Diese Arbeit hat zum Ziel, das Forschungsfeld Corporate-Coworking zu erschließen. Dazu soll insbesondere untersucht werden, ob und in welchem Ausmaß Unternehmen ihre Arbeitsorganisation anhand von Coworking-Spaces ausrichten. Die daraus resultierende Forschungsfrage lautet: Welche Chancen und Risiken entstehen durch Corporate-Coworking als Form der Arbeitsorganisation für Unternehmen?
In den letzten Jahrzehnten sind tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt zu beobachten. Diese beinhalten unter anderem Phänomene wie die Zunahme an Wissensarbeit und die daraus fortschreitende Digitalisierung des beruflichen und privaten Alltags. Durch diesen Wandel erleben sogenannte „CoworkingSpaces“ einen regelrechten Boom.
Die Idee, dass etablierte und auch mitarbeiterstarke Unternehmen Coworking für sich entdecken, wird als Corporate-Coworking verstanden. Während sich mit dem Thema Coworking-Spaces bereits diverse Studien beschäftigten, stellt das Corporate-Coworking ein nahezu unerforschtes Feld dar. Die Themen Coworking-Spaces und Corporate-Coworking stellen sehr praxisnahe Konzepte dar, dennoch können sie auch theoretisch eingebettet werden, im Rahmen der institutionalistischen Theorie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Historische Entwicklung der Arbeitswelt
2.2 Aktuelle Trends und Herausforderungen in der Arbeitswelt
2.2.1 Digitalisierung
2.2.2. Entgrenzung und Flexibilisierung
2.2.3 Hierarchieabbau
2.2.4 Demografischer Wandel und Fachkräftemangel
2.2.5 Innovationsdruck der Unternehmen
2.3 Konsequenzen für die Arbeitsorganisation von Unternehmen
3. Neo-Institutionalistische Theorie als konzeptionellen Rahmen
4. Coworking
4.1 Definition Coworking-Space und Begriffsabgrenzung
4.2 Kategorisierung von Coworking-Spaces
4.3 Kategorisierung von Coworking-Space Nutzern
4.4 Gründe für die Nutzung von Coworking-Spaces
4.5 Grenzen von Coworking-Spaces
5. Corporate-Coworking
6. Empirie: Methodik und Vorgehensweise
6.1 Erhebungsmethode: Qualitative Experteninterviews
6.2 Interviewleitfaden
6.3 Erhebungsdurchführung
6.4 Datenanalyse: Gioia-Methodologie
7. Ergebnisse
7.1 Charakteristika des Arbeitsumfeldes
7.2 Soziale Charakteristika des Arbeitens
7.3 Arbeitsweise im Unternehmen
7.4 Organisationscharakteristika
8. Zwischenfazit Corporate-Coworking
9. Chancen und Risiken von Corporate-Coworking
9.1 Chancen
9.1.1 Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
9.1.2 Innovationskraft
9.1.3 Mitarbeiterbindung
9.1.4 Arbeitsmotivation
9.2 Risiken
9.2.1 Anforderungen an Mitarbeiter
9.2.2 Mitarbeiterzielgruppe
9.2.3 Unternehmenswachstum
10. Abgeleitetes Forschungsmodell
11. Gestaltungsempfehlungen für die Praxis
11.1 Strategische Gestaltungsempfehlungen
11.1.1 Gestaltung einer Innovationskultur
11.1.2 Kommunikationskultur
11.1.3 Personalpolitik
11.2 Operative Gestaltungsempfehlungen
11.2.1 Offene Großraumarbeitsplätze
11.2.2 Anreizstrukturen zusätzlich zum Gehalt
11.2.3 Weiterbildung
11.2.4 Flexible Arbeitszeiten
12. Limitationen und Implikationen
13. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit zielt darauf ab, das bisher wenig erforschte Konzept des Corporate-Coworking zu explorieren und zu verstehen, inwieweit etablierte Unternehmen Arbeitsorganisationsstrukturen aus Coworking-Spaces übernehmen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Chancen und Risiken mit der Einführung von Corporate-Coworking als Form der Arbeitsorganisation einhergehen.
- Analyse der historischen Entwicklung und aktuellen Trends der Arbeitswelt.
- Erarbeitung der theoretischen Grundlagen durch die institutionalistische Theorie.
- Empirische Untersuchung mittels qualitativer Experteninterviews in 18 Unternehmen.
- Identifikation von Gestaltungsdimensionen für eine moderne Arbeitsorganisation.
- Ableitung von praktischen Empfehlungen für junge und etablierte Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In den letzten Jahrzehnten sind tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt zu beobachten. Diese beinhalten unter anderem Phänomene wie die Zunahme an Wissensarbeit und die daraus fortschreitende Digitalisierung des beruflichen und privaten Alltags (Dolfsma und Soete 2006, S. 1; Malecki und Moriset 2008, S. 1) sowie die Flexibilisierung der Arbeit (Voß 1998, S. 473). Durch diesen Wandel erleben „Coworking-Spaces“ einen regelrechten Boom. Ein Coworking-Space kann als „integriertes und flexibles Geschäfts- und Arbeitsmodell, das sich auf die Bedürfnisse von Entrepreneurs, Kreativ- und Wissensarbeitern fokussiert.“, verstanden werden (Schürmann 2013, S. 34).
Konkret bedeutet das, dass es sich bei Coworking-Spaces um flexibel anmietbare Arbeitsplätze handelt. Die Coworker entrichten ein Entgelt und können dafür einen Arbeitsplatz mit seiner kompletten Infrastruktur nutzen. Eine Quantifizierung des Coworking-Booms lässt die Relevanz dieser flexiblen sowie sozialen Arbeitsmöglichkeit erkennen. Konnten im Jahr 2007 weltweit 17 offizielle Coworking-Spaces gezählt werden, so waren es im Jahr 2016 bereits 11.091. Wissenschaftler prognostizieren für 2020 sogar über 25.000 Coworking-Spaces weltweit (Zukunftsinstitut, n.d.).
Zahlreiche Studien widmeten sich bereits der Analyse und Charakterisierung von Coworking- Spaces (vgl. Bouncken und Reuschl 2016) sowie deren Nutzern (vgl. Spinuzzi 2012; Garrett et al. 2014). Auch die Vorteile der Coworking-Space Nutzung, wie beispielsweise die Strukturierung und Trennung von Arbeits- und Freizeit (vgl. Pohler 2012), der Aufbau von sozialen Kontakten, oder eine gesteigerte Innovationsfähigkeit wurden vermehrt untersucht. Trotz der Vorteile ist Coworking als Form der Arbeitsorganisation nicht für jedes Unternehmen geeignet. Einschränkungen wie Daten- und Wissensschutz (Bouncken und Reuschl 2016, S. 15) müssen den Vorzügen gegenübergestellt werden. Eine weitere Grenze der Coworking-Space-Nutzung ist in der Größe eines Unternehmens zu sehen. Trotz dessen scheint Coworking auch für etablierte Unternehmen in den Interessenfokus zu rücken (Schürmann 2013, S. 38).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Wandel der modernen Arbeitswelt ein und definiert das Forschungsfeld Corporate-Coworking sowie die zentrale Forschungsfrage.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der Arbeit, aktuelle Trends wie Digitalisierung und Flexibilisierung sowie deren Konsequenzen für Unternehmen.
3. Neo-Institutionalistische Theorie als konzeptionellen Rahmen: Hier wird die institutionalistische Theorie als theoretisches Fundament dargelegt, um zu erklären, warum Organisationen bestimmte Strukturen legitimieren.
4. Coworking: Dieses Kapitel definiert den Begriff Coworking-Space, kategorisiert Betreiber und Nutzer und diskutiert die Vor- und Nachteile sowie die Grenzen dieses Konzepts.
5. Corporate-Coworking: Das Kapitel leitet den Begriff Corporate-Coworking ab und überträgt die fünf Coworking-Werte (Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit, Zugänglichkeit) auf die Ebene etablierter Unternehmen.
6. Empirie: Methodik und Vorgehensweise: Hier wird der methodische Ansatz der qualitativen Experteninterviews sowie die Anwendung der Gioia-Methodik zur Datenanalyse detailliert beschrieben.
7. Ergebnisse: Die Ergebnisse der empirischen Studie werden anhand von vier aggregierten Dimensionen vorgestellt: Charakteristika des Arbeitsumfeldes, Soziale Charakteristika, Arbeitsweise und Organisationscharakteristika.
8. Zwischenfazit Corporate-Coworking: Dieses Zwischenfazit zieht einen Vergleich zwischen den untersuchten Unternehmen und Coworking-Spaces, um Parallelen und Unterschiede herauszuarbeiten.
9. Chancen und Risiken von Corporate-Coworking: Hier werden die identifizierten Chancen (Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft, Mitarbeiterbindung, Arbeitsmotivation) und Risiken (Anforderungen, Zielgruppe, Wachstum) detailliert diskutiert.
10. Abgeleitetes Forschungsmodell: Auf Basis der Ergebnisse wird ein Modell entwickelt, das die Zusammenhänge zwischen den identifizierten Faktoren und der Wettbewerbsfähigkeit darstellt.
11. Gestaltungsempfehlungen für die Praxis: Das Kapitel bietet praxisnahe, strategische und operative Empfehlungen für Unternehmen, die Corporate-Coworking implementieren möchten.
12. Limitationen und Implikationen: Hier werden die methodischen Grenzen der Studie reflektiert und Implikationen für die zukünftige Forschung abgeleitet.
13. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Corporate-Coworking, Arbeitsorganisation, Coworking-Spaces, Digitalisierung, Innovationskraft, Arbeitswelt, Mitarbeiterbindung, Experteninterviews, Arbeitsflexibilität, Neo-Institutionalismus, Unternehmenskultur, Arbeitsmotivation, Agile Arbeitsweise, Wissensmanagement, Eigenverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des "Corporate-Coworking", also die Anwendung von Prinzipien und Arbeitsorganisationsformen aus Coworking-Spaces innerhalb etablierter Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wandel der Arbeitswelt, die institutionalistische Organisationstheorie, die spezifischen Charakteristika von Coworking-Spaces sowie die Möglichkeiten zur Gestaltung einer modernen Unternehmenskultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Forschungsfeld Corporate-Coworking zu erschließen und praxistaugliche Gestaltungsempfehlungen für Unternehmen zu generieren, um deren Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign mit 18 leitfadengestützten Experteninterviews. Die Datenauswertung erfolgt nach der Gioia-Methodologie, um neue Theorieaussagen explorativ zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Definition von Corporate-Coworking, die empirische Methodik sowie die Darstellung der Ergebnisse bezüglich Arbeitsumfeld, Kultur, Arbeitsweise und Mitarbeiterstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Corporate-Coworking, Arbeitsorganisation, Innovationskraft, Unternehmenskultur und Arbeitsflexibilität charakterisiert.
Wie wirken sich flache Hierarchien auf die Innovationskraft aus?
Laut den Ergebnissen der Arbeit fördern flache Hierarchien die Innovationskraft, da sie Distanz abbauen, eine offenere Kommunikation ermöglichen und es Mitarbeitern erleichtern, Ideen konstruktiv einzubringen.
Welche Rolle spielt die Fehlerkultur bei Corporate-Coworking?
Eine gelebte, konstruktive Fehlerkultur wird als zentrales Element identifiziert, da sie das Ausprobieren neuer Ideen („Trial-and-Error“) unterstützt und so eine wichtige Voraussetzung für Innovation schafft.
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- Julia Mehl (Autor), 2017, Coworking Spaces als Form der Arbeitsorganisation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384645