors, der durch seine
AussagekraftzurWiedergabeineinerpotenziellenakademischenArbeitgenutztwerdenkann.
2
BesondereBedeutungfälltdabeiderfrühenKindheitzu.IndiesemStadiumseieinePersonbesonders
empfänglichfürLernanreizeundAnpassungsverhalten(Assimilation).

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ausgeprägtsind,seiesnotwendigdieseerstwiederzuverlernen,bevorsiemitneuen
Musternüberschriebenwerdenkönnen.["unlearningismoredifficultthanlearningfor
the first time", ibid.] In Anlehnung an die Analogie der Computerprogrammierung
sprichtHofstedesichfürdenBegriffdermentalprogramsodersoftwareofthemindaus,
äußert aber gleichzeitig, dass das Verhalten einer Person (anders als bei einem
Computer) natürlich nur in Teilen von seiner frühkindlichen Programmierung
vorbestimmtistunddiegrundlegendeMöglichkeitbestehtabzuweichen.["reactinways
which are new, creative, destructive, or unexpected", ibid.] Verwendet der Autor den
Begriff software of the mind, weist er dementsprechend lediglich auf wahrscheinliche
und verständliche Reaktionen im Hinblick auf die Vergangenheit einer Person hin.
Laut Hofstede liegen die Grundlagen der mentalen Programme des Individuums im
sozialenUmfeld,indemesaufwächstundseineLebenserfahrungensammelt.Hierfindet
ein Rückbezug auf das Streitgespräch zwischen den Geschworenen statt, deren
ReaktionensichdurchdieverschiedenenmentalenProgrammeerklärenlassen,diesie
aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft durchlaufen haben. Hofstede belegt diese
mentaleProgrammierungmitdemdafürgebräuchlichenBegriffKultur["itsLatinsource
[...] refers to the tilling of soil", ibid., 4f]. Er betont, dass hier nicht Kultur im
althergebrachtenSinne["cultureinthenarrowsense",ibid.,5]gemeintsei(Kultureins),
sonderndieunterSozialanthropologengeläufigereSpielart(Kulturzwei):grundlegende
und primitive Prozesse des Denkens, Fühlens und Handelns, z.B. Begrüßung,
Nahrungsaufnahme, körperliche Nähe oder Distanz. Er kritisiert, dass diese beiden in
der Öffentlichkeit oft verwechselt würden und wählt das Beispiel der Integration von
ImmigrantenindenAlltagdesneuenHeimatlandes["culturetwodealswithmuchmore
fundamental human processes [...]; it deals with the things that hurt", ibid.]. Bei Kultur
zwei müsse es sich demnach um ein kollektives Phänomen handeln, da sie mit denen
geteilt wird, die aus ebenjenem sozialen Umfeld stammen, in dem diese mentalen
Programme erlernt wurden. ["It is the collective programming of the mind which
distinguishes the members of one group [...] from another.", ibid.] Geht man davon aus,
dasssichKulturvomsozialenUmfeldundnichtausdergenetischenVeranlagungeines
Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Schlussfolgerungen für den Polizeialltag aus Geert Hofstedes "Cultures and Organizations Intercultural Cooperation and its Importance for Survival
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V384509
ISBN (eBook)
9783668623262
ISBN (Buch)
9783668623279
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Culture, intercultural communication, hofstede
Arbeit zitieren
A. V. A Canetti (Autor), 2017, Schlussfolgerungen für den Polizeialltag aus Geert Hofstedes "Cultures and Organizations Intercultural Cooperation and its Importance for Survival, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384509

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