[...] Das Ziel unserer Arbeit soll sein, Einblicke sowohl zur Theorie, als auch zur Praxis beim Aufbau einer Lernwerkstatt zu gewähren. Dabei soll auch auf Schwierigkeiten bei der Durchführung eingegangen werden. Ein weiteres Ziel ist natürlich die Unterstützung der VS Roding beim Aufbau der Lernwerkstatt, sowohl in der theoretischen Konzeption, die Grundlage Förderungen darstellt, als auch in der praktischen Umsetzung, beim Basteln der Materialkästen. Nun zum Aufbau der Arbeit: Zunächst gehen wir auf die Schulentwicklung von 1850 bis heute im Zusammenhang mit Lernwerkstätten ein. Die Stationen dabei sind der traditionelle Schulunterricht, die Reformpädagogik, mit Konzeptionen von Maria Montessori, Célestin Freinet und Peter Petersen. Danach folgt die Zeit des Nationalsozialismus, der wissenschaftsorientierte Unterricht nach dem Sputnik Schock und der gegenwärtige Unterricht. Für die Entwicklung der Lernwerkstätten wird vor allem die Zeit der Reformpädagogik ausschlaggebend sein. Im Anschluss daran werden wir uns den ersten beiden bekannten Lernwerkstätten Deutschlands widmen, zum einen der Lernwerkstatt an der TU Berlin, zum anderen der Grundschulwerkstatt an der Ghk Kassel. Diese werden zunächst in ihrer Entwicklung und dann in ihrer Ausstattung beschrieben. Im dritten Punkt folgen die theoretischen Grundlagen. Zunächst werden wir dabei auf Gründe und Ziele für die innovative Idee „Lernwerkstatt“ eingehen. Erst im Anschluss daran werden wir einige Definitionsansätze zum Begriff „Lernwerkstatt“ besprechen. Üblicherweise findet man die Definitionen bereits am Anfang einer Arbeit, aus unseren Überlegungen heraus ist es jedoch sinnvoll die Definitionen erst nach den Entwicklungen zu behandeln, denn der Weg der Lernwerkstätten vollzog sich in der gleichen Weise. Erst nach dem Bestehen einiger Lernwerkstätten wurde versucht, diese zu definieren. Bei den Definitionen erfolgt zunächst eine Angabe von Begriffsalternativen und Bedeutungen der Alternativen, dann folgen Definitionsversuche von Müller- Naendrup, Ernst und Hagstedt, anschließend erweiterte Definitionsversuche von Reichen und Bauer. Die Definitionen unterscheiden sich insofern, dass der Begriff Lernwerkstatt sowohl zum einen für die Erwachsenenbildung in Anspruch genommen wird, zum anderen als Begriff für eine Einrichtung für Schüler gedacht ist. Deshalb sollen im Folgenden auch die verschiedenen Träger von Lernwerkstätten vorgestellt werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Gründe für die Themenwahl; Ziele und Aufbau der Arbeit
2. Lernwerkstätten - Entwicklung
2.1 Entwicklung von 1850 bis heute
2.1.1 Traditioneller Schulunterricht
2.1.2 Reformpädagogik
2.1.2.1 Maria Montessori
2.1.2.2 Célestin Freinet
2.1.2.3 Peter Petersen
2.1.3 Zeit des Nationalsozialismus
2.1.4 Wissenschaftsorientierter Unterricht
2.1.5 Gegenwärtiger Unterricht
2.2 Die ersten beiden bekannten Lernwerkstätten Deutschlands
2.2.1 Die Lernwerkstatt an der TU Berlin
2.2.2 Die Grundschulwerkstatt an der Ghk Kassel
3. Lernwerkstätten - theoretische Grundlagen
3.1 Innovative Idee „Lernwerkstatt“
3.1.1 Gründe für eine Lernwerkstatt
3.1.1.1 Gründe für eine Mathematik – Lernwerkstatt
3.1.2 Ziele einer Lernwerkstatt
3.1.2.1 Ziele einer Mathematik – Lernwerkstatt
3.2 Definitionsansätze
3.2.1 Der Begriff „Lernwerkstatt“ – Alternativen und Bedeutungen
3.2.2 Definitionsversuche
3.2.3 Erweiterte Definitionsversuche
3.3 Träger
3.3.1 Lernwerkstätten an Schulen
3.3.2 Lernwerkstätten an Hochschulen
3.4 Didaktische Prinzipien
3.4.1 Offener Unterricht
3.4.1.1 Strukturprinzipien offenen Unterrichts
3.4.1.2 Definition
3.4.1.3 Ziele des offenen Unterrichts
3.4.1.4 Gegenüberstellung: offener / geschlossener Unterricht
3.4.2 Entdeckendes Lernen
3.4.2.1 Definitionen
3.4.2.2 Voraussetzungen und Bedingungen für entdeckendes Lernen
3.4.2.3 Grenzen entdeckenden Lernens
3.4.3 Handlungsorientierter Unterricht
3.4.3.1 Definition
3.4.3.2 Merkmale und Ziele des handlungsorientierten Unterrichts
3.4.3.3 Voraussetzungen für handlungsorientierten Unterricht
3.5 Organisation des Unterrichts in einer Lernwerkstatt
3.5.1 Die Lehrerrolle
3.5.2 Gestaltung der Lernwerkstatt
3.5.2.1 Materialgestaltung allgemein
3.5.2.2 Material in der Mathematikwerkstatt
4. Lernwerkstätten - praktische Durchführung
4.1 Zwei Beispiele bestehender Lernwerkstätten
4.1.1 Napoleonsteinschule Regensburg
4.1.2 Mathematik-Lernwerkstatt an der VS Teisnach
4.2 Vorstellung der Lernmittel - CD
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Geometrie
4.2.3 Sachmathematik
4.2.4 Strategie
4.2.5 Zahlen und Rechnen
4.2.6 Grundlegende Hinweise
4.3 Beschreibung der hergestellten Lernkästen mit Informationen von Prof. Reitberger
4.3.1 Geometrie
4.3.1.1 Linien Nr. 1
4.3.1.2 Körper Nr. 2
4.3.1.3 Körper Nr. 21
4.3.1.4 Flächen Nr.1
4.3.2 Sachmathematik
4.3.2.1 Sachmathematik Nr. 31
4.3.2.2 Sachmathematik Nr. 35
4.3.3 Strategie
4.3.3.1 Strategie Nr. 21
4.3.3.2 Strategie Nr. 41
4.3.4 Zahlen und Rechnen
4.3.4.1 Punktebild Nr. 9
4.3.4.2 Punktebild Nr. 20
4.3.5 Selbst entworfene Kästen
4.3.5.1 Zahlenzuordnung
4.3.5.2 Addition und Subtraktion bis 10 mit Umkehraufgaben
4.4 Bewertung der Materialien
4.4.1 Vergleich der Materialien mit den theoretischen Forderungen
4.4.2 Praktischer Test der Materialien
4.4.2.1 Geometrie
4.4.2.2 Sachmathematik
4.4.2.3 Strategie
4.4.2.4 Zahlen und Rechnen
4.4.2.5 Selbst entworfene Kästen
4.4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.5 Werdegang der Lernwerkstatt in Roding
4.5.1 Die VS Roding
4.5.2 Der zeitliche Ablauf
4.5.3 Die Finanzierung
4.5.4 Resümee
5. Präsentation der Ergebnisse und Erfahrungen
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, fundierte theoretische und praktische Einblicke in den Aufbau und Betrieb einer mathematischen Lernwerkstatt zu gewähren, um Lehrkräften die Konzeption und praktische Umsetzung eines handlungsorientierten Mathematikunterrichts zu erleichtern und Möglichkeiten der Unterstützung durch Lehrmittel zu aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Lernwerkstätten von 1850 bis heute.
- Theoretische Begründung didaktischer Prinzipien wie entdeckendes Lernen, offener Unterricht und Handlungsorientierung.
- Analyse und praktische Erprobung didaktischer Materialien für die Mathematik-Lernwerkstatt.
- Dokumentation des realen Aufbaus einer Lernwerkstatt am Beispiel der VS Roding.
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Gründe für eine Mathematik-Lernwerkstatt
Das Fach Mathematik zeichnet sich durch Eindeutigkeit, Systematisierung, Geschlossenheit, Normierung, Ordnung, zwingende Logik, Objektivität und Regelhaftigkeit aus. Im herkömmlichen Unterricht werden nur diese Aspekte verwirklicht, das andere Standbein der Mathematik, der Prozess des Probierens und Forschens, der mit verschiedenen Tätigkeiten verbunden ist, wird jedoch vernachlässigt, obwohl genau diese Tätigkeiten im Entstehungszusammenhang der Mathematik von großer Bedeutung sind und die „hohe Affinität dieser mathematischen Aktivitäten zur Arbeit in einer Lernwerkstatt“ zeigt.
Auch im Bereich der Mathematik ist eine große Bandbreite an Vorwissen zu verzeichnen. Nach einer Untersuchung von Roland Schmidt können ca. 97% der Schulanfänger bis zehn zählen, 70% bis zwanzig und 50% der Kinder fast bis dreißig. Jedes sechste bis siebte Kind sogar bis Hundert. Auch eine Fähigkeit des Addierens ist bei fast 50% der Schulanfänger festgestellt worden. Der kleinschrittige Lehrgang ist aus diesen Erkenntnissen heraus also nicht sinnvoll. Um die Motivation der Kinder aufrechtzuerhalten bedarf es folglich eines offenen Lernangebotes im Sinne einer Lernwerkstatt. Auch Lernschwache Schüler werden dadurch gefördert und gefordert.
Im Folgenden sollen nun kurz die Theorien von Jean Piaget und Z.P. Dienes erläutert werden, da diese die Entwicklung der Mathematik-Didaktik maßgeblich beeinflussten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gründe für die Themenwahl; Ziele und Aufbau der Arbeit: Diese Arbeit beschreibt die theoretische und praktische Entstehung einer Lernwerkstatt sowie die persönlichen Ziele der Autorin hinsichtlich des Aufbaus und der Erprobung in einer Grundschule.
2. Lernwerkstätten - Entwicklung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Lernwerkstattgedankens im Kontext der Schulgeschichte, von den Anfängen der Reformpädagogik bis zu zeitgenössischen Modellen.
3. Lernwerkstätten - theoretische Grundlagen: Hier werden die pädagogischen Begründungen für Lernwerkstätten erörtert und zentrale didaktische Konzepte, wie entdeckendes Lernen und handlungsorientierter Unterricht, detailliert definiert.
4. Lernwerkstätten - praktische Durchführung: Dieses Kapitel stellt konkrete Praxisbeispiele vor und beschreibt die Analyse sowie den Praxistest von mathematischen Lernmaterialien beim Aufbau einer neuen Lernwerkstatt.
5. Präsentation der Ergebnisse und Erfahrungen: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse aus Theorie und Praxis zusammen und reflektiert das Entwicklungspotenzial des Lernwerkstattkonzepts für die zukünftige Schullandschaft.
Schlüsselwörter
Lernwerkstatt, Mathematikdidaktik, Offener Unterricht, Entdeckendes Lernen, Handlungsorientierter Unterricht, Grundschule, Reformpädagogik, Didaktische Materialien, Lernmittel, Mathematikunterricht, Selbstgesteuertes Lernen, Schulentwicklung, Förderunterricht, Praxisanleitung, Pädagogik vom Kinde aus.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Ziel der Arbeit?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Einblicke in die Theorie und Praxis des Aufbaus einer mathematischen Lernwerkstatt zu geben und Lehrkräften methodische Unterstützung bei der Umsetzung anzubieten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Zentral sind die historische Herleitung der Lernwerkstatt, die didaktische Fundierung, die praktische Materialgestaltung und die Dokumentation einer konkreten Realisierung an einer Grundschule.
Welche pädagogische Forschungsfrage steht im Zentrum?
Wie lassen sich reformpädagogische Ansätze wie entdeckendes und handlungsorientiertes Lernen spezifisch im Fach Mathematik durch Lernwerkstätten effektiv verwirklichen?
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine fundierte Literaturanalyse zu didaktischen Prinzipien, kombiniert mit einer empirischen Fallstudie durch die Analyse bestehender Werkstätten und dem Praxistest selbst gefertigter Lernmaterialien.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Prinzipien des offenen Unterrichts) und eine umfangreiche praktische Anleitung zur Materialwahl, -herstellung und -bewertung.
Was charakterisiert die in der Arbeit beschriebenen Lernmaterialien?
Die Materialien sind schülerzentriert, ermöglichen weitgehend selbstgesteuertes Arbeiten, bieten Möglichkeiten zur Selbstkontrolle und decken verschiedene Anforderungsbereiche der Mathematik ab.
Wie unterscheidet sich die Mathematik-Lernwerkstatt in Teisnach von der in Roding?
Während die Werkstatt in Teisnach bereits seit 1997 besteht und als erfahrene Referenz dient, dokumentiert die Autorin in Roding den gesamten, noch laufenden Prozess von der ersten Idee über die Finanzierung bis zur Einrichtung.
Warum betont die Autorin die Rolle des Lehrers als Beobachter?
In einer Lernwerkstatt soll der Lehrer von der rein instruierenden Wissensvermittlung zurücktreten und stattdessen als Begleiter, Berater und Ermöglicher fungieren, um die Eigenständigkeit der Kinder zu fördern.
Welche Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung werden explizit genannt?
Besonders der hohe zeitliche Aufwand für die Materialanfertigung, die Finanzierung und die Notwendigkeit einer differenzierten Unterrichtsplanung für heterogene Lerngruppen werden kritisch reflektiert.
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- Andrea Fischer (Author), Julia Wahleder (Author), 2003, Mathematische Lernwerkstatt - Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38472