Die Hausarbeit soll erklären, wie Adorno Kunst als Begriff versteht und dann detailliert die von ihm ausgearbeiteten Axiome der Mimesis, des Rätselcharakters und der apparition erläutern, die zentral für den prozesshaften Charakter der Kunst sind, den der Rezipient durchläuft. Das Zusammenwirken stellt nach Adorno sein mächtiges Potential dar, welches die Kunst für die Gesellschaft hat.
Ziel ist es, Adornos Begriff der apparition zu verstehen und die Frage zu beantworten, wie die apparition beim Betrachter aufleuchten kann. Um das Zusammenwirken und die Notwendigkeit der Erklärung von Mimesis, des Rätselcharakters und der apparition zu verstehen, wird im ersten Teil ein kurzer Überblick gegeben, der den Rahmen für den Begriff der Kunst nach Adorno herstellt und dem Leser zum Verständnis dient.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Kunst
2.1 Kunst im gesellschaftlichen Kontext
2.2 Befreiung durch Kunst
2.3 Die drei Hauptaxiome
2.3.1 Doppelcharakter
2.3.2 Formgesetz
2.3.3 Bewegungsgesetz
3. Im Prozess zur apparition
3.1 Kompakte Übersicht
3.2 Rätselcharakter
3.3 Mimesis
3.4 apparition
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Adornos ästhetische Theorie mit dem primären Ziel, den Begriff der "apparition" zu ergründen und die Frage zu beantworten, wie dieser Moment beim Betrachter aufleuchten kann. Dabei wird der prozesshafte Charakter der Kunst analysiert, der das Subjekt durch die kritische Auseinandersetzung mit dem Werk aus gesellschaftlichen Zwängen befreien soll.
- Theoretische Verortung von Kunst als gesellschaftliche Antithese
- Analyse der drei Hauptaxiome: Doppelcharakter, Formgesetz und Bewegungsgesetz
- Untersuchung des Zusammenspiels von Rätselcharakter und Mimesis
- Erläuterung der apparition als Moment der Wahrheitserfahrung
- Praktische Anwendung der Theorie am Beispiel von "Der Tod des Marat"
Auszug aus dem Buch
3.1 Kompakte Übersicht
Ich will zunächst vereinfacht und kompakt darstellen, wie diese drei Begriffe miteinander verwoben sind, um danach einzeln zu erklären, was sie genau sind. Ich halte das für notwendig, um der Komplexität folgen zu können.
Die Wahrheit ist im Kunstwerk als Rätsel durch die unterschiedliche Anordnung der Elemente verborgen. Die Elemente sind die physisch sichtbaren bzw. hörbaren Teile eines Kunstwerkes. Bei Jaques-Louis David wären das dann die Komposition der Figur im Kontext der französischen Revolution sowie deren entsprechende Farbgebung. Die Elemente sind zu einem Rätsel qua Formgesetz zusammengefügt. Der Betrachter kann damit zunächst nichts anfangen und seine Bedeutung wird ihm unmittelbar nicht zugänglich, da es als Nichtseinendes in der aktuellen Empirie noch nicht stattfindet. Um dieses Rätsel jedoch zu lösen, muss er sich damit beschäftigen und sich an dem Kunstwerk abarbeiten. Das Subjekt arbeitet jetzt geistig und versucht das Kunstwerk in der Vergeistigung nachzuahmen, sich an ihm abzuarbeiten, um die Schrift des Rätsels zu enträtseln; Adorno verwendet hierfür den Begriff der Mimesis. Das Kunstwerk hat demnach ein mimetisches Potential gegenüber dem Subjekt. Irgendwann kommt dem Subjekt als ein Menetekel die Erleuchtung über das Rätsel und der Schauer der Wahrheit überfällt den Betrachter unerwartet (S. 128); er ist erleuchtet. Diese Erleuchtung bezeichnet Adorno als apparition. Um diesen Prozess besser zu verstehen, will ich einzeln darauf eingehen und fange daher mit dem Rätselcharakter an. Ich möchte darauf hinweisen, dass folgend die Begriffe immer wieder miteinander verwoben dargestellt werden, da eine eindeutige Abgrenzung voneinander nicht möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Adornos Ästhetische Theorie und Formulierung der Forschungsfrage zur apparition.
2. Der Begriff der Kunst: Analyse der gesellschaftlichen Stellung von Kunst und deren Potential als Antithese zur Realität.
2.1 Kunst im gesellschaftlichen Kontext: Darstellung von Kunst als Objektivität im Kontext der subjektiven gesellschaftlichen Konstruktion.
2.2 Befreiung durch Kunst: Untersuchung, wie Kunst als Mittel zur Überwindung der gesellschaftlichen Gleichschaltung dienen kann.
2.3 Die drei Hauptaxiome: Überblick über die grundlegenden Merkmale, die ein Werk als Kunstwerk definieren.
2.3.1 Doppelcharakter: Erörterung der Spannung zwischen Autonomie des Kunstwerks und seiner Eigenschaft als soziales Produkt.
2.3.2 Formgesetz: Beschreibung der spezifischen "Schrift" oder Sprache, durch die sich das Kunstwerk artikuliert.
2.3.3 Bewegungsgesetz: Analyse des Potential der Kunst zur Selbstzerstörung und ständigen Erneuerung.
3. Im Prozess zur apparition: Hinführung zu den zentralen Begriffen Mimesis, Rätselcharakter und apparition.
3.1 Kompakte Übersicht: Zusammenfassende Darstellung der Verwobenheit von Mimesis, Rätsel und apparition.
3.2 Rätselcharakter: Untersuchung der Unverständlichkeit des Kunstwerks als notwendige Bedingung für die Wahrheit.
3.3 Mimesis: Erläuterung des mimetischen Verhaltens als geistiges Abarbeiten an den irrationalen Elementen des Kunstwerks.
3.4 apparition: Erklärung des "Aufleuchtens" der Wahrheit als schockartiges, geistiges Ereignis für den Betrachter.
4. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung über die subjektive Erfahrensweise von objektiver Kunst.
Schlüsselwörter
Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, apparition, Mimesis, Rätselcharakter, Formgesetz, Doppelcharakter, Bewegungsgesetz, gesellschaftliche Antithese, Gleichschaltung, Subjektivität, Wahrheit, Kunstwerk, Vergeistigung, Rezipient
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ästhetischen Theorie von Theodor W. Adorno und untersucht, wie Kunst als gesellschaftliche Kraft wirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Doppelcharakter der Kunst, die notwendige Mimesis des Betrachters und das Aufleuchten der apparition.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff der apparition bei Adorno zu verstehen und zu erklären, unter welchen Bedingungen dieser Moment beim Betrachter eintritt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philosophische Textanalyse der "Ästhetischen Theorie" durchgeführt, ergänzt durch die exemplarische Anwendung an einem Kunstwerk.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die zentralen Axiome Adornos (Doppelcharakter, Formgesetz, Bewegungsgesetz) und der prozesshafte Weg über Mimesis und Rätselcharakter bis hin zur apparition erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders gut durch Begriffe wie apparition, Mimesis, Rätselcharakter und gesellschaftliche Antithese beschreiben.
Wie unterscheidet sich die apparition von einer bloßen Betrachtung?
Die apparition ist kein passiver Vorgang, sondern ein plötzliches, geistiges Aufleuchten der Wahrheit, das den Betrachter nach einem mimetischen Abarbeitungsprozess überfällt.
Welche Rolle spielt das Gemälde "Der Tod des Marat" in der Arbeit?
Das Gemälde dient als praktisches Beispiel, um die abstrakten Begriffe wie Rätselcharakter und Mimesis an einem konkreten historischen Kunstwerk zu verdeutlichen.
Warum ist das "Formgesetz" laut Adorno schwer zu fassen?
Das Formgesetz ist die individuelle "Schrift" eines jeden Kunstwerks, die sich von bekannten Mustern abhebt und daher nicht durch bloße, habituelle Rationalität entschlüsselt werden kann.
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- Felix Wieduwilt (Author), 2014, Adorno und die apparition im Kunstwerk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384902