Ziel dieser Arbeit ist es, den Kelch formenkundlich und archäologisch zu untersuchen und Streitpunkte der Forschung sowie mögliche bzw. sichere Lösungen darzustellen. Die gewichtigsten Probleme betreffen beispielsweise die Stiftungsintention und den Ort der Herstellung, auf die genauer einzugehen ist. Ausgehend von Haseloffs grundlegender Untersuchung zum Tassilokelch soll im Abstand von über 60 Jahren nochmals versucht werden, seine Argumentation nachzuvollziehen. Schließlich soll auch auf den Tassilokelchstil eingegangen werden, um zu erfassen in welchem größeren kunstgeschichtlichen Rahmen der Tassilokelch relevant ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herzog Tassilo III.
3. Beschreibung des Kelches
4. Verarbeitung und Material
5. Diskussion um Entstehung und Herkunft
6. Formenkundliche Untersuchung
a. Kelchform
b. Figurenstil
c. Ornamentik
i. Tierornament
ii. Pflanzenornament
iii. Bandornament
iv. Geometrisches Ornament
7. Tassilokelchstil und seine Vertreter
8. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der kunstgeschichtlichen und archäologischen Untersuchung des Tassilokelches, um offene Fragen zur Stiftungsintention und dem Herstellungsort zu klären. Dabei wird die Forschungsgrundlage von Günther Haseloff kritisch hinterfragt und in einen breiteren kunstgeschichtlichen Rahmen eingeordnet, wobei der Fokus insbesondere auf dem sogenannten Tassilokelchstil liegt.
- Historische Einordnung von Herzog Tassilo III.
- Detaillierte formenkundliche Analyse des Kelchdekors
- Untersuchung der Entstehungs- und Herkunftsdebatte
- Klassifizierung des Tier- und Pflanzenornaments
- Bedeutung des Tassilokelchstils im karolingischen Reich
Auszug aus dem Buch
3. Beschreibung des Kelches
Der Tassilokelch ist – ohne den Cuppaeinsatz – 25,5 cm hoch und hat an der Cuppa einen Durchmesser von 15,6 cm, der Fuß etwa 13 cm. Sein Fassungsvermögen beträgt etwa 1,75 l und sein Gewicht 3,05 kg. Grob untergliedern lässt sich der Kelch in die Cuppa mit dem umlaufenden Cuppafries, den Nodus (Knauf) und den Fuß, ebenfalls mit umlaufenden Fries.
Die Cuppa ist hauptsächlich mit fünf großen Ovalfeldern verziert, die Christus und die vier Evangelisten mit ihren Attributen zeigen. Das Christus-Feld zeigt die Halbfigur Christi von vorn gesehen mit geöffneten Augen. Die linke Hand ruht vor der Brust, die rechte dagegen ist zum Segensgestus erhoben. Beiderseits des Kopfes, der von einem Kreuznimbus überstrahlt wird, stehen die Buchstaben I S (Jesusdarstellung) A ω. IS steht entweder für Iesus Salvator oder die Anfangsbuchstaben der beiden Silben Ie-Sus. In den anderen Feldern sind die Evangelisten, jeweils auf einem Sessel sitzend dargestellt. Ihr Symbol steht aufrecht vor ihnen, wobei der Löwe des Markus und der Stier des Lukas aus Platzgründen auf den Hinterbeinen stehen.
Oben um die Cuppa verläuft ein Fries aus zehn halbkreisförmigen und ebenso vielen dazwischenliegenden giebelartigen Feldern. Die in den Halbkreisen dargestellten Tierfiguren sind stark stilisiert und zeigen liegende Vierfüßler mit zurückgewandtem Kopf. Ihre Körper sind bandartig verschmälert und S-förmig. „In den giebelförmig abgeschlossenen, schmalen Feldern befinden sich kleine stilisierte Bäume […]“, die Haseloff als Weinstöcke identifiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Tassilokelches als kunsthistorisches Objekt im Stift Kremsmünster und Formulierung der Untersuchungsziele.
2. Herzog Tassilo III.: Historischer Abriss zum Namensgeber des Kelches und seinem politisch spannungsreichen Leben im 8. Jahrhundert.
3. Beschreibung des Kelches: Detaillierte materielle und ikonographische Bestandsaufnahme des Kelchaufbaus und seiner figuralen Darstellungen.
4. Verarbeitung und Material: Analyse der technischen Herstellungsmethoden wie Guss, Schmiedearbeit, Silbertauschierung und Nielloverzierung.
5. Diskussion um Entstehung und Herkunft: Gegenüberstellung der wissenschaftlichen Thesen zum Entstehungsort zwischen England und dem kontinentalen Südostdeutschland.
6. Formenkundliche Untersuchung: Systematische Analyse der Kelchform, des Figurenstils sowie der verschiedenen Ornamentformen.
7. Tassilokelchstil und seine Vertreter: Definition des Stils und Einordnung in den Kontext vergleichbarer Objekte der Epoche.
8. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung zum Herstellungsort und zum kulturellen Kontext des Werkes.
Schlüsselwörter
Tassilokelch, Tassilo III., Agilolfinger, Kremsmünster, Kunstgeschichte, Tierornamentik, Pflanzenornamentik, Flechtbandornament, frühes Mittelalter, Kontinentale Provenienz, Ikonographie, Metallverarbeitung, Insularer Einfluss, Karolingerzeit, Sakrale Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Tassilokelch, ein bedeutendes frühgeschichtliches sakrales Objekt, formenkundlich und archäologisch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die materielle Beschaffenheit, der künstlerische Stil des Kelches sowie die anhaltende wissenschaftliche Debatte um seinen Herstellungsort.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsargumentation von Günther Haseloff nach über 60 Jahren zu hinterfragen und die Herkunftsfrage basierend auf aktuelleren Analysen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formenkundliche Analyse angewandt, die den Vergleich mit zeitgenössischen Handschriften und anderen archäologischen Fundstücken beinhaltet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung, eine Materialanalyse sowie eine spezifische Untersuchung von Tier-, Pflanzen-, Band- und geometrischen Ornamenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tassilokelch, Tassilokelchstil, karolingische Kunst, frühes Mittelalter und insulare Einflüsse geprägt.
Warum wird der Kelch als „calix ministerialis“ bezeichnet?
Aufgrund seiner Größe und der Abriebspuren wird vermutet, dass er ein spezieller Kelch für die Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten war.
Welche Bedeutung haben die abgebildeten Tiere und Pflanzen?
Die Ikonographie der „Lebensbaum“-Motive mit Tieren symbolisiert die paradiesische Heilserwartung des damaligen geistlichen und weltlichen Adels.
Welche Rolle spielt die „insulare“ Herkunft in der Debatte?
Die Debatte dreht sich darum, ob der Kelch direkt in England gefertigt wurde oder ob es sich um eine kontinentale Arbeit unter starkem insularen Einfluss handelt.
- Arbeit zitieren
- Dominik Baumgartner (Autor:in), 2017, Der Tassilokelch. Eine formenkundliche und archäologische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384563