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Spiegel, das Kätzchen

Title: Spiegel, das Kätzchen

Term Paper , 2003 , 23 Pages , Grade: 2

Autor:in: Andrea Fischer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Alle Erzählungen der „Leute von Seldwyla“ haben den gemeinsamen Schauplatz Seldwyla, womit keine bestimmte Stadt gemeint ist, wie Keller im zweiten Vorort klärt, wenn er sagt: „es rage in jeder Stadt und in jedem Tale der Schweiz ein Türmchen von Seldwyla… (S.277). Grundsätzlich geht es auch nicht um Schweizer, sondern um Menschen und deren Schicksale im Allgemeinen. Die gemeinsame äußere Lokation soll lediglich die gleichmäßige Stellung des Dichters zu seinen Themen und Gestalten verdeutlichen. Die Novellen untereinander stehen in einer sehr engen Beziehung. Vier Novellen jedes Bandes bilden je zwei Parallelerzählungen, während je eine von den fünf für sich steht. Im ersten Band stellen „Pankraz der Schmoller“ und „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“ das erste Paar dar. Beide Novellen sind Erziehungsgeschichten, beide Frauen müssen sich ohne männliche Unterstützung durchschlagen. Ohne Gegenbild ist im ersten Band die Geschichte „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Das zweite Paar bilden dann die beiden zum Teil verbrecherischen Liebesgeschichten „Die drei gerechten Kammmacher“ und „Spiegel, das Kätzchen“. „Spiegel, das Kätzchen“ unterscheidet sich von den anderen Novellen des ersten Bandes durch die Bezeichnung „Märchen“ und die zeitliche Einordnung. Das Märchen ist durch die Schlacht von Pavia auf das 16. Jahrhundert festgelegt, es spielt also in der Vergangenheit der Seldwyler. Dieses Märchen war ursprünglich als Abschlusstext im Rahmen des gesamten Seldwyla Zyklus gedacht. Es stellt in einer Weise die Summe von Kellers poetischer Erkenntnis in Sachen Dichtung und bürgerlicher Gesellschaft dar. Spiegel beschließt in der heutigen Fassung den ersten Band und ist somit als Bilanz des Ganzen durchaus zu betrachten. Keller selbst behauptet, dass er sich auf die letzten beiden Erzählungen, d.h. auf die „Drei gerechten Kammmacher“ und „Spiegel, das Kätzchen“ am meisten einbildete, weil sie formell am fertigsten und reifsten sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung des Märchens in den Novellenzyklus

2. Was ist ein Märchen?

3. Struktur des Märchens

4. Das Motiv

5. Inhalt

6. Charakterisierung der Hauptpersonen

7. Kritischer Spiegel des Märchen

8. Das Werk als Spiegel der Persönlichkeit

Zielsetzung und Themen

Die Hausarbeit untersucht Gottfried Kellers Novelle „Spiegel, das Kätzchen“ hinsichtlich ihrer märchenhaften und realistischen Strukturen sowie ihrer kritischen Auseinandersetzung mit bürgerlichen Werten. Dabei wird insbesondere analysiert, wie materielle Bedingungen das menschliche Handeln und moralische Urteilsvermögen prägen und inwiefern Kellers eigene Lebenssituation in den Text einfließt.

  • Analyse der Novellenstruktur (Rahmen- und Binnenerzählung)
  • Untersuchung der Motivik und literarischen Vorbilder (Katzen in der Literatur)
  • Charakterisierung der Hauptfiguren und ihre gesellschaftliche Funktion
  • Kritik an bürgerlichen Werten, Besitzgier und dem zeitgenössischen Frauen- und Ehebild
  • Aufzeigen von Parallelen zwischen den fiktiven Figuren und Kellers eigener Biografie

Auszug aus dem Buch

Pineiß:

„Herr Pineiß war ein Kann – Alles, welcher hundert Ämtchen versah, Leute kurierte, Wanzen vertilgte, Zähne auszog und Geld auf Zinsen lieh; er war der Vormünder aller Waisen und Witwen, schnitt in seinen Mußestunden Federn, das Dutzend für einen Pfennig, und machte schöne schwarze Dinte; er handelte mit Ingwer und Pfeffer, mit Wagenschmiere und Rosoli, mit Heftlein und Schuhnägeln, er renovierte die Turmuhr und machte jährlich den Kalender mit der Witterung, den Bauernregeln und dem Aderlassmännchen; er verrichtete zehntausend rechtliche Dinge am hellen Tag um mäßigen Lohn und einige unrechtliche nur in der Finsternis und aus Privatleidenschaft, oder hing auch den rechtlichen, ehe er sie aus seiner Hand entließ, schnell noch ein unrechtliches Schwänzchen an, so klein wie die Schwänzchen der jungen Frösche, gleichsam nur der Possierlichkeit wegen. Überdies machte er das Wetter in schwierigen Zeiten, überwachte mit seiner Kunst die Hexen, wenn sie reif waren, ließ er sie verbrennen; für sich trieb er die Hexerei nur als wissenschaftlichen Versuch und zum Hausgebrauch, so wie er auch die Stadtgesetze, die er redigierte und ins Reine schrieb, unter der Hand probierte und verdrehte, um ihre Dauerhaftigkeit zu ergründen“ (S,240/241).

Pineiß vereint also die Züge der Inquisition, des bürgerlichen Handelns und des bürgerlichen Rechts. Darüber hinaus ist er auch Stadtschreiber, er stellt also auch die weltliche und bürgerliche Gerichtsbarkeit, aber zugleich auch die kirchliche Gerichtsbarkeit dar. Pineiß handelt angetrieben durch ökonomische Notwendigkeit und zum Lustgewinn, von einer großen Vernunft zeugt sein Handeln nicht. Somit ist er auch der Gegenpol zu Spiegel, der sehr viel wohlüberlegter und vernünftiger handelt als Pineiß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einordnung des Märchens in den Novellenzyklus: Dieses Kapitel verortet das Werk im Seldwyla-Zyklus und verdeutlicht die enge inhaltliche Verbindung der Novellen sowie die zeitliche Einordnung in das 16. Jahrhundert.

2. Was ist ein Märchen?: Es wird diskutiert, warum Kellers Werk als Märchen bezeichnet wird, obwohl es viele realistische Merkmale aufweist und sich von klassischen Volksmärchen unterscheidet.

3. Struktur des Märchens: Hier wird die Aufteilung in Rahmenhandlung und Binnenerzählung analysiert und die erzähltechnische Funktion der Rückblende im Rahmen des Ganzen erläutert.

4. Das Motiv: Das Kapitel betrachtet die literarische Tradition der Katze als Hauptfigur und arbeitet die Unterschiede und Ähnlichkeiten zu Werken von E.T.A. Hoffmann und Ludwig Tieck heraus.

5. Inhalt: Eine geraffte Darstellung der Handlung, die den sozialen Abstieg Spiegels, den Handel mit dem Hexenmeister Pineiß und die schließliche List des Katers zusammenfasst.

6. Charakterisierung der Hauptpersonen: Eine detaillierte Analyse der Figuren Spiegel, Pineiß, der Begine, des Fräuleins und der Eule sowie deren jeweilige psychologische und gesellschaftliche Bedeutung.

7. Kritischer Spiegel des Märchen: Untersucht werden die thematisierten bürgerlichen Werte wie Geldgier, Besitzdenken und das Ehebild, sowie Kellers Auseinandersetzung mit Feuerbachschen Thesen zur materiellen Grundlage menschlicher Moral.

8. Das Werk als Spiegel der Persönlichkeit: Dieses Kapitel verknüpft die Novelle mit Gottfried Kellers eigener Biografie und zeigt auf, wie persönliche Erfahrungen mit Armut, Hunger und dem Stadtschreiberamt in den Text eingeflossen sind.

Schlüsselwörter

Gottfried Keller, Spiegel das Kätzchen, Leute von Seldwyla, Novellenzyklus, Kunstmärchen, Binnenerzählung, Seldwyla, bürgerliche Werte, Geldgier, Hexenmeister Pineiß, Literaturgeschichte, Sozialkritik, Realismus, Ehebild, Erzähltechnik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Gottfried Kellers „Spiegel, das Kätzchen“ als kritisches Märchen, das bürgerliche Verhaltensweisen und die Auswirkungen materieller Not auf den Menschen thematisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Kritik an bürgerlichem Egoismus und Geldgier, die Struktur von Rahmen- und Binnenerzählung sowie das Frauen- und Ehebild im 19. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Verbindung zwischen der märchenhaften Form und der realistischen Gesellschaftskritik Kellers offenzulegen und die Korrelation zwischen materiellem Wohlstand und moralischem Handeln zu ergründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl erzähltechnische Merkmale (Struktur) als auch ideengeschichtliche Aspekte (Einfluss von Feuerbach) untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Novellenstruktur, eine detaillierte Charakterisierung der Protagonisten und eine kritische Untersuchung der im Werk dargestellten gesellschaftlichen Missstände.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gottfried Keller, Spiegel das Kätzchen, Seldwyla-Zyklus, bürgerliche Werte, Besitzgier, Rahmenhandlung und soziale Deklassierung.

Inwiefern spielt der Titel „Spiegel, das Kätzchen“ auf die Handlung an?

Der Name verweist einerseits auf das glänzende Fell des Katers, andererseits dient er als metaphorischer Spiegel, in dem die Seldwyler Gesellschaft und ihre Laster ironisch reflektiert werden.

Welche Funktion hat die „Begine“ innerhalb der Erzählung?

Die Begine verkörpert die Ambivalenz von scheinbarer Frömmigkeit und verruchter Nachtseite und dient als Negativfolie zur Kritik am damaligen Ehe- und Frauenbild.

Wie unterscheidet sich Kellers Darstellung von der Tradition des Volksmärchens?

Obwohl der Stoff volkstümliche Wurzeln hat, zeichnet sich das Werk durch eine komplexe, künstlerische Ausarbeitung der Figuren und eine realistische, historisch verankerte Erzählweise aus, die typische Märchenmerkmale parodiert oder bricht.

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Details

Title
Spiegel, das Kätzchen
College
University of Regensburg
Grade
2
Author
Andrea Fischer (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V38485
ISBN (eBook)
9783638375283
Language
German
Tags
Spiegel Kätzchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Fischer (Author), 2003, Spiegel, das Kätzchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38485
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